Mit ‘Moskau’ getaggte Beiträge

Heute, am 9. Mai, konnte man am Fernsehen Zeuge der eindrucksvollen Siegesparade in Moskau zum 67. Jahrestags des Sieges über Hitlers Nazi-Deutschland werden. Berührend, wenn man sich vorstellt, dass auch noch Menschen daran teilgenommen haben, die selbst die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der barbarischen Nazi-Invasion der damaligen Sowjetunion erlebt haben. Umso mehr versteht man die Ergriffenheit vieler Menschen dort, wenn man weiß, was die Pläne der Nazis für eine eroberte Sowjetunion waren. Aber auch in diesem Land sollte man spüren, dass es die Menschen der damaligen Sowjetunion, insbesondere auch deren Soldaten waren, die die Hauptlast dafür getragen haben, dass wir in diesem Lande ohne das unmenschliche Nazi-Regime aufwachsen konnten. Es war der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der als erster namhafter Politiker in der Bundesrepublik zu Recht vom „Tag der Befreiung“ sprach.

Schuldige und Schuldige

Untilgbar lastet die Tatsache auf der deutschen Geschichte, dass eine ungeheuer große Zahl seiner damaligen Bewohner sich zur Unterstützung des Nazi-Wahns hat verführen lassen und ein Regime unterstützt hat, dass im Namen des deutschen Volkes sechs Millionen europäischer Juden „industriemäßig“ gemeuchelt hat, dazu Hunderttausende Sinti und Roma sowie Angehörige anderer Minoritäten und Ausgegrenzter, dass die Arbeiterbewegung zerschlagen wurde und, dass Antfaschisten gequält und gemordet wurden. Ungeheuer lastet die geschichtliche Verantwortung auf diesem Lande, dass von hier aus Angriffskriege ausgegangen sind, welche große Teile Europas und letztlich der Welt verwüstet haben. Jede Relativierung ist hier nicht nur geschichtsvergessen, sondern auch hochgradig unmoralisch. Das schließt aber die Erkenntnis nicht aus, dass es weitere Schuldige daran gab, dass die Nazi-Kriegsmaschine so effektiv „arbeiten“ konnte.

Da wäre die massive Unterstützung von wichtigen Teilen des US-Kapitals, der US-Politik sowie bestimmten gesellschaftlichen Kräften in den USA, die (fast „naturgemäß“) in einem Lande, dass so sehr auf der weitgehenden Ausrottung der ursprünglichen Einwohnerschaft und der Versklavung von Millionen Afrikaner und dem diese „rechtfertigenden“ Rassismus´ aufbaute, für die „Machtergreifung“ durch die Nazis sowie für die Logistik ihrer Angriffskriege (1). Am katastrophalen Zusammenbruch der sowjetischen Verteidigung in der Anfangsphase des Überfalls war auch Stalin mit seinem starrsinnigen Festhalten am Glauben, Hitler würde ihn nicht angreifen, nicht unbeteiligt. Dies ging so weit, dass er bei dem Vorrücken der Front auf Moskau mit seiner Festnahme und Erschießung durch seine Genossen rechnete. Ungehört waren die Warnungen des deutsch-russischen Spions Richard Sorge (2), der in Diensten der Sowjetunion in Japan arbeitete, verhallt. Gedankt wurden dem die ungehörten Warnungen erst längere Zeit nach seinem Tode Auch die unglaublichen stalinistischen „Säuberungen“ im Offizierskorps der Roten Armee hatten zur desolaten Anfangsphase beigetragen. Jedenfalls war am 8./9. Mai 1945 Schluss mit Nazideutschland, aber nicht Schluss mit den Nazis!

Die geschonten und die „gebrauchten“ Täter

Das Konzept von Teilen des US-Kapitals, Nazi-Deutschland und seinen Kriegs- und Rasenwahn sowohl gegen die Sowjetunion als auch gegen die westliche imperialistische Konkurrenz zu benutzen, setzte sich nach dem Kriege fort. Zwar erfüllte sich die Hoffnung ranghoher Nazis nicht, sie könnten den „Russlandfeldzug“ gleich zusammen mit den Amerikanern und Engländern fortsetzen, zwar wurden die prominentesten Nazis – sofern sie sich nicht durch Selbstmord entzogen – nach den Nürnberger Prozessen hingerichtet oder eingesperrt, aber selbst schlimmste Täter wie Klaus Barbie, der „Schlächter von Lion“ (3) und Adolf Eichmann (4) ließ man ungeschoren entkommen. Politische Täter und Nazitechnokraten wurden in hohem Maße in die Politik „der Freien Welt“ integriert.

Wernher von Braun (5), dessen unter unglaublichen Qualen von Zwangsarbeitern gebaute Raketen London verwüstet hatten, durfte sich an die Spitze des Wettlaufs in den Weltraum setzen, der SS-Mann Hans Martin Schleyer (6), der für die „Arisierung“ der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern zuständig war, wurde ein „geachteter“ Wirtschaftsboss, Reinhard Gehlen, der den Angriff auf die Sowjetunion mit vorbereitete und die Organisation „Fremde Heere Ost“ geleitet hatte, wurde für die USA mit dem Aufbau der „Organisation Gehlen“ und später als Kopf des Bundesnachrichtendienstes ein wichtiger Verbündeter. Und der der „Kommentator der Nürnberger Rassegesetze“, Globke (7), wurde gar unter Adenauer Kanzleramtsminister. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Übrigens verfuhr man mit den japanischen Kriegsgegnern in Fernost ähnlich. Schnell wurden sogar japanische Soldaten (deren Rückführung US-Truppen in China „betreuen“ sollten) in den Kampf gegen die ursprünglichen Verbündeten, Maos chinesische Kommunisten, eingesetzt (8).

Sammel-Organisation für Faschos

Aber die Geschichte von Nazitätern, die in die entstehende „Neue Weltordnung“ der vorgeblichen Freiheit integriert wurden, ist vielleicht nicht die erschreckendste Story. Noch viel systematischer fand beim Aufbau der US-gesteuerten NATO-Geheimarmeen (9) quer durch „West-Europa“, also Europa, soweit es nicht im „sozialistischen Lager“ lag, die Integration von Faschisten und Rechtsradikalen, also, den „besten Antikommunisten“, statt. Über dieses unsägliche „Phänomen“ hat der Schweizer Historiker Daniele Ganser ausführlich recherchiert und geschrieben (10). Nur in Italien wurde relativ offen über das dortige „Gladio“-Unwesen gesprochen. In Deutschland wagte von den Politikern nur der leider verstorbene Hermann Scheer (11) über diese verbrecherische Organisation zu sprechen. Diese Geheimarmeen sollen eine „Sache des Kalten Krieges“ gewesen sein. Aber Zweifel sind angebracht.

Der „Schatten“ von Faschismus und „Gladio“

Nicht nur tauchen immer wieder dubiose Waffenfunde auf, die kaum allein durch „Militaria-Messies“ zu erklären sind (12), sondern wir erleben mit Schrecken eine Mordserie durch einen „nationalsozialistischen Untergrund“ (13), dessen Verbindungen zu Teilen des „Verfassungsschutzes“ immer offenbarer werden (14). Da fällt es schwer, an ein rein eigenständiges Phänomen nur von verwirrten und verbrecherischen „ewig Gestrigen“ zu glauben. Es könnte sein, dass hier die Fortsetzung der Faschismus-Instrumentalisierung durch die westlichen Sieger durchschimmert, wie sie auf diesem Blog als Möglichkeit dargestellt wurde (15). Wehe uns, wenn wir das Übel nicht mit der Wurzel ausreißen!

Andreas Schlüter

Links:

1) https://wipokuli.wordpress.com/2011/07/16/allmacht-usa-eine-geschichte-des-antifaschismus/

2) http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sorge

3 http://www.sueddeutsche.de/politik/klaus-barbie-und-der-bnd-der-verlaessliche-nazi-1.1047411

4) http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,738465,00.html

5) http://de.wikipedia.org/wiki/Wernher_von_Braun

6) http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Martin_Schleyer

7) http://www.freitag.de/2006/24/06240601.php

8) http://www.amazon.com/Killing-Hope-Military-Interventions-Since/dp/1567510523, S. 21ff

9) http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

10) http://www.danieleganser.ch/NATO_Geheimarmeen_in_Europa_1211310734.html

11) http://www.youtube.com/watch?v=DjoaTajFWD0

12) https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/14/nachschlag-zu-waren-wir-die-guten-pulver-kurt-nur-ein-spinner/

13) http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund

14) http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,804438,00.html

15) https://wipokuli.wordpress.com/2011/11/18/richter-adam-nachdenkliches-zum-hintergrund-der-zwickauer-zelle/

Dezember 2006: Europa strahlt

Europa strahlt, von London über Hamburg bis Moskau! Putin, der so finstere wie blasse “Held der Neuordnung Russlands“ strahlt wahrscheinlich nicht, so sehr nicht minder finstere Kräfte alles tun, um ihm eine übergroße Portion Polonium (aus dem Anschlag auf den russischen Ex-Spion  Litwinenko in London) anzuhängen.

Nun, der Mann ist ganz sicher kein “lupenreiner Demokrat“, auch, wenn sein Freund, Altkanzler Gerd, ihn so betitelte, aber dumm, dumm ist er ganz sicher auch nicht. Die Sache steht so, dass die westliche Öffentlichkeit ihn als den Verdächtigen Nummer Eins ansieht und nach Art des Anschlags wie nach Art der Öffentlichkeit ihn als das ansehen “muss“, so ist sie “programmiert“.

Wer natürlich etwas länger nachdenkt, kommt zu dem Schluss, dass ohne Frage dieser Anschlag ihm mehr geschadet als genützt hätte. Und so gesellen sich zu dem “Hauptverdächtigen“ weitere. Zuerst außer Kontrolle geratene Geheimdienstler, die ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Nur, zur Demontage Putins in Russland eignet sich die Sache schlecht, zu fest hat der Zarenverschnitt die Medien zu hause im Griff.

Dann wären da die kriminellen oder halbkriminellen Organisationen der “neuen Ökonomie“ in Russland. Aber auch die sind ohne Frage nicht an übergroßem Aufsehen im Westen und wachsendem Misstrauen allem Russischen gegenüber interessiert.

Klar ist auch, dass jede Organisation, die es in erster Linie auf die Liquidierung des etwas schillernden Ex-Agenten ab-gesehen hätte, sowohl zu “eleganteren“ wie billigeren Methoden hätte greifen können.

Der Kreis der Verdächtigen

Der Kreis könnte sich dramatisch erweitern, wenn man seine Gedanken ein wenig schweifen ließe. Wer hat denn einen Nutzen von dem Spektakel?

Nun, eigentlich wäre die “in die Hose gegangene Abwendung der Massenvernichtungswaffen- und Terrorgefahr“ im Irak nebst Baker-Kommission auf der Agenda und auch die Klima-Erwärmung. Die verständliche Angst vor möglichen nuklearen Anschlägen hat einen kräftigen Auftrieb erlebt. Ist es nicht nun viel einfacher, vor iranischer Atomtechnologie zu warnen und auch “Aktionen“ anzuregen? Die Ajatollas bräuchten ja nun nicht einmal eine Bombe, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen. So hat Ehud Olmert seine Freundin Angy Merkel (Bussi, Bussi) auch flugs auf Linie bringen können.

Solche “Kollateral-Nutzen“ reichen aber wohl wirklich nicht, um unsere “üblichen Verdächtigen“ als stark verdächtig unter die Lupe zu nehmen. Da müssten schon richtige strategische Aspekte her.

Leider gibt es die allerdings auch. Zunehmend wächst der immer noch größte hochtechnologische Wirtschaftskonkurrent der USA, Europa, wirtschaftlich mit dem Energieriesen Russland zusammen und wird damit auch von den durch die USA immer noch weitgehend kontrollierten nah- und mittelöstlichen Energiequellen immer unabhängiger. Der amerikanische Versuch des Zugriffs auf die russischen Energiequellen ist bis auf Weiteres gescheitert. De facto sitzt Chodorkowski nicht als Steuerhinterzieher (welch lächerliches Delikt in Russland), sondern als Hochverräter im Knast, da er sich, warum auch immer, zum Werkzeug dieses Versuches hatte machen lassen.

Auch Russlands Versuche, sich bei EADS einzukaufen und die Airbus-Industrie mit Kapitalzufluss zu versorgen, könnte die USA beunruhigen.

Ja, wird man nun sagen, aber das Polonium kommt aus Russland. Wie der “Spiegel“ schreibt, kann es angesichts der kurzen Halbwertszeit nicht älter als ein Jahr sein, ist das der “rauchende Colt“? Aber in wessen Hand? Wie eben dieses Blatt schreibt, geht der gesamte Export in die USA, etwa acht Gramm im Monat.

Verschwörungstheorie!

“Verschwörungstheorie!“ rufen Sie mir zu? Na, haben wir jetzt eine Verschwörung oder nicht? Da hilft es nichts, eine Theorie brauchen wir schon dazu.

Nun, wen auch immer wir verdächtigen, Putin, den verselbstständigten FSB, die “Russenmafia“, die CIA oder den Mossad, wir werden es lange nicht, vielleicht nie wissen, wenn nicht irgend-wann Kommissar Zufall“, nein, Unsinn, das müsste dann schon “Kriminaldirektor Zufall“ sein … .

Eines aber kann man sagen, wenn wir schon spekulieren, dann aber bitte richtig!

Andreas Schlüter

In der Januar-Februar-Nummer 2007 von „DIE LUPE“, der Bezirkszeitung der LINKEn Berlin-Tempelhof-Schöneberg, unter dem Titel „Der Kreis der Verdächtigen“ veröffentlicht