Mit ‘Hamburg’ getaggte Beiträge

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An diesem Wochenende hat in meiner Vaterstadt Hamburg der großangelegte Gipfel der zwanzig_wichtigsten_Industrie-_und_Schwellenlaender sowie einer ganzen Reihe von Gast-Staaten und -Organisationen stattgefunden. Dieser Gruppe der 20 gehören 19 Staaten sowie die Europäische Union an. Die Länder sind: Argentinien, Australien, Brasilien, VR China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Republik Korea, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Türkei und die USA.

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Protest gegen wen?

Somit trafen sich hier Vertreter mächtiger (und teils sehr unterschiedlicher) Interessen. Die Mächtigen einer ganzen Reihe von vertretenen Staaten (aber eben nur einer Reihe) sind in hohem Maße an den Problemen der Welt beteiligt. Das dies massiven Protest anziehen würde, war zu erwarten. Dass neben berechtigtem Protest und sinnvollen Aktionen sich auch recht “wilde Dinge” abspielen würden, die ihrerseits sehr unterschiedlichen Interessen dienen würden, war ebenso zu erwarten. Und nicht nur gesellschaftliche Gruppen werden sich beteiligt haben, aber dazu später mehr!

In den in der G20 direkt oder indirekt vertretenen Staaten leben knapp unter zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie erwirtschaften über 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und bestreiten rund drei Viertel des Welthandels (Stand Ende 2016).“ (Wikipedia). Bezogen auf die geplanten Proteste konnte man also sehr wohl mit Andreas Wehr fragen: “Wer_demonstriert_da_gegen_wen?”, bzw.: “berechtigte_Globalisierungskritik_oder_blinder_Aktionismus?”

Teure Gigantomanie

Selbstverständlich ist Kritik an der Gigantomanie der Veranstaltung durchaus berechtigt, wie auch Sahra_Wagenknecht richtig feststellt. Auch die kritische Betrachtung des G20 Gipfels durch die Linksfraktion hat Substanz. Ebenso sind “Randveranstaltungen” wie der Afrika-Konferenz Mitte Juni in Berlin zu kritisieren: “Minister Müller, die G20 Afrika-Konferenz und Paul Kagame: brennende Fragen”: https://wipokuli.wordpress.com/2017/06/20/minister-mueller-die-g20-afrika-konferenz-und-paul-kagame-brennende-fragen/

Wenn Vertreter großer Teile der Welt unter deutschem Vorsitz zusammenkommen, lag zwar einesteils Deutschlands “Tor zur Welt”, Hamburg, nahe, aber eine Reihe von Auswirkungen auf die Stadt waren wahrlich voraussehbar. Da hätte doch vielleicht ein anderer Ort weniger Probleme bereitet. Ob diese vielleicht sogar gewollt waren, wird später noch betrachtet werden.

Teils undifferenzierter Protest und “Welcome to Hell”

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Das es viele Menschen gibt, die Anteil an den Problemen der Welt nehmen und das auch zeigen, belegt die Demonstration am 2. Juli vor dem Hamburger_Rathaus:

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Das bei den friedlichen Demonstrationen sich auch undifferenzierter Schwachsinn artikulierte, dafür steht auch ein Plakat der LINKEn:

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Hier werden fröhlich Trump (nurmehr Marionette der US Neocon-Machtelite), Erdogan und Putin (der versucht, der US-Kriegstreiberei in den Arm zu fallen) zusammengemischt. Hirnverbrannt!

Was dann aber während des Gipfels die Bilder und Schlagzeilen bestimmte, war “Welcome_to_Hell”, die Bande, die sich auf ihrer Website rühmt, dass ihre Aktionen “gegen den Kapitalismus” gelungen wären. Die Bilder, die sie in “tätiger Zusammenarbeit” mit der Polizei erzeugt haben, werden insbesondere die Hamburger nicht von der Ungerechtigkeit der Welt, der Widerlichkeit des globalisierten Kapitalismus´ und der Kriegslüsternheit der US-Machtelite überzeugt haben, sondern helfen bei der Diffamierung linker Kritik und antiimperialistischen Handelns!

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Gezielte Ablenkung von den Grundfragen

Diese erzeugten Bilder sind eine (gezielte?) Ablenkung von den friedenspolitischen und sozialen Grundfragen.

Wer gefährdet unser aller Leben mit NATO-Kriegspolitik? Was entmachtet die Arbeitenden sowohl in den Industrieländern wie in den Ländern des globalen Südens? Die völlige Befreiung der Kapitalströme und die “Freihandelsreligion”! Was ist angesichts der enormen ökologischen Probleme der Welt und der nicht mehr wegzuleugnenden drohenden Klimakatastrophe dringend nötig? Eine wie immer geartete Hinwendung zu sozialistischen, also allgemeinwohl-orientierten Strukturen statt eines hemmungslos globalisierten Kapitalismus´! Aber dazu bedarf es intensiven Studiums der Zusammenhänge und einer Selbstorganisation mit langem Atem!

Und man muss dazu mit viel Geduld große Teile der Bevölkerung aufklären und organisieren. Mit diesem Chaos erreicht man natürlich das Gegenteil. Die Ablenkung von diesen Grundfragen soll eben mit der vom “Imperium” angewandten “Schock-Strategie” betrieben werden. Europa befindet sich durchaus in einer sehr problematischen Situation, von einem “Ring of Fire” umgeben, droht die “Sprengung_Europas”. Fehlen vernünftige linke Antworten auf die Situation, lachen sich die Rechten ins Fäustchen! Denen wird auch diese Randale natürlich wieder sehr nützen.

So haben diverse Kräfte es geschafft, dass nicht die imperiale Kriegsgefahr, lebensvernichtende Ausbeutung, die zunehmende Entrechtung der Arbeitenden durch die völlige Befreiung der Kapitalströme und die zunehmende Manipulation und geheimdienstliche Repression im Fokus stehen! Dies waren keine Linken, sondern teils hirnlose (dafür mit Smartphone ausgerüstete) Schwachköpfe, Chaos-Reisende (sicher auch Hooligans) und Agent Provocateurs. Sie haben sicher im Zusammenspiel mit einer Polizei, die “auch_nicht_ohne_ist, und fraglos eingangs auch provoziert hat, echter Imperialismus- und Gesellschaftskritik vorübergehend erfolgreich “das Wasser abgegraben”. Viele Hamburger ärgern sich nun auch nicht mehr über die teure Gigantomanie, die sie in ihrem Alltagsleben erheblich behindert hat, sondern über angebliche “Linksradikale”, die tatsächlich mit “links” verdammt wenig zu tun haben.

A bisserl Wahlbeeinflussung und vielleicht auch die “Strategie der Spannung”?

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War aber gar nicht seine!

Man kann nicht ausschließen, dass die Kanzlerin nicht traurig darüber wäre, wenn bei den Bundestagswahlen in Hamburg die Neigung bestehen würde, ihre Idee des Hamburger Gipfel-Ortes mit seinen schlimmen Auswirkungen der dortigen rot-grünen Koalition zugunsten der CDU anzulasten (ein Schelm, der Böses dabei denkt!). Hätte der Gipfel in Berlin stattgefunden, wären die Auswirkungen wohl eher direkt der Kanzlerin angelastet worden (ungeachtet der rot-rot-grünen Landeskoalition).

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Was man mit Sicherheit sagen kann: diese Vorkommnisse sind Wasser auf die Mühlen des Überwachungsstaates. Sie werden die “Berechtigung” des Verfassungsschutzes, “ein Auge auf linke Bewegungen” zu werfen, stützen. Ohnehin ist dieser Verfassungsschutz auf dem “transatlantischen Auge” blind. Der Verfassungsschutzbericht_ist_ein_Skandal, aber das wird den Bürgern nun noch schwerer zu vermitteln sein. Wer wird sich nun dafür interessieren, dass man Maaßen und de Maiziere durchaus für US-Agenten halten könnte?

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Bei dieser “Nützlichkeit” der Vorkommnisse für die “Transatlantischen Kräfte” liegt der Gedanke an die “Strategie_der_Spannung” nicht fern. Das hier zusätzlich gesteuert (auch George_Soros ist immer für so etwas “gut”) wurde, scheint mir nicht auszuschließen. Wenn ehrliche Linke die Rolle des “Schwarzen_Blocks” nicht verstehen und dieser Formation etwa Verständnis entgegenbrächten, würden sie sich zu “nützlichen Idioten” machen!

Andreas Schlüter

Linksammlung zu meinen Artikeln über Afrika und Nahost: https://wipokuli.wordpress.com/2012/11/16/artikelsammlung-zu-afrika-und-zum-nahen-osten/

Linkliste zu “Gladio”, “NSU”-Morden und den Geheimdiensten: https://wipokuli.wordpress.com/2013/01/24/link-liste-meiner-artikel-zu-gladio-nsu-geheimdiensten-und-staatsorganen/

Meine Beiträge zu den USA: https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/17/link-liste-meiner-artikel-zu-den-usa/

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Unter großer internationaler, nationaler und lokaler Anteilnahme wurde am Montag, dem 23. November, in Hamburg der Staatsakt für den am 10. November verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt begangen.

Um es gleich zu sagen, als Sohn der Stadt Hamburg habe auch ich ihm – besonders im Alter – meinen Respekt nie wirklich versagen können. Dafür gibt es viele Gründe. Mir ist die Sturmflut 1962 (wir wohnten damals noch im Norden Hamburgs – weit ab vom „Schuss“) noch gut erinnerlich, und die Tatsache, dass sein beherztes Eingreifen wohl viele Menschenleben gerettet hat. Im Alter machte er sich durch die Befreiung von „Besser-Wessitum“ insbesondere auch China gegenüber zu einem „weisen Mann“, das Gleiche trifft hinsichtlich seiner klugen Haltung zu Russland zu: die Sanktionen sind „dummes Zeug“ 1). Darüberhinaus war er von hanseatischer Schlichtheit und es wäre ihm niemals eingefallen, sich wie Altkanzler Schröder zu Reklamezwecken in einen Armani-Anzug stecken zu lassen. Bis zum Schluss lebte er in Hamburg-Langenhorn im relativ unauffälligen Reihenhaus. Besonders beeindruckend – wie beunruhigend – war allerdings eine, wenn auch knappe, aber sehr erhellende Äußerung zu „Staatsterrorismus“ ganz am Ende eines Interviews: „Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus“ 2). Insbeondere in heutiger Zeit genügend Gründe, dem Manne Respekt zu zollen.

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Aber, die Schattenseiten sollen nicht vergessen werden! So war Schmidt zumindest lange Zeit dafür, Deutschland das undemokratische und veränderungsfeindliche Mehrheitswahlrecht einzubrocken 3), was bisher zum Glück mislang. In der Nachrüstungsfrage war er ein verlässlicher Verbündeter der Washingtoner „Kalten Krieger“ im geglückten Versuch, den Ostblock totzurüsten und legte sich mit der Mehrheit der SPD (und der Friedensbewegung) massiv zum NATO-Doppelbeschluss an.

Was aber lässt mich bei so einer „relativ ausgewogenen Bilanz“ nun vom „befleckten Abschied“ sprechen? Ein altes Sprichwort sagt: „sage mir, wer Deine Freunde sind, und ich sage Dir, wer Du bist“! Nun, da ist ein immer wieder hervorgehobener „Freund“, der mich schaudern lässt: Henry Kissinger!

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Henry Kissinger

Der große französiche Publizist Alfred Grosser sagte in einer Diskussionsrunde mit Guido Knopp zur deutschen Geschichte, als die Rede im Zusammenhang mit Schmidt und den Beziehungen zu den USA auf Henry Kissinger kam, so kühl wie treffend: „über Massenmörder rede ich nicht!“. Und Recht hatte dieser hochmoralische Mann mit diesem treffenden Satz. Kissinger ist zusammen mit Nixon für den Militärputsch in Chile des Augusto Pinochet im Jahre 1973 verantwortlich, sowie für viele Widerwärtigkeiten, die die US-Regierung beging. Ganz besonders sticht hierunter die Verlängerung und Ausweitung des Vietnamkrieges hervor. Auf diese beiden Tatbestände im Besonderen bezieht sich auch die Bezeichnung Massenmörder 4).

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Alfred Grosser

So gefror mir nun beim nicht wenig bewegten Anschauen der Veranstaltung bei der Rede von Kissinger das Blut in den Adern und ich musste mich vom Fernseher entfernen!

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Weitab vom Fernseher habe ich dann von Raucher zu Raucher und von Hamburger zu Hamburger mit einer gewissen Wehmut, aber dem erklärten Grimm gemurmelt: „Tschüß, Helmut!“

Andreas Schlüter

1) http://friedensblick.de/12802/darum-sind-russland-sanktionen-dummes-zeug-helmut-schmidt/

2) http://www.zeit.de/2007/36/Interview-Helmut-Schmidt/seite-7

3) http://www.cicero.de/berliner-republik/plaedoyer-deutschland-braucht-ein-mehrheitswahlrecht/55576

4) Massenmörder Kissinger: https://de.wikipedia.org/wiki/Angeklagt:_Henry_Kissinger

https://www.youtube.com/watch?v=X8MHtFnV7YM

http://www.iknews.de/2012/01/21/die-verbrechen-des-henry-kissinger/

Weitere Links zu den USA:

https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/17/link-liste-meiner-artikel-zu-den-usa/