Mit ‘Naher Osten’ getaggte Beiträge

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Am Freitag, dem 15. Juli, hat ein Putschversuch in der Türkei gegen das Regime von Recep Tayyip Erdoğan stattgefunden. Er ist mit einer erheblichen Zahl von Toten und Verletzten (265 Tote und 1140 Verletzte laut Heute Journal) offenkundig gescheitert. Drei ranghohe Generäle und hunderte Offiziere und Soldaten sowie ein hochrangiger Richter am Obersten Gericht sind bereits festgenommen worden. In Rede steht die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Auf den ersten Blick scheint Erdogan in der Türkei stärker dazustehen als je zuvor. Manch einen verführt dies dazu zu glauben, er hätte selbst den Putsch inszeniert, was bei genauem Hinsehen der reine Unfug ist.

Die Türkei ist seit 1952 NATO-Mitglied, was schwere Konflikte mit dem NATO-Mitglied Griechenland nicht verhinderte. Im Land leben laut Wikipedia 70 bis 77 % ethnische Türken, 14 bis 18 % Kurden, 4 % Zaza, 2 % Tscherkessen, 2 % Bosniaken, 1,5 % Araber, 1 % Albaner, 1 % Lasen, 0,1 % Georgier sowie diverse andere ethnische Gruppen und Nationalitäten wie Armenier/Hemşinli, sowie Bulgaren/Pomaken, Aramäer, Tschetschenen, Griechen/Pontier, Juden und Roma. Besonders das Verhältnis zu den Kurden ist belastet.

Der Staat ist ist seit seiner Gründung im Jahr 1923 laizistisch und kemalistisch orientiert, wofür besonders die Streikräfte stehen. Diese haben bisher eifersüchtig über diese Grundorientierung gewacht. 1960 putschte das Militär gegen den islamistisch orientierten Adnan Menderes und sein Ermächtigungsgesetz. Er wurde zum Tode verurteilt. Im September 1980 putschte das Militär erneut. Es wurde auch massiv gegen Linke vorgegangen. Das Militär hat enge Bindungen an die USA.

Erdogan war seit März 2003 Ministerpräsident, seit August 2014 ist er Präsident. Mit seiner Partei Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) verfolgt er einen zunehmend islamistischen Kurs, ungeachtet der Beitrittsverhandlungen mit der EU. Erdogans Regierung hat den IS unterstützt, um Assads Regierung in Syrien zu stürzen. Die Türkei hat enge Beziehungen zu Israel, zwischenzeitlich getrübt vom Vorfall Ship-to-Gaza-Zwischenfall. Nach einer Entschuldigung von Benjamin Netanjahu bei der Türkei sind die Beziehungen wieder entspannt. Mit Saudi-Arabien pflegt die Türkei gute und intensive Beziehungen. Zu Russland sind die Beziehungen seit dem deutlicheren Eintreten Russlands für die Souveränität Syriens und insbesondere seit dem Abschuss des russischen Kampfflugzeugs im November 2015 sehr angespannt gewesen – trotz recht enger wirtschaftlicher Beziehungen. Erdogan hat sich aber kürzlich bei Russland hierfür entschuldigt und versucht, sich Russland wieder anzunähern. Es heißt sogar, er wolle das Verhältnis zu Syrien wieder normalisieren, woran russischer Einfluss beteiligt sein mag.

Warum der Putsch jetzt?

Seit Langem steht die Politik Erdogans in heftigem Widerspruch zur Kemalistischen Grundausrichtung des Staates und insbeondere des türkischen Militärs . Allerdings gab es schon 2011 eine Anklage wegen angeblichen Putschvorbereitungen:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/633510/Turkei_Haftbefehle-gegen-162-ehemalige-Militaers

Ich bin lange verwundert gewesen, dass das Türkische Militär diese Entwicklung „mitgespielt“ hat. Die Erklärung liegt m. E. darin, dass die US-Machtelite seit Langem auf islamistische Kräfte setzt, um den Nahen und Mittleren Osten insgesamt von einer säkularen, fortschrittlich-nationalistischen Entwicklung unter Nutzung der eigenen Ressourcen abzuhalten. Bei diesem Prozess war die türkische Politik „hilfreich“. Offenbar hat hier US-Einfluss auf das türkische Militär den Widerstand gegen diese Entwicklung verhindert.

Da erhebt sich die Frage, warum jetzt?

Keineswegs scheint es so, dass der Putsch nur einen kleinen Teil des Militärs betroffen hätte. Wäre das so gewesen, wäre es zu Kämpfen zwischen Militäreinheiten gekommen, wovon absolut nichts berichtet wurde. Eindeutig war der Putsch nur mangelhaft vorbereitet, die Besetzung von Sendern nur unvollkommen. Die Unterstützung von Oppositionsparteien ist ausgeblieben, was für eine deutliche Informationslücke oder Desinformation spricht.

Es bleibt nichts anderes übrig, als eine Ursache auch in der US-Politik zu sehen. Nicht umsonst beschuldigt übrigens die türkische Regierung den in den USA im Exil lebenden prominenten Prediger Fethullah Gülen, den Putsch angezettelt zu haben. Warum aber könnte die US-Machtelite ein Interesse an diesem Putsch gehabt haben und wieso hat der dann nicht funktioniert, wird man sich da fragen. Dazu muss man das komplexe Vorgehen der US-Politik verstehen. Verbündete und Vasallen der USA können sich keineswegs der dauerhaften oder uneingeschränkten Unterstützung der USA sicher sein, was auch schon viele Staatsführer solcher Staaten erfahren mussten, so zum Beispiel der Schah von Persien, als er in zu großer Eigenständigkeit die Modernisierung und Entwicklung zu Regionalmacht vorantrieb.

Erdogan hat zwar zwar für die USA die Zerstörung Syriens mit betrieben (was sich ändern könnte), aber strebt doch recht eigenständig die Stellung der Regionalmacht im Vorderen Orient an. Außerdem will die Türkei den Beitritt in die von China organiserte Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (Asian Ifrastructure Investment Bank, AIIB), die auch der Weltbank Konkurrenz machen soll und für das Projekt „Eiserne Seidenstraße steht. Der Betritt zu diesem Projekt hat auch das Vereinigte Königreich in den USA einige Sympathien gekostet.

Im türkischen Militär hat es also nun schon eine Weile gebrodelt, es gibt sicher auch viel Empörung darüber, dass Erdogan den militanten Extremisten des IS und Konsorten so viel Spielraum gegeben hat, was sicher nicht ohne Zusammenhang zu den jüngsten Anschlägen gewesen ist. Wie wäre es, wenn man den aufmüpfigen Kräften seitens der US-Geheimdienste Unterstützung signalisiert hätte, sie ermutigt und gleichzeitig mit Fehlinformationen gefüttert hätte? An einem wirklichen Sturz Erdogans haben die USA wohl kein Interesse. Mit diesem gescheiterten Coup hätte man ihm die Möglichkeit gegeben, sich im Innern stark zu präsentieren, regional aber sind ihm „die Flügel erheblich gestutzt“. Als Führer einer wirklichen Regionalmacht kann man kaum jemanden ansehen, der sich offenbar auf große Teile seines Militärs nicht verlassen kann! Und „Strafe für die AIIB muss sein“, wohl auch für die Wiederannäherung an Russland.

Und, bitte, dass die Sache viele Leben gekostet hat, dass man den USA sehr verbundene Militärs geopfert haben könnte, wen in der US-Machtelite würde das nach „Nine Eleven“ noch in irgendeiner Weise quälen?!

Andreas Schlüter

Weiter Links:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/tuerkei-militaer-putsch-binali-yildirim

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2016/07/16/zum-putsch-in-der-tuerkei/

http://www.rationalgalerie.de/home/tuerkei-putsch-nicht-ohne-usa.html

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46702/1.html

https://deutsch.rt.com/russland/36810-russlands-aussenministerium–turkei-unterstutzt/

http://www.spiegel.de/politik/ausland/isis-im-irak-wie-sich-die-tuerkei-bei-der-terrorgruppe-verschaetzte-a-975032.html

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/633510/Turkei_Haftbefehle-gegen-162-ehemalige-Militaers

https://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Fenpolitik_der_T%C3%BCrkei

http://derstandard.at/2000041204254/Die-Guelen-Bewegung-in-der-Tuerkei

http://www.heise.de/tp/news/Neue-Bank-USA-zunehmend-isoliert-2587030.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/wachstumsmaerkte/asian-infrastructure-investment-bank-die-aiib-ist-zu-einem-prestigeprojekt-der-chinesen-geworden/11619094-2.html

https://wipokuli.wordpress.com/2016/06/24/breaking-news-great-britain-the-united-kingdom-out-der-knall-die-briten-das-vereinigte-koenigreich-draussen/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Kars%E2%80%93Achalkalaki%E2%80%93Tiflis%E2%80%93Baku

http://www.tageswoche.ch/de/2013_27/international/557492/erdogan-legt-dem-militaer-zuegel-an.htm

Wieder sind wohl ein paar Hundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Derweil mosern nicht nur „brave“ Bundesbürger gegen Asylunterkünfte – Gewalttäter zünden sie sogar an. Grüne „Gutmenschen“ appellieren an Menschlichkeit und „staatstragende“ Gestalten faseln von „westlichen Werten“ (in Dollar oder in Euro?)!

colonial-attack

Aber ich vermisse klare Worte! Es geht nicht „nur“ um Menschlichkeit, nein, es geht, verdammt noch mal, um Verantwortung! Der Westen unter der Führung der US-Machtelite plündert Afrika und destabilisiert es, dazu befeuert er Kriege im Nahen und Mittleren Osten. Die von „Uncle Sam“ gelegte Feuerspur zieht sich von Libyen über die Sahelzone, Nigeria, Kongo und Ruanda (1), über Somalia, den Jemen, Palästina (besonders Gaza), Syrien bis, ja bis in die Ukraine! Und immer noch zündeln viele europäische Staaten mit.

Libyen war sicher keine „lupenreine Demokratie“, aber ein Land, in dem es der großen Mehrheit der Menschen gut ging. Es „musste“ zerstört werden, da der dortige Machthaber sich für die afrikanische Unabhängigkeit einsetzte und sich den westlichen „Vorgaben“ widersetzte. Das Ergebnis: Stammeskämpfe, fanatischer Islamismus und rassistische Explosionen. Libyen ist ein Hauptquell des Flüchtlingselends. In Afrika tobt sich AFRICOM aus, wir erlauben in Deutschland den USA von Rammstein aus die Drohnenmorde in Afrika und Nahost zu organisieren (2). Afghanistan, der Irak und Syrien (3) sind weitere Brennpunkte menschlichen Elends.

Keine Frage, da hilft auch kein Gequassel, die Zahlen an Flüchtlingen stellen für die EU eine Belastung dar, allerdings eine viel größere für die Nachbarländer der „Krisenherde“, die die Hauptlast tragen. Aber begreift es endlich, man erntet, was man säht!

selbstverbrennung-europas

Europa auf dem Stier: der US-gelenkte Ritt in den Wahnsinn!

EU-Bürger, stellt Euch der imperialen Kriegspolitik entgegen! Hört auf, die US-Weltbeherrschungsstrategien zu unterstützen! Schmeißt die Drohnen-Mafia aus Ramstein raus! Stoppt die europäische Beteiligung an der Leerfischung der afrikanischen Küsten! Und helft dem Nachbarkontinent, auf dessen Ausplünderung Ihr Euren Reichtum begründet habt, sich selbst zu entwickeln, statt daran mitzuwirken, ihn in ewiger Rohstoff-Sklaverei zu halten (4)!

Andreas Schlüter

  1. https://wipokuli.wordpress.com/2014/04/08/ruanda-eine-halbe-wahrheit-ist-eine-ganze-luge-zwanzig-jahre-tolldreiste-desinformation/

  1. https://wipokuli.wordpress.com/2014/05/19/fur-ein-friedliches-deutschland-fur-ein-friedliches-europa-africom-go-home/

  2. http://www.uweness.eu/maerchen-ueber-syrien.html

  3. https://wipokuli.wordpress.com/2014/05/09/vortragverbrechen-in-ruanda-und-im-kongo-afrika-in-der-globalen-destabilisierungs-strategie-der-usa/

Linksammlung zu Afrika und Nahost:

https://wipokuli.wordpress.com/2012/11/16/artikelsammlung-zu-afrika-und-zum-nahen-osten/

struck-bismarck

SPD gleich Rot? Entgegen allen Dementis im Wahlkampf haben sich die „Sozialdemokraten“ mit der „Christlich Demokratischen“ Union erwartungsgemäß  zur Großen Koalition (GroKo) zusammengefunden (http://tinyurl.com/bqg2zqq).

Da konnte ich eigentlich nur noch sagen:

Na dann, Prost Neujahr (http://tinyurl.com/mppf768)!

Was man kabarettistisch-karikaturistisch aber noch als zeitliche Adaption von „Dinner for One“ wirkungsvoll verulken kann, hat aber auch eine tiefe tragische Dimension, sozial, ökonomisch, mit Hinblick auf die Souveränitätsfrage und, last not least, moralisch! Die fortgeführte soziale Selbstkastration (um nicht zu sagen, die Kapitulation vor dem Kapital) der SPD drückt sich im Verzicht auf Steuererhöhungen wie in der Aufschiebung des flächendeckenden Mindestlohnes, wenn auch nicht auf den „Sankt-Nimmerleins-Tag“, so doch bis fast zu den nächsten Wahlen, nämlich auf 2017, aus. Ökonomisch hat sich die SPD der schlaffen Haltung zur Bankenkontrolle seitens der CDU auf ihre damalige Rot-Grün- bzw. GroKo-Position zurückgenommen. Die Haltung zum Transatlantischen Freihandelsabkommen mit seiner drohenden ökonomischen Versklavung Europas durch US-Unternehmen ist, um es vorsichtig auszudrücken, „freundlich“. Und damit zeigt sich auch schon die „mangelnde Sensibilität“ für die Souveränitätsfrage. Die (nicht wirklich neuen) Enthüllungen zum angloamerikanischen Geheimdienstunwesen (http://tinyurl.com/o2aol34) haben gerade mit „Frankensteinmeier“ als Außenminister wenig Chancen, irgendwelche Konsequenzen nach sich zu ziehen!

Aber angesichts der deutschen Geschichte ist besonders beschämend, dass die verkommene deutsche Sozialdemokratie sich zu Kriegsfragen nicht nur indifferent zeigt, sondern offenbar zu frohnatürlichem Mitmachen bereit ist. Dem Treiben einer im Gewande der ehemaligen Familienministerin daherkommenden Kriegsministerin von der Leyen, die sich den Anschein gab, sie würde demnächst in jeder Kaserne einen Kindergarten einrichten, stattdessen aber zum „Heia Safari“, zum Sturm auf Afrika, bläst, steht man harmonisch zur Seite. Schon der sozialdemokratische Bismarck-Verschnitt Struck (dem etwas mehr der Vorsicht Bismarcks gut getan hätte) hatte ja verkündet, Deutschlands Freiheit würde am Hindukusch verteidigt. Aber die Willfährigkeit der SPD gegenüber imperialistischen und kolonialistischen Kriegen kennt keine Grenzen und so wird fleißig Unterstützung für die Zerstörung Afrikas, des Nahen und Mittleren Osten und die Drohnenmorde geleistet, ohne dass die SPD einen Finger dagegen rühren würde. Und auch bei den gefährlichen Einkreisungsversuchen Russland gegenüber in der Ukraine werkelt man fleißig mit, einschließlich der Zusammenarbeit mit explizit faschistischen Bewegungen! Und – in „transatlantischen“ Banden fest gefesselt – treiben sie Deutschland fleißig weiter in den „Huckepack-Imperialismus“ zugunsten der US-amerikanischen Machtelite.

Eine Schande (http://tinyurl.com/kv4upm8) und der alte Spruch fällt einem ein:

„Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“

 Fast aber ist es nicht mehr verwunderlich, in einer Zeit, in der der prominente LINKEN-Politiker Gysi das Wort von der „Staatsraison“ in den Mund nimmt.

Andreas Schlüter

https://wipokuli.wordpress.com/2013/05/25/afrika-vor-50-jahren-grundung-der-oau/

Artikel von 2008, geschrieben nach dem Karikaturen-Skandal:

Flaggen brennen, Botschaften, Konsulate, Kultureinrichtungen und andere Gebäude ebenso, und militante Demonstranten sind erschossen worden. Im Westen wird das Gefühl diskutiert, das heiligste Gut der Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit wären bedroht und eine erwartete iranische Atombombe würde den islamischen Versuch begleiten, uns sagen zu wollen, wie wir zu denken und zu leben hätten. Wahr, albern oder gefährlich?

Mit kühlem Kopf ergeben sich andere Schlüsse, als “Sicherheits-Konferenzen“, Talkshows oder Interviews mit “Terror- und Islam-Experten“ uns glauben lassen möchten. Was ist der wirkliche “heilige Zweck“ der Pressefreiheit, die gar nicht hoch genug zu veranschlagen ist? Zumindest seit dem Ende des Kalten Krieges ist ganz sicher das Hauptproblem der Menschen im Westen keine äußere Bedrohung, aber auch schon vorher war die Pressefreiheit immer das geforderte Mittel gegen die Bedrohung, die von den Mächtigen der eigenen Gesellschaft ausgeht. Dabei haben auch Karikaturen immer eine wichtige Rolle gespielt.

Die Freiheit, auch “giftige“ Karikaturen zu veröffentlichen, kann kein Mittel der Auseinandersetzung mit fremden Gesellschaften oder eigentlich machtlosen Minderheiten der eigenen Gesellschaft sein. Die betreffenden Karikaturen der rechtspopulistischen dänischen Zeitung hatten eher Ähnlichkeit zu Karikaturen des “Stürmers“ unseliger Nazi-Zeiten!

Tatsächlich muss man sich fragen, wie die Reaktion ausgesehen hätte, wenn es sich um derartige Darstellungen gehandelt hätte, die mit religiösen Symbolen des Judentums gespielt hätten, ähnliche Karikaturen zu christlicher Symbolik haben schon öfter vor den Kadi geführt.

Leider muss man aber auch noch den Verdacht hegen, es sei von Anfang an gar nicht um Pressefreiheit sondern eine Provokation mit berechenbarem Ausgang gegangen.

Erinnern wir uns an die Zeit vor Osthoff, Karikaturen und der letzten Entführung, das “alte Europa“ und nicht nur das redete intensiv über den desolaten Zustand des “Anti-Terror-Krieges“, Guantanamo und die vermuteten Geheim-Gefängnisse und amerikanische Entführungen. Hatten die amerikanischen Geheimdienste nicht schon vor dem Irakkrieg beträchtliche Mittel für die “Pressearbeit“ in Europa zur Verfügung gestellt bekommen?

Jetzt geistern in Europa die Bilder von fanatischem Mob und wilden Bartträgern durch Medien und Köpfe. Wenn so Dramatisches passiert, lohnt oft die alte Kriminalisten-Frage “wem nützt es?“. In diesem Falle scheint sie doch recht leicht zu beantworten zu sein. Die jüngsten Ereignisse haben die Diskussion deutlich verlagert.

Man muss wirklich kein Amerika-Feind sein, nur ein wenig Bewusstsein von Arroganz und Skrupellosigkeit der Macht, insbesondere der derzeitigen amerikanischen “Elite“ haben, um den unguten Verdacht zu hegen, da hätte jemand dran gedreht. Die Europäer hatten so sehr das “Maul“ aufgerissen, dass sie es “bitter nötig hatten, mal eins drauf zu kriegen“, am besten von wildgewordenen Fanatikern, damit sie begriffen, wie gefährlich die sind. Könnten da nicht ein paar Dollar bei Journalisten nachgeholfen haben, mal so richtig witzig zu sein?

Und wenn man schon bei so merkwürdigen Gedanken ist, hatte nicht auch die Osthoff-Entführung so manche kleine Merkwürdigkeit? Jedenfalls beschäftigte sie die deutschen Medien und lenkte doch gut von dem Gefasel über den unschuldigen Al Masri ab. Sie ist ja auch glimpflich abgegangen, was allerdings unabdingbar zu so einem Szenario gehört, denn alles könnte irgendwann einmal ans Licht kommen! Ich wage die Prognose, dass auch die Entführung der beiden deutschen Ingenieure glimpflich abgehen wird.

Ich glaube, es ist an der Zeit, die viel beschworene “Wertegemeinschaft“ mit der derzeitigen amerikanischen Regierung ernsthaft in Frage zu stellen. Man sollte nicht immer davor zurückschrecken zu denken. Das täte uns auch in der Frage des Iran sehr gut.

Keine Frage, Ahmadineschad ist ein populistischer Schwachkopf, der nicht davor zurückschreckt, den Holocaust zu leugnen, aber im Hintergrund halten so strenggläubige wie politisch rationale Kleriker die Fäden in der Hand. Und die wissen, dass ein Angriff mit Nuklearwaffen auf ein anderes Land durch den Iran dessen Vernichtung zur Folge hätte. Es geht ganz offenbar darum, dem Iran die Option auf Atomwaffen offenzuhalten, um den Iran nicht durch den Westen erpressbar zu machen. Und dann geht es auch dort darum, die Massen hinter der Führung gegen ein Feindbild zusammen zu schweißen.

Und bei diesem Ansinnen, das sich insbesondere gegen den Zulauf zur säkularen und libertinären Jugendkultur im Iran richtet, geht der Westen dem Mullah-Regime dann auch wieder mit offenkundiger Doppelzüngigkeit zur Hand.

Israel befindet sich bereits mit über zweihundert atomaren Sprengköpfen in der Nuklearklasse von England und Frankreich, was in der westlichen Welt geflissentlich totgeschwiegen wird. Das Pakistan die Atombombe gerne haben durfte, um die größte Demokratie der Welt, Indien, zu quälen, weil sie den USA kritisch gegenüberstand, ist auch nicht zu bestreiten.

Bislang hat kein ernst zu nehmendes islamisches Regime die furchtbare Tatsache des Holocaust bestritten. Das dies jetzt in so erschreckender wie kindischer Weise geschieht, gibt zwar Anlass zur Sorge und wirft ein bedenkliches Licht auf den intellektuellen wie moralischen Zustand des Schwadroneurs, enthüllt aber auch die katastrophalen Folgen der amerikanischen Dressur Israels zum politisch amoralischen Kolonialrüpel der Region.

Wenn der Westen vom Existenzrecht des palästinensischen Volkes nicht wirklich etwas wissen will, jeden Druck von der israelischen Politik nimmt, endlich zur einzig vernünftigen Lösung des Nahost-Konflikts, der Umwandlung von Gazastreifen und dem Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems in den Palästinenserstaat, zu kommen, dann ist leider die kindische Reaktion in Teilen der islamischen Welt, das Existenzrecht Israels und nun auch das unsägliche Leiden des jüdischen Volkes durch die Deutschen zu leugnen.

Wir verschließen die Augen davor, dass erhebliche Teile des politischen Establishments Israels von Likud bis Arbeiterpartei weiter den rechts-zionistischen Plan verfolgen, die Westbank ganz oder in erheblichen Teilen Erez-Israel einzuverleiben. Amerika hat de facto immer dazu ermutigt. Den Preis dafür zahlen die Palästinenser, die normalen israelischen Bürger und die Menschen in den westlichen Ländern durch anhaltende Terrorgefahr.

Die widerlichste Waffe der Mächtigen ist die Macht, die Wahrheit ungestraft zu verdrehen. Israel ist von Amerika zum Thermometer im Gesäß der arabischen Welt gemacht worden, aber nicht nur der arabischen, sondern der Welt insgesamt! Hier kann das Amerika der Mächtigen zeigen, dass man schier unbegrenzt und ungestraft die Wahrheit verdrehen kann.

Im Falle des damaligen südafrikanischen Apartheit-Regimes war man im Westen oft heuchlerisch und hat fleißig weiter gekauft, verkauft und kollaboriert, aber man mußte sich wenigstens in den letzten Jahren an gewisse Minimalstandards der `political correctness´ halten, die israelische Palästina-Politik hat viel Ähnlichkeit mit der damaligen südafrikanischen Politik – nicht zuletzt war Israels Kontakt mit dem Apartheit-Regime eng und intensiv – aber hier ist die Welt nicht fähig, Amerikas Definitions-Hoheit ernsthaft zu brechen, im Wesentlichen aus Feigheit!

Tatsache ist jedenfalls, dass die Bush-Administration die Konfrontation will, sie glaubt vom Kampf der Kulturen profitieren zu können, indem er den Menschen Angst macht. Als die Menschen im Westen noch Angst vorm Kommunismus hatten, waren sie durch den Hegemon leicht zu führen. Man muss bezweifeln, dass Amerikas Rechnung hinsichtlich einer Kontrolle über die nahöstlichen Ölquellen im Irakkrieg aufgegangen ist, wenn es denn um die eigene Kontrolle ging. Für Amerikas immer noch wichtigsten ökonomischen Konkurrenten, Europa, das viel abhängiger vom nahöstlichen Öl ist, ist die Ölversorgung unsicherer geworden, und mit einer Eskalation im Streit mit dem Iran würde sie noch unsicherer werden.

Europa sollte aufwachen und die lange Liste von Beschlüssen der UN-Vollversammlung wieder ernst nehmen und wenigstens seine eigenen Interessen wichtiger nehmen als die von Bush und Cheyny. Amerika wird nicht in Europa einmarschieren, wenn wir uns die Wahrheit nicht von Bush und Blair definieren lassen, noch nicht!

Andreas Schlüter

Prinzip der Besatzung

Veröffentlicht: Dezember 28, 2010 in Kunst, Politik
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