Mit ‘Dietmar Bartsch’ getaggte Beiträge

„Morgen, Kinder, wird´s was geben, morgen, Kinder, werden wir uns freuen!“, lautet ein altes Weihnachtslied. Ob das auch auf den Parteitag der LINKEn in Göttingen und die Vorstandswahl zutrifft, da habe ich noch meine Zweifel. Der Wunschkandidat der Linken in der LINKEn ist bereits ausgehebelt, Oskar Lafontaine!

Eine sicher wichtige Erkenntnis

Eines wird sicher durch diesen Vorgang wieder einmal deutlich: es darf nicht alles an einer Person hängen. Nun, tut es auch nicht, man denke nur an Sahra Wagenknecht, aber eine Partei, die nicht in der Lage ist zu erkennen, wer ihre „schärfste Waffe“ im Ringen um die Erreichung ihrer Ziele ist, um die steht es nicht zum Besten. Sehr einhellig hätte das Bestreben sein müssen, Oskar Lafontaines Genesung zu nutzen, ihm die Möglichkeit zu geben, an den Erfolg, zu dem er uns in der letzten Bundestagswahl geführt hat, anzuknüpfen. Stattdessen ist eine Situation entstanden, in der ein Agnostiker wie ich darum beten muss, dass uns der Organisator des PDS-Wahldebakels von 2002, Dietmar Bartsch, als Gallionsfigur für 2013 erspart bleibt.

Tiefe Spaltung

Man kommt nicht umhin, eine tiefe Spaltung in der Partei festzustellen. Diese läuft keineswegs nur entlang der „Quellparteien“ des Projekts „DIE LINKE“, nämlich der WASG und der PDS. Es ist die Spaltung zwischen denen, die zuallererst die Veränderung der Gesellschaft und ihrer Lebensbedingungen wollen, und denen, die ein „klassisches“, also ein bürgerliches Verständnis von „Gestaltungsmöglichkeit“ haben, noch präziser – so der nicht geringe Verdacht – von „Dabeisein“, von „Bedeutung“ und warmen Sesseln. Es ist auch gerade in den Neuen Bundesländern die Spaltung zwischen großen Teilen der Basis und den höheren Parteirängen. Ein erheblicher Teil der Basis hat erkannt, dass der begrüßenswerte Wegfall von politischer Repression ohne eine Gemeinwohl-Orientierung, ohne Grundlagen in sozialer Orientierung, ja, letztendlich ohne wichtige sozialistische Elemente nicht lange zu genießen ist. Dem entgegen steht der Wunsch höherer Parteiränge, eine „Rehabilitation“ der PDS-Geschichte durch fröhliches Überbordwerfen aller sozialistischen Prinzipien zu erreichen. Wo ein erstrebenswertes Ziel wäre, die SPD zur „Re-Sozialdemokratisierung“ zu treiben, da mühen diese Herrschaften sich, DIE LINKE zu „neu“-sozialdemokratisieren. Es ist auf der anderen Seite nicht wirklich schwer, auch Beispiele von ehemaligen WASGlern zu finden, die sich problemlos in diese Riege eingefügt haben. Ich denke nur an einen gerne linke LINKE im Berliner Landesausschuss der Partei anpöbelnden Wolfgang Albers.

Ein ratloser Beobachter

Der Autor kann hier wirklich nur feststellen, sich in der Position vieler wackerer Mitglieder zu befinden, die mit Bangen und weitgehend ratlos auf die „Weisheit“ der Delegierten hoffen, ohne sich dieser Weisheit auch nur ansatzweise sicher sein zu können. Es geht ja nicht nur darum die „Gallionsfigur“ der „Reformer“ zu verhindern, es müssen ja auch Vorsitzende her, aus denen zumindest innerhalb eines Jahres Personen werden, die beweisen, dass sie auf dem Weg sind, Lafontaines Denk- und Formulierungsschärfe zu verbinden, um damit die Wähler zu erreichen und die Partei in den auch nur ansatzweise seriösen Teilen zusammen und auf Programmkurs zu halten!

Ein „astronomisches Ereignis“?

Wird diese Möglichkeit verpasst, dann kann etwas geschehen, was man aus der Astronomie als das Zusammentreffen und die gegenseitige Durchdringung von Galaxien kennt, dergestalt, dass sie hinterher wieder zwei sind, aber jeweils Teile der anderen mit sich mitgerissen haben. Der Göttinger Parteitag wird darüber entscheiden, ob wir auf dem Weg einer wirklichen Fusion der sozialen (und sozialistischen) Kräfte sind, die dazu führt, dass die Opportunisten „weggesprengt“ werden, oder ob es erneut zur Teilung entlang von „Fundis“ und „Realos“ in zwei Parteien kommt. Der erste Fall wäre der erstrebenswerte. Und, Dietmar, für Dich, auch für Ramelow und Pau wäre sicher noch Platz am Busen der senil gewordenen „guten alten Tante SPD“, denk mal an Schily! Denn Ihr seid ja keine HARTZ IV-Empfänger!

Andreas Schlüter

Viel wird derzeit in den Medien vom Kapitän der „Costa Concordia“ gesprochen, der „versehentlich ins Rettungsboot fiel“, vom `Gigolo von Giglio´, diesem offenkundigen nautischen „Frühstücks-Direktor“ fürs „Captain´s Dinner“, der in einem riskanten Manöver sein Schiff schlitzte und es dann „aus Versehen“ verließ. Ein Anderer aber möchte medienwirksam eine andere Brücke entern (1), der „Möchte-gern-Kapitän“ der LINKEn, Dietmar Bartsch.

Gefährliche Manöver und „scharfe Paraden“

Beiden ist die Lust am Riskanten eigen. Wo der italienische Kapitän mit einer Karte, deren Maßstab jeder verantwortungsvollen Navigation Hohn sprach, möglicherweise einen „Kollegen“ grüßen wollend, eine „Parade“ dicht an der Küste fuhr, liebt auch Dietmar Bartsch scharfe „Paraden“, die der mehr oder weniger geneigten „Öffentlichkeit“ gefallen sollen. Dabei bevorzugt er in der Regel Medien, die unserer Partei weniger zuneigen, wobei man meist nicht den Eindruck gewinnen kann, er täte dies, um Wählerstimmen zu gewinnen, denn zum Wohlgefallen des ungeneigten Publikums und insbesondere der Mainstream-Medien denunziert und verleumdet er DIE LINKE gern. Eher gewinnt man den Eindruck, er wolle diese „Publikums- und Medienliebe“ als Schutz in der Partei nutzen, nach dem Motto: „wenn ihr nicht lieb zu mir seid, kriegt ihr mediale Prügel und verliert Wählerstimmen!“. Aber er haut auch offenbar gern auf Menschen ein, denen eben die besondere Fürsorge einer sozial gesinnten Partei (und wir sind wohl noch die einzig verbliebene nennenswerte Partei, die dieses Etikett verdient) gelten sollte, zum Beispiel den vom HARTZ IV-Regime ausgegrenzten Menschen. So scheint ihm Sarrazins HARTZ IVler-Schelte und dessen Publikumsecho so imponiert zu haben, dass er reflexartig den „Sarrazin“ geben musste, wie Ulrich Gellermann in der „Rationalgalerie berichtete (2). Als Bartsch, an einer Diskussion in Berlin-Mitte teilnehmend, vermehrte Auseinandersetzungen in der LINKEn erklären sollte, griff er zu „bewährten“ Bildern, wie in der Rationalgalerie zu lesen: „Da in Zeiten schlechter Wahlergebnisse die Mandate knapper seien, würden sich die Abgeordneten der Linkspartei um die Posten streiten wie „die Hartz-Vierer um den Alkohol“.“ Über den Fortgang der gruseligen Geschichte berichtet Uwe Ness auf seinem Blog ausführlich (3).

Der „linke“ Liebling der antilinken Medien und Edmund Stoiber

„Es ist überaus bezeichnend, dass die schlimmste Pervertierung des Sozialismus-Begriffs eben mit dem Nationalismus gekoppelt war – Nationalsozialismus“, so schreibt der gute Mann auf seiner persönlichen Website (4). Da fällt einem doch der „Eddi“ ein, der notorische Edmund Stoiber: der behauptete schon im Oktober 1979 dreist, „Nationalsozialisten“, also die deutschen Faschisten, seinen in erster Linie Sozialisten gewesen, obwohl ihre Politik in besonderem Maße zum Ziel hatte, die Arbeiterschaft endgültig zu entrechten (5)! Nun, soweit ist allerdings Dietmar nicht gegangen, aber es ist durch die Nazis nicht der Sozialismus pervertiert worden, dass hat erst Stalin so richtig geschafft, es ist einfach der Terminus geklaut und an sein Gegenteil gehängt worden, soviel sollte der Mann wissen! Nein, auch mit dieser „weichgespülten“ Nummer sollte man in der Linken nicht punkten können, wie Ulrich Gellermann sehr eindringlich darlegt (6). Dieser Mann, unser „guter“ Dietmar, nun möchte (mit wem auch immer zusammen) Kapitän meiner Partei werden?

Sicher kein „Gigolo“

Von Friedensappellen wie dem gegen den drohenden Syrien- und Iran-Krieg hält der selbstgewünschte zukünftige Kapitän nicht viel: „und ich für meinen Teil hätte diesen Aufruf und habe ich selbstverständlich auch nicht unterzeichnet“, sagte er im Interview (7). Allerdings gibt´s andere Aufrufe, die ihm da schon lieber sind, wie der Aufruf einer Genossinnen-Riege, der auf seiner Homepage verlinkt ist „Wir Frauen unterstützen Dietmar Bartsch“ (8). Nun, bewahre, damit will ich ihn nicht zum Gigolo stilisieren, da fehlt ihm sicher Einiges.

Kollision und dann – Rettungsboot?

Kurzum, gerne hätte ich „Concordia“, also Eintracht, in unserer Partei, der LINKEn, auf der Grundlage unseres wirklich von Allen ernst genommenen Programms. Aber, bitte, ich möchte unsere Partei nicht zur „Costa Concordia“ gemacht wissen. Egal, ob der „Parade-Kapitän“ sie auf ein Riff setzt oder den Bellizisten vom BAK „Shalom“ (9) noch den Sprengstoff für ihre Torpedos liefert. Und, wenn unser Partei-Schiff dann zu sinken droht, fällt der Kapitän dann auch aus Versehen ins Rettungsboot, ins orange-rote der SPD?

Andreas Schlüter

Links:

1) http://uweness.eu/bartsch-will-vorsitz.html

2) http://www.rationalgalerie.de/archiv/index_3_87.html

3) http://uweness.eu/hartz-iv-falle.html

4) http://www.dietmar-bartsch.de/kolumne/items/wider-die-kulturlose-arroganz.html

5) https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/15/nachlese-das-gespenst-und-der-skandal/

6) http://www.rationalgalerie.de/

7) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1649380/

8) http://www.dietmar-bartsch.de/tl_files/dietmarbartsch/2011/Dateien%20fuer%20die%20Seite%20Kandidatur/Frauen-Unterstuetzung.pdf

9) https://wipokuli.wordpress.com/2012/01/13/es-reicht-ein-unvereinbarkeits-beschluss-muss-her/