James Baldwin: Mein Dank an einen großen toten Schriftsteller

Veröffentlicht: Juni 6, 2011 in Kunst, Literatur, Politik
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Früh liebte ich es zu lesen, Bücher waren mir Schätze. Das Schreiben von Aufsätzen hatte in der Schulzeit jedoch oft etwas Beschwerliches, nicht selten erst im letzten Moment “abgearbeitet“.

In der dreizehnten Klasse, vor dem Abitur, wurde das anders. Ein Büchlein änderte es. “The Fire Next Time“, ein Essaybändchen von James Baldwin, dem großen afroamerikanischen Schriftsteller, dessen schriftstellerische Vielfalt, erzählerische Größe wie menschliche Zerrissenheit ich damals noch in keiner Weise überblickte, hatte mich nicht nur mit dem sachlichen Inhalt, nämlich der Kritik an der weiterhin elenden Situation der schwarzen Amerikaner, in seinen Bann geschlagen. Was mich zusätzlich faszinierte, war, dass man neben der so gut beleuchteten Sache den Schreiber sah, sozusagen als angelegtes menschliches Maß. Man nahm teil an seinem schmerzlichen Prozess der Urteilsfindung.

Ich war angestachelt, mich dem Thema, das mich bereits seit Jahren beschäftigte, selbst schreibend zu nähern und begann, einen Aufsatz darüber für die Schülerzeitung zu schreiben. Das Buch “The Fire Next Time“ leider verschollen und nicht mehr “am Lager“, der Aufsatz mit der betreffenden Nummer der Schülerzeitung ebenfalls verschollen, aber allzu gut erinnerbar ein wunderschöner Sommernachmittag in einem Café in Hamburg-Övelgönne am Elbufer; das Papier vor mir, den Stift in der Hand und diesen plötzlich als Waffe erlebend. Bei aller Erbärmlichkeit meiner Schreibversuche, ich spürte mich als jüngeren Waffenbruder dieses großen Geistes und dieser empfindsamen Seele.

Und es wuchs im Laufe der Zeit die Erkenntnis, der segensreichste Djihad, der fruchtbarste heilige Krieg, ist das Streben nach Besserem im Verein mit dem Ringen um Wahrhaftigkeit. Das durchsichtige Gewand der Wahrhaftigkeit schützt in der Schlacht weit weniger als der Wattepanzer der Selbstgerechtigkeit, aber man erlebt die Welt sehr viel realer und weiß sehr viel besser, wo man mit der Waffe des gespitzten Stiftes hin sticht. Und gestochen werden muss! Wahrscheinlich immer wieder.

Andreas Schlüter

James Baldwin

Kommentare
  1. moorbey sagt:

    On point Big Brutha Komrade. .

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