Mit ‘de Maizière’ getaggte Beiträge

helau-alaaf

Hat sich doch der Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Zusammenhang mit türkischen Geheimdienst-Aktivitäten in Deutschland vor die Kameras gestellt und getönt: „Spionageaktivitäten ausländischer Staaten werden auf unserem Boden nicht geduldet!“: https://www.gmx.net/magazine/politik/tuerkei-erdogan/spionage-verdacht-tuerkei-raetselraten-motiv-32247080

War das die Übung für die Bütt beim nächsten Karneval? Nach dem Motto: „wolle mer en rinnlasse?“. Die Leute in der US-Botschaft werden sich vor Lachen auf die Schenkel geschlagen haben!

Andreas Schlüter

Nach einigen „Kaspereien“ wird es nun im „elektronischen Hinterhofspiel“ (https://wipokuli.wordpress.com/2015/05/08/berlin-saarstr-3-neuigkeiten-nicht-nur-zum-lachen/) wieder ernster. Die Herrschaften, die nach eigenen Einlassungen recht wenig mit Meteorologie zu tun haben, haben erst versucht, meine Bedenken und Erwägungen zu ihrem Treiben mit ein paar Clownerien lächerlich zu machen:

spionage-karikatur

Dann wurde, ein wenig durch einen Blumenkasten von unten getarnt, erneut ein kleines Gerät der zwischenzeitlich verwendeten Art angebracht:

neues-spielzeug

Nun hat man den „dicken Klopper“ (der ursprünglich dreist an einem Mast im Garten aufgestellt worden war, https://wipokuli.wordpress.com/2015/05/03/berlin-saarstrase-3-gehen-die-merkwurdigen-elektronischen-spiele-weiter/) an den weiter dort befindlichen Tragarm gebaut:

dickes-ding

Hatte der Innenminister de Maizière nicht zur Wachsamkeit aufgerufen (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/de-maiziere-ruft-buerger-zu-wachsamkeit-auf-13363647.html)? Oder gilt dies nur den von „Diensten“ geleiteten Islamisten gegenüber (http://www.rtdeutsch.com/21087/headline/irfan-peci-wie-der-verfassungsschutz-und-das-james-bond-leben-eines-jungdschihadisten-finanzierte/)? Fraglos sollte es aber auch merkwürdigen Vorkommnissen gegenüber gelten, die den Verdacht aufkommen lassen können, hier könnten „Spielereien“ wie Spähen und elektronisches Manipulieren des „großen Bruder“, also letztenendes Aktivitäten wie Landesverrat, stattfinden.

Ach ja, ein wirklich auf meteorologische Datensammlung ausgerichtetes Arrangement sieht etwa so aus:

professionelle-wetterstation

Das ganze Zeugs über unserem Schlafzimmerfenster muss schleunigst weg! Solche „Spielereien“ werden nicht geduldet werden!

Andreas Schlüter

PS: Das Ding kam dann auch wenig später wieder weg!

Wären alle Bedenken abwegig und würden wirklich meteorologische Interessen oder berufliche Notwendigkeiten vorliegen, hätten wohl Versuche stattgefunden, gütlich um Verständnis zu werben. Zumal vor der ganzen Geschichte unsererseits wegen geplanter Wohnungssanierung darauf verzichtet wurde, die Herrschaften über uns wegen eines Wasserschadens haftpflichtig zu machen. Dieser war übrigens durch ein sonderbares Bohren von oben in der Decke zustande gekommen!

So, nun hat es ihn gefällt! War mir nie sonderlich sympathisch, der weichgespülte Politschauspieler. Aber, seine „Lindauer Rede“ (1), die hatte was, zumindest, wenn man den „diplomatischen Schmus“ abzieht. Recht kräftig wurde dort die Gefahr weiter ungezügelter „Finanzmärkte“ angesprochen. Dass er zu anderer Gelegenheit deutschtümelnden Dumpfbacken mal erklärte, dass auch der Islam mittlerweile zu Deutschland gehört, war auch nicht schlecht, aber eben nur für die Deutschtümler neu. Nein, speziell die Lindauer Rede war einigen Kräften sicher sehr unangenehm, das Faz-Net kommentierte sie fast mit fröstelndem Erstaunen (2). Und diese politischen Kräfte werden besonders vom angloamerikanischen Finanzkapital, das weitgehend auf De-Industrialisierung ihrer Länder gesetzt hat, ausgemacht.

Nun, als politischer Mensch ist der Wulff wie viele von ihnen, glaubt, ihm stünde nicht nur Bewunderung, sondern auch die eine oder andere Vergünstigung zu, hat davon in Niedersachsen kräftig Gebrauch gemacht, wie weit justiziabel, wird sich noch zeigen. Ist schon alles etwas schlüpfrig. Aber das eben, wie man es von den „Herrschaften“ gewohnt ist, nein, das alles ganz gewöhnlich. Aber er war auch „Merkels Mann“. Und sie Bundesregierung folgt zunehmend einem behutsamen Trend, sich aus der transatlantischen Umklammerung zu lösen. Schon in der Libyenfrage zeigte sich das mit der Enthaltung zur „Flugverbotszone“. Dazu Merkels augenscheinliche Freude über den Rücktritt vom Mann der USA im Kabinett, dem Lügenbaron zu Guttenberg (3). Wichtiger weiterer Exponent dieser vorsichtigen Loslösung (sicher nicht aus „linken“ Motiven) ist de Maizière, der laut ZDF Heute vom 3. Februar (4) bezüglich eines möglichen Angriffs Israels auf den Iran sagte: „Aber wir warnen Israel auch vor Abenteuern.“ Da fallen einem Schröders Worte von der uneingeschränkten Solidarität zu den USA ein, der sagte: „abgesehen von Abenteuern“. Das Imperium wie auch Israel haben also Grund, ein wenig über die verkappt aufsässige Regierung der „Krauts“ beunruhigt zu sein.

Ja, und Hauptakteur der (sicher auch selbst mit verursachten) Demontage Wulffs war die „transatlantische Kampforganisation“, der Springer-Konzern, dessen Liebling zu Guttenberg “die Banditen“ geschlachtet hatten. Das gibt einem schon zu denken. Kann es sein, dass hier den USA sehr freundlich gesonnene Kräfte gedacht haben, a bisserl Spaß kann der freundlich aufsässigen Bundesregierung ganz gut tun? Nur mal so ein Gedanke. Bestimmte (sehr viele) Medien sind nicht wirklich unabhängig. Bleibt ein Politiker oder eine Regierung in der Spur, tun sie alles, um die „Schwächen“ zu verdecken. Verlassen sie die Spur, wird alles getan, um die Schwächen aufzudecken!

Ach ja, und nun ist die Politik wie die Öffentlichkeit dieses Landes für rund vier Wochen beschäftigt, da fallen die Nahostkriegsgefahr, der US-Währungskrieg gegen Europa, die Bankenrettung, genannt „Griechenland-Rettung“ und vieles mehr in diesem Land aus!

Andreas Schlüter

1) http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2011/08/110824-Wirtschaftsnobelpreistraeger.html

2) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/bundespraesident-wulff-in-lindau-donnerhall-am-bodensee-11126151.html

3) http://netzpolitik.org/2011/merkels-reaktion-bei-cebit-auf-zu-guttenbergs-rucktritt/

4) http://www.zdf.de/ZDFheute/mobil/1/0,6741,8468965,00.html

Keine Frage, die FDP mit ihrem Noch-Vorsitzenden steht weiter wie seit langem für einen sozialen und wirtschaftlichen Kurs der Klientelpolitik zugunsten der Reichen und Mächtigen. Die widerlichen Äußerungen eines Guido Westerwelle gegen die Menschen in der HARTZ IV-Falle – „spätrömische Dekadenz und leistungsloser Wohlstand“ – die ihm bei einem Freund und Genossen von mir zu Recht den Spitznamen „Gildo Widerwille“ einbrachten, haben ihm in seiner Partei und beim Koalitionspartner keinen Schaden getan. Auch das Abstürzen der FDP- und Regierungs-Umfragewerte sorgten nicht für eine schnelle Reaktion, aber jetzt…

Nur Guidos „Verbrechen“?

Was ist passiert, was lässt den Mann „untragbar“ werden? Der umfänglich vorbereitete Versuch westlicher Politik, insbesondere der USA, Frankreichs und Englands, mit militärischer Gewalt den alten „neuen Freund“ des Westens, den bizarren Oberst, der Libyen regiert, los zu werden und über die neoliberale Öffnung Libyens hinaus auch die Öl-und Gasvorkommen unter Kontrolle zu bringen sowie die Arabische Revolution ins Stottern und in Widersprüche zu bringen, wird von der Bundesregierung nicht umfänglich unterstützt. Dies insbesondere aus vorsichtiger Sorge um die „unkalkulierbaren Risiken“ der Abenteuerpolitik. In den Augen der „Transatlantiker“, die sich in CDU, FDP, aber auch in der SPD und bei den Grünen finden, und die einer verkappten Doktrin der „eingeschränkten Souveränität“ folgen, ein unverzeihliches Verbrechen! Wer steht für diese „Untat“? Die Kanzlerin, Westerwelle, de Maizière und nicht zuletzt der ehemalige SPD-Außenminister Steinmeier, mit dem umfänglich durch die Akteure geredet wurde. Sie sind die Spitze einer Richtung, die, wie (insbesondere sozialpolitisch) reaktionär sonst auch immer, in der Lage sind, die außenpolitischen Interessen Deutschlands von denen der USA, Englands und Frankreichs zu unterscheiden, woraus sich die Ablehnung des Libyenabenteuers ergab. In dieser (nicht unwichtigen) Frage sind sie partiell mit den Resten der Friedensbewegung bei den Grünen und besonders meiner Partei, DIE LINKE, einig.

 Einschub: vielleicht ein Irrtum?

Eine Zeit lang konnte man denken, Merkel wäre ganz versessen auf den Strahlemann zu Guttemberg. Auch ich habe bei ihrem langen Festhalten an dem Plagiator (siehe frühere Beiträge auf meinem Blog) anfangs gedacht, er sei für die Libyenfrage und die militärischen Implikationen „unverzichtbar“. Aber der Blick auf den Youtube-Film zu Merkels Reaktion auf seine Rücktritts-SMS konnte einen schon eines Besseren belehren. Er sollte offenbar durch „Rückenstärken“ und geförderten Starrsinn in seiner „Fallhöhe“ gepusht werden. Auch konnte man vor den Landtagswahlen nicht zeigen, dass er zum Problem werden könne. Damit war der letzte „Nibelunge“ aus dem Führungszirkel entfernt.

Die unverzeihliche Abnabelung

Ohne Frage nicht aus „antiimperialistischer Gesinnung“, sondern klar aus nationalen Interessen heraus, hat dann dieser kritisch gestimmte Zirkel mit Anfangsunterstützung von SPD- und Grünen-Führungspersonal den taktischen Rückzug aus dem sich abzeichnenden Abenteuer angetreten. Das die „Befreiungsaktion“ der USA, Englands und Frankreichs keineswegs aus „Werten“ entspringt, sondern auch aus imperialen Interessen, muss hier nicht extra betont werden! „Deutschland isoliert“, „Abkehr von der Wertegemeinschaft“, „Sünde an der Einheit des Westens“, „Zerstörung der NATO“, geht wörtlich oder sinngemäß das Geschrei der „Transatlantiker“ und der von ihnen Manipulierten. Mit Einfluss und Bedeutung (und vielleicht mehr) können sie den Stromlinienförmigen winken und sie zum Mittun animieren.

Das „schwächste Glied“

Strafe muss sein, ist hier die Devise. Aber Merkel und de Maiziere sind in der CDU unverzichtbar und – vielleicht noch – unangreifbar. Steinmeier steht nicht in der Verantwortung. Da muss der dran glauben, der im Wahlkampf fraglos nichts anderes zu bieten hatte als „ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem“, das er noch nicht einmal im Sinne der Profiteure durchsetzen konnte. Der Mann ist fällig! Das hat er nun als Parteivorsitzender begriffen und ist mit einer „Kündigung“ der „Entlassung“ zuvorgekommen, will aber im Bewusstsein der Zustimmung der drei anderen Akteure weiter Außenminister bleiben. Die oppositionellen Transatlantiker wetzen indess schon die Messer und betreiben die Sache des „Imperiums“. Ja, und in seiner eigenen Partei? Wer heute die Pressekonferenz des FDP-Generalsekretärs gesehen hat, hat nicht nur erleben können, wie einer fast vor Selbstbewusstsein platzte (er will noch nicht Vorsitzender, da soll sich erst mal der „Gesundheitsazubi“ die Finger dran verbennen). Nein viel wichtiger war die von ihm gelesene Totenmesse für Westerwelle, der „natürlich noch Freunde und Unterstützer hat“, wie Lindner sich beeilte zu versichern. Man konnte hier einen weiteren prinzipienlosen Beißer erleben, mit dem wir in der Bundespolitik noch „viel Spaß“ haben werden.

Moral

Tief reicht das lange (seit dem Beginn der Bundesrepublik) aufgebaute Netz der Transatlantiker und ihr Einfluss. Sie reagieren schnell, da müssen die Herren und Meister noch nicht mal das Zeichen geben, sie „denken mit“. Und, auch bei uns sind sie als, wie ich im vorletzten Beitrag mich erdreistete zu schreiben, „(bei aller gebotenen Trennung zwischen Personen und Überzeugungen) politischer Abzess am Gesäß meiner Partei, DIE LINKE,“ tätig, nämlich in Form des BAK Shalom (Bundesarbeitskreis Shalom bei `solid, der Jugendorganisation in DIE LINKE).

Ein weiterer Anfang der politischen Verselbstständigung und Abnabelung, wie er zaghaft und unvollkommen auch bei der Zurückhaltung im Irak-Krieg schon stattfand, ist gemacht. Die Verbindung zu grundsätzlicher Anerkennung des Rechtes auch der Länder des Südens auf eigene Wege und eine gerechte Weltwirtschafts- und Weltsozialordnung, die Verbindung zu echter Friedenspolitik, das ist noch ein weiter Weg! Aber man sollte jetzt nicht aus vorwitzigem oppositionellen Vergnügen mitmachen, den (wirklich so reaktionären und antisozialen) Bundesaußenminister für das Verbechen, das keines ist, an die Wand zu nageln!

Andreas Schlüter

Heute ist er (noch in zweifelhaften „Ehren“) entlassen worden und der mediale „Gentleman-Minister“ hat die Stelle des „Glamour-Medienstars“ übernommen. Innenminister ist nun Hans-Peter Friedrich (CSU), der sich bei der nur zu berechtigten Empörung der Opposition im Bundestag dazu hinreißen ließ, sinngemäß zu wüten: was die Opposition hier liefere, sei nicht Opposition, sondern eine „Unverschämtheit“. Dabei war ihm sicher selbst nur zu klar, das die wirkliche Unverschämtheit im wahren Wortsinn wohl bei zu Guttenberg lag, auf den schon eine Welle juristischer Konsequenzen zurollt (laut Internetangaben sind allein 80 Strafanzeigen allein nur in Hof gegen ihne eingegangen).

Was trieb die Kanzlerin?

Aber weg von allen feuilletonistischen Betrachtungen hin zu der Frage, warum die Kanzlerin, die von der ganzen Affäre mindestens einen Streifschuss abbekommen hat, so lange so offensiv am Blender festgehalten hat. Da drängt sich die Vermutung auf, dass es in der Tat mit der Funktionalität des „Verteidigungsministeriums“ zu tun hatte. Dabei, so vermute ich, ging es weder um die „gut eingespielte“ Katastrophe in Afghanistan, auch nicht um die Bundeswehrreform und die „Aussetzung“ der Wehrpflicht (die ohnehin nur noch eine Minderheit der Wehrpflichtigen betraf, und keineswegs als „Einschnitt“ mit dem Einschnitt der „Vereinigung“ oder dem Umprogrammieren der Bundeswehr auf imperiale Kriegspolitk zu vergleichen ist) und die von zu Guttenberg eher schlampig vorbereitet wurde, sondern es ging um die „Aufgaben“, die sich offenbar die Bundesregierung in der Nordafrikanischen Entwicklung zuzieht.

Die akuten „Aufgaben“ der Bundeswehr

Eindeutig planen die Strategen des Westens (in erster Linie die USA) das „Gegenfeuer“ (siehe Artikel „Gegen Feuer mit Feuer), an dessen Entstehen der Westen hochgradig beteiligt war, in vollem Umfang und schleichend militärisch auszunutzen. Man hat Gaddafi kräftig ausgestattet, ihn in seine „Weltkriegsstrategie gegen den Islamismus“ eingebunden, was er auch jetzt noch mit seinen histerischen Hinweisen auf Al-Qaida dokumentiert (vielleicht hat man ihm in der Vergangenheit auch ein paar geplante Anschläge des Popanz vorgespielt). Natürlich reagiert der heutige Sonderling nun wild auf das Verhalten seiner „neuen“ Freunde, was für eine wunderbare Ausgangslage!

Auch deutet Vieles darauf hin, dass man rückwärtsgewandte Kräfte (mit nostalgischen Sympathie-Anwandlungen für den ehemaligen König Idris) ermutigt hat. Dies mischt sich mit dem überaus berechtigten Aufbegehren großer Bevölkerungsteile und bietet wirkungsvolle Ansatzpunkte für die Ausdehnung der Einmischung. Schon finden Operationen der Bundeswehr in Libyen statt (deren Legitimation als „Palamentsarmee“ mir zweifelhaft erscheint).

Worum es wohl wirklich ging

Da war der ausgewiesene „Transatlantiker“ zu Guttenberg fraglos zwar nicht völlig unverzichtbar, aber ein Ministerwechsel bedeutet schon einigen „Sand im Getriebe“, auch, wenn de Maizière durchaus schon bewiesen hat, dass er amerikanische Spiele brav mitmacht (er hat uns mit einer US-Geheimdienst-„Ente“ in jedem Sack eines Wehnachtsmannes eine Bombe vermuten lassen). Es besteht nun die „Gefahr“, dass das Ministerium in einer Phase der internen Verunsicherung seine „Aufgaben“ im westlichen Spiel nicht reibungslos wahrnehmen kann. Oder es können gar „Lecks“ entstehen, denn Ministerwechsel führen auch zu weiteren Reibungen, da es Ministerialbeamte gibt, die glauben, es sei egal, „wer unter ihnen Minister sei“, und dann eines Anderen belehrt werden.

Vor diesem Hintergrund scheint es der Kanzlerin sogar egal gewesen zu sein, dass die verschleppte zu Guttenberg-Affäre nicht unbedeutende „Kollateralschäden“ für den Wahlkampf nach sich ziehen könnte. Und die anklagenden Worte von der angeblichen „Heuchelei“ der letzten Tage, die eher Verzweiflung über die eigene vergebliche Taktiererei ausdrücken, werden ihr auch noch auf die Füße fallen. Aber für eine Kanzlerin „Angie“ ist es letztlich wichtiger, „weltpolitischen Gleichschritt“ mit dem großen Bruder zu halten. Sie muss das Prinzip der „begrenzten Souveränität“ noch ganz gut aus Breschnew-Tagen kennen!

Andreas Schlüter

Eben noch die halbherzige (oder gänzlich geheuchelte) Euphorie der deutschen Politprominenz über die Volkserhebungen in Tunesien und Ägypten, aber nun, nachdem knapp 3000 Menschen aus Tunesien nach Lampedusa „machten“, kommen eilig die eigentlichen Anliegen der politischen Handlanger von Macht- und Wirtschaftsinteressen zutage. „Festung Europa“ fordert der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, als hätte er nicht genug damit zu tun, ordentliche Arbeitsbedingungen für die Angehörigen der Polizei zu erstreiten. Aber es drängt sich der Eindruck auf, dass die Polizeigewerkschaft weniger als Kampforganisation für Mitarbeiterinteressen denn als politisches Sprachrohr für „Sicherheitsinteressen“ gedacht sei.

„Wir können nicht die Probleme der ganzen Welt lösen!“, tönt auf bekannt verhalten einschmeichelnde Weise der „Gentleman“-Innenminister Lothar de Maizière, sekundiert von Wolfgang Bosbach (ebenfalls CDU), der klarmacht, „dass sie nicht auf Dauer in Europa bleiben können“. Na, das wäre ja noch schöner, womöglich bringen sie auch noch den Virus des arme-Bürger-Protestes mit, der sich mit dem hiesigen, eher auf Stuttgart21 gerichteten Protest vermischen könnte.

Nun, das hört sich so plausibel an: „wir können nicht die Probleme der ganzen Welt lösen“, auch wenn man bei den Aktionen wie der Verteidigung von Deutschlands Freiheit am Hindukusch (ein Slogan, den schon „Bismarcks soziademokratischer Wiedergänger“ Struck prägte), der Jagd auf durch westliche Überfischung arbeitslos gewordene somalische Fischer-Piraten oder der grunsätzlichen „Sicherung der Rohstoffwege und Wirtschaftsinteressen weltweit“ (wie sträflicherweise vom ehemaligen Bundespräsidenten offenbarte) einen anderen Eindruck bekommen möchte. Nein, alle Probleme können sie nicht lösen, aber alle Probleme, die westlichen Kapitalinteressen hinderlich sind, die wollen sie lösen, dafür werden sie schließlich bezahlt.

Aber, Probleme, mit denen man nichts zu tun hat, nicht lösen zu wollen, ist eine Sache – wie man das moralisch auch immer bewerten mag – eine andere Sache ist es, für Probleme verantwortlich zu sein, die man mit verusacht. Auch die Folgen des Kolonialismus wären hier nur schwer hinzuzuziehen, wenn er wirklich vor einem halben Jahrhundert zu Ende gewesen wäre. Nein, er ist keineswegs zu Ende. systematisch hat man die „gewährte“ Unabhängigkeit gleich wieder bekämpft, ausgehölt, korrumpiert, seine Handlanger installiert, wie Mobutu, Suharto,  Bokassa, Mubarak, Ben Ali, oder aber auch geneigte neue Freunde an sich gezogen, wie Ghaddafi, oder lanciert gegen Verwirrte wie Gbagbo in der Elfenbeinküste „good old fellows“ wie den Amerika-Zögling und Karrieristen des Weltwährungsfonds, Quattara. Das „Herz der Westlichen Finsternis“, den Kongo, haben nicht nur der „Leopoldsche Privatkolonialismus“ vor über hundert Jahren acht bis zehn Millionen Menschenleben gekostet, nein, es sind auch nach der Unabhängigkeit viele Millionen dazugekommen. Sklavenarbeit, von durch den Westen bezahlten Warlords organisiert, sichert billigen Zugang zu Diamanten, Gold, Mineralien wie Coltan (für Computer und Handies) und vieles mehr. Ganz Afrika ächzt unter dem vom Westen organisierten „Land Grabbing“, der Anneignung großer Ländereien durch westliche Konzerne mit Hilfe gedungener Polit-Clowns.

Ja, selbst das Wasser hat man sich mit Druck des Weltwährungsfonds und anderer „internationaler“ Organisationen angeeignet, wie das, was im Meerwasser schwimmt. Auch das, was unterm Wasser wie unterm Land in großen Mengen ruht, das Öl steht im besonderen Fokus der Gier. Was im Golf von Mexiko noch Skandal ist, eine alles bedrohende Naturkatastrophe durch Ölpest, ist im Nigerdelta der „normale“ Preis, den die „Schwarzen“ für das heutige mobile Glück der Weißen (und für die Klimakatastrophe heute in der Sahelzone und morgen überall) bezahlen müssen. In vielen Teilen der Welt tragen dann hinterhältige Machenschaften des US-Konzerns Monsanto mit Gen-Saat und anderen Machenschaften zum Elend und zu unser aller Nachteil bei.

Das Elend, das westliche Kapitalinteressen in vielen Teilen der Welt, aber besonders in ganz Afrika, erzeugt, führt natürlich dazu, dass Menschen  versuchen, dorthin zu gelangen, wo ihr Reichtum hinfließt, nach Europa, sozusagen im Sinne der physikalischen Osmose. Da hatte man aber nun so nette Diktatoren in Nordafrika, die sich dingen ließen, die gepeinigten schwarzen Menschen einzufangen (auch in früheren Jahrhunderten hatte sich Europa schon teils darin geübt), um sie zurück in die Wüste zu schicken, die sie gerade eben mühsam durchquert hatten. Und nun brechen die Regime dieser Handlanger weg! Und die, die sich eben von ihnen befreit haben, weigern sich, das weiter zu betreiben, ja, suchen selbst teils dem von ihren Plagegeistern verusachten Elend nach Europa zu entkommen. das ist schon eine echte Misere!

Aber eines muss ich feststellen, wäre ich Afrikaner, dann würde ich denken:

Festung, ja gut, aber „Festung Afrika“!

Andreas Schlüter