Mit ‘Doktorwürde’ getaggte Beiträge

Ja, man erinnert sich gut, wie die Kanzlerin auf der CeBit der Bildungsministerin zu feixte, als der unsägliche „Transatlantiker“ zu Guttenberg (1) endlich seinen Hut nahm – http://de.gloria.tv/?media=134745! Allerdings fiel das Zurückfeixen bei Schavan irgendwie gequält aus, und im Nachhinein könnte man ihre Mimik auch vielleicht so deuten: „könnte ich auch mal vor dieser Situation stehen?“. Nun steht die Bildungsministerin selbst scharf in der Kritik zu ihrer Doktorarbeit (2) mit dem pikanten Titel „Person und Gewissen“. Sie könnte damit den Reigen der Politiker fortsetzen, die über akademische Verfehlungen bei der Erlangung – oder Erschleichung – der Doktorwürde gestrauchelt sind und das Hütchen abgeben mussten.

Doktortitel für wissenschaftliche Leistungen oder als fördernder Schmuck für Politiker?

Man kann sich schon mit einigem Recht die Frage stellen, ob der Doktorhut das Ehren-Utensil für gestandene wissenschaftliche Leistungen oder das modische Accessoires für aufstrebende Politiker sein sollte. Für eine Bildungsministerin ist diese Situation auf jeden Fall fatal. Sind die Vorwürfe so solide, wie es bis jetzt den Anschein hat, dann wird sie aus dem Amt „fallen“. Aber nicht nur ihr spezielles Ministeramt sorgt in diesem Falle für besondere Pikanterie, sondern eben auch der Titel der Arbeit, die in Erziehungswissenschaften angefertigt wurde, sowie die Tatsache, dass sie darüber hinaus Philosophie – und ach – Theologie studiert hatte. Erweist sich das bisherige Urteil zum Fall eben als gerechtfertigt, dann muss man feststellen, ihre moralische Qualität hätten diese Fächer nicht gesteigert. Könnten sich denn Politiker, falls sie sich nach welchen Gesichtspunkten auch immer, bewähren, nicht mit der Ehrendoktorwürde zufrieden geben? Aber so ein Hütchen ist eben der Karriere förderlich. Die Frage stellt sich, ob die richtige Auswahl des Doktorvaters – oder der Doktormutter – nicht bei jenen auch noch die Neigung steigert, dem wissenschaftlichen Ziehkind doch die politische Karriere zu erleichtern. Das würde das Feld des politisch-gesellschaftlichen Sumpfes deutlich erweitern.

Akademische Sünden und Manipulierbarkeit

Der zusätzliche katastrophale Effekt solcher Zustände liegt aber auch in der Gefahr, dass derartige Sünden den einzelnen Politiker erpressbar machen, ja außerdem darin, dass sie die Politik selbst von verschiedensten Seiten zusätzlich manipulierbar machen, wie das auch bei sonstigen Vergehen und Verfehlungen der Fall ist. Die Frage stellt sich, ob auch hier irgendeine Seite der Bundesregierung das Leben schwer machen möchte (das muss keineswegs die Opposition sein) oder gar Rache für „unseren Mann in der Bundesregierung“ nehmen wollte. Nur mal so eine Denkmöglichkeit! Die Vorlage dazu hätte sicher die Ministerin selbst geliefert. Parteien werden jedenfalls gut daran tun, bei der Auswahl für hohe Funktionen und Ämter die betreffende Person einer intensiven Befragung zu „akademischen Risiken“ zu unterziehen.

Andreas Schlüter

Links:

1)      https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/24/karl-theodor-deutlich-geschrumpft-aber-noch-nicht-weg/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/03/07/zu-guttenberg-im-nachgang/

https://wipokuli.wordpress.com/2011/03/01/ende-einer-selbstgewahlten-salamitaktik/

2)      http://www.zeit.de/studium/hochschule/2012-10/annette-schavan-doktorarbeit-plagiatsvorwurf-uni-duesseldorf

http://www.n-tv.de/politik/Gutachter-wirft-Schavan-Taeuschung-vor-article7465441.html

http://www.taz.de/Plagiatsvorwuerfe-gegen-Ministerin/!103264/

http://www.focus.de/politik/deutschland/annette-schavan-plagiatsjaeger-bemaengelt-92-seiten-der-doktorarbeit_aid_835385.html

mag der Doktorhut auch weg sein, es gibt andere Kopfbedeckungen, die mehr schützen!

Von „unnachahmlicher“ Mischung aus schleimiger Demut und dummdreister Arroganz erschien der Auftritt des Verteidigungsministers (in linkem „Volksmund“ nicht zu Unrecht auch Kriegsminister genannt) nicht wenigen politisch wachen und interessierten Menschen. Weiterhin besteht er trotz „aufrechtem“ Bedauerns über seine „akademischen Verfehlungen“ darauf, die Arbeit selbst geschrieben zu haben.  Am Abend war der Doktortitel dann auch weg, anders konnte die Kommission der Universität Bayreuth nun nicht mehr handeln, auch, wenn sie sich vorerst darum drückte, die Frage der vorsätzlichen Täuschung zu prüfen.

Aber die Sache ist noch nicht zu Ende und der Verdacht, zu Guttenberg sei Opfer der Schlamperei derjenigen geworden, die eine „Auftragsarbeit“ durchgeführt hätten, ist nicht aus der Luft. In der Sendung „Hart aber fair“ bekundete der renommierte Journalist Hans Leyendecker sinngemäß, man arbeite an der Überprüfung dieses Verdachts.

Wenn „da noch was sein sollte“, dann wäre zu Guttenberg sicher gut beraten gewesen, gestern die Gelegenheit zu „stilvollem“ Rücktritt genutzt zu haben, indess, er wollte nicht. Auch die Bezeichnung als „Felix Krull“ durch Trittin (allerdings Mitglied einer Partei, die angesichts ihrer Selbststilisierung als Friedenpartei und dem tatsächlichen Handeln als Kriegspartei vielleicht auch als Partei der Felix Krulls anzusehen wäre) konnte ihn nicht zu diesem Schritt bewegen, sosehr die vorgelesenen Zeilen (mit ordentlicher Quellenangabe aus Thomas Manns Roman) den Nagel auf den Kopf trafen. Auf dem wähnt zu Guttenberg allerdings noch immer einen schützenden Stahlhelm, der nach seinem Schrumpfungsprozess nun allerdings eher als Rettungsboot dient.

Andreas Schlüter