Mit ‘Holocaustgedenktag’ getaggte Beiträge

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Es ist eine Schande: zum 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz hat man den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, den Präsidenten des Landes (damals in der Sowjetunion), dessen Soldaten die Hauptlast des Krieges gegen Nazi-Deutschland getragen haben, nicht eingeladen! Grund: er widersetzt sich der aggressiven NATO-Politik zur Einkreisung Russlands!

Im Übrigen gilt, was ich auf diesem Blog am 30. Januar 2013 veröffentlicht habe:

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Todeslager Auschwitz-Birkenau. Dieser Tag, der 27. Januar, ist als Holocaust-Gedenktag nicht nur in Deutschland, sondern auch international dem Gedenken an die sechs Millionen Opfer der systematischen Judenvernichtung durch die Nazis in Europa gewidmet. Es ist richtig, in das Gedenken auch die weiteren Opfer des Nazi-Wahns einzubeziehen. 200.000 bis eine halbe Million Sinti und Roma (1)  fielen dem Rassenwahn und dem Sozialdarwinismus des Horrorregimes zum Opfer. Afrodeutsche (2) in nicht geringer Zahl wurden in KZs umgebracht. Unzählige Menschen wurden wegen ihrer politischen Ansichten oder ihrer sexuellen Orientierung vernichtet. Der Nazi-Kriegsmaschine fielen in Osteuropa wohl an die zwanzig Millionen Menschen zum Opfer. Dies alles ist Grund, als Deutscher mit Scham der Leiden dieser Millionen von Menschen zu gedenken, sich der nationalen Schuld, teils durch massenweise Unterstützung, Wegschauen sowie „Nicht-Wissen-Wollen“, bewusst zu sein, und grimmig „nie wieder“ nicht nur zu denken und zu sagen, sondern auch dementsprechend zu handeln! Solange es die Menschheit und eine kontinuierliche Geschichtsschreibung gibt, wird dieser Schandfleck auf der deutschen Geschichte bestehen!

Schande, die die nationale deutsche Schande nicht mindert, aber auch über die, die daran mitgewirkt haben, die Nazis an die Macht zu bringen, ihre Kriegsmaschine mit zu ölen und den Krieg zu verlängern, was für bedeutende Teile der US-Wirtschaft zutrifft (3). Schande auch über die, die die deutschen Verbrechen als Vorwand und Legitimation für eine rassistische und kolonialistische Politik den Palästinensern gegenüber missbrauchen (4). Schande auch über die, die glauben, sich ablasshandelsmäßig von der nationalen Schuld durch Unterstützung dieser Verbrechen freikaufen zu können (5)!

Schande aber auch über die, die gerne die westlichen Verbrechen insgesamt hinter diesem furchtbaren Geschehen verbergen wollen, den Völkermord an den Indianern, an den australischen Ureinwohnern und die andauernde völkermörderische Plünderungspolitik Afrika gegenüber. Auch die Verbrechen an Menschen in Asien gehören dazu, von der mörderischen Plünderung Indiens über die Opiumkriege wie die massenvernichtenden westlichen Kriege in Südostasien! Der Krieg gegen die „Dritte Welt“ insbesondere als spekulativer „Hungerkrieg“ setzt sich fort (6). Diese Gesamtschuld des Westens mindert die nationale deutsche Schuld nicht, wie einem bei solchen Äußerungen gern als Ziel unterstellt wird, nein, sie addiert sich durch deutsche Beteiligung darauf!

Andreas Schlüter

 

Anhang:

1)      http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/sintiroma/index.html

2)     http://www.maooni.de/gert-schramm-afro-deutscher-ueberlebender-des-kz-buchenwald/

3)      https://wipokuli.wordpress.com/2012/07/17/us-machtelite-wir-wissen-was-ihr-vor-wahrend-und-nach-dem-zweiten-weltkrieg-gemacht-habt/

4)      https://wipokuli.wordpress.com/2011/05/15/nahost-prufstein-fur-anti-imperialisten/

5)      https://wipokuli.wordpress.com/2011/07/02/verirrungen-von-verquast-bis-boswillig/

6)      http://www.uweness.eu/kapitalismus-toetet.html

7)      http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/30-januar-2013-tag-des-gedenkens-und-der-mahnung/

Weiterer LINK: https://wipokuli.wordpress.com/2014/05/11/danke-russland-danke-sowjetarmee/

Bei aller Liebe zu Büchern bin ich nicht Literat genug, um ein fachmännisches Urteil über Marcel Reich-Ranickis Rolle als Literaturkritiker abzugeben. Unstrittig ist wohl, dass er auch als eine Art „Zuchtmeister“ des deutschen Literaturbetriebs fungierte. Wie positiv er dessen Entwicklung er beeinflusste, das zu beurteilen, fehlt mir eben die Kompetenz. Was ich dazu weiß, wann immer ich ihn zum Thema Literatur gehört habe, hat mich zwar sein apodiktisches Urteil zu Zeiten irritiert, aber seine klare Positionierung beeindruckt und seine kantige, zuweilen knarzige Sprache begeistert. Es macht traurig zu wissen, dass man nichts Neues von ihm zur Literatur hören wird.

reich-ranicki

Dass er selbst ein wahrhaft fähiger Schriftsteller war, hat er u. a. mit seiner Autobiografie „Mein Leben“ großartig unter Beweis gestellt, denn diese ist nicht nur wegen des Inhalts fesselnd, sondern auch, weil sie eben den Leser „einsaugend“ geschrieben ist, ich habe sie nicht vor der letzten Seite aus der Hand gelegt. Ja, und fraglos kann man auch die Tatsache, dass Reich-Ranicki nach allem, was ihm und seiner Familie durch Deutsche angetan wurde, die deutsche Literatur zu seinem Lebensinhalt machte, als großes Kompliment an eben diese auffassen, ich bin jedoch zu wenig national gesinnt, um in solche „Beglückungsgefühle“ einzutauchen.

Was mich am meisten beeindruckte

Zwei Dinge an ihm aber haben mich zusätzlich zu seiner in seinen Sendungen hervortretenden Ausstrahlung besonders beeindruckt, ja, tief bewegt.

Die Ablehnung des deutschen Fernsehpreises als Protest gegen die Verflachung dieses Mediums war ein dringend nötiges Zeichen (1), sie war, von höflichen Worten eingeleitet, ganz einfach – großartig!

Was mich fraglos am tiefsten bewegte, war Marcel Reich-Ranickis stumme Verweigerung, der Bruch mit einer schändlichen Unsitte! Er machte etwas nicht, dass Frieden und Gerechtigkeit Hohn sprechend zum menschenverachtenden Ritual geworden ist. Bei seiner so anrührenden Rede im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag (2) gab es nicht den „obligatorischen“ Brückenschlag zu Israel, ein sonst unablässig geübtes Ritual, dass durch seine Ausführung dem völkerrechtswidrigen und kolonialistischen Handeln des Staates Israel eine widerliche Pseudolegitimation zu verleihen gedacht ist. Diese Verweigerung des Holocaust-Missbrauchs zeugte mehr noch als alles Übrige von der Integrität dieses Mannes, vor dem ich mich hier gedanklich tief verneigen möchte.

Und um den Schwenk zur Literatur zurück zu finden, eine Vermutung: der Beruf des breitenwirksamen wie im positiven Sinne unterhaltenden Literatur-Kritikers ist vermutlich mit Marcel Reich-Ranicki gestorben, auch das ist traurig!

Andreas Schlüter

1) https://www.youtube.com/watch?v=KWuinyJgKew

2) https://www.youtube.com/watch?v=CsmHB93SR6o