„Allmacht USA“ und kein Ende?! Werkzeuge

Veröffentlicht: Mai 20, 2011 in Politik
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Zu Israels Bedeutung für die USA

Die Theorie des Verrückten

Auf Nixon und Kissinger geht ein Konzept zurück, die “Madman Theory“ (Theorie des Verrückten), die Chomsky in seinem Buch “Hybris, die endgültige Sicherung der globalen Vormachtstellung der USA“ (Hamburg 2003, S 261 f) beschreibt. Diese Theorie besagt, dass es von Vorteil sein könne, wenn sich ein Staat als unberechenbar und gewalttätig zeigen würde (bei anderen Staaten spricht man dann von “Schurkenstaaten“). Die Theorie fand auch ihren Niederschlag in einer Studie der US-amerikanischen Strategischen Kommandozentrale von 1995, die vorschlug, dass die USA sich nicht als >>allzu rational und kaltblütig<< präsentieren sollte. >>Dass die USA irrational und rachsüchtig werden können, wenn man vitale Interessen angreift, sollte Teil des nationalen Persönlichkeitsbilds sein, das wir von uns entwerfen.<< zitiert Chomsky (a.a.O.).

Nun ist dies ein Papier der Strategen, aber Politiker sind auf vielfältige Aspekte wie auch der Diplomatie und des demokratischen Scheins angewiesen. Fraglos möchte sich auch die Mehrheit der Amerikaner nicht als “irrational und rachsüchtig“ präsentiert sehen. Da liegt es nahe, die Theorie des “Verrückten“ zu einer Theorie des “durchgeknallten Kampfhundes“ umzuarbeiten, das sein Herrchen nur bedingt unter Kontrolle hat und dessen Leine reißen könnte. Genau dazu haben die USA nun Israel entwickelt und selbst die Stellvertreterregime im Nahen Osten müssen sich mächtig gut mit Washington stellen, damit das Herrchen auch genügend Anstrengungen unternimmt, um die Leine nicht loszulassen, denn der Monsterhund kann recht wild um sich beißen.

Die Theorie vom verrückten Kampfhund

Tatsächlich haben die USA Israel diese Rolle schon 1967 im Sechstagekrieg “auf den Leib geschrieben“, und zwar in einer zynischen Weise, die selbst das Leben eigener Soldaten für nicht viel Wert erachtete. Während des Sechstagekrieges hatten die USA vor der ägyptisch-israelischen Küste ein Schiff mit modernster Aufklärungs-Elektronik, die USS “Liberty“, und eine Lokeed Hercules C 130 im Einsatz.  Dann griffen 15 israelische Jagdflugzeuge das Schiff an, zerschossen sogar noch die Rettungsboote in dem Vorsatz, niemanden entkommen zu lassen, was ihnen aber nicht gelang. Sie mussten sich mit 34 toten Amerikanern und 172 Verletzten “begnügen“. Den Verantwortlichen in Amerika gefiel allerdings der Auftritt des “tollen Hundes“ so gut, dass die Beweise vertuscht wurden und man sich gemeinsam – nach einer Entschädigung von 3.323.500 $ seitens Israels – mit der gemeinsamen Deutung, die Israelis hätten die “Liberty“ mit einem ägyptischen Schiff verwechselt, aus der Affäre zog. Es wird der Verdacht geäußert, dass die USS Liberty Zeuge von Massakern an ägyptischen Kriegsgefangenen durch die Israelis geworden sei. Aber warum dann die komplette Vertuschung? So handelt die Macht in den USA nur, wenn sie sich davon einen strategischen Vorteil verspricht. Es gibt auch die Deutung, dass man den Angriff bei Versenkung der Liberty als angeblichen Angriff Ägyptens ausgeben wollte, um einen Vorwand für die Bombardierung Kairos zu haben (https://www.youtube.com/watch?v=vDR5dfgRhtI ).

Die grauenhafte Wirkung

Oftmals entsteht in der Öffentlichkeit aber das Bild, als sei Israel der Schwanz, der mit dem Hund Amerika wedeln würde. Da Menschen nun andrerseits an solche Verhältnisse auch nicht recht glauben möchten, herrscht Erklärungsnot. Gefährliche Modelle bieten sich an, die demjenigen, der dumpfe Vorurteile hasst, Sorge bereiten müssen. Natürlich sind Menschen, die nicht frei von Dumpf-Denke sind, geneigt den Unfug zu glauben, „die Juden regieren die Welt“. Es speist weiteren Antijudaismus.

„Wem nützt es?“, ist die alte Kriminalisten-Frage. Natürlich der Kapitalmacht, wie bei den Nazis. Nicht von ungefähr war Henry Ford praktizierender Antisemit, der sich auch mit eigenen Schmähschriften „hervortat“. Nun kann es keine Frage sein, das Personal, das die Superreichen der USA ausmacht, sind superreiche weiße angelsächsische Protestanten (White Anglosaxon Protestants = WASPs). Die freuen sich, wenn die dumpfe „Volksdenke“ solche Bilder entwickelt. Aber sie haben ein tolles neues Konzept. Sie steuern nicht direkt Antijudaismus bei, sondern nehmen die Juden in eine tödliche Umarmung, indem sie Schreihälse des Hardcore-Zionismus pushen und ihnen medial jüdische Unterstützung zutreiben. Gleichzeitig pushen sie Antisemitismus im Sinne des Hasses auf die Mehrheit der Semiten, die Araber. Allerdings freuen sich nicht nur die superreichen WASPs über wachsenden Antijudaismus, sondern es gibt Anzeichen dafür, dass auch Hardcore-Zionisten solche Dinge nicht ungern sehen, wie es eine interessante Analyse von Ralf Schoemann nahelegt: http://www.marxists.de/middleast/schoenman/ch06.htm .

Die Image-Wende in der US-Außenpolitik

Nun hat aber die Macht im Imperium entschieden, dass ihre Politik ein neues Gesicht bekommen sollte. Der Auserwählte, Barack Obama, dem ich durchaus unterstellen will, dass er selbst auch die Dinge ein wenig ändern wollte, wird sich erst nach und nach des vollen Umfangs der Fäden, an denen er hängt, bewusst. Hin und wieder erinnert man ihn ein wenig daran, wie unlängst, als das Flugzeug mit seiner Frau an Bord die Landung abbrechen musste, weil ein Militärfahrzeug (sic) auf der Landebahn stand.

Jedenfalls ist der Haupt-Slogan jetzt nicht mehr „Krieg gegen den Terror“, das ist mit Bin Ladens „Tod“, egal ob wirklich oder Fake, „abgeschlossen“, die neue Entwicklung im Nahen Osten fängt man am Besten mit „Kampf für die Demokratie“ ein, was allerdings schon jetzt in „Bomben für die Demokratie“ ausartet. Das Spektakel, das sich zwischen den Adepten des Imperiums der alten Rassistenschule und den neuen Adepten vermeintlicher „Softpower“ abspielt, ist den Mächtigen recht, hält es doch viele gutwillige und gerechtigkeitsliebende Amerikaner in den Fängen der Macht. So, wie in vielen afrikanischen Ländern Menschen auf den Straßen bei der Wahl Obamas tanzten, sind auch noch viele Amerikaner bereit, sich um „ihren“ Präsidenten zu scharren, weil dem Mythos, er sei der „mächtigste Mann der Welt“ aufsitzen, und nicht sehen können, dass er nur der „prächtigste Mann der Welt“ ist, „im Amt“, aber nicht „an der Macht“!

Dass die reale Politik, die die Macht betreibt, in Wirklichkeit unverändert ist, können leider im Westen nur Menschen mit sehr scharfen analytischem Werkzeug sehen, viele Menschen in der übrigen Welt sind da viel instinktsicherer.

Paradigmenwechsel auch bei den Werkzeugen?

Ob die Macht im Imperium auch einen Paradigmenwechsel nicht nur hinsichtlich ihrer Präsentation sondern auch hinsichtlich ihrer Werkzeuge plant, scheint mir sehr zweifelhaft. Zwar hat die Rede Obamas zum Nahen Osten bei oberflächlichen Ohren etwas Derartiges als Erwartung genährt, aber erstens ist der Kampfhund nun mittlerweile auch fürs Herrchen etwas schwer an die Leine zu legen, und zweitens erfüllt das Nahostspektakel viele Zwecke, ist multifunktional! Über diese verschiedenen Funktionen wird demnächst berichtet.

Andreas Schlüter

Zur herrschenden Klasse in den USA:

https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/

Kommentare
  1. […] In den USA ist die Demokratie längst zur Farce verkommen und die Politik wird vom militärisch-industriell-geheimdienstlichen Komplex gesteuert, wie z. B. das detailreiche und gründlich recherchierte Buch „Family of Secrets“ von Russ Baker (http://tinyurl.com/64gplzl) belegt. Dass es auch unter Obama mit „Change“ nicht wirklich etwas ist, wird zunehmend offenbar. Unter keinem US-Präsidenten sind so viele Menschen durch „Drohnen“-Angriffe umgebracht worden, wie unter dem „Friedensnobelpreisträger“ (http://uweness.eu/usa.html, http://uweness.eu/illegaler-krieg.html). Zur Macht in den USA und ihrer globalen Perspektive geben auch diese beiden Beiträge Aufschluss: https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/ und https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/20/allmacht-usa-und-kein-ende-werkzeuge/. […]

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