Mit ‘Mainstream-Medien’ getaggte Beiträge

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Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.“

Mit diesem Zitat von Georg Christoph Lichtenberg beginnt die Einleitung von Jens Wernickes Buch „Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung“, Westenverlag, 360 Seiten, ISBN 978-3-86489-188-5.

Diesen Mut, zumindest im übertragenen Sinne Bärte anzusengen, beweist Wernicke auch gleich in dieser Einleitung, denn er wagt es, die Welt-Arena, in der die mediale Auseinandersetzung stattfindet, bildhaft zu umreißen. Er scheut sich nicht, klar auszusprechen, dass die Mächtigen des Westens „ein Regime der >>Akkumulation durch Enteignung<<“ betreiben. „Und das müssen sie auch, benötigt die Megamaschine doch >>Raubzüge<< gegen fremde Völker und die Armen im eigenen Land, denn sonst zerbrächen die bestehenden Verhältnisse in kürzester Zeit.“ Hiermit hat er auch die Untrennbarkeit von sozialer Frage und Friedensfrage aufs Deutlichste angesprochen.

Fakten- und datenreich belegt er in der Einleitung die „Vertrauenskrise der Medien“. Und er belegt, was es mit den salbungsvollen Worten des Mainstreams zur Demokratie in Wirklichkeit auf sich hat, indem er ausführlich den us-amerikanischen „Vater der Public Relations“, Edward_Bernays, zu Wort kommen lässt: „…Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.“

Ein Schatz an Analysen von Insidern und kritischen Beobachtern

In seinem Buch lässt Wernicke eine ganze Reihe kritischer Journalisten, die er als „Macher“ im ersten Kapitel einführt, wie Walter von Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo zu Wort kommen. Als „Denker“ werden Politologen, Historiker, Psychologen und Geheimdienst-Experten wie Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, die Forschungsgruppe zu Propaganda in Schweizer Medien, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Enboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser vorgestellt und kommen ebenso zu Wort. Das dritte Kapitel ist der Zivilgesellschaft mit Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn gewidmet.

Die Äußerungen der medialen „Insider“ machen deutlich, wie vielschichtig die Beantwortung der Titelfrage ausfallen muss, und wie fließend der Übergang zwischen Anpassung an unausgesprochene Vorgaben, an ausgesprochene Vorgaben in Redaktionsstatuten (wie beim Springerverlag) bis hin zu gerne kolportierten (und für den Schreiber selbst doch erkenntlichen) Unwahrheiten ist. Walter von Rossum erläutert so ausführlich wie einleuchtend, welche Rolle dabei grundsätzlich gesellschaftlicher Konformismus spielt und wie sehr der bürgerliche Mensch (einschließlich vieler Journalisten) sich „mit seiner eigenen Unterdrückung regelrecht identifiziert“ (S.25).

Propaganda versus Information

Das Kapitel, in dem die Analytiker („Die Denker“) zu Wort kommen, beginnt mit gutem Grund bei Noam_Chomskys tiefreichenden Analysen zur propagandistischen Rolle der Medien im Kapitalismus. Diese sind Grundlage eines im Buche wiedergegebenen Vortrages, den Chomsky im Juli 1997 im „Z Media Institute“ hielt. Deutlich wird hier die gesellschaftliche Rolle der Medien zur Herstellung von Konsens im Sinne der Herrschenden.

Die Aufgabe der Medien ist es leider tatsächlich, Demokratie nicht wirklich Demokratie sein zu lassen, sondern die Beherrschten eben entweder zur Zustimmung den Anliegen der Mächtigen gegenüber zu bringen oder sie gegebenenfalls schlicht abzulenken.

Fraglos hat Chomsky bei der Analyse der Medienrolle sehr Wichtiges und Bahnbrechendes geleistet. Allerdings werde ich am Ende dieser Besprechung auch noch auf ein „merkwürdiges Versagen“ des vielzitierten Denkers eingehen.

Die „Öffentlich-Rechtlichen“

Auch sehr eindrucksvoll ist die Kritik, die die Vorsitzende der „ständigen Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e. V.“, Maren Müller (ehemalige Mitarbeiterin des MDR) vorbringt. Maren Müller befasst sich mit Programmbeschwerden von kritischen Zuschauern der öffentlich-rechtlichen Sender. So bemängelt sie sehr treffend, dass tatsächlich „demokratische Willens- und Meinungsbildung nicht stattfinden kann, wenn das Publikum ausgerechnet von jenen manipuliert wird, die laut Gesetz für die Schaffung von Meinungspluralität Verantwortung tragen“ (S. 260). Sie stellt fest: „Was allerdings teilweise an propagandistischen Inhalten über die Kanäle der 22 öffentlich-rechtlichen TV-Sender und deren 64 Radioprogramme schwappt, ist schwer zun ertragen“ (S. 259).

Wie man auch „mit Fakten lügen“ kann, nämlich durch Weglassen weiterer Fakten, macht Sabine Schiffer vom „Institut für Medienverantwortung“ eindrücklich klar, ebenso, welche Rolle das „Wording“, die Wortwahl, bei der Wirkung von Nachrichten spielen kann (S. 292). Dies spielt auch bei „symbolischen Dekonstruktion des Sozialstaates“ eine wichtige Rolle, wie im Interview mit Michael Walter deutlich wird (S. 196 ff).

Theoriebildung verboten:

So gerne die Mainstream-Medien mit haltlosen Vermutungen den Konzepten der Mächtigen des Westens zur Hand gehen, so diffamierend gehen sie mit wohldurchdachten und mit plausiblen Argumenten unterfütterten Theorien kritischer Geister zum Weltgeschehen um. Ebenso diffamierend wird über die Friedensbewegung und die Bewegungen gegen die Handelsabkommen wie TTIP und CETA berichtet. Gerne werden diese Bewegungen der Kumpanei mit Rechten und der „Querfront-Sympathien“ verdächtigt.

Hierzu äußert sich im Buch ausführlich der schweizer Historiker Daniele Ganser in einem Interview (S. 249 ff). Völlig zurecht verweist Ganser darauf, wie ausführlich durch Wikileaks die „Verschwörungsneigung“ der US-Machtelite belegt ist. Aber die intellektuell so alberne „Verschwörungstheorie-Keule“ wird dennoch unablässig geschwungen. Insbesondere Gansers Untersuchungen zu Nine Eleven machen ihn natürlich zur Zielscheibe solcher Diffamierungen. Dabei ist das offizielle Narrativ zu Nine Eleven die Grundlage us-geführter westlicher (Kriegs)-Politik. Ungeachtet der zunehmenden Zahl von Zweiflern halten Politik und Mainstream die Mär unbeirrt hoch. Gleichzeitig stellt Ganser zur Diskussion in den alternativen Medien fest: „Die Debatte wird gezielt mit Blödsinn kontaminiert…“ (S. 252).

Im Zentrum des Problems: die Nachrichtenagenturen

Der Beitrag der Forschungsgruppe zu Propaganda in Schweizer Medien (S. 154 ff) legt ein besonders grundlegendes Übel bloß. Angesichts der abnehmenden Zahl von wirklich recherchierenden Journalisten und Reportern kommt den Nachrichtenagenturen eine zentrale Bedeutung zu. Globale Nachrichtenagenturen gibt es nur noch drei, Associated Press, Agence France-Press und Reuters London. Auch im deutschsprachigen Raum sind es nur noch drei. Damit sind es nur wenige Quellen aus denen geschöpft wird und die in enger Verbindung „zur Macht“ stehen. Auch Auslandskorrespondenten sind oft zwar räumlich näher am Geschehen, ohne dies aber inhaltlich zu sein.

Pseudonachrichten beziehen die Medien dafür öfter durch PR-Agenturen und natürlich die Geheimdienste. Damit sind sehr viele „Nachrichten“ direkte Ergebnisse von Steuerung. „Namhafte“ große Zeitungen wie die New York Times liefern dann auch häufig „Vorlagen“, auf die man sich journalistisch „beruft“ (S. 166). Dieses wird noch einmal ausgiebig durch eine Fallstudie zum Syrienkrieg belegt (S. 171).

Mausfeld macht die innere Logik klar

Wie sehr die großen Medien „Ideologie produzieren“ erläutert Professor Rainer_Mausfeld von der Christian-Albrechts-Universität Kiel im Interview (S. 134 ff). Mausfeld ist Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher und hat sich große Verdienste zu den Erkenntnissen bezüglich der „Fraktionierung“ der Wahrnehmung, also der Verhinderung eines schlüssigen Bildes von Ereignissen und Zusammenhängen, erworben.

Mausfeld konstatiert, dass in einer wirklichen Demokratie die Medien und das Bildungswesen eine außerordentliche Rolle spielen, da die Bürger ja wissen müssen, worum es geht, wenn sie entscheiden sollen. Es bedarf auch eines kollektiven Entscheidungsraumes. Tatsächlich kommen Medien und Bildungssystem den Anforderungen nicht nach, was kein „Betriebsunfall“ sei. Diese Entwicklung hat absichtlich stattgefunden (S. 137), um das „als irrational, infantil und launenhaft angesehene >>dumme Volk<< von politischer Macht und Einfluss fernzuhalten.

Tatsächlich bedarf es nach Mausfeld im Bereich der Medien selbst dabei oft keiner großen Verschwörung, da die ökonomischen und organisatorischen Strukturen mit ihren Filterfunktionen wirkungsvoll Konformität erzeugen. So verbreiten sie bei vielen wirkungsvoll totalitäre neoliberale Ideologie.

Die Medien „sind keine Wachhunde des öffentlichen Interesses gegenüber den Zentren der Macht, sondern vielmehr ihre Schutzhunde“ (S. 138).

Über das Buch hinaus sei hier auf den Erkenntnischatz von Mausfelds Schriften und Vorträgen hingewiesen.

Ein überaus wichtiges und nötiges Buch

In seinem Resümee stellt Jens Wernicke die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Meinungs- und Pressefreiheit heraus. Treffend stellt er fest: „wirklich frei sind hier nur die Arbeitgeber der Journalisten – frei, ihre Meinung verbreiten zu lassen“ (S. 333).

Nun, so eingeschränkt die wirkliche Pressefreiheit ist, so ist Jens Wernicke für dieses Buch und dem Westendverlag für die Veröffentlichung desselben zu danken. Dieses Buch ist Jeder und Jedem zu empfehlen. Es ist faktenreich und bei aller Klarheit differenziert und sollte auch eine Ermutigung für den noch mit Gewissen ausgestatteten Teil der schreibenden Zunft zur Selbstreflexion sein, die Spielräume auszunutzen und nicht den Trend zur „Schere im Kopf“ in vorauseilendem Gehormsam zur Anwendung zu bringen. Aber es wird auch klar, die Mainstream-Medien sind im Großen und Ganzen nicht angetan, zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme beizutragen, sondern sie sind Teil der gesellschaftlichen Probleme und diese können nur durch gesellschaftliche Bewegungen und Kämpfe gelöst werden.

Nachtrag: Chomsky als Beispiel des von ihm so trefflich analysierten Problems

Eine kritische Anmerkung sei mir nicht verwehrt: sehr viel ist in diesem Buch von Noam Chomsky und seinen unbestreitbaren Verdiensten zur Darlegung der medialen Kontrolle durch die Mächtigen die Rede, aber Chomsky bietet leider auch selbst ein eklatantes Beispiel für die Verengung des „erlaubten Betrachtungs- und Diskussionsfeldes“.

Gerade zu Kennedys Ermordung und Nine Eleven, zwei „zeitenwendenden“ Ereignissen, deren offizielle Narrative so voller zum Himmel schreiender Widersprüche sind (wobei Nine Eleven die Grundlage us-geführter Kriegspolitik ist), hat Chomsky mehrfach erklärt, dass sie für die allgemeine Analyse irrelevant seien. Ist es sein Alter, das ihn die Brisanz nicht verstehen lässt, ist es die Furcht, dass seine sonstigen Analysen durch die Beschäftigung mit diesem hochbrisanten Stoff diskreditiert würden, oder ist es letztlich Hasenfüßigkeit und die Furcht, „ins Abseits zu geraten“? Hält Chomsky diese beiden Themen für „schwarze Löcher“, aus denen es kein Entrinnen gibt?

Andreas Schlüter

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Es geht das Geschwätz vom „Post-Faktischen Zeitalter“ um. Traurigerweise ist Einiges daran, aber anders, als uns diejenigen glauben machen wollen, die auf den alternativen – insbesonder außerwestlichen – Medien herumhacken, ja, diese am liebsten verbieten würden. Laut MDR wollen einige Unionspolitiker die „Verbreitung“ von „Fake News“ gerne unter Strafe stellen. Aber wer ist in erster Linie für die gezielten Falschdarstellungen verantwortlich? Müssten da nicht viele Mainstream-Journalisten (zusammen mit eben diesen Politikern) „ab in den Knast“? Werden wir nicht seit vielen Jahren mit wohlfeilen Märchen gefüttert, wider jede gründliche Betrachtung der Gegebenheiten?

Vier gravierende Beispiele „offizieller“ Falschdarstellungen:

kennedys-ermordung

Mainstream zu Kennedys Ermordung: Kennedy wurde von dem irren „politischen Vagabunden“ Oswald von hinten erschossen!

Genaue Betrachtung:

Kennedys Ermordung: ein halbes Jahrhundert der Lügen“ https://wipokuli.wordpress.com/2013/11/23/kennedys-ermordung-ein-halbes-jahrhundert-lugen/

& https://wipokuli.wordpress.com/2011/10/19/%e2%80%9eallmacht%e2%80%9c-usa-und-kein-ende-%e2%80%9efamily-of-secrets%e2%80%9c/

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Mainstream zu Ruanda: Die ruandische Tragödie war der Völkermord von „Hutu-Genocidairen“ an der Tutsi-Minderheit, ein „Afrikanischer Holocaust“:

Genaue Betrachtung:

Ruanda: eine halbe Wahrheit ist ganze Lüge”: https://wipokuli.wordpress.com/2014/04/08/ruanda-eine-halbe-wahrheit-ist-eine-ganze-luge-zwanzig-jahre-tolldreiste-desinformation/

& „Video-Vortrag, Verbrechen in Ruanda und im Kongo, Afrika in der globalen Destabilisierungs-Strategie der USA“, Teil 1 + 2: https://wipokuli.wordpress.com/2014/05/09/vortragverbrechen-in-ruanda-und-im-kongo-afrika-in-der-globalen-destabilisierungs-strategie-der-usa/

& https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/17/desinformation-auch-zu-ruanda-und-ost-kongo/

plane-hitting

Mainstream zu Nine Eleven und der Berechtigung des US- und NATO-Krieges gegen die Welt, genannt „Krieg gegen den Terror“: die USA wurden von etwas über einem Dutzend völlig flugunfähiger Flugschüler so attackiert, dass sogar ein nicht getroffener Wolkenkratzer auf seinem Grundriss in sich zusammenfiel!

Genaue Betrachtung:

Von Nine Eleven zur Sprengung Europas?” https://wipokuli.wordpress.com/2015/09/30/von-nine-eleven-zur-sprengung-europas/

& „USA und Israel: schmutzige Geheimnisse und Erpressungsmacht“: https://wipokuli.wordpress.com/2014/08/21/usa-und-israel-schmutzige-geheimnisse-und-erpressungsmacht/

ww-2-vire

Mainstream: die syrische Regierung und Russland begehen dauernd Kriegsverbrechen gegen die Bevölkerung Aleppos, der Westen „befreit Menschen dagegen immer schonend“!

Genaue Betrachtung:

Der Westen und Syrien: Propaganda, Geschichte und Gedächtnisverlust“: https://wipokuli.wordpress.com/2016/10/07/der-westen-und-syrien-propaganda-geschichte-und-gedaechtnisverlust/

Ja, Leute, dann packt schon mal eure Zahnbürsten ein!

Andreas Schlüter

Ein Zitat vom damaligen CIA-Chef Casey, das wir nicht vergessen sollten!“: https://wipokuli.wordpress.com/2016/08/04/ein-zitat-vom-damaligen-cia-chef-william-casey-das-wir-nicht-vergessen-sollten/

Linksammlung zu Afrika und Nahost: https://wipokuli.wordpress.com/2012/11/16/artikelsammlung-zu-afrika-und-zum-nahen-osten/

Linkliste zu “Gladio”, “NSU”-Morden und den Geheimdiensten: https://wipokuli.wordpress.com/2013/01/24/link-liste-meiner-artikel-zu-gladio-nsu-geheimdiensten-und-staatsorganen/

Meine Beiträge zu den USA: https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/17/link-liste-meiner-artikel-zu-den-usa/

horrorclowns

Tatsächlich sieht die Welt schweren Gefahren entgegen, die unser aller Leben bedrohen. Diese gehen von der kriegslüsternen US-Machtelite aus, die mittlerweile von den Neocons dominiert wird. Dazu droht Europa nicht nur durch CETA und TTIP der endgültige Kolonialstatus, sondern es scheint, als werde in Europa die „Schock-Strategie“ durch die „transatlantischen Partner“ zur Anwendung gebracht, um Europa in die geo-strategischen Konzepte der USA zu zwingen. Genug Grund also für die Menschen insbesondere in Europa, aber auch in den USA, sich mit politischen Grundfagen zu beschäftigen!

Aber, eine neue sonderbare Welle überflutet die westliche Welt, wenn auch noch zusätzlich durch die Medien verstärkt: die Grusel-Clowns, mittlerweile zu Horror-Clowns mutiert, feiern fröhliche Urständ. D. h., fröhlich höchstens für sich selbst, aber in mehrfacher Hinsicht auch gefährlich, insbesondere für herzschwache Menschen. Klar, in Film und sonstigen Medien sind Grusel und Horror weit verbreitet. Das Spiel mit Kognitiver_Dissonanz ist sehr beliebt. So ist die Entwicklung vom „bösen Clown“ zum Horror-Clown nicht ohne innere Logik, schon in „Chucky, die Mörderpuppe“ vor Jahrzehnten vorweggenommen.

Tatsächlich beginnen nun auch Politiker, sich mit mit den Clowns zu beschäftigen. Insofern können wir bereits ansatzweise von Terror-Clowns sprechen. Und wirkliche physische Angriffe scheinen sich zu mehren, „Clowns“ verletzen Menschen. Natürlich, viel Unsinn entsteht aus der Oberflächlichkeit der Gesellschaft, die systematisch durch Werbung und Medien erzeugt worden ist, aber hierhinter könnte mehr stecken.

Dabei ist klar, was immer dahinter steckt, wir leben in der Zeit der Nachahmung, auch kommen sich viele „abgehängte“ und frustrierte Menschen so hilflos vor, dass sie Ventile für ihre Frustration suchen und damit insbesondere durch die Maskierung und die dadurch gewärleistete Anonymität leicht solchen gefährlichen Unfug aufgreifen können (wie auch aus der Geschichte des Karnevals bekannt). So wie man die „Anonymous“ Bewegung als den fortschrittlichen linken Ausdruck dieses sozialen Lebensgefühls verstehen kann, hat also diese neue Welle den Charakter des Destruktiven und Reaktionären (ähnlich wie rechte Rattenfänger die Entrechteten dem Faschismus zuzuführen suchen). Hier nun findet sich das Element: „ich zahle der Gesellschaft insgesamt meine furchtbare Situation heim!“

Und dennoch, es könnte sich um weit mehr handeln, man muss zumindest in alle Richtungen denken. Dabei kommt auch die alte Kriminalistenfrage „qui bono?“ ins Spiel. Wenn man das eingangs Gesagte berücksichtigt, dann ist klar, dass die US-amerikanische, Neocon dominierte Machtelite davon profitiert. Auch durch diese „Welle“ werden die Menschen im Westen von den beiden Grundfragen massiv abgelenkt, von der sozialen Frage wie eben auch gerade von der Friedensfrage!

Wenn das aber so ist, dann ist es auch gut vorstellbar, dass eben diese Machtelite durch den „Tiefe Staat“ diese Welle erzeugt bzw. zielstrebig gefördert haben könnte, auf die gesellschaftlichen und medialen Verstärkungsmechanismen setzend. Dann wäre dieses „Horror-Clown-Phänomen“ tatsächlich Terror! Laut Wikipedia ist „Terror (lat. terror „Schrecken“) … die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen.

Hätte ich Recht, dann könnte man mit Fug und Recht sagen, diese „Masche“ schließt die Lücke zwischen Ent-Rationalisierung großer Teile der Bevölkerung und Propaganda einerseits und erzeugtem „Gladio-Terror“ in Form von rechtsextremistischem Terror wie dem des „NSU“, und „Islamistischem_Terror“ andererseits. Das „Repertoir“ der „Strategie_der_Spannung“ wäre damit „komplettiert“!

Die Geschichte der letzten Jahrzehnte legt diesen Schluss nahe! Bei alle dem sollten wir aber die „Terror-Clowns“ ohne Maske nicht vergessen:

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Andreas Schlüter

Links:

siehe: „Terror, „NSU“ und spektakuläre Morde: der Jongleur mit Tarnkappe“: https://wipokuli.wordpress.com/2016/10/15/terror-nsu-spektakulaere-morde-der-jongleur-mit-tarnkappe/

Zu den „Clowns“:

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Bewaffnete-Grusel-Clowns-erschrecken-Passanten,gruselclowns104.html

http://www.sueddeutsche.de/panorama/angriffe-in-deutschland-gruselclowns-breiten-sich-seuchenartig-aus-1.3218217

http://www.gmx.net/magazine/panorama/horror-clowns/grusel-clowns-duisburg-koeln-verletzen-opfer-31974848

http://www.gmx.net/magazine/panorama/grusel-clowns-duisburg-koeln-verletzen-opfer-31974848

http://www.giga.de/extra/hoax/specials/killer-clowns-in-deutschland-das-steckt-hinter-dem-grusel-trend/

http://www.gmx.net/magazine/panorama/grusel-clown-bedroht-zugreisende-gefasst-31975160

http://www.gmx.net/magazine/panorama/horror-maske-kettensaege-grusel-clowns-treiben-unwesen-31972476

Das Recht auf Empörung steht Jedem zu

Keine Frage, jeder Mensch, der unter der fraglos autoritären SED-Herrschaft gelitten hat, jeder Mensch, der durch die Mauer Angehörige verloren hat oder nach Fluchtversuchen im Gefängnis gesessen hat, hat das Recht, über die Mauer-Satire der Jungen Welt empört zu sein, wie jeder andere auch. So kann zum Glück überhaupt jeder Mensch sich in einer Demokratie empören, worüber ihr oder ihm Empörung angemessen zu sein scheint.

Auch in einer Partei wie der LINKEn besteht sicher das Recht, sich in seiner Empörung über unterschiedliche Dinge zu erregen. So waren nicht wenige empört, als der Berliner Landesvorsitzende der LINKEn, Klaus Lederer, seinen Auftritt auf einer „Solidaritätsveranstaltung“ für Israel hatte, während dessen Regierung die Bewohner Gazas mit dem grausamen „Sylvester-Scherz“ des „gegossenen Bleis“ traktierte und mit einer deutlich höheren Mauer den Landraub an Rest-Palästina vorantreibt. Dieser Empörung ist auch in offenem Brief Ausdruck verliehen worden. Allerdings kann ich mich nicht an eine Boykott-Aktion erinnern, die dazu aufgerufen hätte, ihn innerparteilich zu verfemen, nach Möglichkeit zu „vernichten“. Auch die sehr wenigen „Nostalgiker“ haben nicht zu seinem Sibirien-Aufenthalt aufgerufen.

Die Heuchler

Freudig hat die Kommerz-mediale Mainstream-Presse den satirischen Fehlgriff einer verdienten linken Zeitung aufgegriffen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass in diesen Zeitungen, wenn es um historische Figuren wie Friedrich den Großen, Karl den Großen oder sonstige bedeutsame Kaiser und Könige oder andere wichtige Figuren der deutschen Geschichte geht, zuerst einmal darauf hingewiesen würde, was für despotische und grausame „Säcke“ sie gewesen seien, denen nicht wenige Menschen zum Opfer gefallen seien. Ähnliches trifft auf historische Figuren des europäischen oder amerikanischen Auslands zu. Auch die Rückbenennung von Leningrad in St Petersburg, eine Referenz mehr an den Gründer Peter den Großen denn an den Heiligen, wurde als Zeichen der „Befreiung“ gedeutet. Dabei hat der gute Mann, fraglos ein „Erneuerer“, locker viele Tausende armer Russen beim Bau zugrunde gehen lassen. Lesart ist immer, dass man Ereignisse und Figuren „vor dem Hintergrund der Zeit und der Umstände“ (wozu fraglos auch der Ort gehört) bewerten müsse.

Allerdings hört „der Spaß“ bei solchen Leuten auf, die wie unvollkommen auch immer auf „linker“ Grundlage operiert haben. Erst recht dann, wenn sie in den antiimperialistischen Kampf verwickelt sind oder waren. So ist Napoleon akzeptabel, Gaddafi ein „irrer Despot“. Die europäischen Monarchen, die damals gegen die vordringenden Türken kämpfen ließen, sind „Retter Europas“, Fidel Castro ist auch ein zu verfemender Despot, obwohl, genauer, weil er der den „US-Puff Kuba“ geschlossen hat. Dass auch diese Leute gegen die Raubzüge, denen ihre Länder ausgesetzt waren oder sind, kämpfen oder gekämpft haben, ist eben ihr Verbrechen. Wie sagt Noam Chomsky, „Terror ist immer das, was die anderen tun“!

Gaukler

Nun gibt es in der LINKEn Leute, die bedauerlicherweise dieses ahistorische Spiel mitmachen. Es ist selbstverständlich, dass man als Mitglied dieser Partei den Maßstab der Menschlichkeit an Alles legen darf, ja sollte. Es ist auch selbstverständlich, dass man auf keinen Fall die Vorgehensweise gegen Andersdenkende in Kuba loben kann. Es ist selbstverständlich, dass man die LINKE nicht zum Klon der KP Kubas machen will. Da hat man nun Empörung über den Geburtstagsgruß an Fidel Castro durch die beiden Vorsitzenden der LINKEn zur Schau gestellt. Aber bedeuten Grußbotschaften und diplomatische Reden von Politikern der bürgerlichen Parteien an genehme orientalische Despoten oder sonstige autoritäre pro-westliche Machthaber, dass diese Parteien unser Land in ein Spiegelbild des diplomatisch Hofierten Machtbereiches verwandeln wollen? So etwas werden sie weit von sich weisen und auch linke Kritiker unterstellen das nicht. Es geht um Interessen. Als linke Partei sind wir auch dem Antiimperialismus und dem Internationalismus verpflichtet. Wir wollen Kapitalismus und Imperialismus nicht stärken wie das die „Bürgerlichen“ wollen, oder?

Wenn aber linke Politiker sich in die neoliberale Zwangsjacke der bürgerlichen Notenvergabe für Machthaber zwängen lassen, Castro, Gaddafi u. a. „böse“, die libyschen Rebellen „Revolutionäre“, Israels Regierung steht einem „Leuchtturm“ der Demokratie vor etc., dann wollen sie sich entweder den Medien und der manipulierten Öffentlichkeit als „normale“ Partei (selbstverständlich zur Erreichung des „höheren Zieles“) präsentieren, oder sie wollen gleichzeitig ihren GenossInnen vorspiegeln, doch in Wahrheit Linke zu sein, die nur an die Schalthebel wollen, um dann endlich linke Politik zu machen. In jedem Falle sind sie dies: Gaukler!

Hinter die Fichte

Eine unnachsichtige Moral in der Betrachtung von politischen und gesellschaftlichen Vorgängen ist etwas Löbliches. Tiefe Empörung zu grausamem und brutalem Geschehen ist auch etwas Angemessenes. Allerdings kann sie positiv wirken in den Bereichen, wo man direkt oder indirekt wirksam werden kann. Wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, muss man sehr genau schauen, dass sie einem nicht von völlig Unmoralischen aus der Hand genommen wird. Und man darf sich nicht an einem blinden Fleck zu einem gegenteiligen Ziel führen lassen.

Ein ausgezeichnetes Beispiel bilden in diesem Zusammenhang immer wieder die „Opium-Kriege“, die insbesondere die Briten in der Mitte des 19. Jahrhunderts führten. Kern des „Problems“ war das Vorgehen Chinas gegen den westlichen Opiumhandel und damit den „Freihandel“. Was würden wir von einem „Linken“ der damaligen Zeit halten, der sich mit der Tatsache, dass China ein Ort der massenweisen Herstellung von „Hofeunuchen“ und der noch zahlreicheren Verkrüppelung von Frauenfüßen war, zur Unterstützung des Krieges hätte verführen lassen, damit in „China endlich Humanität einzieht“? Wir würden zu Recht sagen: den hat man ganz schön „hinter die Fichte“ geführt!

Das wäre die frühe Erfindung des „Menschenrechts-Imperialismus“ gewesen, der natürlich nichts mit Menschenrechten zu tun gehabt hätte. Nun war der öffentliche Diskurs in Großbritannien damals noch nicht so weit, wie auch in anderen westlichen Ländern. Dieses Verfahren der imperialen Kräfte wurde erst später „nötig“. Aber hinter die Fichte führen lassen sich Menschen, deren Moral zwar hochentwickelt ist, deren Informationsstand aber damit nicht Schritt hält, leider allzu gern. Auch bei dem „Krieg gegen die Junge Welt“ geht es nicht um die geschmacklose Mauer-Satire, sondern eben darum, dass sie unter Anderem so ausgezeichnet über diesen „Menschenrechts-Imperialismus“ schreibt, und darüber, wie manche in der LINKEn sich am Nasenring zur Unterstützung führen lassen.

Andreas Schlüter