Mit ‘Antisemitismus’ getaggte Beiträge

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Unermüdlich kämpft das „Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung“, BIB e. V., dafür, Menschen in Deutschland über das brutale Regime Israels in den besetzten Gebieten sowie über den rassistischen Umgang mit den innerhalb des israelischen Staatsgebietes lebenden Palästinensern zu informieren. Vorsitzender des Bündnisses ist Professor Dr. Rolf Verleger (https://www.rolf-verleger.de/biographie/). Wer diesen Mann in seiner Menschlichkeit, Klugheit und Bescheidenheit erleben möchte, dem sei das Interview von Ken Jebsen mit ihm empfohlen:

https://kenfm.de/rolf-verleger/

Das Bündnis organisierte vom 25. bis 27. Mai in Heidelberg eine Konferenz zur israelischen Besatzungspolitik. Die Geschäftsführerin des BIB, die Schauspielerin, Sängerin und Aktivistin Nirit_Sommerfeld, ihre Tochter, die Sängerin, Chorleiterin und Aktivistin Lili_Sommerfeld und der Schriftführer des Bündnisses, der Pfarrer und Hochschullehrer Dr. Martin_Breidert haben sich sehr um diese hochinformative Veranstaltung verdient gemacht. Nirit und Lili Sommerfeld haben der Konferenz darüberhinaus einen großartigen musikalischen Rahmen gegeben. Dabei war Nirit Sommerfelds musikalischer Beitrag mit eindrucksvollen Einblicken in ihren Prozess der Bewusstwerdung zu den palästinensischen Leiden angereichert.

Eine bedeutende Zahl von Experten und Aktivisten lieferten informationsreiche Beiträge. Sehr deutlich wurde die systematische und brutale Apartheidspolitik den Palästinensern gegenüber.

Der Titel der Abschlussdiskussion lautete „Verlängert Deutschland die israelische Besatzung?“. Er überwölbte in gewisser Weise auch als eine rhetorische Frage die Veranstaltung, insofern jede Unterstützung gerade auch durch in der internationalen Politik bedeutenden Länder die Besatzung verlängert. Und natürlich ist damit auch Deutschland in die geschichtliche Verantwortung genommen. Daraus ergibt sich letztlich zwingend die Frage „was tun“, der im Späteren hier eine tiefere Betrachtung gewidmet sein wird.

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Wahrheit und Protest

Nun ist es in dieser Gesellschaft mit ihrem geschichtlichen Hintergrund der ungeheuren deutschen Verbrechen einerseits und der „Nibelungentreue“ den USA und Israel gegenüber andererseits sehr schwierig, die israelische Politik realistisch darzustellen, ohne nicht sofort von interessierter Seite des „Antisemitismus´“ geziehen zu werden. Gemeint ist natürlich konkret der Antijudaismus. Wie sollte man die Feindschaft der Mehrheit der Semiten, den Arabern, gegenüber bezeichnen? Wie sollte man junge Juden in Israel, die „Tod den Arabern“ skandieren, bezeichnen? Sind es dann nicht Antisemiten?! Aber logische Erwägungen spielen bei den wütenden Angriffen auf Wahrheitssuche keine wirkliche Rolle.

So tauchte denn auch am ersten Konferenztag ein Trupp von „treuen Israelbeschützern“ mit drei Israelfahnen und einem Megaphon auf, um gegen die „Ungeheuerlichkeit“ der Kritik an Israel zu protestieren. Im idyllischen Heidelberg blieb dieser an sich lächerliche Protest dann auch „idyllisch“ (ich habe schon andere Dinge erlebt) und wurde von drei oder vier Polizisten in Zaum gehalten. Ja, ich muss gestehen, wäre jeglicher Aufzug dieser Art völlig ausgeblieben, hätte ich mich gefragt, ob die Veranstalter vielleicht etwas falsch gemacht hätten. Der Spuk verflog aber dann auch bald. Diese wirren „Truppen“ scheuen dann ja oft nicht davor zurück, die aufrechten moralischen Menschen jüdischer Abstammung, die Israels Politik kritisieren, dreist als „selbsthassende jüdische Antisemiten“ zu diffamieren.

Dennoch verschärfte das Erscheinen des Trupps einen wehmütigen Eindruck. Das Durchschnittsalter von uns Teilnehmern bewegte sich wohl um das Renteneintrittsalter, die albernen „Protestanten“ aber zeichneten sich durch große Jugendlichkeit aus. Für jemanden wie mich, der 1968 in Hamburg das Soziologie-Studium begonnen hat, ergibt sich die Erkenntnis: damals rebellierte die studentische Jugend gegen die Macht und ihren Missbrauch – als deren intellektuelle Repräsentanten die Professoren oft mit nicht sehr feinen Methoden angegangen wurden – heute hat sich „die Macht“ eine ganze Reihe von jungen Menschen herangezogen, die mit ähnlich rabiaten Methoden meinen, gegen „Schlechtes“ zu protestieren, aber in Wahrheit die Macht schützen.

Die Medien – stark vom Kommerz gesteuert – sind sehr erfolgreich beim Bemühen, brave Konsumenten und stumme_Schafe zu erzeugen, darin gewesen, jungen Menschen die Rationalität „herauszuoperieren“. Große Teile der akademischen Jugend sind auf zwei Dinge programmiert: Spaß zu haben und der Frage nachzugehen, „wo geht es karrieremäßig weiter?“, sprich, wie werde ich erfolgreich? Wenn man dabei noch den „Spaß“ haben kann, pseudomoralische Randale machen zu können, und dabei der Macht und dem Mainstream nicht in die Quere zu kommen, denn „prima“! Und wenn da mal nicht einige auch bezahlt im „Hasbara_Programm_fur_Studenten“ sind.

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Traum von „Groß-Israel“ der Irgun

Traurige Wahrheiten

Zu den tiefen Einblicken in die brutale und erniedrigende Situation der Palästinenser in den besetzten Gebieten (wie auch in Israel selbst) und den ebenso bewegenden Einblicken in den Lebenswillen und den Mut sowie die Aktivitäten der Unterdrückten (die einzelnen Konferenz-Beiträge werden wohl später auf „Rubikon“ eingestellt werden) ragten dann aber zwei so gute wie deprimierende Beiträge heraus.

Norman_Paech legte dar, wie umfassend gerade in der Nahostfrage das Völkerrecht und das internationale Recht sowie die Menschenrechte ausgehebelt, mit Füßen getreten und für irrelevant erklärt werden. Der Nahost-Experte Michael_Lueders hat dann insbesondere zur geopolitischen Einordnung des Geschehens beigetragen. Er hat ein sehr realistisches, aber auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick sehr deprimierendes Bild der derzeitigen Chancen für die Palästinenser gezeichnet und auf den alten „Sponti-Spruch“ (den Rolf Verleger am Ende der Veranstaltung noch einmal aufgriff) gebracht: „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“!

Gerade diese Beiträge haben mich nun angeregt, auf Grundlage einer nochmals erweiterten geopolitischen Einordnung den zukünftigen Möglichkeiten einer Entwicklung, die den Palästinensern mehr Handlungsspielraum geben könnte, nachzuspüren. Hier aber vorher noch einmal mein Dank an die Veranstalter für diese mutige und inspirierende Konferenz!

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Unmögliche Möglichkeiten“, Wunder oder geopolitische Wendungen?

Angesichts der tatsächlich so hoffnungslos erscheinenden Lage der Palästinenser, deren Eigenstaatlichkeit oder Gleichberechtigung in einem gemeinsamen Staat Israel/Palästina weder von der politischen Klasse/Machtelite Israels noch offenbar von der US-Politik gewollt ist, fiel auch das Wort von dem noch Mitte 1989 nicht abzusehenden Fall der Berliner Mauer sowie vom lange nicht abzusehenden Ende der Apartheid in Südafrika. Dabei schwang so ein wenig die Vorstellung der plötzlichen historischen „Wunder“ mit.

Es erscheint mir wichtig, die beiden Hintergründe dieser für den geopolitisch weniger Informierten als „Wunder“ erscheinenden Vorgänge kurz darzulegen, um die Abhängigkeiten hocherfreulicher Fortschritte für Menschen in ihrer Abhängigkeit von (insgesamt manchmal auch vielleicht weniger erfreulichen) geopolitischen Entwicklungen aufzuzeigen. Diese beiden vermeintlichen Wunder sind nur vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Ostblocks und des (vorläufigen) Endes des „Kalten Krieges“ zu verstehen.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion wird in mancher Hinsicht allerdings – insbesondere für die südliche Hemisphäre der Welt – nicht nur von Putin als „geopolitische Katastrophe“ gewertet. Dies insofern, als das Ende einer – wie auch immer mangelhaften – „Systemalternative“ den imperialen Bestrebungen der USA (und ihrer Verbündeten/Vasallen) und der weiteren Entfesselung neoliberalen Globalisierung enormen Auftrieb gegeben hat, was fraglos übrigens auch zu weiterer Erstarkung israelischer Okkupationspolitik unter entfesselter US-Schirmherrschaft geführt hat.

Wenn insgesamt die Wiedervereinigung Deutschlands für viele Menschen positive Auswirkungen gehabt hat, kann man den folgenden Abbau sozialstaatlicher Gegebenheiten in beiden Teilen Deutschlands kaum übersehen.

Nachdem der Westen (teils raffiniert verdeckt) das Apartheidregime gerade aus (neben wirtschaftlichen) geostrategischen Gründen nach Kräften gefördert hatte, nahm die geostrategische Bedeutung des Apartheidregimes mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion massiv ab. Leider machte aber auch nach dem Machtübergang der Siegeszug des Neoliberalismus´ vor Südafrika nicht halt. Der Kampf der schwarzen Südafrikaner wurde unter anderem durch die von Naomi Klein brillant beschriebene „Schock-Strategie“ um die Früchte betrogen.

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Was führte wirklich zum Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion?

Der Zusammenbruch der Sowjetunion war wesentlich dadurch zustande gekommen, dass die USA die Sowjetunion „totgerüstet“ haben. Nun ist das nicht so sehr als „Effizienz-Konkurrenz“ zu begreifen, denn die westlichen imperialen Industriestaaten haben ihre Wirtschaft durch eine (bis heute fortgesetzte und gesteigerte) Plünderungspolitik der südlichen Hemisphäre gegenüber gestärkt.

Wenn man genau in die globale geopolitische Situation schaut, sind Entwicklungen möglich, die die Sache Palästinas (wie auch allgemein die Sache des fortschrittlichen arabischen Nationalismus´) unter Umständen stärken könnten. Diese Möglichkeiten einer Entwicklung werden im Folgenden auch mit der Frage verknüpft, wie man in dieser Gesellschaft – sozusagen „nebenbei“ – durch ein verändertes Verständnis der Rolle der USA und Israels in Bezug auf Europa das Verständnis für die palästinensische Sache fördern könnte.

Revolution“ zwischen Moral und Eigennutz

Eine andere Haltung in Europa und speziell in Deutschland gegenüber den USA, Israel und Palästina käme einer partiellen Revolution gleich. Daher ist es sinnvoll, revolutionäre Umbrüche in ihrer Vielschichtigkeit zu begreifen.

Wenn es um die Unterstützung und die Solidarität mit den Palästinensern und die allzu berechtigte wie nötige Kritik an Israel geht, stützt sich die Bewegung hierfür – damit ist nicht nur das BIB gemeint, sondern auch andere Organisationen – auf Moral. Wenn Brecht sagte: „erst kommt das Fressen und dann die Moral“, dann sprach er damit ein Grundproblem von machtvollen Umbrüchen an. Leider sind die meisten Menschen nur sehr begrenzt über Moral, besonders, wenn sie vermeintlich etwas kostet, ansprechbar, und, noch wichtiger, zur Handlung zu bewegen.

Ja, das Phänomen der Revolution als Beendigung eines ungerechten Zustandes Unterdrückter belegt ungeachtet der Rolle, die kleinbürgerliche Intellektuelle (in einem besonderen sensibilisierten Stadium) bei Organisation und Konzepten spielen mögen, die Wichtigkeit des Eigennutzes der Unterdrückten (oder im angesprochenen Fall der möglichen hiesigen Unterstützer Unterdrückter) als Kraftquelle.

Auch in diesem Falle scheint ein ursprünglich moralisches Anliegen eine breitere Unterstützung nur finden zu können, wenn man darstellen kann, dass die Erreichung des Zieles der großen Zahl der Unterstützer entweder bedeutende Vorteile bringen kann, oder aber gefährliche Nachteile abwenden könnte. Ohne dass reale – sprich objektive – Interessen in den Fokus rücken, bleibt leider auch der moralische Aspekt ohne großen Widerhall.

Europa, speziell Deutschland, und die Allianz USA-Israel

Die enorm enge Bindung zwischen den USA und Israel ist in einem komplexen Prozess entstanden, zu dem es in der Öffentlichkeit kaum bekannte Hintergründe gibt 1). Darüberhinaus ergibt sich eine geopolitische Überschneidung von US-amerikanischen und israelischen Interessen im Nahen und Mittleren Osten. Die USA wollten die Region einerseits wegen der Rohstoffe kontrollieren, benutzen diese Weltgegend aber zunehmend als chaotisierte und destabilisierte Sperrzone gegen die chinesisch-russischen Bemühungen um eine „Eurasische Kooperation“, die der Albtraum der US-Machtelite ist 2). Verstärkt wird dieser Albtraum der US-Macht durch die Bestrebungen einer Reihe von Ländern, die Koppelung des Öls an den US-Dollar aufzubrechen.

Bisher waren die europäischen Verbündeten (Vasallen?!) der USA bei hin und wider lauer Kritik recht durchgängig Unterstützer aller Aktionen im Nahen und Mittleren Osten. Mit Trump (der aus der Sicht der vorherrschenden US Neocon-Machtelite wohl ursprünglich ein „Betriebsunfall“ war) hat sich das Auftreten der US-Politik zur unmaskierten und offenen „Rüpel-Politik“ entwickelt 3), ja, man könnte wohl mit einigem Recht von einem Aufgreifen der von Kissinger und Nixon entwickelten „Madman-Theory“ sprechen.

Dies mag nun zu einem „Versuchsballon“ geworden sein, gibt aber auch ungewollt die Chance zum größeren Verständnis in Europa, worauf die US-Politik letztlich abzielt, nämlich, Europa zum Aufmarschgebiet gegen Russland zu machen, sowie darauf, wie oben erwähnt, den Nahen und Mittleren zum chaotischen Sperrriegel gegen die angestrebte eurasische Kooperation zu machen. Vermehrt wird der langsam wachsende Widerstand in Europa auch gerade durch die diktatorischen US-Versuche, ihr Sanktions-Regime gegen Russland und den Iran nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern noch auszudehnen. Der sich entwickelnde Handelskrieg um die „Strafzölle“ verstärkt nun doch offenbar weiter die Skepsis gegenüber der US-Politik. Propaganda – wie z. B. zur „Skripal-Affaere“ kann nicht verhindern, dass eine Mehrheit in Deutschland eine Annaeherung_an_Russland wünscht.

Im Nahen Osten treffen sich die geopolitischen Strategien der USA und Israels, denn Israel strebt offenbar an, einen ausgedehnten Flächenbrand in der Region zu erzeugen, der dann als Rechtfertigung dienen soll, die „Nakba“ zu „vollenden“, die Palästinenser in Gänze zu vertreiben und die Region neu zu „ordnen“, sich territorial weiter auszudehnen und zu „arrondieren“. Dies alles würde dann insbesondere der westlichen Öffentlichkeit als „für das Überleben Israels als absolut notwendig“ verkauft werden. Ob das dann so weit ginge, wie die „Irgun_Zwai_Leumi“ es sich damals für „Erez_Israel“ erträumt hat, kann man bezweifeln, aber territoriale Expansion wird sicher auf der verdeckten Agenda stehen. Dass diese Strategie auch die Juden in Israel langfristig (bei aller derzeitigen und wohl lange anhaltenden militärischen Überlegenheit Israels) in historischer Dimension großen Gefahren aussetzt, sei hier nur am Rande genannt.

Was ist die Konsequenz?

Es ist zu befürchten, dass die Aufklärungsarbeit ohne Bezug auf die Interessen einer großen Zahl von Menschen hier keine Wirkung zeigen wird. Das bedeutet dies: man muss viel mehr Menschen klar machen, dass die Politik der USA und Israels mit der Perspektive der noch großflächigeren Chaotisierung des Nahen und Mittleren Ostens und die Strategie Israels, einen wirklichen Flächenbrand anzuzetteln, die europäischen Gesellschaften unter noch gewaltigeren realen ökonomischen und sozialen Druck durch Flüchtlingsströme setzen würde.

Dass hier auch für uns, die wir auf Humanität ausgerichtet sind, das Abstellen auch auf per se nicht nur sympathische Emotionen nicht so erfreulich ist, versteht sich. Wenn wir aber nicht vermitteln, dass diese Politik z. B. Deutschland mit Flüchtlingsströmen konfrontieren würde, wie man sie selbst Ende 2016 nicht in den schlimmsten Albträumen erwartet hat, wird eine gesellschaftlich wirksame Distanz zur Politik der beiden genannten Mächte (und damit eine größere Sensibilität auch für die Situation der Palästinenser, die Israel am liebsten auch noch vertreiben würde) für die Fragen der Region nicht entstehen.

Die politische Arbeit hier für die Palästinenser dort wird also am wirksamsten werden, wenn wir das geopolitische Moment einbeziehen und die diesbezüglichen Aktivitäten zur Lage der Palästinenser in die Arbeit an der sozialen Frage und der Friedensfrage einbetten.

Andreas Schlüter

Anmerkungen:

  1. Eine kaum bekannte mögliche Grundlage für den enormen Einfluss der israelischen Politik auf die USA:

USA und Israel: schmutzige Geheimnisse und Erpressungsmacht“:

https://wipokuli.wordpress.com/2014/08/21/usa-und-israel-schmutzige-geheimnisse-und-erpressungsmacht/

  1. Zum Albtraum der US-Machtelite:

Europa, sei auf der Hut: Die Schock-Strategie 2.0 ist wohl im Gange!“:

https://wipokuli.wordpress.com/2016/07/29/europa-sei-auf-der-hut-die-schock-strategie-2-0-ist-wohl-im-gange/

3) Zur „neuen Politik“ der USA:

Die US-Machtelite und Plan-B”: https://wipokuli.wordpress.com/2018/05/24/the-us-power-elite-and-plan-b-die-us-machtelite-und-plan-b/

Weitere Links zum Thema:

Zur deutschen „Blindheit“ gegenüber Israels Taten:

Wir sind Weltmeister – auch im Wegschauen“: https://wipokuli.wordpress.com/2014/07/15/wir-sind-weltmeister-im-wegschauen/

Wie Israel zur Zweistaaten-Lösung steht:

https://wipokuli.wordpress.com/2012/02/12/israel-und-die-zwei-staaten-losung/

Israel und die Bombe: offene und geheime Geheimnisse“:

https://wipokuli.wordpress.com/2012/07/13/israel-und-die-bombe-offene-und-geheime-geheimnisse/

The Principle of Occupation“:

https://wipokuli.wordpress.com/2012/01/13/near-east-reality-of-occupation/

Zur Einordnung des Nahostproblems in den allgemeinen anti-kolonialen und anti-rassistischen Kampf:

Nahost, Prüfstein für Antiimperialisten“, https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/15/nahost-prufstein-fur-anti-imperialisten/

darin verlinkt ein 60-seitiger Aufsatz:

Der Nahost-Konflikt und Afrika“:

https://wipokuli.files.wordpress.com/2011/05/nahostkonflikt-und-afrika.pdf

Israel war an der propagandistischen Verdrehung der Ruanda-Katasrophe und dem 22jährigen Kongo-Massaker nicht unbeteiligt:

Ruanda: eine halbe Wahrheit ist ganze Lüge”: https://wipokuli.wordpress.com/2014/04/08/ruanda-eine-halbe-wahrheit-ist-eine-ganze-luge-zwanzig-jahre-tolldreiste-desinformation/

Meine Beiträge zu den USA: https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/17/link-liste-meiner-artikel-zu-den-usa/

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Stellungnahme gegen die Vorwürfe und Diffamierungen, die gegen mich im Zusammenhang mit meinem Vortrag am OSI am 13. Mai 2015 zum Thema:

„Der Einfluss der US-amerikanischen Machtelite auf die internationale Politik – Verschwörungstheorien und empirische Befunde“

erhoben wurden

antisemit

Frau Dr. Salua Nour hatte mich gebeten, im Anschluss an die Sitzung ihrer Vorlesung zur westlichen Rohstoff-Politik in Afrika am Mittwoch, dem 13. Mai, um 18:00 Uhr meinen Vortrag über die US-Machtelite zu halten. Bereits im Vorfeld gab es von der „OSI-Fachschaftsinitiative“ (OSI/FSI) Proteste gegen meine Person und den Vortrag sowie den Versuch, diesen über die Universitätsinstanzen verbieten zu lassen. Es wurden gegen mich ungeheure Vorwürfe des Antisemitismus‘ und der Vertretung „wilder Verschwörungstheorien“ erhoben. Dabei bezog man sich umfangreich auf meinen Blog „WiPoKuLi“ (was für „Wissenschaft, Politik, Kunst und Literatur“ steht, https://wipokuli.wordpress.com/). Da der Vortrag, mangels rechtlicher Begründung nicht verboten wurde, griff die Gruppe am Ort auf „altgediente“ Störmanöver zurück. Da es eine erhebliche Anzahl von Studenten und Gästen gab, die auf dem Vortrag bestanden, konnte dieser wenigstens unter großen Störungen als „Vortrags-Torso“ präsentiert werden. Unter teils unflätigen und unwürdigen Störungen konnte wenigstens ein Teil des Inhalts vorgestellt werden. Viele der Gäste waren zu Recht schockiert.

Den Vorgang kann man als handfeste Illustration zu dem Buch „Antisemit, ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ von Moshe Zuckermann (den ich persönlich zu kennen die Ehre habe und der zwar nicht erfreut, aber am Vorfall interessiert sein wird) auffassen. Man sollte ihn zu solchen Vorgehensweisen auch ausführlich hören: https://www.youtube.com/watch?v=rEbBvAOoAAY.

Zur politischen Bewertung der Initiatoren dieser Vorgänge vom OSI/FSI noch einige Stimmen:

http://www.freidenker.org/cms/dfv/index.php?option=com_content&view=article&id=457%3Aantideutschesdenkeneinepseudo-linkeideologie&catid=54%3Aantifaschismus-antirassismus-antiimperialismus-solidaritaet-frieden&Itemid=72

und: http://www.hintergrund.de/20100317759/politik/inland/die-linke-von-innen-umzingelt.html

Nicht für die Initiatoren dieser Vorgänge (die ihre Agenda haben), aber für die Menschen, die offenen Geistes sind, aber natürlich von solchen (inhaltlich ungerechtfertigten) Vorwürfen psychologisch beeinflusst werden können, hier Klarstellungen:

Meine Position, Belege und Missinterpretationen

Als in diesem Lande Geborener, an den (neben Widrigem) vorhandenen materiellen und strukturellen Segnungen Teihabender bin ich fraglos auch Erbe geschichtlicher Schuld (völlig eingedenk, welchen Anteil erhebliche Teile der deutschen Bevölkerung am Zustandekommen und Erhalt des verbrecherischen Naziunwesens hatten). Damit bin ich auch Erbe der ungeheuerlichen geschichtlichen deutschen Schuld an der Shoa, ungeachtet weiterer Förderer des Nazi-Unwesens. Es ergibt sich daraus für mich auch das Denken und Leben für ein: „Nie wieder“ soll furchtbares und massenhaftes Unrecht Menschengruppen, wo immer auf der Welt geschehen, insbesondere nicht durch mein Land und das Bündnis, in dem es sich befindet! Mit dieser Haltung fühle ich mich in Bezug auf das von Deutschland so pauschal und unkritisch unterstützte Israel in vollem Einklang mit Nahum Goldmann (ehem. Präsident des Jüdischen Weltkongresses):

Wir müssen begreifen, dass das Leid der Juden, das sie durch den Holocaust erlitten, nicht mehr als Schutzschild dienen kann, und wir müssen ganz sicher davon Abstand nehmen, den Holocaust zur Rechtfertigung unseres Tuns heranzuziehen. Wenn Menachem Begin die Bombardierung des Libanon unter Verweis auf den Holocaust rechtfertigt, begeht er eine Art >Hillul Haschem< [ein Sakrileg], eine Banalisierung der heiligen Tragödie der Shoah, die nicht als Begründung für eine politisch zweifelhafte und moralisch verwerfliche Politik missbraucht werden darf.“ (Chomsky, “Offene Wunde Nahost“, S. 38)

Es liegt für mich auf der Hand, dass die Palästinenser den höchsten Preis für die unsäglichen Verbrechen Deutschlands zahlen. Alles, was von deutscher Seite an Duldung und Unterstützung der Verlängerung ihres Leides geschieht, hat für mich den abstoßenden Charakter einer Art „geschichtlichen Ablasshandels“. Die Anklagen israelischer Paläsinenser-Politik sind keine Relativierung, sondern vermehren für mich die Schuld des eigenen Landes. Überdies hat nach meiner Auffassung, wer Israel geschichtliche Dauer wünscht, die Verpflichtung, zu mahnen und daran zu erinnern, was für Deutschland die Folgen des eigenen Größenwahns und Omnipotenzglaubens waren.

Die erhobenen Vorwürfe des Antisemitismus´ und des Ignorierens geschichtlichen Leids jüdischer Menschen in Europa gehen weit an meiner Position vorbei:

Eines der frühen Opfer eines systematischen europäischen Kolonialismus´, nämlich des Römischen Kolonialismus´, war das jüdische Volk“, aus „Der Nahostkonflikt und Afrika“, S. 4

https://wipokuli.files.wordpress.com/2011/05/nahostkonflikt-und-afrika.pdf

In der Folge entwickelt sich eine Paradoxie der Geschichte, Europa, der Kontinent, der sich nach und nach gänzlich auf einen jüdischen Propheten, Jesus Christus, berief, steigerte sich zu immer mehr Verachtung und Hass auf die frühen Opfer seines Kolonialismus und verurteilte die Opfer zu entrechtetem Nischendasein.“, a.a.o., S. 5

Dass sie durch die Geschichte hin in Kultur und Wissenschaft Europas sehr viel beitrugen, auch im Wissenstransfer aus der islamischen Welt nach Europa, nützte ihnen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Anerkennung recht wenig.“, ebd.

Umso eindrucksvoller ist es, wie gerade der säkulare fortschrittliche jüdische Geist an die Spitze von Aufklärung und Befreiungsdenken in Europa trat. Sensible europäische Intellektuelle haben dies deutlich gespürt und ein Lessing hat diesem Geist in “Nathan der Weise“ ein Denkmal gesetzt. So fand eine Verschmelzung des jüdischen Freiheitswillens mit der allgemeinen Bewegung für Emanzipation und Menschenrechte, für politische Freiheit und soziale Befreiung statt und auch der Blick auf Europas Umgang mit der übrigen Welt wurde klarer.“, a.a.o., S. 6

Je mehr Herzl des so tief sitzenden Antisemitismus gewahr wurde, desto mehr neigte er indessen dem Judenstaatsprojekt zu.“, a.a.o., S. 8

Die entscheidende Entwicklung war aber die Kulmination des europäischen Anti-Judaismus, der in seiner rassistischen Ausprägung im Grunde genommen eher ein virtueller Rassismus ist, der sich auf lächerlichste mikroskopische Unterschiede beruft, und intellektuell sozusagen die selbstentlarvende Ad-absurdum-Führung jeden Rassismus´ ist, seine Kulmination in Deutschland nämlich zum über alle religiösen und sozialen Antagonismen hinausgehenden Hass und Vernichtungswillen des Nationalsozialismus. Dieser machte in absurdester Form die Juden für alle Übel dieser Welt verantwortlich, warf ihnen gleichzeitig Kapitalismus und Kommunismus, Weltverschwörung und Untermenschentum vor, und unterwarf sechs Millionen europäischer Juden “industrieller“ Massenvernichtung.“, ebd.

Die verständlichen Emotionen der Überlebenden verbanden sich mit dem zionistischen Konzept und das nahöstliche Drama nahm seinen Verlauf. Dabei erwies sich leider, dass die Opfer des deutschen und europäischen antijüdischen Rassismus selbst nicht frei vom groben europäischen Rassismus “Nichtweißen“ gegenüber waren.“, a.a.o., S. 9

So scharf meine Kritik an israelischer Politik oft auch sein mag, so wichtig ist es mir, immer wieder darauf hinzuweisen und zu belegen, dass israelische Politik keineswegs „für DIE Juden“ steht, so im zweiten Teil dieses Artikels, der den letzten Gaza-Krieg und das deutsche „Wegschauen“ zum Inhalt hat:

Aber bei alledem gibt es Jüdinnen und Juden, deren Äußerungen systematisch aus dem öffentlichen Diskurs zu Israel ausgeblendet werden, obwohl gerade sie das repräsentieren, was man als den „kritischen jüdischen Geist“ bezeichnen kann, der in der Tat so viel zur Entfaltung des (leider so wenig geschichtswirksamen) Humanismus´ in Europa beigetragen hat! Es kommt einem so vor, als solle nun auch noch das moralische Judentum in Europa vernichtet werden!“. Es folgt eine Vorstellung von Einstein, Erich Fried, Moshe Zuckermann, Felicia Langer, Noam Chomsky, Ilan Pappé, Uri Avnery, Norman Birnbaum, Norman Finkelstein, Evely Hecht-Galinski und Rolf Verleger sowie der „Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“ mit diversen Links:

https://wipokuli.wordpress.com/2014/07/15/wir-sind-weltmeister-im-wegschauen/

Fraglos sind viele meiner Artikel, die sich mit Politik beschäftigen, „mit Herzblut“ geschrieben, also eine erhebliche Anzahl nicht in klassischem wissenschaftlichem Stil, aber in aller Regel mit umfangreichen Verweisen versehen. Sie haben das gesellschaftliche Ziel aufzurütteln, und daher durchaus oft eine emotionale Sprache. Die politischen Analysen folgen aber gleichzeitig dem Erkenntnisinteresse.

Es ist festzustellen, Wirtschaft und Politik nehmen sich oft die Freiheit der „Einschätzung“, also der Aussagen auf unvollständiger Informationsgrundlage. Es ist nach meiner Auffassung ungerechtfertigt, der Zivilgesellschaft und „Gegenöffentlichkeit“ aufzuerlegen, sich entweder mit den „offiziellen Narrativen“ zu begnügen, oder auf die Findung „gerichtsfester Beweise“ zu warten, was für „informelle“ Handlungen von Regierungen und Geheimdiensten nicht selten das Warten auf den „St. Nimmerleinstag“ bedeuten würde. „So geht auch Hypothesen- und Theoriebildung nicht“! Wichtige Leitlinie sind immer „Ockhams Rasiermesser“ bei Würdigung der Komplexität von Vorgängen, Plausibilität und die Frage „Qui Bono?“, sowie ein Hineindenken in die Grundsätze und Zielsetzungen von Akteuren. Wenn man aber die Betrachtungen nicht aus der Perspektive von Mainstream und „Macht“ betrachtet, werden Analysen aus der Gegenöffentlichkeit immer als „strange“ gewertet werden. Illustriert wird das durch die unzählige Male in Abwandlungen gestellte Frage: „Wer stoppt Putin?“, nie habe ich im Mainstream gelesen: „Wer stoppt die USA?“.

Ein Teil der Anwürfe negiert auch auf dreiste Weise weithin akzeptierte wissenschaftliche Erkenntnisse, so der erhobene Vorwurf, ich würde durch „die wilde Behauptung“, Teile der US-Wirtschaft hätten den Nazis mit zur Macht verholfen, und teils durch den Krieg hindurch mit den Nazis zusammengearbeitet, die deutsche Schuld verharmlosen, was ich in keiner Weise tue:

All this doesn´t belittle the German historical guilt and it doesn´t belittle the sacrifices of thousands of GIs who left their lives like millions of Soviet soldiers in the battle against the Nazis, but the believe that the US are the “Motherland of Anti-Fascism” is nothing but a myth, which is also shown by the fascist coup attempt in the US itself: http://en.wikipedia.org/wiki/Business_Plot aus: https://wipokuli.wordpress.com/2013/06/06/d-day-shouldnt-be-forgotten/

Zur Zusammenarbeit von Teilen der US-Wirtschaft mit den Nazis siehe u. a.:

http://azvsas.blogspot.de/2009/05/how-us-capitalism-supported-hitler.html

Besonders wütende Vorwürfe richten sich auch auf meine Darlegungen zu Nine Eleven. Nun spielt Nine Eleven eine zentrale Rolle im gegenwärtigen „westlichen Narrativ“ und im von den USA geleiteten „War on Terror“, der unzähligen Menschen das Leben gekostet hat. Die Ereignisse sind auch Grundlage der Überwachungs- und Sicherheitspolitik. Da ist Frage nach dem Wahrheitsgehalt der offiziellen Darstellung unabdingbar. Hier nun teile ich die Position von vielen Menschen in den USA, der der dortigen Vereinigung von gestandenen Architekten und Ingenieuren (http://www.ae911truth.org/about.html) und z. B. des Schweizer Historikers Daniele Ganser (https://www.youtube.com/watch?v=sDPtiR4EQ2A).

Nach rund acht Jahren intensiven Studiums der Geschehnisse kann ich zu keinem anderen Schluss kommen, als dass es sich um einen „Inside Job“ eines Teiles der US-Machtelite gehandelt haben muss. Nun findet man im Internet dazu viele Darstellungen, derer eine ganze Zahl sich in absurde Spekulationen begeben. Es gibt auch sehr viele Äußerungen, die Israel für die Anschläge verantwortlich machen, was fraglos „Wasser auf die Mühlen“ von „Dumpfdenkern“ ist. Auf der anderen Seite allerdings besteht die Notwendigkeit der politologischen Erklärung des Sonderverhältnisses zwischen Israel und den USA, das sich nicht selten als der „mit dem Hund wedelnde Schwanz“ zu gerieren scheint. Nicht selten wird dies pauschal mit gefährlich dumpfen Deutungen, wie „die Juden regieren die USA“ versehen, was tatsächlich Ausfluss weiter bestehenden Antisemitismus sein dürfte. Die These, die ich in dem Artikel vertrete und mit Indizien untermauere, sagt, durch ausgedehnte Geheimdienstkenntnisse zu diesem „Inside Job“ hat die israelische Machtelite ein gut Stück Erpressungsmacht zur Nahost-Politik der USA gewonnen:

https://wipokuli.wordpress.com/2014/08/21/usa-und-israel-schmutzige-geheimnisse-und-erpressungsmacht/

Dort ist ausdrücklich gesagt, dass es sich um ein „Spiel“ zwischen den Machteliten handelt:

„Manch Simpel zieht sich gerne auf zweifelhafte Klischees zur US Politik zurück, aber es sollte eines klar sein: es ist ein Spiel zwischen der US-Machtelite und der Machtelite Israels. Es ist inzwischen „amtlich“: kein Land spioniert in den USA soviel wie Israel. Und die US-Machtelite hat sehr viele schmutzige Geheimnisse (http://tinyurl.com/bqqdwmv), und eine Fraktion der Machtelite (die über einige strategische Fragen tief gespalten ist) hat besonders schmutzige Geheimnisse: die Neocon-Fraktion (Neokonservatismus ).“ und:

„Um es gleich zu sagen, ich halte es mindestens für naiv, daraus den Schluss zu ziehen, der Mossad hätte Nine Eleven organisiert. Nicht, dass ich diesem Geheimdienst (wie allen anderen) Skrupel unterstellen würde, aber das hätte er gegen die Interessen der US-Machtelite nicht wagen dürfen.“

Ebenso wird der im Netz nicht seltenen Deutung entgegengetreten, dass die Ermordung Kennedys (die auf Grund diverser Indizien ebenfalls für einen Inside Job halten muss) ein Werk des Mossad sei:

„Da gibt es Leute, die glauben, wegen Kennedys vehementer Gegnerschaft zur Nuklarbewaffnung Israels habe der Mossad selbst ihn umgebracht, Nebbich! Auch wieder nicht wegen moralischer Skrupel hätte der Mossad nicht davon träumen können, sondern, weil Israel zum damaligen Zeitpunkt auf noch schwächeren Füßen stand, und viel wichtiger: Kennedys Gegnerschaft zur Nuklearbewaffnung lag auf der Linie der US-Machtelite insgesamt, während es die Widersprüche Kennedys zu dem Teil der Machtelite („Warrior“) waren, die vor den allergrößten Risiken einer Invasion Kubas (und einer nuklearen Konfrontation mit dem Ostblock) nicht zurückschreckten, waren, die Kennedys Todesurteil nach sich zogen“.

Nun wird – gar nicht mehr so erstaunlicherweise – die sehr kritische Sicht auf die US-Politik von den massiv auftretenden Störern eben auch als „Antisemitismus“ gewertet. Es wird aber besonders übel, wenn man versucht, nicht nur westliche koloniale Untaten der Vergangenheit, die letztlich der Bereicherung des Westens insgesamt dienten (und von denen ich indirekter Weise mit schwerem Gewissen mit „profitiere“), hinter der Shoa und den Problemen des realen Antisemitismus´ zu „verstecken“ (allein König Leopolds „Privatkolonialismus“ hat den Kongo ca acht bis zehn Millionen Tote gekostet, siehe Adam Hochschild, „King Leopold´s Ghost“), sondern auch die imperialen Verbrechen der Gegenwart. Auch die Kriege Ruandas und Ugandas haben den Kongo zwecks Gewinnung des für den Westen so wichtigen Coltans seit 1996 wohl noch einmal die gleiche Zahl an Toten gekostet.

Es wird makaber, wenn besagte Gruppierung die Darstellung der US-Strategie in Afrika und der gesamten südlichen Hemisphäre einfach als „Relativierung“ der deutschen Nazi-Barbarei diffamiert. Da sollte man einmal den US-Think-Tank-Betreiber George Friedman selbst hören, wie er sich darüber äußert, dass Reagan dafür sorgte, dass Iraker und Iraner sich gegenseitig umbrachten: https://www.youtube.com/watch?v=z5SjPLJOjqc .

Und es wird noch schlimmer, wenn man beschimpft wird, weil man darauf aufmerksam macht, dass es in US-Think-Tanks Ideen für den „Rassenkrieg“ (in Fortsetzung des berüchtigten „Project Coast“ – http://www.geschichte-suedafrika.de/story/drdeath.htm – im sterbenden Apartheid-Südafrika, dessen offenster enger Verbündeter Israel war) gibt:

And advanced forms of biological warfare that can target specific genotypes may transform biological warfare from the realm of terror to a politically useful tool.“

from: „Rebuilding America´s Defences“, S. 60,

http://de.scribd.com/doc/9651/Rebuilding-Americas-Defenses-PNA C

Die gegen mich adressierten Anwürfe sind insofern haltlos und unbegründet. Mich treiben sowohl Erkenntnisdrang als auch mein Gewissen, zu recherchieren und zu schreiben. Die Störer des Vortrags haben anhand von gewaltsamen Methoden, die durch Diffamierungen gerechtfertigt wurden, versucht, mich am Reden zu behindern, anstatt mir in einer gewaltfreien Diskussion zu beweisen, dass die von mir zur Debatte vorgelegten Hypothesen zu verwerfen sind.

Andreas Schlüter‏

Berlin, den 16. Mai 2015

PS: Ungestört habe ich dann meinen Vortrag: “Der Einfluss der US-Machtelite auf die Internationale Politik” zuhause auf Video aufnehmen lassen können: https://wipokuli.wordpress.com/2015/06/07/der-einfluss-der-us-amerikanischen-machtelite-auf-die-internationale-politik/

Links:

Fachschaftsinitiave am Otto-Suhr-Institut (OSI/FSI): http://fsiosi.blogsport.de/wir-ueber-uns/

https://wipokuli.wordpress.com/2012/10/21/moshe-zuckermann-wider-den-zeitgeist/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/03/moshe-zuckermann-ein-aufrechter-linker-mahner/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/26/die-jungste-schweinerei-wolffsohn-kettet-judentum-an-kapitalismus/

https://wipokuli.wordpress.com/2013/03/03/die-linke-und-die-friedensfrage-der-stand-der-dinge/

wm-2014

Gewaltig war am Sonntag der Jubel in Deutschland, als nach zähem Ringen mit lange ungewissem Ausgang in der zweiten Hälfte der Verlängerung des Endspiels das „erlösende“ Tor zu Gunsten der deutschen Nationalelf fiel. Gewaltig waren auch die Kanonenschläge, die vor und nach Abpfiff durch die Straßen halten. Bei den meisten Menschen in diesem Lande übertönten sie fraglos das Bewusstsein dafür, dass in Gaza viel lautere Explosionen zu hören sind, die Tod und Zerstörung begleiten. Ja, Deutschland ist auch Weltmeister, auch im Wegschauen und Weghören! Zumindest, wenn es in irgendeiner Weise mit den Aktionen des „großen Bruders“, der USA, oder mit den Aktionen Israels zu tun hat.

Dabei ist sicher das Wegschauen und Weghören zum Drama im Kongo, flankiert von der Akzeptanz der systematischen Fehldeutung des Dramas in Ruanda vor zwanzig Jahren (http://tinyurl.com/obw5kze) die „allergrößte Leistung“ der letzten Jahrzehnte bezüglich der Größe des Leids, das verdrängt wird. Auch hier wurde eine Tat der US-Politik und eine raffinierte propagandistische Verbindung zum Holocaust willig geschluckt. Kann sich der deutsche Nachrichtenschauer zu Afrika noch durch die Entfernung und Unkenntnis „herausreden“, so sind die Informations-Möglichkeiten zum Nahen Osten doch erheblich dichter. Das verschlägt aber kaum etwas, sobald Israel „zuschlägt“, reicht der Verweis auf „Deutschlands Verantwortung“, das Etikett „radikal-islamisch“ für die Hamas, die eine Zeit lang von der israelischen Politik gegen die PLO gefördert wurde (1), weitgehend, um den Terror gegen Gaza und die Repression in der Westbank letztlich zu akzeptieren, sowie die Verbrechen mit geschenkten oder weit unter Preis verkauften Hightech U-Booten zu „bestrafen“ (2). Das Land, das sich wie kaum eine anderes über das Völkerrecht hinwegsetzt, scheut sich auch offenbar nicht, schlicht weitere kriegerische Geschenke zu fordern (3). Wer dies als dreist bezeichnet, zieht leicht die Gefahr auf sich, vom „Sturmgeschütz“ des Hardcore-Zionismus´, Henrik M. Broder, als „antisemitisch“ denunziert zu werden.

Das geschieht leicht auch denen, die „ein Land für alle“, sprich das Gebiet des alten Palästina, möge es denn auch Israel heißen, für all seine Bewohner, Juden, Araber und Einwanderer anderer Herkunft fordern, da es dem Paradigma von Israel als „jüdischem Staat“ widerspricht. Es ist aber Israel, das die „Zweistaaten-Lösung“ offenbar längst beerdigt hat (http://tinyurl.com/6rbtq3m).

Wen man besonders gerne überhört

Allzugern wird in diesem medialen Spiel alles, was mit dem Judentum, mit Menschen jüdischer Herkunft oder mit Israel zu tun hat, als sakrosankt behandelt. Aber bei alledem gibt es Jüdinnen und Juden, deren Äußerungen systematisch aus dem öffentlichen Diskurs zu Israel ausgeblendet werden, obwohl gerade sie das repräsentieren, was man als den “kritischen jüdischen Geist” bezeichnen kann, der in der Tat so ungeheuer viel zur Entfaltung des (leider so wenig geschichtswirksamen) Humanismus´ in Europa beigetragen hat! Es kommt einem so vor, als solle nun auch das moralische Judentum in Europa vernichtet werden!

einstein

Der geniale Physiker Albert Einstein (https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein), dem wir die Revolution unseres physikalischen Weltverständnisses verdanken, war alles andere als ein “Fachidiot”, sondern hatte einen scharfen Blick auch auf Gesellschaft und Weltpolitik. Er bezeichnete, zusammen mit einer Reihe anderer jüdischer Intellektueller, was sich früh in Israel an gewalttätiger und menschenverachtender Politik gegen die Palästinenser herausbildete, u. a. in der Politik des späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin repräsentiert, als “Faschismus”: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005057.html

erich-fried

Der aus Östereich stammende großartige Dichter Erich Fried (https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fried), der die Vernichtungsorgie der Nazis in England überlebt hatte, sah die Maxime „nie wieder!“ als für alle Menschen gültig an und wurde zu einem scharfen Kritiker der Politik Israels den Palästinensern gegenüber. Sein eindringliches und zutiefst bewegendes Gedicht „Höre, Israel“ ist von tiefem Humanismus geprägt (http://www.eslam.de/manuskripte/gedichte/fried/fried_hoere_israel.htm). Ich schätze mich glücklich, seinen eigenen Vortrag des Gedichtes 1968 life gehört haben zu dürfen. Zu hören ist er auch hier:

http://player.mashpedia.com/player.php?q=irj_YwrCcD8

 Über sein Leben: http://player.mashpedia.com/player.php?q=UZNjLJESQ-I

zuckermann

Der israelische Soziologe Moshe Zuckermann (http://tinyurl.com/8nf5o37), der sich immer wieder vehement gegen die Schablonisierung von “Juden”, “Zionismus” und Israel, sowie deren Gleichsetzung wendet, findet klarste Worte zur Nahost-Politik: http://www.hintergrund.de/201407113166/politik/welt/nahostkonflikt-die-blase-ist-laengst-zerplatzt.html

langer

Die israelische Anwältin Felicia Langer (https://de.wikipedia.org/wiki/Felicia_Langer) hat viele, viele Jahre für die Rechte von Palästinensern in Israel gekämpft und kommt zu einem vernichtenden Urteil über die Situation in Israel: https://www.youtube.com/watch?v=FJdigKUj54I

chomsky

Der US-amerikanische Sprachwissenschaftler und renommierte politische Analytiker Noam Chomsky (https://de.wikipedia.org/wiki/Noam_Chomsky) hat viele Artikel zum Nahostkonflikt geschrieben und kommt zum klaren Schluss, dass Israel eine Lösung verhindert: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/006576.html

pappe

Der israelische Historiker Ilan Pappé (https://de.wikipedia.org/wiki/Ilan_Pappe) hat sich große Verdienste um die Aufarbeitung der Gründungsgeschichte Israels und der Nakba (der Vertreibung der Palästinenser) gemacht. Er bezeichnet die Aktionen Isreals gegen den Gaza-Streifen als Genozid: http://www.informationclearinghouse.info/article39087.htm

avnery

Der israelische Journalist, Schriftsteller und Friedensaktivist Uri Avnery (https://de.wikipedia.org/wiki/Uri_Avnery) findet auch zur aktuellen Situation in Israel wieder sehr deutliche Worte: http://www.uri-avnery.de/news/294/15/Die-Graeueltat

birnbaum

Der renommierte US-amerikanische Soziologe Norman Birnbaum (https://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Birnbaum) gehört zu den Denkern, die brilliant die israelische Angriffslust auf den Iran analysieren: http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-usa-und-teherans-atomprogramm-nuetzliche-feindschaft-zu-iran-a-613817.html

finkelstein

Der Politik-Wissenschaftler und Sohn von Holocaust-Überlebenden Norman Finkelstein (https://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Finkelstein) hat sich umfänglich mit dem Missbrauch des Holocaust als Rechtfertigung für Rassismus und Kolonialismus Israels beschäftigt : http://normanfinkelstein.com/

hecht-galinski

Evelyn Hecht-Galinski (https://de.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Hecht-Galinski), die Tochter des ersten und vierten Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski , ist als aufrechte und vehemente Kritikerin israelischer Politik bekannt. Sie scheut klare Worte nicht und schreibt häufig auf NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung. Ein sehr sehenswertes Interview mit ihr: https://www.youtube.com/watch?v=00qV1icAi0E

verleger

Der Psychologe, Hochschullehrer und Essayist Rolf Verleger (https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Verleger), bis 2006 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Schleswig-Holsteins, bringt die Situation Gazas auf den Punkt: http://www.hintergrund.de/20090105335/globales/kriege/gaza-der-boese-boese-nachbar.html

juedische-stimme

Unermüdlich fordert die Vereinigung „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“ (http://www.juedische-stimme.de/) Gerechtigkeit für die Palästinenser, international ist sie Teil der „Jewish Voice for Peace“: http://jewishvoiceforpeace.org/.

Wenn man sich hierorts schon weigert, auf die Stimmen der leidgeprüften Palästinenser zu hören, dann höre man wenigstens auf die Jüdinnen und Juden (und ihrer sind viele mehr als die hier genannten), die man wahrlich als Gerechte bezeichnen muss!

Andreas Schlüter

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Hamas

  2. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lieferung-deutscher-u-boote-an-israel-provoziert-kritik-a-836715.html

  3. http://www.dw.de/israel-will-deutsche-korvetten-kostenlos/a-4819175?maca=de-rss-de-all-1119-xml-atom

Weitere Links:

https://wipokuli.wordpress.com/2014/08/21/usa-und-israel-schmutzige-geheimnisse-und-erpressungsmacht/

https://wipokuli.files.wordpress.com/2011/05/nahostkonflikt-und-afrika.pdf

https://wipokuli.wordpress.com/2012/02/12/israel-und-die-zwei-staaten-losung/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/01/allmacht-usa-und-kein-ende-das-laboratorium/

Am Donnerstag, dem 10. Oktober, wurde von mir dieser Vortrag zum „Nahostkonflikt und Afrika“ gehalten (http://tinyurl.com/psp29cj). Ich freue mich, meinen Lesern hier die Videoaufzeichnung des Vortrags in vier Teilen zugänglich machen zu können.

Leider springt der Film manchmal beim Anklicken weiter, dann mit dem Schieber auf Anfang gehen!

 vortrag-nahost-und-kongo

Der Nahostkonflikt und Afrika, Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=m8FAvbIOLZ4

Der Nahostkonflikt und Afrika, Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=wAuZ9sLHB1A

Der Nahostkonflikt und Afrika, Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=SXMbetYEJf4

Der Nahostkonflikt und Afrika, Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=mAnfw4UfoSc

Andreas Schlüter

Links:

https://wipokuli.files.wordpress.com/2011/05/nahostkonflikt-und-afrika.pdf

https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/17/desinformation-auch-zu-ruanda-und-ost-kongo/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/15/qualende-fragen-und-unerfreuliche-antworten/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/01/allmacht-usa-und-kein-ende-das-laboratorium/

https://wipokuli.wordpress.com/2013/02/22/crimes-on-congo-part-1-from-destruction-to-destroyed-independence/

Kongo und Ruanda (Englisch): http://www.blackstarnews.com/news/135/ARTICLE/5831/2009-07-03.html

http://uk-africa.blogspot.de/2012/09/the-truth-behind-rwanda-tragedy.html

http://www.fogcityjournal.com/wordpress/1931/reverend-rick-warren-on-trial-in-the-court-of-public-opinion/

africa

Man kann auf meinem Blog zwar über die Suchfunktion zu diesen Themen fündig werden, aber zu gerne erleichtere ich meinen Lesern den Zugang!

Nach der Zerstörung Libyens durch die USA, Frankreich und Großbritannien ist dort die Hölle ausgebrochen, Libysche Sklaverei: ein Tag der Wut in Berlin!”: https://wipokuli.wordpress.com/2017/11/26/libyan-slavery-a-day-of-fury-in-berlin-libysche-sklaverei-ein-tag-der-wut-in-berlin/

Minister Müller, die G20 Afrika-Konferenz und Paul Kagame: brennende Fragen”: https://wipokuli.wordpress.com/2017/06/20/minister-mueller-die-g20-afrika-konferenz-und-paul-kagame-brennende-fragen/

Der Kolonialismus lebt und feiert fröhliche Urständ! Teil 1”: https://wipokuli.wordpress.com/2017/05/27/colonialism-alive-and-well-better-say-as-bad-as-ever-part-1-der-kolonialismus-lebt-und-feiert-froehliche-urstaend-teil-1/

Zu Burundi: offener Brief an die deutsche Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel“: https://wipokuli.wordpress.com/2016/04/05/zu-burundi-offener-brief-an-die-deutsche-bundeskanzlerin-frau-dr-angela-merkel/

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer und EU: „Unmenschlichkeit und Heuchelei zum Flüchtlingsdrama: Es ist unerträglich!“ https://wipokuli.wordpress.com/2015/04/19/unmenschlichkeit-und-heuchelei-zum-fluchtlingsdrama-es-ist-unertraglich/

Videoaufzeichnung: https://wipokuli.wordpress.com/2014/05/09/vortrag-verbrechen-in-ruanda-und-im-kongo-afrika-in-der-globalen-destabilisierungs-strategie-der-USA/

Ruanda: Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge! Zwanzig Jahre tolldreiste Desinformation! https://wipokuli.wordpress.com/2014/04/08/ruanda-eine-halbe-wahrheit-ist-eine-ganze-luge-zwanzig-jahre-tolldreiste-desinformation/

Videoaufzeichnung meines Vortrags „Der Nahostkonflikt und Afrika“ vom 10. Oktober im Afrikahaus: https://wipokuli.wordpress.com/2013/10/11/der-nahostkonflikt-und-afrika-videoaufzeichnung-des-vortrags-am-10-oktober-2013-in-afrikahaus-in-berlin/

Die Feuerwehr kommt nach Afrika”: https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/04/die-feuerwehr-kommt-nach-afrika/

Wanted! Gesucht wegen Kriegsverbrechen: https://wipokuli.wordpress.com/2013/06/14/wanted/

Vor 50 Jahren: Gründung der OAU: https://wipokuli.wordpress.com/2013/05/25/afrika-vor-50-jahren-grundung-der-oau/

„Crimes on Congo, Part 1: From Destruction to Destroyed Independence!” (Englisch): https://wipokuli.wordpress.com/2013/02/22/crimes-on-congo-part-1-from-destruction-to-destroyed-independence/

Kolonialkriege: https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/15/qualende-fragen-und-unerfreuliche-antworten/

Ruanda und Ost-Kongo: https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/17/desinformation-auch-zu-ruanda-und-ost-kongo/

Südafrika unter der Apartheid: https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/28/wouter-basson-alias-dr-death-herz-oder-hand-der-finsternis/

May Ayim und der Kolonialkrieg in Libyen: https://wipokuli.wordpress.com/2011/08/31/gedenken-an-may-ayim-und-der-kolonialkrieg-in-libyen-berlin-postkolonial/

„A Man oft he People“ von Chinua Achebe: https://wipokuli.wordpress.com/2010/12/26/zeitreise-uber-den-roman-%e2%80%9ea-man-oft-he-people%e2%80%9c-von-chinua-achebe/

Geografie-Prüfung: https://wipokuli.wordpress.com/2012/08/30/geography-test-africa-geografie-test-afrika/

Mutiges Statement aus Gambia zur Elfenbeinküste: https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/18/es-gibt-noch-hoffnung-gambias-regierung-die-mutigste-afrikas/

Auch Afrika betreffend über Monsanto: https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/20/imperialismus-monsanto-eine-kriminelle-vereinigung/

Weitere Artikel unter dem Schlagwort „Afrika“: http://de.search.wordpress.com/?q=Afrika&site=wipokuli.wordpress.com

Zum Nahen Osten:

Arbeiten das US-Imperium und Israel am Dritten Weltkrieg?”: https://wipokuli.wordpress.com/2018/05/07/arbeiten-das-us-imperium-und-israel-am-3-weltkrieg/

USA und Israel: schmutzige Geheimnisse und Erpressungsmacht“: https://wipokuli.wordpress.com/2014/08/21/usa-und-israel-schmutzige-geheimnisse-und-erpressungsmacht/

Wir sind Weltmeister – auch im Wegschauen“: https://wipokuli.wordpress.com/2014/07/15/wir-sind-weltmeister-im-wegschauen/

USA und das „Laboratorium“ Nahost: https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/01/allmacht-usa-und-kein-ende-das-laboratorium/

Das Laboratorium arbeitet weiter: https://wipokuli.wordpress.com/2011/07/11/allmacht-usa-und-kein-ende-das-nahostliche-laboratorium-arbeitet-weiter/

Israel und die „Zwei-Staaten-Lösung“: https://wipokuli.wordpress.com/2012/02/12/israel-und-die-zwei-staaten-losung/

USA und „Werkzeuge“ https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/20/allmacht-usa-und-kein-ende-werkzeuge/

Prüfstein für Antiimperialisten: https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/15/nahost-prufstein-fur-anti-imperialisten/

Zu weiteren Artikeln: http://de.search.wordpress.com/?q=Nahost&site=wipokuli.wordpress.com&page=1

Nahost und Afrika: https://wipokuli.files.wordpress.com/2011/05/nahostkonflikt-und-afrika.pdf

Andreas Schlüter

 

“Tue Anderen nicht, was du nicht willst, dass man dir selbst tut!“

einfachste und älteste mir bekannte Formulierung der Menschenpflichten

Mit fast 69 Jahren ist man geneigt, sein Leben einmal wieder an sich Revue passieren zu lassen. Man legt sich Rechenschaft über seinen Werdegang ab und hat auch manchmal das Bedürfnis, Andere an diesem Prozess teilhaben zu lassen. Es mag den Einen oder Anderen, oder die Eine oder Andere interessieren.

klein-angefangen

Moralische Grundlagen

Meine Mutter war eine herzensgute Frau und der Gehalt des vorangestellten moralischen Mottos ist wohl die wichtigste Lehre, die ich, den sie mit fast vierzig Jahren bekam, von ihr empfangen habe.

Von meiner Grundschullehrerin, Anita Sellenschloh (1), hatte ich am Klarsten erfahren, dass ich in einer Gesellschaft lebte, die noch bis fast zwei Jahre vor meiner Geburt 1947 die schlimmsten Verbrechen der Menschheit hervorgebracht und unendliches Leid über erhebliche Teile der Welt gebracht hatte. Völlig unmissionarisch hat sie in mich den Keim eines sehr gerechtfertigten Misstrauens der eigenen Gruppe gegenüber gesät, denn diese unbezweifelbaren Taten zu beurteilen, hatte mir meine Mutter das Handwerkszeug gegeben.

Mein Vater, in nicht Wenigem ein klassischer Familientyrann und einem gestandenem Familienvorstand, wie man ihn hierorts in vielen Köpfen in Moslemgesellschaften für typisch hält, sehr ähnlich, hat mich erfahren lassen, wie schwierig es ist, begangenes Unrecht wirklich einzugestehen und wirklich zu bedauern, denn sein Abstand dazu, dass er recht früh in die Partei der Nazis eingetreten war und es auch im Krieg bis zum Leutnant bringen musste, war zwar mit Bedauern angereichert, aber ohne tiefe Reue. Immer kam es mir so vor, dass er mehr Selbstmitleid wegen der Folgen durch eine harte Nachkriegszeit als Mitleid mit den Opfern des von ihm unterstützten Systems verspürte.

Ähnliches traf aber auch auf seinen sieben Jahre jüngeren Bruder zu. Man war in den Sechziger Jahren geläutert, aber zu einem “Jiddischen Witz“ reichte es noch. Ich werde nie vergessen, wie es mir bei so einer, mehr mit schmunzelndem Paternalismus als mit einer Schwingung ungebremster Verachtung hervorgebrachten Posse, angesichts seines physischen Anblicks und Gesichtsausdrucks wie Schuppen von den Augen fiel, “du machst dich hier gerade über dich selbst lustig!“. Bald konnte ich zwei und zwei zusammenzählen und der zweite Vorname meines Vaters, David, der Familienname Jakobs seines Großvaters und auch im familiären Umfeld der Familienname David machten mir klar, dass sein unseliges Engagement etwas mit dem Verleugnen von Teilen der eigenen Existenz und Vorfahrenschaft zu tun hatte. Hätten die Nazis alles Jüdische in Deutschland umbringen wollen, hätten sie das halbe Volk umbringen müssen und es nicht bei der astronomischen Zahl von sechs Millionen Opfern ihres antijüdischen Rassenwahnes belassen können. So schwindelte man sich fleißig seine eigenen jüdischen Anteile fort. Aber auch der Vater meiner Cousine, deren Mutter, die Schwester meiner Mutter, die mit einem schweren psychischen Leiden in der NS-Zeit verstarb, passte in dieses Bild. Er war in unseligen Zeiten ganz ähnlich wie mein Vater engagiert. Sein eigener Großvater wurde aber lange vor dem Ausbruch des Wahnsinns wegen seines dunklen Teints und seiner Erscheinung in seiner Firma von seinen Kollegen “der kleine jüdische Herr“ genannt!

So habe ich einesteils durch meinen Vater als Erbschaft eine schwere moralische Bürde überreicht bekommen, aber ich habe auch die zweifelhafte „Genugtuung“ erhalten, dass bei konsequenter Umsetzung des Wahns, an dem er letztendlich teilnahm, auch er und ich sowie meine Geschwister der Vernichtung anheim gefallen wären! Allen Menschen, die in der Gefahr sind, dem Rassismus zu verfallen, wünschte ich, sie müssten die letzten zwanzig oder dreißig Generationen ihrer Vorfahren an sich vorbeidefilieren sehen, es würde ihnen den Atem verschlagen! Man kann bekanntlich auf keinen einzigen seiner Vorfahren verzichten, ohne sich sofort selbst in Luft aufzulösen.

Auch der Wahn vom “slawischen Untermenschen“ hätte das deutsche Volk eigentlich zur Selbstausrottung führen müssen, denn historisch besteht mindestens sein eines Drittel aus „germanisierten“ Slawen. Überhaupt täte sich ganz Europa schwer, wolle es seine Kultur von allen außereuropäischen Beimischungen lösen, wer möchte als Literaturfreund Puschkin und Dumas mit ihren schwarzen Vorfahren missen! Es wäre nicht bei der jämmerlichen geistigen deutschen Selbstkastration während der Nazizeit geblieben, was mir während des Heranwachsens immer klarer wurde.

Fraglos gehören alle Menschen auf dieser Welt zu einer einzigen Art und nie werden sie sich davon abhalten lassen, sich zu mischen. Die Liebe zum eigenen kleinsten Kreis, die Sorge um die kleine eigene Familie, aber auch der Wunsch, als Mitglied der Mehrheit anerkannt zu werden, haben meinen Vater und seinen Bruder fraglos dazu getrieben, sich einen Teil ihrer Vorfahrenschaft abzuschneiden und sich dem dumpfen “Mainstream“ anzuschließen, sich letztlich in der Woge der Entwicklung vom “volkstümlichen“ Antisemitismus zum organisierten Rassenwahn und Hass mittreiben zu lassen, was keinerlei Entschuldigung darstellt.

Dummheit war ein wesentliches Element dieser politischen und gesellschaftlichen Entwicklung und das ganze Naziunwesen passte gut in das Bild von rohen und ungebildeten Menschen und einem grölenden Mob. So konnte ich mich ziemlich lange damit beruhigen, dass mit Hilfe gebildeter Kreise Amerikas, Englands und Frankreichs die Zivilisation in Deutschland wieder eingeführt worden war und man sie auch würde aufrecht erhalten können! Zivilisation, Bildung und das mächtigste Land der Welt waren das Bollwerk gegen die Bedrohung der Menschheit und der Menschlichkeit. Kleingeist, ungebildeter Mob und gottlose Horden, die Volksverhetzern den starken Arm lieferten, sollten nicht nochmals Unheil über die Menschheit bringen dürfen! So war wieder Ruhe in meine Seele eingekehrt und ich hatte die Beruhigung, auf der richtigen Seite zu stehen!

Verkörperte nicht Adenauer, der alte weise Mann aus Rhöndorf, die politische Klugheit, die nötig war, Deutschlands Platz in der Zivilisation zu festigen und gesittete Menschlichkeit fortzuentwickeln? Dass er sich einen Kanzleramtsminister Globke, der sich als Kommentator der Nürnberger Rassengesetze hervorgetan hatte, leistete, erfuhr ich erst später. Auch ein „ziviler“ General Eisenhower wirkte wie ein ruhiger Garant so einer geläuterten kleinen Welt. Amerika hatte zwar so etwas Widerliches wie Sklaverei gekannt, sich aber mit dem Bürgerkrieg auch davon befreit, man war also wirklich auf der richtigen Seite! Ich liebte es, auf der richtigen Seite zu sein, ich liebte es, auf der Seite Amerikas zu sein, ich liebte Amerika. Aber immer wieder zogen dunkle Wolken auf und Bilder von totalitären, bedrohlichen Aufmärschen machten mir Angst. Finstere Armeen unter roten Flaggen in der Sowjetunion und China erinnerten an Bilder von Aufmärschen unterm Hakenkreuz. Schließlich hinderten diese bedrohlichen Machthaber Menschen gar durch eine Mauer daran, sich aus ihrem Machtbereich zu entfernen. Kein Wunder, dass Amerika ihnen nicht auch noch Südvietnam anheimfallen lassen wollte!

So, wie die Menschen in dem damals noch vielfach “Ostzone“ genannten Land, sich hin und wieder einen verstohlenen akustischen Blick in die übrige Welt leisteten, gab auch unser alter “Löwe Opta“ einen solchen her und tiefes Erschrecken löste bei mir aus, wenn es auf so einem “Ostzonensender“ einmal zu hören gab, was für entsetzliche Dinge zum Beispiel Portugal in seinem von der NATO sanktionierten Krieg in Afrika tat. Nur gut, dass man Aussagen, die aus dem Machtbereich eines so furchteinflößenden Regimes kamen, nicht unbedingt glauben musste.

Endlich bekam all das Gute, das man liebte, mit dem man sich identifizierte, ein Gesicht, das Gesicht des jugendlichen politischen Helden, John F. Kennedy. Dem so faszinierenden Machtapparat des Westens, mit seiner eindrucksvollen Technologie, auch in Form von Flugzeugträgern und strategischen Bombern, die einen rund um die Uhr beschützten, stand ein Mensch vor, dem man auch noch die Selbstreinigung des Systems, in das man sich so gerne integriert sah, zutraute.

Ein flaues Gefühl hatte man, als die Kubakrise die “Alten“, sprich die Eltern, mit Kriegsangst im Gesicht herumlaufen sah, aber, mit einem Helden an der Spitze will diese sich bei einem Vierzehn-, Fünfzehnjährigen nicht richtig einstellen.

Und dann geschah das Unfassbare, der Held wurde heimtückisch gemeuchelt. Der vermeintliche Mörder, eine Zeit lang in der Sowjetunion vagabundierend, konnte bald nicht mehr befragt werden, da er von einem angeblichen “Patrioten“ “gerichtet“ wurde. Man lebte im “Reich des Guten“, aber es war bedroht! Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dieses Reich ungeschützt den Gefahren gegenüber bleiben zu lassen und ein absoluter Pazifismus wäre mir wie Verrat erschienen, zumal auch das „Reich des Bösen“, das noch zwanzig Jahre zuvor dort bestanden hatte, wo ich lebte, ganz sicher nicht guten Reden gewichen wäre! Und gegen die Gefahr der Atombombe, nun, das war schon etwas heikel, ob da die Aktentasche überm Kopf oder der feuchte Keller reichten, man dachte besser nicht daran! An wissenschaftlichen Fragen hochinteressiert, der Lebensweise, wie Amerika sie zu verkörpern schien, in sozialer Liebe verbunden, hätte ich Atomphysiker, aber vielleicht auch Waffentechniker, Dechiffrier-Spezialist oder Ähnliches werden können. Es gab so viel, das nötig war, um meine Welt zu beschützen!

Ich erinnere mich auch an bestimmte Zustände in meiner Kindheit, als ich erkannte, dass ich ja auch in eine andere Familie, in andere Umstände hätte hineingeboren werden können und ich weiß noch genau, dass diese Erkenntnis mir Angst machte. Als Fünfzehnjähriger war ich drauf und dran, mein Leben von meinen Eltern zu lösen, mich innerlich von ihnen zu “befreien“, solche Angst war mir fremd geworden. Aber, obwohl ich schon etwa zwei Jahre vorher einmal eine Zeit erlebt hatte, in der ich vom Lesen in einem alten Völkerkundebuch inspiriert, die Vorstellung, in eine andere Kultur hineingeboren worden zu sein, höchst reizvoll empfunden hatte, wollte ich nicht glauben, dass einem diese Welt, in der ich lebte, von Amerika geprägt und von Amerika bewacht, als bedrohlich, gefährlich oder teuflisch hätte erscheinen können. Ich war nicht so dumm, sie nicht für verbesserungsfähig und –würdig zu halten, aber, sie erschien mir fraglos als die beste, wenn nicht der denkbaren, so doch der bisher realisierten Welten!

Jeder, der diese Welt, in der ich lebte, hasste oder meinte, sie beseitigen zu müssen, zumindest gegen sie kämpfen zu müssen, musste krank oder böse sein! Eine organisierte Kraft, die diese meine Welt hasste, ja, die würde auch ich von ganzem Herzen hassen! Ich hätte jeden verlacht, der mir erzählt hätte, dass ich selbst bald zu jenen, die sie hassen, gehören sollte!

Einführung in die Welt

Dann, in all diese geistige Gemütlichkeit – durch ein wenig Schaudern gewürzt – brach ein an sich höchst privates Ereignis ein. Ich wurde vom Blitz der Liebe getroffen, als ziemlich unbedeutender pubertärer Wicht war ich damals, vor beinahe fünfzig Jahren, ein absolut chancenloser Kandidat. Auch, wenn ich heute das Glück habe, mit eben dieser Angebeteten seit fast sechzehn Jahren zusammenzuleben, stellen wir lachend fest, damals genoss ich bei ihr die „Beliebtheit eines Moskitos“!

Höchst privat, so ein Ereignis, aber sehr schnell stellte sich heraus, dass es in jener gemütlichen Welt der Freiheit und Demokratie nicht so privat war, wenn die Angebetete die leibliche Tochter eines schwarzen amerikanischen Soldaten war! So erfuhr ich bald in der Schule, natürlich sprachen die angehenden Männchen über ihre Favoritinnen, mehr als die normale Bosheit konkurrierender pubertärer Jungmännchen. Schnell stellten sich herabwürdigende rassistische Sprüche ein, auf die hin auch ich meine seelischen Peiniger beleidigte und, damals leider noch nicht sehr kampfstark, regelmäßig den Kürzeren zog! Alle Menschlichkeit, alle Glaubwürdigkeit der Bekundungen, eine demokratische, nichtrassistische Welt um mich herum geschaffen zu haben, die deutsche und amerikanische Würdenträger meiner Welt abgegeben hatten, verloren sehr, sehr rasch ihre Glaubwürdigkeit!

Es ist mir bewusst, dass viele Menschen nicht diesen Grad der Sensibilität besitzen, auf so ein Ereignis mit der Infrage-Stellung ihrer gesamten Umwelt zu reagieren und es ist hier nicht bedeutsam, dass ich mir meine besondere Sensibilität in solchen Fragen vielleicht auch durch meine eigene vielschichtige Familiengeschichte erklären kann. Meine Reaktion ist in diesem Zusammenhang nur als ein Beispiel wichtig, als ein Beispiel für das sich ansammelnde Explosivmaterial, das der Teil der Welt, der sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs (in Teilen schon seit dem Ersten Weltkrieg) so sehr als die Vorhut von Demokratie und Freiheit versteht, in einzelnen Menschen zu erzeugen in der Lage ist.

Ähnliche Reaktionen sind allgemein bei jungen Menschen möglich, die eine extrem moralische Sozialisation erlebt haben, die zu bestimmten Prinzipien, zum Menschen an sich oder aber auch zu spirituellen Prinzipien eine extreme Liebe eingepflanzt bekommen haben. Es ist ein absolut bekanntes Phänomen, dass kollektive Untaten mit Rechtfertigungen versehen werden, dieses insbesondere für die Jugend, damit ihre grundsätzliche Sozialisation keinen Schaden nehme. Selbst die Nazis haben ja nicht offiziell die zehn Gebote umgeschrieben, etwa in dem Sinne: du sollst keinen Christen oder Arier töten! Du sollst nicht von Christen oder Ariern stehlen oder Ähnliches. Selbst die weißen Rassisten und Sklavenhalter Amerikas, die Schwarze so sehr quälten, haben sich den später als deutlich so entwürdigend erkannten Titel “Onkel“ für einen Schwarzen nicht als familiäre Freundlichkeit ausgedacht, sondern der eigenen Kinder wegen, die eine Ausnahme von den Grundsätzen menschlicher Sozialisation nicht verkraftet hätten, ohne auch an ihrer Soziabilität in der „weißen Welt“ Schaden zu nehmen! Es gilt daher die Erkenntnis: Wehe, es gehen die Grundsätze der Sozialisation sehr tief und dann stellt sich die Erkenntnis der Widersprüche einer Gesellschaft zu diesen Prinzipien sowohl nach Innen als auch nach Außen in aller Deutlichkeit ein!

Wichtig an meiner Entwicklung, die mit einem immer intensiveren Studium der rassistischen, kolonialistischen und neokolonialistischen Schandtaten weiterging, ist die Erkenntnis, dass ich die vorherige unterschwellige Annahme, die ganze Welt hätte nach und nach, wenn sie denn wollte, zu einem Teil dieser schönen, eigenen Welt werden können, durch den erschreckenden Verdacht ersetzten musste, sie solle, ja, sie dürfe das gar nicht und sie, die übrige Welt, hätte letztendlich als Mittel, als Werkzeug oder als Treib- und Brennstoff für die eigene gemütliche Welt zu dienen!

Mich hatte jedenfalls ein stetig weiter reichendes Misstrauen dieser meiner Welt gegenüber ergriffen und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich als Fünfzehnjähriger nach der Lektüre von Albert Luthulis Lebenserinnerungen, er war einer der frühen Führer der schwarzen Südafrikaner im Kampf um ihre Freiheit, mit Magenschmerzen auf dem Sofa lag und anfing, mich mit Hass zu beschäftigen, als mir klar wurde, wie sehr diese meine Welt ihr schützendes Händchen über burische Faschisten hielt. Über den “Rivonia-Prozess“, in dem Nelson Mandela zu seiner ungeheuer langen Haftstrafe verurteilt wurde, gab es dann im Deutschen Fernsehen ein absolut südafrikafreundliches Dokumentarspiel, das meinen Zorn mehrte. Wie ein Schwamm sog ich mich auch voll mit Informationen zu Amerika und seinem fortbestehenden Rassismus, mit Feuereifer las ich „The Fire Next Time“ von James Baldwin. Sein Buch inspirierte mich zum eigenen Schreiben (2). Das Land, das die Freiheit auf seine Fahne geschrieben hatte, bestand unter anderem aus Bundesstaaten, die damals bis vor kürzester Zeit Rassengesetze wie die Nazis gehabt hatten, nur eben in erster Linie gegen schwarze Menschen gerichtet!

Mein Herz begehrte Aktionen und ich fing an, Alles zu hinterfragen. Ich hatte lange mit mir gerungen, ob ich den kirchlichen Glauben an einen Gott akzeptieren konnte, hatte ihn gebraucht, als höchste Instanz der Liebe und des Gewissens, meinte aber dann, ihn nicht mehr akzeptieren zu können und erlebte eine Phase der Befreiung von dem “alten Patriarchen“. Die christliche Wohlanständigkeit wurde für mich zu hohlem Pathos und alsbald purzelte Gottvater von seinem goldenen Thron!

Aber der euphorische Höhenflug der geistigen “Selbstbefreiung“ verunsicherte mich auch. Gott war eine gute Sache gewesen, denn er gab einem unter anderem auch die Gewissheit, dass er es ja gewesen sein musste, der die Dinge so gewendet hatte, als man sie noch für gut hielt. Schließlich fragte ich mich nach diesem drastischen Wechsel erschrocken, was noch alles möglich sei, würde ich womöglich eines Tages das bis dato teuflische China Mao Tse Dongs mit seinen gleichgeschalteten Massen für gut halten können? Irgendwann später musste dann auch das Buch des “Großen Vorsitzenden“ her!

Einen tiefen, tiefen Eindruck machte auf mich die autorisierte Biografie von Malcolm X. Die Tatsache, dass er sich zum Zeitpunkt, als das Buch geschrieben wurde, bereits von der Losung “alle Weißen sind Teufel!“ zu lösen begonnen hatte, änderte nicht viel an meiner Bereitschaft, die Dinge genau so zu sehen. Auch, dass er „offiziell“ von den Handlangern eines alten machtlüsternen Elija Mohammed, dem Führer der amerikanischen “Nation of Islam“, umgebracht worden war, konnte da nicht viel ausrichten. Unabweisbar lagen die Tatsachen vor mir, Europa hatte sich durch Zerstörung, Deformation und Versklavung Afrikas, Indiens, Indonesiens und Lateinamerikas, aber eben insbesondere Afrikas, zu seiner beachtlichen materiellen Höhe aufgeschwungen, die im Inneren die Entwicklung beachtlicher Freiheit und auch erheblicher Gerechtigkeit ermöglichte, aber wehe, die übrigen Menschen in der Welt wollten diese auch!

Entscheidend war, ich hatte eine Befindlichkeit erreicht, in der die Enttäuschung und die Wut, ja, unverhohlener Hass auf die Welt des Westens alles regierte. Nun, es war leider auch die Welt, von der meine reale Lebenssituation profitierte! Meine Grundhaltung kann man vielleicht am besten mit der von Sebastian Haffner vergleichen, als er in seinem Buch “Geschichte eines Deutschen“ dem Deutschen Reich Hitlers den Krieg erklärte. Aber es gab einen gravierenden Unterschied in der Situation, er hatte einen bedeutenderen Gegner des Deutschen Reiches, dem er sich anschließen konnte, ich konnte, vielleicht zum Glück, keinen finden, dem ich mich bedingungslos zugesellen konnte.

Dem Osten misstraute ich noch irgendwie, die marxistische Heilserwartung des geschichtlichen Automatismus´ war mir zuerst noch suspekt, den einen Gott konnte ich nicht mehr durch den anderen ersetzen und diejenigen, mit denen ich gerne zusammen gekämpft hätte, waren weit weg!

Nun, es ist nicht so bedeutsam, wie mein persönlicher Kampf gegen die Schandtaten, deren Früchte ich mit verzehrte, weiterging, die enttäuschte Liebe zu einer sozialen und politischen Welt, als eigene empfunden und dann als bösartige Verkleidung schurkischer Machenschaften identifiziert, die in Hass umschlägt, ist das, ist eine öfter eintretende Entwicklung, auch und gerade in einer heute von Amerika und Europa so umfänglich geprägten, “globalisierten Welt“.

Ich war damals grundsätzlich zum Kampf bereit, ich hätte mich einen Dreck um Gesetze geschert, ich hatte auch die “schweigende Mehrheit“ in einer “sozialen Marktwirtschaft“ als Nutznießer einer vom Westen erst kolonisierten und dann dominierten Welt identifiziert und konnte die deutschen “Massen“ nicht als natürliche Partner der unterdrückten schwarzen Südafrikaner sehen, konnte weder die Haltung klassischer Kommunisten, den deutschen Arbeiter als genauso ausgebeutet, noch die Haltung der APO, die deutschen Massen zumindest als genauso manipuliert anzusehen, teilen. Hätte mich jemand glauben gemacht, durch die Sprengung des Hamburger Rathauses Südafrika zu befreien oder durch die Sprengung des amerikanischen Generalkonsulats die schwarzen Amerikaner zu befreien, ich hätte es als meine heilige Pflicht angesehen und sehr wohl kann ich mich an Phantasien erinnern, im säkularen “Djihad“ auf südafrikanischen Boden nicht nur beim Kampf gegen die Buren zu sterben, sondern die Weißen dort “ins Meer zu treiben“!

Ich war böse, aber nicht weil ich ein böser Mensch war, sondern, weil ich ein guter Mensch sein wollte! Das Hamburger Rathaus und auch das amerikanische Generalkonsulat stehen bekanntlich noch und ich wurde glücklicherweise nicht zu einer Wahnsinnstat inspiriert, die dann nur den politischen und staatlichen Handlangern des Kapitals einen weiteren Vorwand zu mehr Repression geliefert hätte. Aber ich war in gewisser Weise ein „Heimatloser“ geworden, eigentlich ein „Antideutscher“, aber nicht so einer, wie die heutigen Pseudolinken oder ehemaligen „Linken“, die sich von Deutschland abgewandt haben, um ihre „Heimat“ im US-Imperialismus und in der Unterstützung israelischer rassistischer Kolonialpolitik zu finden (3).

1968

Eine neue Heimat

Ich hatte großes Glück. Vorbereitet durch meine intensive Beschäftigung mit dem afrikanischen Befreiungskampf und dem Antikolonialismus geriet ich bei Aufnahme meines Soziologiestudiums in Hamburg 1968 sehr bald mehr und mehr an Menschen aus Afrika, die sich meiner mit großem Verständnis und Offenheit annahmen. Ich wurde so zügig in die afrikanische Diaspora Hamburgs integriert. Natürlich war diese Diaspora vielfältig durch ihre verschiedenen Herkunftsländer und Herkunftsregionen unterteilt. Sie war auch von diversen Auseinandersetzungen dort betroffen. So wurde ich auch mit dem Sudankonflikt konfrontiert und in Auseinandersetzungen zwischen arabisierten Nordsudanesen und anderen Afrikanern hineingezogen, die nicht wenig mit Rassismus und Borniertheit einer Reihe von Nordsudanesen zu tun hatte. Ich erinnere mich gut, dass ich einmal einem von diesen Leuten eine Tracht Prügel anbot. Fairerweise muss man sagen, dass mir dass bei anderen Landsleuten von ihm vermehrten Respekt einbrachte.

Schwerpunkte meiner Integration waren die Gemeinschaften aus Westafrika (Ghana und Nigeria) sowie aus dem südlichen Afrika. Später kamen viele Personen aus Ostafrika und dem Horn von Afrika hinzu. Dabei muss ich auch erwähnen, dass ich immer mehr zu einem Unterstützer des Befreiungskampfes der Eritreer wurde, was aber auch Äthiopier nicht abhielt, weiter mit mir zu verkehren. Wenn ich hier ausdrücklich von Integration spreche, wird das vielleicht am Besten verständlich, wenn ich erwähne, dass ich auch in persönliche Konflikte zwischen Personen aus der gleichen Gesellschaft hineingezogen wurde, besser gesagt einbezogen wurde. Es blieb natürlich nicht aus, dass auch mein einundzwanzigjähriges „Jungmännchen-Dasein“ aus diesem Bereich heraus sein Ende fand und ich von der afrikanischen Frauenwelt her „zum Manne reifte“.

Das Vertrauen, dass man mir entgegenbrachte, hatte natürlich sehr viel damit zu tun, dass man mich aktiv Solidarität üben sah. So sehr ich in vielen Vorstellungen mit den „Achtundsechzigern“ sympathisierte, so war ich doch sozial bald so sehr mit der „Community“ verwoben, dass Kontakte zu deutschen studentischen Gruppen sich aus antikolonialen Aktivitäten ergaben. So brachte mich eine Freundin aus Südafrika in Kontakt mit einer deutschen Gruppe, für die ich zu einer Unterstützungskampagne für den Kampf in den portugiesischen Kolonien die „Spendenbescheinigung“ für die Gabe einer DM zeichnete.

Zunehmend intensivierte sich aber auch meine theoretische Beschäftigung mit dem Marxismus. Irgendwann nahm ich das nach 80 Seiten erst einmal zur Seite gelegte „Kapital“ wieder auf und arbeitete mich mit wachsender Begeisterung durch alle drei Bände. Mein Soziologiestudium hatte ich zur Seite gelegt, eine Freundin aus Ghana hatte mich überzeugt, dass ein auf die Praxis ausgerichtetes Studium bei meinen Afrika-Plänen sinnvoller sei und ich hatte zur Medizin gewechselt. Mehrere Jahre vergingen, bis die Medizin (und im Gefolge auch ich) erkannten, dass ich für dieses Studium zu faul und undiszipliniert war. Ich heiratete eine aus Togo stammende Frau. Ihr konnten die Wirrnisse meines reumütigen Rückmarsches zur Soziologie nicht erspart bleiben. Unser Sohn wurde 1978 geboren und ich legte das Studium drei Jahre auf Eis, um tagsüber den „Alleinunterhalter“ für den „Kronprinzen“ zu geben, da sie im Krankenhaus arbeiten musste. Daneben war ich mit großer Begeisterung in politische Aktivitäten mit afrikanischen Freunden eingebunden, was meine Frau verständlicherweise nicht immer amüsierte, da sie nicht unverständlicher Weise der Meinung war, ich müsste mich doch eilen, auch mal was zum Broterwerb beizutragen. Irgendwann schloss ich mein Studium dann erfolgreich ab, aber der Stachel meines langen Studiums blieb wohl irgendwie stecken.

Der „Schläfer“

Nun musste ich mich wirklich sputen, die Verantwortung, zumindest zur materiellen Existenz der Familie beizutragen wurde immer spürbarer. Der revolutionäre Funke in Afrika, dem Kontinent, der mich durch seine nach hier gekommenen Menschen mit einer dauerhaften Zweit-Sozialisation versehen hat, schien erloschen, der Ostblock brach nicht nur zusammen, sondern schien auch unter seinen Trümmern den moralischen Anspruch eines konsequenten Sozialismus begraben zu haben. Dem weiterhin bedrohlichen Übergewicht des Westens schien medial fast gleichauf ein islamistischer Machtanspruch gegenüber zu stehen.

Das eigene Leben war mittlerweile geprägt worden durch familiäre Verpflichtungen und die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung – darum bemüht, die individuellen Chancen der durch die Tätigkeit anvertrauten Personen zu mehren, natürlich alles weiter umrahmt durch meine selbstverständlich bis heute ungebrochene Einbindung in die afrikanische Diaspora. Dann kamen familiäre Veränderungen hinzu. Auch, wenn mein Beitrag zum Familienerhalt gestiegen war, zu viel hatte ich vorher an diesbezüglichen Enttäuschungen angerichtet. Im Herbst 1986 waren die Gemeinsamkeiten in der Beziehung aufgebraucht und kurz bevor unser Sohn 18 wurde, trennten sich meine Wege von meiner Frau. Durch mehrere Zufälle, wie man das so nennt, war ich in Kontakt mit meiner damaligen Jugendliebe geraten und, wirklich erstaunlich, auf einmal schienen wir vom Leben füreinander „zugeschnitzt“, was 1997 einen Umzug nach Berlin nach sich zog. Dort allerdings ereilte mich eine schwere lebensbedrohliche Erkrankung, die Leukämie, wenn auch glücklich überstanden. Ich war wieder in familiären Banden, glücklicherweise wundervoll angenommen von den drei erwachsen werdenden Kindern (deren Vater Araber ist) meiner neuen Lebensgefährtin, mit denen sich auch mein Sohn wundervoll versteht. Ich hatte angefangen zu schreiben, einen bisher unveröffentlichten Roman, war immer noch an der Welt interessiert, aber skeptisch gegenüber “umfassenden“ Analysen, ja eigentlich in geistiger (wenn auch afrikanisierter) Kleinbürgerwelt befangen.

Da passierte es 2001! Die „Twin Towers“ wurden von entführten Passagierflugzeugen getroffen und begruben viele, viele Menschen unterschiedlichster Herkunft unter sich.

Das Erwachen

Grenzenlos das Grauen, das jeder normale Mensch empfinden muss, der die erst in der Flammenhölle um Hilfe winkenden und sich dann in letzter Not in die Tiefe stürzender Menschen gesehen hat. Alle voyeuristische Wiederholung dieser Bilder kann das Gefühl nicht mildern, dass entstanden ist, wenn man angesichts der Live-Bilder mit Bangen an die Schwierigkeit der Rettung jener Menschen aus den brennenden Türmen gedacht hat und dann diese vor den eigenen “Fernsehaugen“ in sich zusammengestürzt sind. Die Welt schien einen neuen Ost-West-Konflikt zu haben, den in eine so “bleierne Flaute“ geratenen Nord-Süd-Gegensatz massiv überlagernd.

Aber dann ging alles sehr schnell, die Regierung der USA schien nur auf ihr “Pearl Harbour“ gewartet zu haben, die Regierung Israels hoch erfreut, in “einem Abwasch“ die palästinensischen Freiheitsbestrebungen gleich mit erledigen zu können und auch auf Afrika stürzte sich der Westen noch vehementer.

Schlag auf Schlag entpuppte sich die “Verteidigung“ des Westens als frecher Angriff auf die Reste der Souveränität der Länder in der “Dritten Welt“, gepaart mit einem beschleunigten Abbau der Reste dieser vielgepriesenen “Sozialen Marktwirtschaft“, dem “Prachtstück“ im Arsenal der antisozialistischen Argumente. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass es Jahre dauerte, bis ich in vollem Umfang begriff, dass „Nine Eleven“ in der Tat ein ungeheuerlicher „Inside Job“ der Neocon-Fraktion der US-Machtelite war (http://tinyurl.com/ju3ao3a).

Die Bundesregierung hatte Deutschlands Eintritt in imperiale Kriegspolitik im Falle der illegalen Bombardierung Serbiens noch äußerst geschickt getarnt, aber nun wurde auf einmal Deutschlands Freiheit gar am Hindukusch “verteidigt“. Die Grünen waren von einer Partei sozial-ökologisch geprägter Friedenspolitik und von der Fürsprecherin der Interessen außerwestlicher Länder zu beinharten Kollaborateuren des Imperialismus geworden.

Ja, und die SPD, der ich mich noch kurz zugesellt hatte, war als sozialdemokratisch nicht mehr zu erkennen. HARTZ IV-Elend, staatlich genehme Lohndrückerei, Heuchelei in der Bildungspolitik und neuerliche Belege dafür, dass „Sozialdemokratie“ durchaus mit Kriegspolitik vereinbar (Struck sozusagen als Klon eines eisernen Kanzlers: Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt) trieben mir alle Sympathien für diese Partei endgültig aus.

Wie ich ein LINKEr wurde

Das, was zuerst nur im Kreise afrikanischer Freunde schreibend und vortragend stattfand, nämlich die neuerliche radikale Auseinandersetzung mit dieser Gesellschaft, deren Politiker nicht müde werden, von der “Transatlantischen Wertegemeinschaft“ zu faseln, und ihrer weltweiten Machenschaften, wollte sich schließlich auch in der allgemeinen politischen Arena Bahn brechen, hier, in diesem Land. Ich war mir darüber klar, dass mein Traum, einmal den Staub der europäischen Erde von den Füßen zu schütteln, ausgeträumt war, ich dort, wo mein Sohn und meine „Beutekinder“ ganz offenbar leben wollten, in Deutschland, bleiben würde. So trat ich im Herbst 2006 mit dem Blick auf das Projekt einer neuen vereinigten Linken in die damalige Linkspartei ein, um jetzt Mitglied in DIE LINKE zu sein.

Ich entdeckte die Tatsache wieder, dass soziologische und politologische Betrachtungen nicht “neutral“ wie Naturwissenschaften sein können, weil sie dann nur Herrschaftswissen liefern. Die parteiliche Betrachtung der Möglichkeiten, mehr Gerechtigkeit zu erreichen und mitzuhelfen, Gefahren von der übergroßen Zahl der Menschen in der Welt abzuwenden, die nicht die Mittel haben, sich von den Folgen systematischer Raffgier abzuschirmen, ist nötig. Mit großer Energie habe ich dann die Jahre hindurch auch in der Partei mitgearbeitet, im Bezirksvorstand meines Bezirks, Initiativen zum ehemaligen Flughafen Tempelhof (4), im Landesausschuss der LINKEn, in unserer Bezirkszeitschrift (5), im letzten Bundestagswahlkampf (6) usw. Sehr betrübt war ich, als die „schärfste Waffe“ der LINKEn, Oskar Lafontaine, aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz der Partei aufgeben musste.

Ein Linker für immer, aber auch ein LINKEr?

Sehr bald habe ich festgestellt, dass nicht nur der allgemein menschliche Opportunismus wie in der Geschichte der Linken (die anderen frönen ihm offen) so oft an der LINKEn nagt, sondern auch schlichtweg Agenten eine Rolle spielen. Das ist nicht verwunderlich, denn, wenn schon trotz prekärer wirtschaftlicher Lage das degenerierte Regime der DDR gewaltige Mittel in die Kontrolle und Lenkung der Gesellschaft durch die „Stasi“ investierte, wie viel mehr wird das Kapital in den westlichen Ländern in seine gesellschaftlichen Machenschaften stecken?! Und es gibt sie, ich habe selbst solche Leute erlebt. Drei Typen tummeln sich: der „Entpolitisierer“, der „Agent Provocateur“ und der Chaotisierer (die Typen können natürlich, pardon, auch in weiblicher Gestalt auftreten, aber Frauen sind wohl nicht zu leicht zu diesem bösartigen Doppelleben fähig). Aber mit diesen Leuten könnte man fertig werden, wie ich auch im Einzelnen erlebt habe. Es ist die jämmerliche Sehnsucht des Opportunismus´, vorzeitig den wirklichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung zum Besseren durch das „Dabeisein“ und „Mittun“ zu ersetzen, dass droht, die Partei kaputt zu machen. Dabei spielen diverse Personen und Gruppierungen eine unselige Rolle (7). Sie können scheinbar gar nicht schnell genug den Weg der „Olivgrünen“ nachgehen! Der BAK „Shalom“ (welch Orwellscher Name) spielt mit seinem Versuch, der LINKEn den Antikapitalismus und den Antiimperialismus „herauszuoperieren“ eine wichtige Rolle (8), aber er hat „namhafte“ Hinterleute. Auch möchten diese Personen den Antikriegscharakter unserer Partei aufweichen. Das geht so weit, dass eine thüringische Landtagsabgeordnete (Katharina König) die unglaubliche Chuzpe besessen hat, den Holocaustgedenktag zu entweihen, indem sie zu diesem Tag eine unkommentierte Reklame für die israelische Luftwaffe, diese „Blei gießende“ Kolonialkriegsorganisation gesetzt hat (9).

Kurzum, es steht viel auf dem Spiel. Die nächsten Jahre werden wohl erweisen, wohin es mit meiner Partei geht. Dabei wird sich zeigen, ob sie sich wirklich auf der Grundlage des von der großen Mehrheit verabschiedeten Programmes mit seinen antikapitalistischen und antiimperialistischen Grundsätzen entwickelt, oder ob dieses von „politischen Finsterlingen“ letztlich auch gerade personell ausgehebelt wird. Die Entwicklung wird sicher darüber entscheiden, ob ich ein Linker in der LINKEn bleiben kann, oder ob ich ein Linker außerhalb der LINKEn werde.

Andreas Schlüter

1) http://www.bredelgesellschaft.de/schoeps/rb1998.html im Inhalt auf Anita Sellenschloh klicken!

2) https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/06/james-baldwin-mein-dank-an-einen-grosen-toten-schriftsteller/

3) https://wipokuli.wordpress.com/2011/07/02/verirrungen-von-verquast-bis-boswillig/

4) http://www.dielinke-tempelhof-schoeneberg.de/politik/themen/flughafen_tempelhof/

5) http://www.dielinke-tempelhof-schoeneberg.de/fileadmin/tempelhof-schoeneberg/lupe/2007/Lupe0711.pdf

6) http://www.dielinke-tempelhof-schoeneberg.de/fileadmin/tempelhof-schoeneberg/lupe/2009/September/Lupe09-09gesamt.pdf

7) https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/22/die-linke-und-ihre-rechten-was-wollen-sie/

8) https://wipokuli.wordpress.com/2012/01/13/es-reicht-ein-unvereinbarkeits-beschluss-muss-her/

9) http://haskala.de/2012/01/27/27-januar-internationaler-holocaustgedenktag/

Ein Siebzehnjähriger, vollgepumpt mit germanozentrischer Wahnpropaganda und mit jugendlicher „Heldensehnsucht“, meldete sich zur Waffen-SS. Nach dem Kriege, eilig gereift, wendet er sich deutlich anderen Leitbildern zu, der Menschlichkeit, dem Miteinander. Über seine Sünde der Jugend sagt er nichts. Seine Scham ist offenbar noch größer als er selbst gewesen!

Nun sagt der Mann, vierundachtzigjährig und mit Lebens- wie Geschichtserfahrung vollgesogen, was viele aufrechte Jüdinnen und Juden in Israel selbst und in der Diaspora sagen (1), die israelische Regierung gefährdet mit ihrem Militarismus, ihrer Verachtung des Völkerrechts und der UN, mit ungebremsten Fantasien eines Angriffskrieges, gestützt auf ein Atomwaffenarsenal, das dem von England und Frankreich gleicht, den Weltfrieden. Und er sagt, dass Deutschland dabei sei, mit der Unterstützung der Vorbereitung eines Angriffskrieges neue Schuld auf sich zu laden!

Das Geschrei und die Ablass-Logik

Groß ist das Geschrei des gleichgeschalteten Teils der deutschen Presse. Und auch die Bundespräsidentschaftskandidatin der LINKEn, Beate Klarsfeld ist da, nicht, um die Kriegslüsternen zu ohrfeigen, sondern den Wahrsager zu watschen (2)! Sie hat in ihrer Jugend Großes getan und sich dann von der Mainstream-Macht Deutschlands und Israels vereinnahmen lassen. Vor wem soll man mehr Achtung haben? Mir, ehrlich gesagt, sind Menschen, die sich vom Schlimmen zum Richtigen wandeln, lieber als solche, die den umgekehrten Weg gehen.

Die politische Klasse Deutschlands huldigt seit vielen Jahrzehnten einer perversen Ablasshandels-Logik. Man zahlt für seine unbeschreiblichen Sünden und nennt das „Wiedergutmachung“. Es spielt keine Rolle, was mit den wie auch immer geleisteten Zahlungen passiert. Es spielt keine Rolle, dass Holocaustüberlebende in Israel u. a. zugunsten landräuberischer Siedlungspolitik um eine Milderung ihrer Leiden betrogen wurden (3). Es spielt keine Rolle, dass ein weiteres Volk, das schon auf Dreiviertel seines Landes verzichtet hat, auch um das restliche Viertel seines Landes und um sein Existenzrecht betrogen werden soll. Es spielt auch keine Rolle, dass durch die Unterstützung kriegslüsterner Wahnpolitik die historische Perspektive Israels immer mehr in Frage gestellt wird. Es geht nicht um „die Juden“, es geht darum, im großen Spiel des Imperiums (der USA) dabei zu sein. Und das Imperium hat Israel zu seinem „irren Kampfhund“ dressiert und konditioniert. Wenn das Imperium seines Kampfhundes überdrüssig wird, wenn er den eigenen Interessen des Imperiums gefährlich werden wird, was dann…?

Wirrnisse, Existenzrechte und Antisemitismus

Die deutsche Regierung hat ja schon zaghafte Versuche unternommen, sich ein wenig vom großen Bruder zu lösen, wie im Falle des libyschen Kolonialkrieges, aber große Teile der deutschen Presse sind immer noch anhänglicher als die Politiker. Dabeisein ist die Devise. Dabei sein, wenn die Wirrnis der äußeren Gefährdung Israels vorgetragen wird, die fantasierte Gefährdung eines Landes, dem mit seinem „atomaren Zweitschlags-Potential“ weder irgendein Land der Region noch eine Allianz von Staaten gefährlich werden könnte! In der historischen Perspektive gefährdet es sich allerdings mit dem Glauben, kriegerisch gegen alle Nachbarn stehen zu müssen, selbst. Aber, dass ist den „dabei Seienden“ auch ziemlich egal.

Dass die Regierung Israels und die hardcore-zionistische Mehrheit der politischen Klasse Israels eine Politik der Hetze gegen die Mehrheit der Semiten, die Araber, betreibt, und damit einen Motor des neuen Antisemitismus´ stellt, ist den „dabei Seienden“ auch egal. Dieser neue Antisemitismus, der fatal an den politisch wohl genehmen, „staatstragenden Antisemitismus“ des Wilhelminischen Deutschland erinnert, gehört zum „guten Ton“, denn das Problem: „wie kommt unser Öl unter ihren Sand?“. Nun, die Sache muss noch etwas ausgeweitet werden, denn auch andere islamische, aber „nicht-arabische“ Staaten haben „unser Öl unter ihrem Sand“, wagen es zudem zu glauben, sie seinen souverän! Da spielt der Iran eine wichtige Rolle.

Angriffskriege, zu Recht Verbrechen genannt

Es sei daran erinnert: verwerflich, dass ein Siebzehnjähriger sich in die Reihen einer der übelsten Abteilungen der deutschen Kriegsmaschinerie der Nazis begeben hat. Die Führer dieser barbarischen Bande sind in Nürnberg neben dem Massenmord an den europäischen Juden zu Recht für das Vorbereiten und Durchführen von Angriffskriegen angeklagt gewesen. Dabei spielte es richtigerweise keine Rolle, dass die angegriffenen Staaten nicht durch die Bank „lupenreine Demokratien“ waren. Auch der Iran ist das fraglos nicht, so wenig, wie es damals z. B. Polen war. Der Siebzehnjährige war in einer Atmosphäre des Größenwahns ohne Informationsquellen aufgewachsen.

Verwerflich aber wohl noch mehr, wenn reife Menschen heute, mit diesen Möglichkeiten der Information und diesen geschichtlichen Erfahrungen Kriegshetze und Angriffskriegs-Wahn jubelnd unterstützen und Mahner diffamieren. Und wofür? Zum Dabeisein im großen Strom der Blinden, die wieder in den „Kampf des Lichts gegen die Finsternis“ streben, die Schlacht der „Achse des Guten“!

Was aber will die israelische Regierung?

Unbedingt will die israelische Regierung den Iran angreifen, obwohl dieser „so sicher“ wie damals Saddam Hussein an der Bombe bastelt (4). Was hat Israel zu gewinnen, obwohl dieser Krieg die ganze Region um den Rest von Stabilität bringen würde? Angesichts der vielen Gefahren muss es „Großes“ zu gewinnen geben. Immer schwieriger wird es für den Hardcore-Zionismus, den Traum von Groß-Israel, schon in behördlichen Websites dokumentiert (5), umzusetzen. Nicht nur würden die westlichen Staaten die endgültige Umsetzung dessen, was sie leider selbst de facto so weitgehend unterstützen, nämlich die Einverleibung der Westbank und den „Transfer“ (die Verbringung der restlichen Palästinenser dort über den Jordan), nicht offiziell dulden. Auch wird der Widerstand von Jüdinnen und Juden nicht nur in Israel, sondern überall in der Welt gegen israelische Anmaßung und Völkerrechtsverachtung immer größer. Nur ein Flächenbrand, ein ausgedehnter Krieg, in den die Palästinenser mit gewalttätigen Protesten, oder solchen, die man als gewalttätig darstellen könnte (was leicht), hineinziehen würde, könnte propagandistisch als Szenario genutzt werden, vor dem man diesen Schritt als für die Erhaltung Israels „unabdingbar“ oder „alternativlos“ verkaufen könnte.

Höre, Israel!

Wer es gut mit Israel meint, kann da nur noch sagen: Höre Israel, lerne von den Folgen deutschen Größenwahns! Einen Mahner gegen diesen Wahn wie Grass kann man nur als ehrlichen Freund Israels bezeichnen. Und jemand, der den politischen Zynismus der Lieferung von atomwaffenfähigen U-Booten durch Deutschland anprangert, meint es mit der politischen Moral Deutschlands gut!

Andreas Schlüter

Links:

1) http://www.juedische-stimme.de/

http://www.juedische-stimme.de/?p=687

http://www.hintergrund.de/201204062011/feuilleton/zeitfragen/was-auch-noch-gesagt-werden-muss.html

http://www.youtube.com/watch?v=8i3gUFjKntw

2) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,826192,00.html

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/grass-klarsfeld-kritik

http://www.welt.de/politik/deutschland/article106161130/Klarsfeld-attackiert-Grass-mit-Verweis-auf-Hitler.html

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/klarsfeld-zieht-vergleich-zu-hitler-rede-1.2783907

3) http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.1094.html

http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.841.html

http://www.cjz-limburg.de/aktuelles/285_000_Holocaust-Uberlebende/285_000_holocaust-uberlebende.html

http://duckhome.de/tb/archives/9628-Das-Existenzrecht-Israels-wird-von-der-israelischen-Politik-in-Frage-gestellt.html

http://www.focus.de/politik/ausland/entschaedigungsfonds-holocaust-ueberlebende-um-millionen-betrogen_aid_570568.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-holocaust-entschaedigungsgelder-fbi-deckt-millionenbetrug-auf-1.1021665

4) http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-02/iran-atombombe-geheimdienst

http://www.stern.de/politik/ausland/us-geheimdienst-keine-beweise-fuer-die-iranische-atombombe-1791674.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article13887518/US-Dienste-finden-keinen-Beweis-fuer-Irans-Bombenbau.html

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/welt/439470_Baut-der-Iran-doch-keine-Bombe.html

5) http://www.moia.gov.il/Moia_en/Offices/Map.htm

https://wipokuli.wordpress.com/2012/02/12/israel-und-die-zwei-staaten-losung/

Die nun aufgeflogene Mordbande, die nicht nur mit der rechtsextremen Szene, sondern offenbar auch mit dem „Verfassungsschutz“ in Verbindung steht, wirft wirklich sehr vielschichtige Fragen auf, wie im vorigen Blogbeitrag geschehen (http://tinyurl.com/dxbmtwl). Die Feststellung, dass eine rechtsextreme Terrorwelle rollt, ist fraglos berechtigt, die Frage nach den Urhebern und Hintermännern auch.

Angesichts der unglaublichen Kampagne gegen die LINKE (teils noch von „Genossen“ befeuert, die von der steten Frage getrieben werden „wo geht´s weiter?“), ihr „Antisemitismus“ anzuschmieren, angesichts der dreisten Behandlung des Parteiprogramms der LINKEn durch die übrigen Parteien im Bundestag, muss man feststellen, die mediale Perspektive ist tatsächlich „verrückt“ zu nennen. Die CDU erscheint medial als Partei des „Schutzes“ der Verfassung, ein Witz? Aber ein schlechter!

Fließender Übergang

Das hohle Geschwafel vom „linken Antisemitismus“ verdeckt den fließenden Übergang von der CDU zum Rechtsextremismus. Dieser ist aber zu greifen, wenn man nur will. Schon mehrmals haben die wenigen verbliebenen „links-liberalen“ Sendungen den Finger ein wenig in die Wunde gelegt. Aber schon seit 2009 gibt es einen weiteren Bericht, der einem den Atem verschlägt. Diesen sollte man sich gut anschauen, dann eröffnen sich vielleicht weitere Antworten dazu, wieso es eine so enge Verquickung zwischen Verfassungsschutz und Rechtsextremismus gibt:

http://www.youtube.com/watch?v=mnJGxOdfu2A&feature=player_embedded

Andreas Schlüter

Schier aus der Haut fahren möchte man ob der Diffamierungskampagne mit ihren unsäglichen „Antisemitismus“-Vorwürfen gegen DIE LINKE. Noch wütender kann es einen machen, dass nicht nur der antilinke „Kommerz-Mainstream“ sondern auch Mitglieder der Partei selbst an diesen absurden Vorwürfen mit stricken. Dabei spielen sogar führende Mitglieder eine Rolle, die ihre „Hilfstruppen“ im BAK Shalom der Linksjugend ´solid und im Milieu der „Anti-Deutschen“ haben und pflegen.

Auch Entwicklungen, die einem nicht passen, müssen rational analysiert werden. Politische Gegnerschaft kommt nie ohne den Nachvollzug der Motive aus. Die „Linken“, die der Linie des BAK Shalom und den „Anti-Deutschen“ folgen, haben höchst unterschiedliche Beweggründe. Zweifellos gibt es bei einer Reihe von ihnen, die real und politisch leider einen „Furunkel“ am Gesäß meiner Partei, der LINKEn, darstellen, aber auch Gründe, die als solche erst einmal respektabel, wenn auch letztlich strohdumm sein können.

Ein Blick in die Geschichte

Ausgangspunkt derjenigen, die nicht im Auftrag oder aus grundsätzlich antilinker Motivation heraus handeln, ist ein Bezugspunkt in der deutschen Geschichte, nämlich der deutsche Faschismus. Gegnerschaft zu diesem muss nun keineswegs per se „links“ gewesen sein, sie kann schlicht menschlich im Sinne der Solidarität wie des selbst Betroffen Seins oder auch gestanden „bürgerlich“ gewesen sein. Jede Gegnerschaft gegen dieses politische Monster, gegen das organisierte Verbrechen gegen die Menschheit ist zu erst mal ehrenhaft!

Gegner dieses übermächtigen Monsters kamen nach Lage der Dinge nicht ohne Verbündete aus. Da gab es die Sowjetunion, leider in einem langen (vom Westen nicht unbeeinflussten) Prozess im Stalinismus versunken. Ihr verlangte der Angriffskrieg der Nazis zwanzig Millionen Tote ab, sie trug den größten „Blutzoll“ (ein furchtbares Wort) bei der Niederringung des Hitlerismus´.

Der Antifaschist als Stalinist

Was halten unsere „Genossen“ von Antifaschisten, die ihre Augen vor den Verbrechen des Stalinismus´ verschließen und „in Treue fest“ zum „Väterchen“ stehen? Nun, ich brauche das eigentlich nicht weiter auszuführen. Aber ich selbst und jeder, der ernsthaft als Linker gelten wollte, würde so jemandem zumindest attestieren, entweder etwas von der Geschichte nicht verstanden zu haben oder aber menschliche und politische Defizite gewaltigen Ausmaßes zu haben. Er würde in unserer Partei nicht nur nicht ernst genommen werden, sondern wohl herausfliegen, und das zu Recht!

Nun hat die Sowjetunion sich nach Stalins Tod ein gutes Stück von seinem Erbe befreit, ohne mit allen Übeln der autoritären Degeneration aufzuräumen, und, dass der Westen es so leicht hatte, den „real existierenden Sozialismus“ zu zerstören, hatte nicht wenig mit der Reaktion der Menschen in seinem Einflussgebiet auf diesen Umstand zu tun. Auch die Menschen, die als Antifaschisten die Politik dieser Art Sozialismus von jeder Kritik ausnehmen wollen, werden von uns höchst kritisch beschaut und wer die DDR, so wie sie war, wiederhaben wollte, würde von uns über kurz oder lang ausgeschlossen werden, Antifaschist hin, Antifaschist her. So ist der Prozess, in dem sich eine unserer „Quellparteien“ zu einer Kraft klärte, die den Sozialismus als solchen selbstverständlich nicht abschreiben wollte, aber die undemokratischen Übel beseitigen, eine der Existenzgrundlagen unserer heutigen LINKEn.

Der Antifaschist als „US-Zögling“ und Propagandist imperialer Politik

Auch der Westen war ein unverzichtbarer Verbündeter von Antifaschisten. Der sowjetische Widerstand im „großen vaterländischen Krieg“ wäre ohne die amerikanischen Waffen womöglich zusammengebrochen. Viele von den Nazis verfolgte Menschen fanden in westlichen Ländern und insbesondere den USA ein lebensrettendes Asyl.

Aber es gab nicht unbedeutende Kräfte in den USA, die durch intensive Kooperation die Nazis logistisch erst in die Lage zu ihrem Europa zerstörenden Angriffskrieg gebracht haben, wie zum Beispiel Henry Ford (praktizierender Antisemit) und der Industriegigant General Motors. Die USA hatten in vielen Bundesstaaten Rassegesetze, die den Nürnberger Rassegesetzen zum Verwechseln ähnlich sahen, nur eben gegen „schwarze“ Menschen gerichtet waren. Die USA haben z.B. im Kongo (Ermordung Lumumbas), in Vietnam, in Lateinamerika ungebremst die hässliche Fratze des Imperiums gezeigt und zeigen sie weiter.

Natürlich, letztlich in eigenem Interesse, es kann sein, dass die USA  die „Wessis“ (zu denen ich gehöre) ein bisschen davor beschützt haben, doch noch unter „Väterchens“ Kontrolle zu kommen und wirklich für die Verbrechen der Väter zahlen zu müssen. Aber dafür haben sie auch immer wieder mit Eroberungsplänen des Ostens gespielt und damit dort die Repressionsschraube befördert. Wie dem auch immer sei, ein Antifaschist, der sich eine unkritische Sicht auf den Westen und seine fortgesetzte imperiale, menschenverachtende und global rassistische Politik zu Eigen macht, mag immer noch Antifaschist sein, ein/e Linke/r ist sie oder er mitnichten!

Mildernde Umstände

Es gibt Menschen, die nicht in der Lage sind zu begreifen, dass nicht nur die Erde keine Scheibe ist, sondern Existenz als solche nicht der Euklidischen Geometrie folgt. So ist die Kugeloberfläche (wie die Erde) eine solche „Sphäre“, ein in sich geschlossener geometrischer Raum. So ein Raum hat die Eigenschaft, dass man sich nicht beliebig weit existenziell von etwas entfernen kann, sondern, dass es eine maximale Entfernung gibt. „Entfernt“ man sich weiter, nähert man sich in Wirklichkeit wieder an! So ist es auch mit Brutalität, Unmenschlichkeit, Unterdrückung und Verbrechen. Es kann passieren, dass man meint, sich immer weiter zu entfernen und irgendwann in Wirklichkeit dem Verabscheuten wieder näher rückt.

Für deutsche Linke war es in ihrer Geschichte eine ganze Zeit lang klar, dass man nicht Antiimperialist ist, wenn man dem deutschen Imperialismus als Förderer englischen oder französischen Imperialismus entgegentritt. Dass die deutsche Sozialdemokratie sich dann zum „Wilhelminismus“ „bekehrte“, gehört zu ihrer „Erbsünde“.

Gegen Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, Ausgrenzung

Nun war in der Tat für Antifaschisten in der alten BRD klar, ausgestorben war der „Urgrund“ faschistoider Exzesse keineswegs. Nicht nur, dass Alt-Nazis wieder bis in hohe politische Ämter und in die Wirtschaft (z.B. Schleyer) vordrangen, sondern in breiten Teilen der Gesellschaft das Selbstmitleid ob der Kriegsfolgen weit größer war, als das Mitleid mit den massenhaften Untaten deutscher Täter. Da gab es schon eine Menge Grund für antifaschistisch gestimmte Menschen, sich als „antideutsch“ zu fühlen, ich muss zugeben, auch ich gehöre dazu!

Ja, da lag es für manche nahe, „amerikanisch“ zu werden, wobei diese geflissentlich übersahen, wie hoch bei denen schon wieder alte Nazis im Kurs standen. Aber noch besser war es, dem unterschwelligen Nazitum damit ins Gesicht zu schlagen, dass man „israelisch“ wurde. Was auch hier geflissentlich übersehen wurde, war, dass die USA Israel zunehmend zu ihrem nahöstlichen „Kampfhund“ umzüchteten und der „urdeutsche“ Michel anfing, mit der zunehmenden israelischen Aggressionspolitik im Sinne schäbigen Ablasshandels umzugehen.

Das Grauen

Dass Juden diesen Prozess mit Grauen wahrnahmen, wie der große Erich Fried, dass wurde wieder geflissentlich übersehen. Dass Israel zunehmend „in Treue fest“ zum Apartheidstaat des damaligen Südafrika stand, diesem bei seiner Nuklearbewaffnung, um „notfalls“ Millionen Afrikaner zu pulverisieren, half, es spielte keine Rolle.

Aber, da muss man schon viel nicht sehen wollen, wenn man „übersieht“, dass in Israel Nationalismus, Rassismus, Militarismus und, ja, man muss es sagen, kruder Antisemitismus gegen die Mehrheit der Semiten, gegen die Araber, blühen und gedeihen. Für diese Leute spielt es keine Rolle, dass Israel eine völkerrechtswidrige Besatzungspolitik mit grauenhafter Unterdrückung der Besetzten durchführt. Ach ja, sind das nicht alles „Selbstmordattentäter“? Und notfalls „haben wir es nicht gewusst“!

Man ist dabei!

Dass die Industrielle Mordmaschine der Nazis als solche einzigartig war, darüber muss man nicht diskutieren, dass aber millionenfacher Mord keineswegs einzigartig ist, dass belegt z. B. ein Blick in die Geschichte des Kongo mit seinen acht bis zehn Millionen Toten allein während der Zeit des Leopoldschen „Privatkolonialismus´“ (man lese von Adam Hochschild „Schatten über dem Kongo“). Aber, wenn Antiimperialisten auf dieses aufmerksam machen, werden sie schon des „Relativierertums“ geziehen. Aber bei der völkerrechtswidrigen Bombardierung Serbiens ist der Vergleich (ohne jede Grundlage) bei dem olivgrünen Cohn-Bandit wohlfeil gewesen. Wichtig aber: man ist „Antifaschist“ ohne jedes Risiko, voll im Trend und vom „Großen Bruder“ wohl gelitten. Alle Türen stehen einem offen und viele Mittel, seinen Schmierkram „unters Volk“ zu bringen. Die Springerpresse hat immer ein offenes Ohr für einen und vielleicht irgendwann einen Schreibtisch!

Was besonders wichtig, man ist ein „Linker“, wie er oder sie „sein darf“! Allerdings, da kam nun einer und schmierte gegen jede geschichtliche Wahrheit nun auch noch allen „Linken“ an sich an, Antisemiten zu sein, weil er die Dreistigkeit hatte, die Juden zu „Haussklaven“ des Kapitalismus´ zu machen (siehe zu Wolffsohn: https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/26/die-jungste-schweinerei-wolffsohn-kettet-judentum-an-kapitalismus/ ). Wie die Knaben und Mädels des BAK Shalom nun wohl damit umgehen werden? Nun, sie findens toll, weil sie ja „regessiven Antikapitalismus“ für die Vorstufe zum Antisemitismus halten (siehe ihr Grundsatzpapier).

Linker Antifaschist

So, wie es keinen Linken geben kann, der nicht auch Antiimperialist, Antikolonialist und Antirassist ist, so kann es auch keinen wirklichen Antifaschisten als Linken geben, der nicht vehement gegen diese Übel auftritt. Wer aber hiervon Ausnahmen macht, der kämpft in Wirklichkeit als Imperialistenknecht vermeintlich gegen die Leiche des damaligen Faschismus und tatsächlich gegen Menschlichkeit und Gerechtigkeit! An dieser Wahrheit kommt kein Mensch letztendlich vorbei, es sei denn, er oder sie macht beide Augen zu, dazu die Ohren. Aber wie schon gesagt: „wir haben das nicht gewusst“!

Sie wissen, was sie tun!

Aber, es gibt auch diejenigen, die ihr gepflegtes Nichtwissen nur vortäuschen, die nicht wie „grüne“ Mädels und Jungs einer eindimensionalen Pseudologik zum Opfer fallen, sondern die diese Verwirrung bewusst pflegen, um in einer vom Imperium kontrollierten Gesellschaft zu Rang und Namen zu kommen. Es ist ihnen egal, dass der BAK Shalom Antiimperialismus und Antikapitalismus abschaffen will. Sie könnten ihre Politik – niemand will ihnen ihr demokratisches Recht, so zu denken, wie sie wollen – leicht in den anderen Parteien betreiben, aber da sind die Plätze schon besetzt! Sie sind so, wie die Mitläufer in unseligen Zeiten. Sie hätscheln „Antideutsche“ aus „urdeutschen“, besser „allzu menschlichen“ Motiven des Eigennutzes wider jede Moral. Und dann sind da auch noch diejenigen, die „im Auftrag“ handeln. Die „5. Kolonne“ des Imperiums. Die Entpolitisierer, die Agent Provocateurs, die Verwirrer und Intriganten für Auftraggeber, die zum Teil nur den einen Auftrag haben, die einzige nennenswerte Partei, die noch die Systemfrage und damit die „soziale Frage“ stellt, die einzige Partei, die man noch zu Recht als Friedenspartei bezeichnen kann, entweder auf den Weg der Olivgrünen zu zwingen oder zu zerstören!

Andreas Schlüter

Der martialische Professor

Michael Wolffsohn, Professor an der Bundeswehr-Hochschule in München (der gerne von der Desintegration des Iran schwafelt), nimmt in seinem jüngsten Artikel (online für Abonnenten der Financial Times Deutschland) eine schamlose und bedingungslose Verknüpfung des Judentums mit der Bourgeoisie und der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vor, um nicht nur Israelkritik, Antiimperialismus und „Antiamerikanismus“, sondern auch Antikapitalismus direkt zu Antisemitismus (gemeint in der Diskussion ist natürlich speziell Antijudaismus, denn die Mehrheit der Semiten sind Araber) machen zu können.

Sie machen da nicht mit

Dieser widerlichen Machenschaft stehen natürlich die zahllosen Jüdinnen und Juden gegenüber, die größtenteils von linker Position her der Vereinnahmung durch Israels Politik wütenden und verzweifelten Protest entgegensetzen! Neben so hervorragenden Intellektuellen wie Moshe Zuckermann und Felicia Langer stehen nicht nur unzählige andere mutige Einzelpersonen, sondern auch u. a. Organisationen wie “Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost”.

Wolffsohn bedient deutsche Dumpfdenke und Fascho-Glauben

Der intellektuell brandstiftende Neocon Wolffsohn macht etwas, das letztlich nachgerade perfide an deutsche Dumpfdenke appelliert und direkt die verkappten Versuche bedient, kapitalistische Exzesse als “jüdische Erfindung” darzustellen. Genau hierüber freuen sich auch die weißen protestantischen superreichen Angelsachsen (WASPs) der USA, die von der Fiktion des mit dem Hund wedelnden Schwanzes (“Israel regiert die USA”) als köstlicher Ablenkung von ihrer Macht profitieren. Von hier geht es dann direkt zum BAK Shalom (der Linksjugend ´solid), der die Verbindung von Antiimperialismus, “Anti-Amerikanismus” und “regressivem” Antikapitalismus zum “Antisemitismus” zieht. Nach dem Motto: “peng, erledigt!”. Vorgearbeitet haben so “illustre Intellektuelle” wie Joachim Fest, der frech die deutschen Nazis als Varante des Sozialismus´ darstellte.

Die „Staatsraison“ hinter der „Staatsraison“

Es ist die unselige “Multifunktionalität” des Nahostkonflikts, die es den Mächtigen in den USA über die Kontrolle der Rohstoffregion hinaus als so profitabel erscheinen lässt, den „Zauber“ ad infinitum weitergehen zu lassen: https://wipokuli.wordpress.com/2011/06/01/allmacht-usa-und-kein-ende-das-laboratorium/ .
Unter ihrer Schirmherrschaft fühlt sich die Israelische Regierung zu jedem Völkerrechtsbruch in der Lage: http://www.moia.gov.il/Moia_en/Offices/Map.htm !
Die wirkliche Herrausforderung für DIE LINKE liegt hinter der berechtigten wie nötigen Kritik an Israels Völkerrechtsbruch-Politik (und der ablasshändlerischen deutschen Unterstützung dafür) in der Notwendigkeit, die menschenverachtende Politik des US-Imperiums anzuprangern. Da liegt der eigentliche Konflikt mit der deutschen “Staatsraison” verborgen. Und da brauchen manche von uns (in der LINKEn) leider nur ein Wort vom Altgelernten zu ersetzen (andere noch nicht mal das): Von den USA lernen, heisst siegen lernen! Mal sehen, wie lange noch!

Vielleicht reitet Wolffsohn nicht nur der Teufel, sondern die pure Panik

Vielleicht offenbart sich in dieser irrwitzigen Aktion von Wolffsohn auch die ganze Panik der reaktionären Kapitalismus- und Israel-Lobby. Die fortschrittlichen und antiimperialistischen Jüdinnen und Juden, die die Speerspitze der nötigen wie berechtigten Israel-Kritik ausmachen, müssen der LINKEn nun auch noch zeigen, wie man sich als Linke verteidigt. Und sie machen das brillant! Und sie gewinnen in der Auseinandersetzung soviel Profil und werden so deutlich bemerkt, dass ihre Aussagen in die jüdischen Gemeinden ausstrahlen werden. Dort finden sich viele Menschen, die medial in genau solcher Unwissenheit gehalten werden, wie alle übrigen BürgerInnen auch. Aber man hat sie bisher zusätzlich mit dem Trauma der geschichtlichen Erfahrung besonders gut manipulieren und zu falscher Solidarität verführen können. Da hat man den Eindruck, der Professor will gerade a bisserl mehr Antisemitismus hervorkitzeln, damit die dann Verschreckten wieder besser manipuliert werden können! 

Andreas Schlüter