Desinformation: auch zu Ruanda und Ost-Kongo!

Veröffentlicht: Mai 17, 2011 in Politik
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Was ich auf Grund historischer Kenntnisse, diverser Indizien und (vielleicht) eines gesunden politischen Instinkts schon lange vertreten habe, ist nun für mich nicht nur überzeugend, sondern schauderhaft eindeutig belegt:

Politik und commerzmedialer Mainstream haben nach Nahost und dem Balkan (neben vielen anderen Beispielen) und vor Libyen auch die Geschichte des östlichen Zentral-Afrika umgeschrieben, und dies in einer Weise, die „1984“ in den Schatten stellt! Wie sehr hat man sich in der Darstellung „Afrikanischer Barbarei“ gesuhlt, in Deutschland sich gar noch heimlich durch „Afrikanische Endlösungen“ entlastet gefühlt, als man umfänglich die (sicher) zahllosen Tutsi-Opfer des Ruandischen Bürgerkrieges durch die medialen Straßen schleifte!

Die „Juden Afrikas“

hat man die ostafrikanischen Rindernomaden, die vor Jahrhunderten in die Seenregion Ostafrikas einwanderten und dort eine Reihe von Feudalreichen gründeten, genannt. Und es passte famos, so, wie man den selbsternannten „Sachwaltern“ des Erbes von sechs Millionen durch Deutschland ermordeter europäischer Juden in der israelischen Politik einen Blankoscheck zur Unterjochung der Palästinenser und der Terrorisierung der Nachbarstaaten ausgestellt hat, so konnte man auch den vermeindlichen „Beschützern“ der Tutsi, dem Regime von Kagame und seiner RPF einen Blankoscheck zum Massakrieren von großen Teilen der Hutu-Mehrheit und der Menschen im Ost-Kongo ausstellen. Wer hätte nach diesem Vergleich noch gewagt, was dagegen zu sagen?!

Eine unglaubliche Geschichtsklitterung und Verharmlosung der Nazi-Verbrechen!

nun ist schon der Vergleich als solcher eine irrwitzige Infamie, denn die rindernomadischen Tutsi, wie viele Hirtennomaden, durch Auseinandersetzungen um Weidegründe, Wasserstellen etc. kriegserprobt, haben eben eine Reihe von Reichen gegründet, dabei zwar die Sprache der Unterworfenen angenommen, aber auch recht rüde Feudal-Systeme geschaffen (so, wie wir es aus der Nach-Völkerwanderungszeit in Europa kennen). Der deutsche Kolonialismus, der dann nicht nur das damalige Tanganjika, sondern auch Ruanda und Burundi eroberte, fand Unterdrückung von Schwarzen durch Schwarze „toll“ und um nicht aus dem rassistischen Hackordnungs-Konzept zu kommen, wurde Wert auf „rassische Differenzierung“ gelegt. Die durchschnittlich größeren und scharfgesichtigeren ostafrikastämmigen Tutsi wurden sozusagen rassistisch als „Herren“ oder besser „Sub-Herren“ legitimiert! Das haben sich auch einige aus dem alten Tutsi-Adel in der Folge zu Eigen gemacht. Sie haben sich weiter als die „natürlichen Herrn“ der Hutu-Mehrheit begriffen.

Da rollen sich aber einem historisch bewussten Menschen beim Vergleich der Situation von Juden in Europa und den Tutsis die „Zehennägel auf“, wenn man sich in Erinnerung ruft, welche jahrhundertlange Odyssee der Entrechtung, Beraubung, Verfolgung und Ermordung die Juden Europas hinter sich haben, nur von ihren Nazi-Mördern zu „heimlichen Herren Europas“ erklärt, sozusagen als geschichtsklitternde „Dornenkrone“ auf die gepeinigten Häupter gedrückt!

Bemerkenswert

Nun kann man im Zusammenhang mit den westlichen Untaten der übrigen Welt gegenüber (gerade in Afrika) der „Einzigartigkeitsthese“  im Zusammenhang mit der Ermordung von sechs Millionen Europäischer Juden skeptisch gegenüberstehen, wie das z. B. Norman Finkelstein tut. Und dazu hat er einigen Grund, wenn man bedenkt, dass allein der Leopoldsche „Privat-Kolonialismus“ im Kongo acht bis zehn Millionen Kongolesen das Leben gekostet haben mag (Adam Hochschild,  “Schatten über dem Kongo“, Rheinbeck bei Hamburg, 2002, Orginaltitel: „King Leopold´s Ghost“, http://www.perlentaucher.de/buch/643.html). Wie dem auch immer sei, kein ernsthafter Mensch kann den „industriellen Charakter“ des Nazistischen Vernichtunswahns bestreiten und an dieser Stelle steht die „Einzigartigkeit“ zu Recht unangefochten da. Um so erstaunlicher, dass nun gerade der mediale Mainstream auch bezogen auf die Einzigartigkeit der Systematik willig die Parallele zwischen den Ruandischen Geschehnissen und dem Holocaust zu ziehen bereit war, und in das Horn stieß, die Hutus zu „tropischen Nazis“ umzustilisieren und von „Nazisme Tropical“ (Jean-Pierre Chrètien in Libération am 26. April 1994) zu sprechen. dazu wurde in großem Maßstab ein durchgängiges Völkermordkonzept seitens der Hutu konstruiert. Dass ein unterschwelliger Rassismus dabei die in der europäischen „Denke“ lauernde „Höherwertigkeit“ der „edlen Tutsi“ aufgegriffen haben mag, wäre eine Parallele zu geschichtlichen Umdeutungsversuchen des Faschismus als „Unterschicht-Phänomen“ von Sozialneid und Unterschicht-Dumpfheit, zu Gunsten der den Faschismus benutzenden „arischen“ Kapitalisten.

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Schluss mit den Lügen!

Diesem bisher so „erfolgreichen“ Umdrehen von Unterdrückten und Unterdrückern, teilweise von Tätern und Opfern (wobei niemand ernsthaft die Opfer unter dem Tutsi-Bevölkerungsteil wegwischen kann), stellt sich nun eindrucksvoll Helmut Strizek mit seinem Buch „Clinton am Kivu-See“ (Verlag Peter Lang GmbH, Franfurt /M 2011, ISBN 978-3-631-60563-9, http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=9783631605639) entgegen. Wer sein gründlich recherchiertes und gut dokumentiertes Buch aufmerksam liest – zugegebenermaßen keine einfache Lektüre, aber zu teuer, um es nur zu überfliegen – wird nicht umhin kommen, die Wahrheit zu erkennen.

Die intensiven Versuche von Teilen der Tutsi-Oligarchie in Ruanda, Burundi und Uganda seit der Dekolonisierung, die gesellschaftliche Macht teils sehr brutal wieder an sich zu reißen, hat die gesellschaftlichen Spannungen extrem verschärft. Dabei hat es immer wieder zahlreiche Opfer auf beiden Seiten gegeben, wobei wohl schon die Zahl der Hutu-Opfer in der Vorgeschichte die größere war.

Die von der alten Tutsi-Oligarchie komplett dominierte RPF (Ruandische Patriotische Front) schickte sich unter der Führung von  Paul Kagame und unterstützt von Yoweri Kaguta Museveni aus Uganda an, die Tutsi-Herrschaft in Ruanda militärisch wiederherzustellen und fegte alle Kompromisbereitschaft seitens der unter Juvénal Habyarimana gebildeten Übergangsregierung weg. Ein erster Anlauf misslang. Aber die USA, die sich in Somalia eine recht blutige Nase geholt hatten, machten sich die bewaffneten Putschisten zunutze. Das Imperium wurde sich des politisch-militärischen Potentials dieser Truppe zunehmend bewusst und schaltete sich ein.

Die „Enthauptung“ zweier Staaten

Dann kam es am 6. April 1994 zu einem perfiden Attentat: die zwei Staatschefs Habyarimana  und  Cyprien Ntaryamira (Burundi) wurden zusammen mit vielen anderen hochrangigen Funktionsträgern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Wissen und Billigung (und wohl Zutun) nicht nur von  Museveni, sondern der USA abgeschossen. Der Angriffkrieg der RPF kostete nicht nur von vornherein vielen Hutus das Leben, sondern nahm bewusst die einsetzenden panikartigen Ausschreitungen an Tutsis in Kauf. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass Kagames RPF die Ausschreitungen gezielt anheizte, um ihren Machtanspruch vor der Welt umso nötiger erscheinen zu lassen.

Die schon durch Fluchtelend und Lagerpein aufgepeitschten Hutu haben sicher oft unmenschlich gehandelt, wenn sie jemanden in die Finger bekamen, den sie der Beziehung zu den Angreifern verdächtigten. Aber man stelle sich einmal vor, in Südafrika würde sich eine gut bewaffnete Truppe von Apartheidsfaschisten anschicken, die Macht  zurückzuerobern, und würde dabei auf breitere weiße Unterstützung treffen, der panische schwarze Volkszorn würde kaum noch zwischen beteiligten und unbeteiligten Weißen unterscheiden können!

 Aber es ist wohl nicht so, dass die Mehrheit der Opfer Tutsi gewesen wären, so furchtbar viele, wie es waren. Es gibt gute Gründe zu vermuten, dass die Opfer-Relation etwa 280.000 Tutsi-Opfer zu 750.000 Hutu-Opfern betrug (Strizek 2011, S. 148). Dabei ist natürlich die Einteilung eine recht künstliche, da es nicht wenige Menschen mit Abstammung aus beiden Gruppen gab, aber die Zugehörigkeit „patrilinear“ bestimmt wird. Da hatte die RPF einen „wunderbaren“  Trick: erstens wurden gerne tote Hutu als Tutsi gezählt, und wo das nicht möglich war, waren sie eben gemäßigte Hutu, die von „Hutu-Extremisten“ getötet worden waren, sozusagen „Tutsi-ehrenhalber“.

Der Völkermord an den Hutu ging weiter

Nun hatte das Morden nach der Machtübernahme der RPF keineswegs ein Ende. Viele Hunderttausende von Hutus, die in den Osten des damaligen Zaire (ehemals „Belgisch-Kongo“, nach Mobutu „Demokratische Republik Kongo“). geflüchtet waren, wurden von der RPF als Bedrohung empfunden, zumal die „Weltöffentlichkeit“ nach Rückführung der Flüchtlinge verlangte. Aber mit dem Blanko-Scheck von Kagames Ruanda, ein „zweites Israel“ zu sein, fiel es nicht schwer, nun zusammen mit Uganda den Kongo massiv kriegerisch zu tyrannisieren. Das komplexe und verwirrende Geschehen kann hier in der Kürze nicht dargestellt werden, aber es fielen nicht nur hunderttausende Hutu den mörderischen Maßnahmen Ruandas zum Opfer, sondern der Ostkongo geriet zum Nutzen westlicher Konzerne mit seinen ungeheuren Rofstoffen, allen voran dem begehrten Erz Coltan, weitgehend unter ruandische Kontrolle. dabei wurde von US-Seite auch erwogen, den Osten Kongos abzuspalten und Kagame sozusagen gänzlich auszuliefern. Das sich Ugandas Muzeweni und Ruandas Kagame dabei zunehmend über die Beute entzweiten, ist eine zusätzliche „Pikanterie“.

Jedenfalls ist die durch die US-gestützte und inspirierte Destabilisierung und teilweise Besetzung des Ostkongo in drei ausgedehnten „Kongo-Kriegen“ für Millionen von Toten, ungezählige Vergewaltigungen und das Massenelend der unter Warlords sich abplackenden Slavenarbeiter für das Coltan der westlichen Handys verantwortlich. Die Kapitaleigner reiben sich die Hände!

„Von 1998 bis 2004 kamen gemäß Angaben des International Rescue Committee 3,9 Millionen Menschen im Kongo ums Leben, die Mehrzahl allerdings aufgrund von Krankheit und mangelnder Versorgung mit Lebensmitteln. Nirgendwo sonst starben seit dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen in einem so kurzen Zeitraum“.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Demokratischen_Republik_Kongo#Belgisch-Kongo)

Strizek ringt sehr ehrlich um eine Deutung der westlichen Motive, insbesondere der der US-Politik. So ist sein Schluss sicher richtig, dass auch das Ziel, den Sudan als „Gefährder“ des US-Satrapen Mubarak und ihrer Nahostinteressen zu destabilisieren und einen „Regime-Change“ zu erreichen, eine gewichtige Rolle spielte, sicher nicht falsch. Ich denke aber, man kann die Triebkräfte letztlich nur auf Grundlage einer umfassenden gesellschaftlichen Analyse der wirklichen Macht in den USA begreifen, hier wiese ich auf meine Darstellung in https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/ hin. Die US-Regierungen werden wahrscheinlich manchmal erst im Laufe der Entwicklung von der „wahren Macht“ hinter ihnen auf „den richtigen Weg gebracht“. dafür bedarf es oft bestimmter tatkräftiger Personen, die wissen, wo das Imperium „hin muss“. Als eine solche Figur tritt für mich in diesem Buch immer wieder Madeleine Albright hervor, die ja auch den kadavergrünen Josef Fischer immer wieder effektiv „ans Händchen“ nahm!

Helmut Strizek, der 1942 geboren ist, und dessen lange Erfahrung durch eine Tätigkeit für eine EU-Delegation in Kigali eingeleitet wurde, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Menschen, die sich nicht mehr um ihre Karriere Gedanken machen müssen, klare Bilder malen können. Wer über das „Imperium“ und seine Methoden, über die Doppelmoral und die Methoden der Desinformation, aber auch schlicht über die Bereitschaft des Imperiums, viele Hunderttausende Menschenleben zu „opfern“ mehr erfahren will, aber auch, wer mehr über afrikanische Zeitgeschichte wissen will, sollte dieses Buch lesen, „it´s a must!“.

Andreas Schlüter

Weitere wichtige Links:

http://rwandarwabanyarwanda.over-blog.com/article-the-truth-about-what-happens-in-rwanda—by-christopher-black-51605641.html

http://www.taylor-report.com/Ruanda_1994/index.php?id=intro

Kommentare
  1. […] Desinformation: auch zu Ruanda und Ost-Kongo! […]

  2. Sabine Grund sagt:

    HIer ist neues Material:

    http://monthlyreview.org/press/books/pb2129/
    The Politics of Genocide
    Foreword by Noam Chomsky
    Edward S. Herman and David Peterson

    http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=20879
    The Politics of Genocide
    Review of Book by Edward S. Herman and David Peterson

    http://dissidentvoice.org/2010/07/reviewing-the-politics-of-genocide/
    Reviewing The Politics of Genocide

    http://www.theglobeandmail.com/news/world/africa-chronicle/the-politics-of-genocide-in-rwanda/article1494596/
    The politics of genocide in Rwanda

  3. Sabine Grund sagt:

    Violence can only be concealed by a lie, and the lie can only be maintained by
    violence.

    – Aleksandr Solzhenitsyn

  4. Sabine Grund sagt:

    Und im Kongo sterben um die tausend Menschen täglich an den Lügen, die zu Ruanda weiter aufrecht erhalten werden:

    http://www.nytimes.com/2007/10/07/world/africa/07congo.html
    Rape Epidemic Raises Trauma of Congo War
    By JEFFREY GETTLEMAN
    Published: October 7, 2007

    http://www.france-rwanda.info/article-peter-erlinder-kigali-s-one-sided-genocide-narrative-79645561.html
    Dimanche 17 juillet 2011
    Peter Erlinder : Kigali’s One-Sided „Genocide“ Narrative
    Professor Peter Erlinder Interview
    „Genocide of Tutsi“ story now memorialized by the RPF government does not
    explain the whole story of what happened in 1994
    By Supreetha Gubbala

    • Schlüter sagt:

      Liebe Sabine Grund,
      es ist überdeutlich, dass die Ereignisse in Ruanda und im Ostkongo die Folge insbesondere von US-Bestrebungen sind, die enormen Bodenschätze des Kongo ohne die Kontrolle des fraglos fragilen und schwer angeschlagenen Kongo auszubeuten. Es scheint, dass sich bestimmte Erscheinungen der westlichen Expansion in Afrika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast eins zu eins wiederholen. „Das Herz der Finsternis“ ist in Wirklichkeit das Herz der Finsternis kapitalistischer, imperialistischer und kolonialistischer Gier!
      Danke für den Zuspruch und die Aufmerksamkeit!
      Grüße
      Andreas Schlüter

    • Schlüter sagt:

      Liebe Sabine Grund,
      danke für das vielfältige Material!
      Herzliche Grüße
      Andreas Schlüter

  5. rauskucker sagt:

    Zustimmung in der Linie, auch den Schlußfolgerungen, hatte ich ja in dem andern Kommentar schon ähnlich angedeutet.
    Widerspruch in einem zentralen „Detail“, wobei hier von Detail zu sprechen schon eine Verharmlosung ist. Du verharmlost den Völkermord an den Tustis, offenbar in der Hecksee des Herrn Strizek. Ich habe dessen neues Buch leider nicht gelesen, kenne den aber lange genug, um ihm und seinen Zahlen nicht über den Weg zu trauen.
    „Der Angriffkrieg der RPF kostete nicht nur von vornherein vielen Hutus das Leben, sondern nahm bewusst die einsetzenden panikartigen Ausschreitungen an Tutsis in Kauf. “
    Beim Wort vom bewußt Inkaufnehmen stimme ich noch zu. Die „panikartigen Ausschreitungen“ sind eine Frechheit. Es gab eine faschistische Partei, die seit Jahren klar die Ausrottung aller Tutsis propagierte, die nach dem Abschuß des Präsidenten an die Macht gelangte und ihr Vorhaben umsetzte.
    Für mich ist dieser Mordvorsatz das entscheidende Kriterium, wegen dem ich den Völkermord an den Tutsis als Einzigen als Parallelfall zur Shoah ansehe. Was deine Bemerkung zur „Einzigartigkeitsthese“ angeht: diese hat nicht viel mit der Zahl der Opfer zu tun. Es geht nur um den Vorsatz.
    Daß du die von den Faschisten getöteten Hutus ins Lächerliche ziehst ist so, als würdest du dich drüber mokieren, die deutschen Nazis hätten ja schließlich auch Deutsche (Kommunisten z.B.) umgebracht. Das geht nicht.
    Um den Plan von Kagame (und seinen US-Freunden) und seine Politik als zynisch und sonstwas zu erkennen, ist es nicht nötig (auch nicht klug), den Fakt des Völkermordes in irgendeiner Weise kleinzureden.

    Ich empfehle als bessere Lektüre über die Zusammenhänge die Bücher von Gerard Prunier. (ich bin da leider auch nicht auf dem neuesten Stand. Für mich zentral war sein Buch „The Rwanda Crisis“ von 1995, in dem u.a. er die politische Entwicklung der faschistischen Hutu-Power-Bewegung gut herausgearbeitet hat.)

    • Schlüter sagt:

      Danke für das ausführliche Eingehen auf die Beiträge! Bin jetzt zu kaputt, um im Detail zu antworten. Melde mich in den nächsten Tagen!
      Herzliche Grüße und schönen Abend,

      Andreas

      • Theophile Habiyambere sagt:

        BERICHT ÜBER DAS DERZEITIGE VERWIRRSPIEL UM DIE BÜRGERLICHEN UND POLITISCHEN RECHTE IN RUANDA

        Das Jahr 2010 war ein Wendepunkt und hat die Augen über die reale politische Stabilität in Ruanda geöffnet. Ähnlichen Anzeichen und Symptome drohender Unruhen wurden beobachtet:
        – in den späten 50er Jahren kurz vor Beginn der sozialen Revolution 1959, die schließlich zur Abwahl der Monarchie führte,
        – im Jahr 1973, kurz vor dem Militärputsch, welcher zum Sturz der ersten Hutu-Führer der Unabhängigkeitsbewegung führte,
        – im Jahr 1990 vor dem Beginn des RPF-Kriegs und
        – 1994 kurz vor dem Völkermord in Ruanda.
        Die damaligen Führungen und die internationale Gemeinschaft ignorierten die schreienden Warnungen bis hin zur totalen Implosion und Chaos.
        Das ist heute nicht anders. Die unabhängigen Medien werden unterdrückt, die Opposition vereitelt, die Oppositionschefs sind im Gefängnis, andere im Exil, die herrschende Clique monopolisiert Wohlstand, Wirtschaft und Macht, die Justiz ist politisiert und in den Händen der Herrscher, im Land herrscht immer mehr Angst. Diejenigen, die dieser Diktatur entflohen sind, werden in ihren Gastländern verfolgt und ermordet. Darüber hinaus nutzt das Regime die Staatspolizei zur Stabilisierung seiner Herrschaft. Selbst internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Terror im Land.

        Ruanda ist ein Ein-Partei-Regime, das durch einen Mann, der alle Organe des Staates beherrscht, kontrolliert wird. .Die Regierung erlaubt keine Registrierung von Oppositionsparteien, geschweige denn deren freies Wirken. Medien, die Kritik an der Regierung ausüben, werden entweder von der Regierung geschlossen oder werden durch rechtswidrige Operationen und Angriffe gegen den Journalisten zur Schließung gezwungen.
        Die Menschen in Ruanda haben keine Freiheit zu diskutieren, geschweige denn zu entscheiden, wie sie regiert werden wollen. Das politische System schließt die Mehrheit der Bevölkerung von politischer Teilhabe aus.

        In Ruanda gibt viele Klagen über schwere Repression, darunter willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, Verschleppungen und außergerichtliche Hinrichtungen von Gegnern des Regimes. Institutionen des Staates sind weiterhin der breiten Palette von Menschenrechtsverletzungen wie willkürliche Festnahme und Inhaftierungen, unfreiwilligem Verschwinden und außergerichtlichen Tötungen unterworfen. Der Schutz des menschlichen Lebens wird schon lange nicht mehr respektiert. Im Laufe der letzten Monate wurden mehrere Mitglieder der Oppositionsparteien, der Zivilgesellschaft, der unabhängigen Medien und Einzelpersonen, die als Gegner des Regimes vermutete wurden gejagt, verhaftet, gefoltert, inhaftiert oder getötet. Es gibt viele Vorwürfe, dass die Agenturen des Ruandischen Staates mehrmals versucht haben die Führer der Opposition wie Col. Patrick Karegya, General Kayumba Nyamwasa in Südafrika, und Dr. Gerald Gahima bei einem Besuch in Brüssel im Februar 2011 zu töten, dasselbe passierte mit Jonathan Musonera und René Mugenzi in London imMai 2011.
        Opfer des staatlich geförderten Terrors, also Personen die in jüngster Zeit die Gerechtigkeit mir ihrem Leben bezahlt haben sind Andrew Rwisereka, Vize-Präsident der Demokratischen Grünen (er wurde in Butare enthauptet aufgefunden), Jean-Léonard Rugambage, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Umuvugizi (erschossen in Kigali 14. Juli 2010), John Bosco Rutayisire (ermordet gefunden in Kabuga am13. November 2010 ).

        Es gibt Beispiele von Vorfällen mit Schusswaffen in den verschiedenen Teilen des Landes. Habimana Jean de Dieu aus dem Gisagara Bezirk, Süd-Provinz (erschossen in der Nacht vom
        6. Auf den 7. März 2011), Hitayezu J. Pierre aus dem gleichen Ort wurde ungefähr zwei wochen später in der Nacht vom 22. März 2011 getötet. Evariste Nsabimana aus Gatsibo Bezirk wurde in der Nacht vom 11. April getötet. In der Nacht vom 9. Mai 2011, wurde Nyirinkwaya Aloys im Dorf Nyarinyiny ermordet (…Liste der ermordeten geht weiter…).

        Viele Mitglieder und Führer der Oppositionsparteien (einschließlich Charles Ntakirutinka von der Ubuyanja Partei; Bernard Ntaganda, Präsident der Sozialdemokratischen Partei Imberakuri; Victoire Ingabire, Präsident des FDU-Inkingi Partei und Deo Mushayidi der PDP Imanzi Party) bleiben in Haft, sowie einige unschuldige Angehörige der Oppositionsführer. Das Klima der Repression, welches in Ruanda herrscht, hat es unmöglich gemacht für Zehntausende von Flüchtlingen, die im Exil bleiben nach den Ereignissen des Jahres 1994 nach Ruanda zurückzukehren. In der Tat geht zwingt Lage der Menschenrechte in Ruanda viele Menschen aus allen Ebenen der Gesellschaft auf den Weg des Exils.

        Ich beziehe meine Beobachtungen auf die neuesten Berichte von Amnesty International und Human Rights Watch.
        Am 3. Juni 2011, startete Amnesty International eine freie Kampagne für frei Meinungsäußerung in Ruanda und hat Präsident Kagame dazu gedrängt Oppositionspolitiker, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten zu ermöglichen, ihre Meinung ohne Angst um ihre Sicherheit zu äußern.
        In der mündlichen Erklärung auf der 17. Sitzung des Menschenrechtsrates in Genf am 7. Juni 2011, ermahnte Human Rights Watch Präsident Kagame, „ eine demokratische Gesellschaft aufzubauen“. Journalisten und politischen Parteien sollte ihren legitimen Aktivitäten nachgehen können ohne Angst vor politisch motivierten Anklagen oder Einschüchterungen.

        Die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in Post-Konflikt-Gesellschaften, die nicht in demokratischen Werten verwurzelt ist, ist die Achtung der Menschenrechte und eine breite Einbeziehung. Die in Ruanda herrschende endemische Straflosigkeit ist ein unüberwindliches
        Hindernis für einen dauerhaften Frieden und nachhaltige Entwicklung. Ruanda ist in einer Situation der schweren Krise. Wir sind überzeugt, dass gewaltsame Konflikte so gut wie sicher nach Ruanda zurückzukehren, wenn die gegenwärtige Regierung nicht einem Dialog zustimmt, der zu einem Prozess der friedlichen politischen Reformen und zur Demokratie führen kann.

        Zusammenfassung

        Das Klima von Angst und Schrecken, das in Ruanda herrscht, erlaubt der ruandischen Gesellschaft nicht, sich frei zu äußern und zu diskutieren. Die Menschen in Ruanda zählen auf die Unterstützung der ruandischen Entwicklungspartner, insbesondere auf Deutschland und andere Länder der europäischen Union zur Förderung der Achtung der Menschenrechte.. Ich glaube dass Ruandas Entwicklungspartner, insbesondere diejenigen, die eine enge Beziehung mit der gegenwärtigen Regierung haben, Verantwortung für einen friedlichen Wandel und Fortschritte bei der Gewährleistung der grundlegenden Menschenrechte tragen.

      • Schlüter sagt:

        Lieber Theophile Habiyambere,
        danke für die Aufmerksamkeit und die ausführliche Dartsellung der derzeitigen Situation! Zu den eigentlichen Triebkräften für die schrecklichen Geschehen in Ruanda und dem Ostkongo verweise ich auf meine Entgegnung auf den Kommentar von Sabine Grund. Für etwaige zusätzliche Kommunikation zum Thema meine E-Mail: a-schlueter-kwaku@gmx.de .
        Mit freundlichem Gruß
        Andreas Schlüter

    • Schlüter sagt:

      Lieber Rausgucker,
      erst einmal Dank für die Lektüre meines Beitrags. Ich glaube nicht, dass wir – wie Du ja auch sagst – hinsichtlich unserer Beurteilungsbasis große Differenzen haben. Du irrst Dich allerdings, wenn Du mir unterstellst, dass ich die Grausamkeiten von Seiten der RPF-Gegner bagatellisieren wollte. Aber, ich halte es gelinde gesagt für Unfug, diese, oder Teile von ihnen zu Faschisten stilisieren zu wollen, das ist die absurde Linie der Argumentation „fascisme tropicale“, die ich in jeder Hinsicht ablehne. Ja, angesichts der offenbaren Versuche der RPF, die alte „Tutsi-Herrlichkeit“ wieder herzustellen, sind viele der Aktionen bei aller Verurteilung als „panikartig“ zu kennzeichnen. In den Bauernkriegen sind von den rebellierenden Bauern furchtbare Grausamkeiten verübt worden. Waren diese Faschisten? Ich glauben da würden wir jede fruchtbare Analyse hinter uns lassen. Strizek hat übrigens mit seinem Buch nicht viel zu gewinnen, sodass man opportunistische Motive und eine daraus entspringende Manipulation als nicht sehr wahrscheinlich ansehen kann. Beim gründlichen Lesen seines Buches habe ich den Eindruck eines vornehmlich an schlichter Wahrheit interessierten Analytikers gewonnen. Die Darstellung traf auf eigene jahrelange Überlegungen zu den entsetzlichen Ereignissen.
      Viele verurteilenswerte Grausamkeiten von den Gegnern der RPF, aber offenbar hat diese noch mehr angerichtet. Ausgangspunkt aber die US-Kapitalinteressen, gegossen in die Albrightsche Politik, die darauf abzielte, den Kongo geradezu im Stile der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auszuplündern. Und der angezettelte Krieg geht im Prinzip weiter.
      Hoffe auf weitere Dialoge zu meinen Beiträgen.
      Mit freundlichem Gruß
      Andreas Schlüter

      • rauskucker sagt:

        Faschismus gabs in Europa schon im Mittelalter. Warum sollten Afrikaner sowas nicht auch können?

  6. Wittig, Siegfried sagt:

    Lieber Andreas, ich kam erst nach meiner Rückkehr aus Thüringen dazu,
    Deinen scharfzüngigen Artikel zu lesen.Bemerkenswerte, interessante
    Gedankengänge mit Hintergrundinformationen, die hoffentlich viele
    Leser finden. Bis bald Siggi

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