Sarrazin: Reinwaschung durch eine Nebelwand!

Veröffentlicht: Juni 7, 2011 in Politik
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Als durch eine „Spiegel“-Meldung die Vorboten der Sarrazinschen Migranten-Beschimpfung auftauchten, marschierte ich, sowohl von der Tatsache getrieben, dass mein gesamtes Erwachsenenleben sich sozial in „Migrantisches“ eingebettet findet, wie von Staatsbürgergeist getrieben (Nie wieder!), zur zuständigen Polizeiwache und erstattete Anzeige wegen „Volksverhetzung“. Verschärfend kam für mich hinzu, dass die gewissenlosen Äußerungen auf dem 31. Jahrestag des „Arbeitskreises Schule/Wirtschaft Südhessen“ im „Unternehmerverband Südhessen“ stattfanden, also im klassischen Multiplikatoren-Milieu.

In zahlreicher Gesellschaft

Glücklicher- und beruhigenderweise war ich natürlich nicht der Erste und Einzige, der oder die die Äußerungen für justiziabel hielt. Der Erste war der Oldenburger Dr. Klaus Henning Bähr, dem neben mir 45 weitere Erboste folgten. Wie berechtigt die Reaktion war, erwies sich dann bald, als der persönlich bedauernswerte neurologische Fall (Sarrazin) dann zur breiten Attacke ansetzte und vermöge seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ eine mediale Hetzkampagne gegen Migranten befeuerte, die ihm die Tore zu Talkshows und sonstigen Medienspektakeln öffnete.

Orchestrierte Kampagne

Die Mainstreammedien trieben nun mit dem „deutsch-nationalen“ Sozialdemokraten ein raffiniertes Spiel. Gern wurde etwas „politisch korrekte“ Empörung simuliert, um ihm dann einen umso breiteren Raum zu eröffnen, in dem er sein sozialdarwinistisches Gift versprühen konnte, immer nach dem Motto: „gut, dass wir mal darüber geredet haben!“. Dabei kann man ihn nicht als „nützlichen Idioten“ auffassen, wenn auch sicher die Bezeichnung ohne den Vorsatz „nützlich“ stimmen mag, denn seine Intentionen waren allemal nicht gegenläufig.

Schräg, aber gerade richtig!

Der Mann ist sicher ein „Experte“ im kapitalistischen Finanzwesen, aber ein Krüppel hinsichtlich sozialer Fähigkeiten und menschlichen Einfühlungsvermögens. Dies hatte er bereits auf breiter Front bei der Diffamierung von durch die kapitalistische Gesellschaft Ausgegrenzten, den HART IV-Empfängern, bewiesen. Er gehört also ganz und gar nicht zu den Menschen, die durch eine Behinderung zu menschlicher Stärke und gesteigerter Sozialität und Solidarität mit denen, die von Ausgrenzung und Diskriminierung bedroht sind, geführt werden. Nein, er wollte immer zeigen: meine Behinderung hindert mich nicht daran, ein „harter Knochen“ zu sein! Er wurde so zu einem kapitalistischen Diskriminierungs-Rammbock mit eigenem Willen. Prima für die Herrschenden, dass er völlig in preußischer „Nützlichkeitsideologie“ (für den Staat, damit für die herrschende Klasse) befangen ist. Seine Behinderung konnte darüberhinaus zu falscher Schonung und Symphatie missbraucht werden. Nie käme ihm in den Sinn, dass er wegen seiner Einschränkungen selbst rüden Ausgrenzungssystemen zum Opfer fallen könnte. Auch sein Name hat ihn nie nachdenklich gemacht, ob seine nationalistische Attitüde nicht zusätzliche Lächerlichkeit gerieren könnte.

Für die SPD tragbar

Nun musste man die Hoffnung haben, dass gerade angesichts der Tatsache, dass viele echte Sozialdemokraten sich empört von ihrer den Namen missbrauchenden Partei abwenden, diese ein Zeichen setzen und den „Deutsch-Nationalen“ rausschmeißen würde, aber weit gefehlt! Weder die Hetze gegen Ausgegrenzte im Allgemeinen noch die spezielle Migrantenhetze reichten aus, um den bösartigen Schwadronör als „Nicht-Sozialdemokraten“ zu identifizieren. Der Ausschluss fand nicht statt. Damit war auch indirekt einen juristische Vorgabe verbunden. Wenn diese Äußerungen schon nicht zum Ausschluss reichten, wie konnten sie dann justiziabel sein?!

Ermittlungsverfahren

Umgekehrt hätte man sich vorstellen können, dass ein Ausschluss stattgefunden hätte, und dennoch der juristischen Befund, der ohne Frage zwischen wichtigen demokratischen Gütern abwägen muss, nämlich dem hohen Gut des Minderheitenschutzes und dem hohen Gut der Meinungsfreiheit, gelautet hätte: nicht strafwürdig, wie immer man das hätte beurteilen können. In der Tat steht Sarrazin absolut in der sozialdarwinistischen Tradition, die fraglos als einer der Wegbereiter späterer verbrecherischer Exzesse deutscher Geschichte aufzufassen ist. Aber es gibt immer noch einen Unterschied zwischen dem Nährboden und dem Gewächs.

Der „grüne Elefant“

 Nun ist der Schwadronör keineswegs ohne raffinierte Hinterhältigkeit und er hat einen Trick angewandt, der aber gar nicht zum Zuge kam. In Gesellschaften, denen die Meinungsfreiheit kein so hohes Gut ist – dazu gehörte fraglos auch die DDR – hat sich ein Trick bewährt, nämlich der „grüne Elefant“. Man schmeißt Zensoren einen Brocken hin, an dem sie sich verschlucken, d. h., den sie aufgreifen, dann aber wieder auswürgen müssen. Damit ist man dann durch! So hatte angesichts der Nähe seiner Thesen zum „deutschen Unheil“ Sarrazin dann auch noch mit „jüdischen Genen“ herumgespielt, dies in der Hoffnung, dass alle sich genau darauf stürzen würden. Dann hätte er vergnügt grinsend alles wegwischen können! Warum? Die nationalistischen und ethnozentristischen Verirrungen des Zionismus haben nämlich gerade den „jüdischen Genen“ in Israel zu einem beonderen Hype verholfen! Da hatten die skeptischeren Mainstream-Medien aber doch Sorge, den Hardcore-Zionismus gleich mit ins Gerede zu bringen.

Einstellung

So kam es, wie es angesichts der politisch-gesellschaftlichen Konstellation wohl kommen musste: vor wenigen Tagen erhielt ich ein vom 16. Mai datiertes Schreiben der Staatsanwaltschaft Darmstadt, die mich darüber informierte, dass das Ermittlungsverfahren gegen Dr. Thilo Sarrazin eingestellt worden sei. man hatte seine Hausaufgaben gemacht und um sein Engagement in der Sache unter Beweis zu stellen, umfasst die Begründung der Einstellung sage und Schreibe 15 1/2 Seiten. Da soll noch einer sagen, die Staatsanwaltschaft nähme solche Fälle nicht ernst und würde ihnen nicht intensiv nachgehen! Inhalt der Begründung letztlich: er hat ja nicht gesagt, „schlagt die Migranten tot!“, das aber hinter einer 15 1/2 Seiten dicken Nebelwand verborgen.

Grundlage jeder chauvinistischen Hetze

Nun ist aber eben die Grundlage jeder Verhetzung im nationalistischen und chauvinistischen Sinne das Vorgaukeln einer existenziellen Bedrohung für die entsprechende Gruppe. Das ist die Essenz seines Buches: Deutsche passt auf, man betreibt Euren Untergang! Und Ihr macht dabei auch noch mit! Übrigens so, wie man auch in Israel den natürlichen Friedenswillen vieler Israelis damit neutralisiert, dass man von einer existenziellen Bedrohung des mit 200 bis 300 Atomsprengköpfen bewaffneten Staates faselt.

Was tun?

Nun könnte man sich in seinem juristischen Ehrgeiz angestachelt fühlen, und das wird auch sicher zu Recht bei Einigen so kommen. Das sollte auch gemacht werden. Aber, wer stärker politisch ausgerichtet ist, sollte sich nicht vom Grundsätzlichen abhalten lassen, denn, man will uns auch beschäftigen:

https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/die-sarrazin-show-wie-wir-beschaftigt-werden/

Für mich ist Sarrazin letztlich nur eine Figur im Spiel der wirklich Mächtigen, die dieses Land wieder ohne Begrenzung ins imperialistische Spiel einführen wollen. Da sind als Instrument des Kapitals letztlich die Olivgrünen mit einem mehr Auslands-Soldaten fordernden Özdemier oder einem Cohn-Bandit vielleicht noch gefährlicher!

Andreas Schlüter

 

Kommentare
  1. klaus janich sagt:

    hallo! von der weissen friedenstaube zu olivgrünen falken. der werteverfall der grünen war rasant undradikal. joschka fischer und consortinnen, wer solche freunde hat, braucht keine feinde mehr.
    ich habe mich gefragt, warum erhält dieser sarrazin nicht die gebührende geharnischte antwort? ich glaube, es liegt an der heuchelei der sogenannten gutmenschen.
    als ich vor 20 jahren in die bundesrepublik beigetreten wurde erwartete man von mir dankbarkeit und anpassung. erstaunt bis empört war man als ich die mir zustehenden rechte wahrnahm (ich kann ums verrecken mir das denken nicht abgewöhnen).
    mit neugierde sah ich mir das berlinische multikulti-fest an. irgend wie hatte ich einen faden nachgeschmack. einige jahre später sah ich klarer. multikulti war nichts anderes als separation, also kulturelle apartheid. gutmenschentum ist nichts anderes als herrenmenschentum. diese fürsorge von oben herab ist nichts anderes als entmüdigung. auch die „menschen mit migrationshintergrund“ werden das so empfinden (bis in welche generation gilt dieser hintergrund eigentlich?).
    40 jahre hat die politische „elite“ gebraucht um zu begreifen, dass es sich um EINWANDERER handelt. spätestens in der 2. generation handelt es sich im wahrsten sinne des wortes um EINGEBORENE. wie lange braucht die „elite“ um zu merken, dass es sich hier um EINWOHNER dieses landes handelt? wann erhalten diese menschen die vollen bürgerrechte?
    die grüne fürsorge-industrie ist an einer selbstbestimmten partizipation der migranten aus gründen des eigennutzes nicht interessiert.

    klaus janich

    • Schlüter sagt:

      Ja, es ist eine finstere Situation. Und das Tollste ist die Inszenierung der beiderseitigen „Empörungen“, um die grundlegende Analyse der menschenverachtenden Ethnozentrik außen vor zu halten. Kapitalismus braucht auch ethnische Hierarchie, um die Einen gegen die Anderen ausspielen zu können!
      Grüße, Andreas

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