Mit ‘Psychologie’ getaggte Beiträge

chair-force

Vor ein paar Tagen habe ich bei einem Besuch etwas erlebt, dass mir keine Ruhe lässt! Verwandte waren im Urlaub in Dänemark gewesen und der neunjährige Sohn hatte im LEGO-Land ein Spiel für das neue Wii-System „ergattert“. Ich gesellte mich zu ihm, um zu sehen, was er da spielte. Es war „Star Wars“ mit Legofiguren. Nun bin ich ohnehin kein Fan dieses unsinnigen Films, aber, mir gefror das Blut in den Adern, als ich sah, dass der neunjährige Spieler unter anderem mit seinem Laserschwert munter Gegner köpfte!!! Zwar die Köpfe von Legofiguren, aber, man sah sie richtig fliegen!

Was ist in der Gesellschaft los? Sollen schon Kinder zu zukünftigen „Chair Force“ Piloten erzogen werden, die dann ohne Tötungshemmungen fröhlich lebende Figuren wie im Computerspiel abknallen? Oder aus dem Hubschrauber heraus, wie durch Mannings heldenhaftes „Leaking“ als „Kampf für Demokratie“ der USA zu bewundern ist?

Es ist ekelhaft! Und: das Spiel war ausgewiesen für Spieler ab SECHS Jahren!

wii-starwars-lego

http://tinyurl.com/pufuslj

Shitstorm on LEGO

Andreas Schlüter

Ganz unumwunden erkennen auch marxistische Linke die Fortschrittskraft von Marktwirtschaft und privatem Kapital in einer bestimmten Phase menschlicher Geschichte an. Wohin allerdings die völlige Entgesellschaftlichung aller Lebensbereiche und die totale Entfesselung des Gewinnstrebens führen können, davon legt die Situation und verzweifelte Orientierungslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein beredtes Zeugnis ab.

Wie groß war der Medienrummel nach dem Drama in der Erfurter Schule. Mehrmals sind weitere Dramen dieser Art geschehen. Die Fernsehdiskussionen drehten sich in medial eindrucksvollem Kreise. Mögliche Einzelursachen wurden konkurrenzartig gegeneinander gestellt. Was völlig fehlte, war eine Gesamtsicht, die tiefen Ursachen werden geflissentlich übersehen.

Jugendliche werden von Werbung überflutet, die keine berechtigte Produktdarstellung, sondern eine raffinierte psychologische Manipulation ist, die Begehrlichkeit unkontrollierbar zu steigern. Daraus resultiert natürlich auch die erhöhte Bereitschaft zu Ladendiebstählen und sonstiger Kleinkriminalität. Für die Folgen zahlen die jungen Menschen mit belastetem Lebensstart und die Gesellschaft mit teuren Maßnahmen. Um Werbung und Kommerz ging es den Konservativen auch bei der Einführung des Privatfernsehens, das eine Flut “lustvoller“ Gewaltdarstellungen eben dort nach sich zog. All die Jugendlichen, die wenig Grund-lagen hatten, sich als den Helden zu sehen, konnten nun andere Projektionen entwickeln. Das, was in der Frühzeit der Computertechnologie noch eher zu “Pacman“ und “Mario“ reichte, konnte durch aktive Mitwirkung des militärischen Sektors zu lebensechten Blutorgien als “Ego-Shooter“ ausgebaut werden.

Es ist keine Frage, die Mehrheit der jugendlichen Nutzer wird durch diese Spiele nicht zu Killern, wenn sie auch Schaden an ihrer Mitleidsfähigkeit nehmen mögen. Es genügt aber, wenn nur ein Promille oder ein zehntel Promille von ihnen in solcher Gefahr sind, um unsere Gesellschaft und speziell die Schulen zu einem sehr gefährlichen Platz zu machen, denn zu den “Ego-Shootern“ kommen noch all die, bei denen dieses “Training“ zu “einfacher“ erhöhter Gewaltbereitschaft mit Faust oder Messer führt. Folgen wir den amerikanischen Entwicklungen, wird die Gefahr für einen jungen Menschen oder einen Lehrer, einem Ego-Shooter zum Opfer zu fallen, sehr viel größer sein, als Opfer des vermeintlich so bedrohlichen islamistischen Terrors zu werden.

Dass diese mediale Entwicklung nicht nur die Gewaltspirale anheizt, sondern gleichzeitig durch die Kombination von psycho-logisch manipulativer Werbung, Unterhaltung um jeden Preis und neurotischer Vereinzelung lernunfähig und unfähig zu sinnvoller Tätigkeit im Verbund mit anderen Menschen macht, liegt auf der Hand, und die Klagen von Ausbildern und Lehrern haben einen sehr realen Hintergrund.

Schon jetzt nimmt die Fähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Gesprochenes oder Geschriebenes sinnvoll umzusetzen, somit zu lernen, dramatisch ab. Die Schere zwischen den Anforderungen der modernen Technikgesellschaft und der Fähigkeit sowie dem Willen zu lernen, klafft immer weiter auseinander. Fazit kann nur sein, entfesselter und völlig ungezügelter Kommerz zerstört sukzessive die Grundlage der Gesellschaft und gerade auch die der modernen Wirtschaft.  Aber, die Affinität von so „enthirnten“ jungen Menschen zu „Gewalt per Joy-Stick“ nimmt sicher zu. Die Freude per Joystick drückt sich dann im Ausruf „we got `em, we got `em“ aus, wenns ordentlich gekracht hat, sowas kann man zum „Bomben für die Demokratie“ gut gebrauchen.

Andreas Schlüter

Warum nicht sein kann, was nicht sein darf

Wenn man sich erst einmal auf die Wahrheit, oder vorsichtiger gesagt, auf die unnachsichtige Suche nach ihr eingelassen hat, kann es einen schon wild machen, dass so viele Menschen in den „westlichen Industriegesellschaften“ sich mit dem wohlfeilen Mainstream-Geplapper der Massenmedien zufrieden geben, dass so viele Menschen z. B. in Deutschland die Deutungen des Zeitgeschehens und der Konflikte akzeptieren, wie sie von der „Tagesschau“, dem „Heute-Journal“ oder gar den „Nachrichten“ der Kommerz-Sender weitgehend widerstandslos schlucken. Es ist dies auch fraglos ein sehr bedauerlicher Umstand, für den die Meisten, die in diese Falle laufen, ja auch den Preis der Verkennung und damit der systematischen Vernachlässigung ihrer wirklichen Interessen bezahlen. So glauben sie eben, dass der „Krieg gegen den Terror“, „Bomben für die Demokratie“ und die Durchleuchtung des Bürgers nötig sind. Wär das nicht so, wären die Politiker ja Lügner, das darf ja wohl nicht sein!

Warum ist dies aber so?

Vorweg: es war kaum jemals anders, aber, die Informationsquellen sind heute sehr vielfältig. Früher haben recht einfache Deutungssysteme meist religiöser und „nationaler“ Art genügt, um Menschen auf die obrigkeitliche Deutung von Geschehnissen „einzuschwören“. Der Bildungsstand war überwiegend ein recht niedriger und die Arbeitsbelastung noch um Einiges höher. Da war man so kaputt, dass kaum noch Energien für eigene Deutungen übrigblieben. Dennoch haben gerade in der Arbeiterbewegung (insbesondere in „Arbeiterbildungsvereinen“) viele Menschen Anstrengungen auf sich genommen, sich Analysemethoden anzueignen. Heute aber sind alle diese Strukturen aufgelöst. Sie waren aber ein wichtiges Mittel der kulturellen Anpassung an Probleme. Sie waren eine Leistung aus Not und gegen die individuelle Bequemlichkeit erarbeitet.

Die evolutionäre Ausstattung

Unsere „Säfte-mäßigen“ Neigungen sind immer noch von den langen Zeiträumen der menschlichen Evolution, von der viele zig Jahrtausende währenden Phase des Lebens in relativ kleinen Gruppen geprägt. Diese haben zwar schon recht lange Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gekannt, aber sie waren doch immer erheblich von notwendigem Grundkonsens geprägt. Die äußeren Gefahren waren nicht angetan, individuell zuerst einmal auf den eigenen Kopf zu setzen, oder den Anführern der Gruppe gegenüber auf eigenen Deutungen zu bestehen. Erst die Form der entwickelten kapitalistischen Arbeitswelt erlaubte und erforderte klasseninterne Geistesarbeit, um nicht völlig „über den Tisch gezogen“ zu werden. Nur, die spontanen Neigungen sind immer noch von der langen evolutionären Phase vorher geprägt.

Herrschaftswissen

Genau diese Mechanismen sind auch Gegenstand psychologischer Forschung. Nicht nur die Werbeindustrie macht sie sich zunutze. Aber wir dürfen uns im Politischen Felde die Dinge nicht zu einfach vorstellen. Da wird nicht direkt die Parole ausgegeben (abgesehen von den Bilderberg-Konferenzen, wo an die mediale Funktionselite weitergegeben, was „gesellschaftlich notwendig“ ist), es werden Schreiberlinge langsam und stetig über Gelegenheiten an die „richtige“ Darstellung herangeführt. Dazu gehört in den westlichen Industriestaaten auch die mediale Politik, der großen Zahl der Menschen unter die Haut zu bringen, dass sie die Privilegien, in den imperialen Ländern zu leben und ein bisschen von der Ausplünderung der übrigen Welt mit profitieren zu dürfen, nicht leichtfertig verspielen dürfen. So kommt es, dass die Arbeiter bei Krauss-Maffei brav mitmachen, wenn tödliches „Spielzeug“ an Potentaten verhökert werden soll.

Der brave Kleinbürger

Wie brüchig diese Existenz auch immer sei, eine unglaublich große Zahl von Menschen in den „Metropolen“ ist so in ein kleinbürgerliches Bewusstsein hinein gelockt worden. Das aber funktioniert so, dass man sich in der Identifikation mit den Herrschenden wohl fühlt, sie garantieren vermeintlich diese „privilegierte“ Existenz. So hat sich der Schaffner im Kaiserreich schon mit Kaiser Wilhelm identifiziert, so hat der Werkmeister im „Duzendjährigen Reich“ gebrabbelt, „wenn das der Führer wüsste“ und so ist der nun zum Niedriglohn angestellte Leiharbeiter doch klammheimlich froh, dass Angie mit den Waffengeschäften gegen seinen Jobverlust „ankämpft“. So haben auch SPD-Mitglieder geglaubt, der Schröder wird mit der Privatisierungspolitik schon das Richtige machen und herausgekommen ist, dass Konzernmitarbeiter in den Ministerien die Gesetzesentwürfe zu Gunsten ihrer Arbeitgeber verfassen (Sascha Adamek und Kim Otto, „Der gekaufte Staat“, ISBN 978-3-462-04099-9).

Haussklaven

Bestimmte Muster haben sich wenig verändert. In einer Welt, die in „grüne“ und „rote Zonen“ (wie der Irak, Naomi Klein, „Die Schock-Strategie“ ISBN-10 3100396111 und ISBN-13 9783100396112) eingeteilt ist, die im großen Maßstab in ihrer Brutalität an eine Baumwollpflanzung zur Sklavenzeit erinnert, ist man schon froh, als „Haussklave“ im Herrenhaus, sprich, im insgesamt reichen metropolen Industrieland, werkeln zu dürfen, anstatt auf den Feldern als „Feldsklave“ in wenigen Jahren „abgeschrieben“ zu werden. Und, wie Malcolm X es treffend beschrieben hat, da sagt der Haussklave, wenn der Herr erkältet ist: „wir haben einen Schnupfen“! Und überhaupt, man identifiziert sich lieber mit den vermeintlichen Gewinnern, also mit den Herrschenden, zumal, wenn die dauernd verkünden lassen: wir sind die Guten. Und unter uns sind nicht Wenige, die dann sagen, „wir sind die Grünen“ (was das Gleiche ist). 

So etwa findet die Identifizierung vieler Menschen bei uns satt. Ich aber (wie zum Glück schon eine ganze Reihe anderer Menschen) weigere mich, als Haussklave zu denken und zu funktionieren! Und so möchte ich auch Anderen zurufen: wenn Ihr weiterhin mitmacht, das Land um Euch herum kaputtmachen zu lassen und die Menschen vernichten zu lassen, wird auch irgendwann das Herrenhaus brennen. Vorher aber noch wird auch das weiter wachsende Herrenhaus in grüne und rote Zonen eingeteilt! wacht auf!

Andreas Schlüter