Mit ‘Bodenschätze’ getaggte Beiträge

Der Bundesminister für wirtschaftliche_Zusammenarbeit_und_Entwicklung, Gerd Müller warnt laut GMX vor einer afrikanischen Fluchtkrise, die 100 Millionen Menschen nach Europa treiben könnte. Er führt dieses besorgniserregende Szenario auf den verschärften Klimawandel zurück. Nun findet unbestreitbar eine deutliche Erderwärmung statt, auch, wenn es durchaus Klimaskeptiker gibt, die zumindest den menschlichen Anteil daran für gering achten. Die wissenschaftliche Mehrheit sieht die fossile Energiewirtschaft, die vor Allem in den hochindustrialisierten Ländern betrieben wird, allerdings als eine der wesentlichen Ursachen an. Aber der Bundesminister verschweigt leider dabei wohl noch viel gravierendere Ursachen für die Fluchtbewegungen aus Afrika. Und damit steht er nicht alleine.

Die “G20 Afrika-Konferenz” im Nebel?

Im Zusammenhang mit dem anstehenden G20 Treffen in Hamburg fand am 12. und 13. Juni in Berlin die “G20_Afrika-Konferenz” unter Teilnahme einer ganzen Reihe afrikanischer Präsidenten statt. Es sollte hier um “Partnerschaft” gehen. Es bedarf einer umfänglichen Betrachtung des Verhältnisses zwischen Afrika und dem Westen – um dieses Verhältnis ging es bei dem von Deutschlands G20 Vorsitz aus organisierten Treffen ja in erster Linie, um zu ermessen, was es mit “Partnerschaft” auf sich hat. Erst dann wird wohl begreiflich, warum viele Ursachen der anhaltenden Krise Afrikas wohl nicht wirklich angesprochen wurden. Wenn die “Berliner Zeitung” titelte “Demokratie_steht_nicht_an_erster_Stelle”, kann man wohl angesichts der brennenden Probleme Afrikas damit leben, zumal oft genug diese angeblich durch Bomben herbeigeführt werden sollte. Man sollte ja auch nicht vergessen, dass der Westen sich den größeren Teil seiner Geschichte wirtschaftlich ohne Anwesenheit umfänglicher Demokratie entwickelt hat. Entscheidender ist wohl die Rolle des Westens in eben der Entwicklung Afrikas. Dabei ist natürlich Frieden eine wichtige Grundlage von Entwicklung. Und, ob da die Rede_von_Merkel die Sache getroffen hat, erscheint doch sehr fraglich.

Wenn die Kanzlerin sagte, “Wir müssen uns stärker auf die jeweilige eigene wirtschaftliche Entwicklung der Länder fokussieren”, fragt man sich, ob das nicht angeblich seit Jahrzehnten die Maxime der “Entwicklungszusammenarbeit” gewesen sein soll? Die Wahrheit ist aber, dass alle Länder, die sich wirtschaftlich, also auch industriell entwickelt haben, dies zumindest über einen erheblichen Zeitraum verbunden mit einem gewissen Protektionismus getan haben. Die für große Teile der Welt erzwungene “Freihandels-Religion” steht dem diametral entgegen. Hinzu kommt die weitgehende Befreiung der Kapitalströme. So ist die Entwicklung einer Binnenwirtschaft, die es auch braucht, um im Welthandel erfogreich zu sein, kaum zu gewährleisten.

Die Rede_von_Niema_Movassat, MdB der LINKEn, im Bundestag war da wohl prophetisch.

Was der Minister und die Afrika-Konferenz zu den Fluchtursachen verschweigen

Viele Menschen reden vom “nachkolonialen Zeitalter”, aber ob dieser Begriff berechtigt ist, erscheint bei genauer Betrachtung mehr als fraglich.

US_AFRICOM breitet sich sozusagen krakenartig in Afrika aus. Unter US-Führung kämpft die NATO gegen “den Terror”, der insbesondere vom “Islamischen Staat” und seinen Ablegern kommt. Überall präsentieren die USA und ihre Verbündeten sich als “Feuerwehr_in_Afrika”. Es wird aber immer deutlicher, wie sehr die USA und Verbündete den islamistischen_Terrorismus unterstützen. Es liegt also der Verdacht nahe, dass der Westen einschließlich Deutschlands – das zwar nicht in vorderster Reihe beteiligt ist, aber immer wieder Hilfsdienste leistet – nicht Fluchtursachen bekämpft, sondern diese mit schafft!

Eine besondere Rolle dabei spielt Frankreich, das lange Zeit einen eigenständigen (Neo)-Kolonialismus betrieb, sich aber nun weitgehend in die US-Strategie eingefügt hat. Zum “Dank” dafür darf es seine ehemaligen Kolonien weiter aussaugen. Dies geschieht durch das CFA_Franc System, das das Finanzsystem dieser Länder völlig in Frankreichs Hände legt.

Man lese die Worte des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Sarkozy in einem Interview:

Frankreich kann seinen früheren Kolonien nicht erlauben, ihre eigene Währung zu schaffen, um die totale Kontrolle über ihre Zentralbanken zu haben. Sollte das geschehen, wäre es eine Katastrophe für das (französische) Finanzsystem, die Frankreich auf Platz 20 in der Weltwirtschaft verweisen würde. Daher ist kommt es nicht infage, dass Frankreich seine (ehemaligen) Kolonien in Afrika ihre eigene Währung haben lässt.“

Übersetzung durch WiPoKuLi aus:

https://off-guardian.org/2017/05/25/nicolas-sarkozy-no-way-to-let-the-french-colonies-of-africa-have-their-own-currencies/

Daher wohl hat Frankreich tatkräftig den USA geholfen, die Libyen_kaputtgemacht haben, was einen Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer mit Tausenden von Toten verursacht hat. Ein wesentliches Motiv für dieses Menschheitsverbrechen lag darin, dass von Libyen der Versuch ausging, Afrika eine Goldwährung zu geben. Zu dieser Aktion ist die US-Regierung von einer Frau gebracht worden: Hillary Clinton! Ihre schamlosen Worte nach der Untat waren über Gaddafi: “Wir kamen, wir sahen, er starb! Hahaha!”.

kagame-merkel

Paul Kagame, ein besonderes “Symbol der Zusammenarbeit”?

Prominenter” Teilnehmer der Konferenz war der ruandische Präsident Paul Kagame, der eine Rede hielt. Medial muss der Mann als besonderes “Symbol der Zusammenarbeit” zwischen dem Westen und Afrika angesehen werden. Ist er das vielleicht in ganz anderer Weise, als es dargestellt wird?

Paul Kagame und seine RPF (Ruandische Patriotische Front) wurden im Westen seit 1994 als “Befreier Ruandas” und als “Retter der Tutsi” gefeiert. Das durch Kagame und seine Bewegung mit ihrem Angriffskrieg auf Ruanda erzeugte Drama des Landes wurde medial zum “systematischen Genozid” an der Tutsi-Minderheit Ruandas erklärt.

Die Geschichte ist allerdings keineswegs unwidersprochen, was ziemlich umfänglich in den Medien verschwiegen wird. Eine bedeutende Rolle im deutschsprachigen Raum in der Aufarbeitung hatte dabei Dr. Helmut Strizek, insbesondere mit seinem Buch “Clinton am Kivusee” (SOLON-line). Man könnte mit Fug und Recht zur medialen Verdrehung der Geschichte Ruandas sagen: dreiundzwanzig_Jahre_lang_tolldreiste_Desinformation! Es ist festzustellen, dass der größere Teil der rund 900.000 Opfer der RPF-Eroberung Ruandas Hutu waren. Die verdrehte Darstellung der Geschichte passte auch gut ins westliche Bild “afrikanischer Barbarei”. Tatsächlich war nicht nur Uganda beteiligt, sondern die US-Politik_war_treibende_Kraft der ganzen Sache.

Es geht um den Kongo

Letztlich geht es um die DR Kongo, damals noch Zaire. Unter dem Vorwand, geflüchtete “Hutu-Genocidaire” zu verfolgen, begann zusammen mit Uganda die Invasion des Kongo, die bis zum heutigen Tag andauert. Der Reichtum_des_Kongo an Bodenschätzen lockt. Dabei spielt das Erz Coltan eine besondere Rolle, da seine Bestandteile für Mobiltelefone, Computer und anderes elektronisches Gerät gebraucht wird. So ist Ruanda_mittlerweile_bedeutenster_Coltan-Exporteur, obwohl es selbst praktisch über kein Coltan verfügt, und nun sogar eine Fabrik_zur_Coltan-Verarbeitung errichten lässt. Diesem beutelüsternen Treiben Ruandas (und Ugandas) weitgehend in westlichem Auftrag sind schon bis Anfang 2005 laut “Spiegel” 3,8 Millionen Menschen im Kongo zum Opfer gefallen. Die Zahl mag sich inzwischen mehr als verdoppelt haben.

Das westliche Bild von Kagame bröckelt

Kagames Taten, sowohl im Kongo als auch im eigenen Land, aber wohl auch in Drittländern sind kaum noch zu übersehen, auch, wenn allerdings in den westlichen Medien das Grund-Narrativ weiter hochgehalten wird. So schreibt selbst die Deutsche Welle, ansonsten ja am Mainstream-Narrativ zu Ruanda orientiert:

Ruandas geschasster Ex-Geheimdienstchef Patrick Karegeya, den Kagame des Verrats beschuldigte, wurde am Neujahrsabend 2014 erwürgt in einem südafrikanischen Hotel aufgefunden. Die Hintergründe der Tat sind zwar bis heute ungeklärt. Doch kurz nach Bekanntwerden des Mordes sprach Kagame eine öffentliche Drohung aus, die für viele eindeutiger ist als jeder Beweis: „Man kann Ruanda nicht betrügen und denken, dass man davon kommt“, sagte der Präsident, „auch die, die noch am Leben sind, werden sehen: Es ist nur eine Frage der Zeit.“”.

http://www.dw.com/de/paul-kagame-ruandas-gnadenloser-vers%C3%B6hner/a-17543656

Ja, und man staune, im Januar 2016 kritisierten_die_USA_die_Kandidatur_Kagames für eine dritte Amtszeit. Auch Abgeordnete des EU-Parlaments haben den ungebremsten Zorn des ruandischen Staatschefs erregt, es folgte ein „Einreiseverbot_gegen_die_Herrschaft_des_Westens“. Ja, es scheint so, als sei Kagame zutiefst enttäuscht, dass diejenigen (nämlich insbesondere die US-Machtelite), die ihn zu seinen Taten und dem Plündern des Kongo zu ihren Gunsten ispiriert haben, abrücken. Da fällt dann schon mal die Maske und so klagt Kagame in einer Rede, dass diejenigen, mit denen man in Korruption (gemeint sind wohl besonders die Schandtaten im Kongo) vereint war, sich zu Anklägern aufschwingen (bei Min. 6:26):

https://www.youtube.com/watch?v=yoxLZrodVfY

Auch Burundi gefährdet

Bis in die jüngste Zeit streckt Kagame auch die Finger zum Nachbarland Burundi aus. Kagames Regierung schreckt jedenfalls nicht vor Zwangsrekrutierungen von Exil-Burundiern in bewaffnete Gruppen zur Destabilisierung Burundis zurück (https://soundcloud.com/ann-garrison/flashpoints-rwanda-conscripts), wie auch der Putschversuch im Mai 2015 in Burundi fraglos auf Ruanda zurückging. Kagame hat mit diktatorischem Druck die verfassungsmäßigen Begrenzungen seiner eigenen Präsidentschaft ausgehebelt, nutzt aber die tatsächlich falschen Anschuldigungen des Verfassungsbruches gegen den burundischen Präsidenten zur Erhöhung der Spannungen. Wäre es nicht so gefährlich, wäre es eine Farce zu nennen. Gedacht war dies wohl, um das Nachbarland zur Verbreiterung von Ruandas Machtbasis unter seine Kontrolle zu bringen. Die derzeitegen Auseinandersetzungen innerhalb der US-Machtelite mögen Burundi zur Zeit vor solchen Entwicklungen bewahren.

Die deutschen Organisatoren der G20 Afrikakonferenz ficht es nicht an

Selbst die milde, aber wachsende Kritik aus dem Westen (selbst den USA) hat die Bundesregierung bei der Organisation der Konferenz nicht angefochten, sie haben Kagame trotz alledem eine bedeutende Bühne geboten. Möglicherweise kommt zusätzlich ins Spiel, dass Kagames Regime enge_Bande_zu_Israel entwickelt hat.

Eines scheint klar: „Gehilfen“ des Imperiums, wie seinerzeit Mobutu, sind keineswegs sicher davor, irgendwann ersetzt zu werden. Dies passiert besonders dann, wenn sie glauben, sich ein Stück vom „Herren“ entfernen zu können. Sollte der Moment kommen, wo die US-Machtelite den „Stellvertreter-Kolonialisten“ Paul Kagame fallen lässt bzw. ihn stürzen lässt, wird das mit „der Liebe zur Demokratie“ auf den Lippen der US-Politiker geschehen.

Was kann Afrika noch vom Westen, speziell den USA erwarten?

Mittlerweile scheint die Neocon-Fraktion der US-Machtelite die Fäden wieder recht fest in der Hand zu haben. Auch Trump ist wohl inzwischen „auf_Linie_gebracht“. Tatsächlich war Clinton die „Wahl“ der Neocons, es ging da wohl was schief. Nicht unerwähnt sollte dabei bleiben, dass Clinton die Speerspitze der Neocons (US Neokonservatismus) in der Demokratischen Partei ist. Clinton hat die Neocon Victoria Nuland („fuck the EU“) in die Obama-Administration gebracht. Nuland ist die Frau von Robert Kagan (der inzwischen öffentlich für Clinton wirbt). Kagan ist Mitbegründer des „Project for the New American Century“.

Sinistre Worte aus dem „Project for the New American Century“

Um die „Visionen“ dieser Neocons vom „Project“ zu begreifen, sollte man deren Papier „Rebuilding America´s Defenses“ vom September 2000 sehr genau studieren (Autor u. a. Paul Wolfowitz). Dort findet sich auf S. 60 eine besonders bedrohliche Passage zu möglichen Konzepten der US-Politik in Afrika (und Asien):

And advanced forms of biological warfare that can “target” specific genotypes may transform biological warfare from the realm of terror to a politically useful tool.“

https://de.scribd.com/doc/9651/Rebuilding-Americas-Defenses-PNAC

Übersetzt heißt das: „Und fortgeschrittene Formen der biologischen Kriegsführung, die auf bestimmte Gentypen „zielen“ können, könnten die biologische Kriegsführung aus dem Reich des Terrors zu einem nützlichen politischen Instrument wandeln.

Hier geht es sicher nicht um den Genotypus des weißen Angelsachsen, sondern Afrika und Asien sind im Visier! Dabei kann die spezifische „Angriffsfähigkeit“ natürlich auch durch eine „Anwendungs-Region“ ersetzt werden. Es handelt sich jedenfalls um die direkte Fortsetzung der Träume von der „schwarzen Bombe“ im „Project_Coast“ (geleitet von „Dr_Death“) des damaligen Apartheid-Regimes, um „biologischen Rassenkrieg“!

Wie lange soll die Zerstörung Afrikas weitergehen?

Viele europäische Regierungen spielen bei der Zerstörung Afrikas und der übrigen Umgebebung Europas immer wieder mit, ganz so, als könnte dieses Zerstörungswerk nicht auch zur „Sprengung_Europas“ führen! Solange die Destabilisierungs-Strategie gegen und Ausplünderung von Afrika weitergeht, werden auch die Flüchtlingströme nicht abreißen.

Afrika hat jedenfalls noch einen langen Kampf um seine wirkliche Befeiung vor sich! Europa und Deutschland spielen dabei bisher eine sehr unrühmliche, um nicht zu sagen verbrecherische Rolle.

Der Kolonialismus beendet? Nein, er ist stärker denn je. Und im Kern der Katastrophe? Der globalisierte Kapitalismus!

Andreas Schlüter

 

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Was ich auf Grund historischer Kenntnisse, diverser Indizien und (vielleicht) eines gesunden politischen Instinkts schon lange vertreten habe, ist nun für mich nicht nur überzeugend, sondern schauderhaft eindeutig belegt:

Politik und commerzmedialer Mainstream haben nach Nahost und dem Balkan (neben vielen anderen Beispielen) und vor Libyen auch die Geschichte des östlichen Zentral-Afrika umgeschrieben, und dies in einer Weise, die „1984“ in den Schatten stellt! Wie sehr hat man sich in der Darstellung „Afrikanischer Barbarei“ gesuhlt, in Deutschland sich gar noch heimlich durch „Afrikanische Endlösungen“ entlastet gefühlt, als man umfänglich die (sicher) zahllosen Tutsi-Opfer des Ruandischen Bürgerkrieges durch die medialen Straßen schleifte!

Die „Juden Afrikas“

hat man die ostafrikanischen Rindernomaden, die vor Jahrhunderten in die Seenregion Ostafrikas einwanderten und dort eine Reihe von Reichen übernahmen, genannt. Und es passte famos, so, wie man den selbsternannten „Sachwaltern“ des Erbes von sechs Millionen durch Deutschland ermordeter europäischer Juden in der israelischen Politik einen Blankoscheck zur Unterjochung der Palästinenser und der Terrorisierung der Nachbarstaaten ausgestellt hat, so konnte man auch den vermeindlichen „Beschützern“ der Tutsi, dem Regime von Kagame und seiner RPF einen Blankoscheck zum Massakrieren von großen Teilen der Hutu-Mehrheit und der Menschen im Ost-Kongo ausstellen. Wer hätte nach diesem Vergleich noch gewagt, was dagegen zu sagen?!

Eine unglaubliche Geschichtsklitterung und Verharmlosung der Nazi-Verbrechen!

nun ist schon der Vergleich als solcher eine irrwitzige Infamie, denn die rindernomadischen Tutsi, wie viele Hirtennomaden, durch Auseinandersetzungen um Weidegründe, Wasserstellen etc. kriegserprobt, haben eben eine Reihe von Reichen übernommen bzw. gegründet, dabei zwar die Sprache der Unterworfenen angenommen, aber auch recht rüde Feudal-Systeme geschaffen (so, wie wir es aus der Nach-Völkerwanderungszeit in Europa kennen). Der deutsche Kolonialismus, der dann nicht nur das damalige Tanganjika, sondern auch Ruanda und Burundi eroberte, fand Unterdrückung von Schwarzen durch Schwarze „toll“ und um nicht aus dem rassistischen Hackordnungs-Konzept zu kommen, wurde Wert auf „rassische Differenzierung“ gelegt. Die durchschnittlich größeren und scharfgesichtigeren ostafrikastämmigen Tutsi wurden sozusagen rassistisch als „Herren“ oder besser „Sub-Herren“ legitimiert! Das haben sich auch einige aus dem alten Tutsi-Adel in der Folge zu Eigen gemacht. Sie haben sich weiter als die „natürlichen Herrn“ der Hutu-Mehrheit begriffen.

Da rollen sich aber einem historisch bewussten Menschen beim Vergleich der Situation von Juden in Europa und den Tutsis die „Zehennägel auf“, wenn man sich in Erinnerung ruft, welche jahrhundertlange Odyssee der Entrechtung, Beraubung, Verfolgung und Ermordung die Juden Europas hinter sich haben, nur von ihren Nazi-Mördern zu „heimlichen Herren Europas“ erklärt, sozusagen als geschichtsklitternde „Dornenkrone“ auf die gepeinigten Häupter gedrückt!

Bemerkenswert

Nun kann man im Zusammenhang mit den westlichen Untaten der übrigen Welt gegenüber (gerade in Afrika) der „Einzigartigkeitsthese“  im Zusammenhang mit der Ermordung von sechs Millionen Europäischer Juden skeptisch gegenüberstehen, wie das z. B. Norman Finkelstein tut. Und dazu hat er einigen Grund, wenn man bedenkt, dass allein der Leopoldsche „Privat-Kolonialismus“ im Kongo acht bis zehn Millionen Kongolesen das Leben gekostet haben mag (Adam Hochschild,  “Schatten über dem Kongo“, Rheinbeck bei Hamburg, 2002, Orginaltitel: „King Leopold´s Ghost“, http://www.perlentaucher.de/buch/643.html). Wie dem auch immer sei, kein ernsthafter Mensch kann den „industriellen Charakter“ des Nazistischen Vernichtunswahns bestreiten und an dieser Stelle steht die „Einzigartigkeit“ zu Recht unangefochten da. Um so erstaunlicher, dass nun gerade der mediale Mainstream auch bezogen auf die Einzigartigkeit der Systematik willig die Parallele zwischen den Ruandischen Geschehnissen und dem Holocaust zu ziehen bereit war, und in das Horn stieß, die Hutus zu „tropischen Nazis“ umzustilisieren und von „Nazisme Tropical“ (Jean-Pierre Chrètien in Libération am 26. April 1994) zu sprechen. dazu wurde in großem Maßstab ein durchgängiges Völkermordkonzept seitens der Hutu konstruiert. Dass ein unterschwelliger Rassismus dabei die in der europäischen „Denke“ lauernde „Höherwertigkeit“ der „edlen Tutsi“ aufgegriffen haben mag, wäre eine Parallele zu geschichtlichen Umdeutungsversuchen des Faschismus als „Unterschicht-Phänomen“ von Sozialneid und Unterschicht-Dumpfheit, zu Gunsten der den Faschismus benutzenden „arischen“ Kapitalisten.

clinton-am-kivusee

Schluss mit den Lügen!

Diesem bisher so „erfolgreichen“ Umdrehen von Unterdrückten und Unterdrückern, teilweise von Tätern und Opfern (wobei niemand ernsthaft die Opfer unter dem Tutsi-Bevölkerungsteil wegwischen kann), stellt sich nun eindrucksvoll Helmut Strizek mit seinem Buch „Clinton am Kivu-See“ (Verlag Peter Lang GmbH, Franfurt /M 2011, ISBN 978-3-631-60563-9, http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=9783631605639) entgegen. Wer sein gründlich recherchiertes und gut dokumentiertes Buch aufmerksam liest – zugegebenermaßen keine einfache Lektüre, aber zu teuer, um es nur zu überfliegen – wird nicht umhin kommen, die Wahrheit zu erkennen.

Die intensiven Versuche von Teilen der Tutsi-Oligarchie in Ruanda, Burundi und Uganda seit der Dekolonisierung, die gesellschaftliche Macht teils sehr brutal wieder an sich zu reißen, hat die gesellschaftlichen Spannungen extrem verschärft. Dabei hat es immer wieder zahlreiche Opfer auf beiden Seiten gegeben, wobei wohl schon die Zahl der Hutu-Opfer in der Vorgeschichte die größere war.

Die von der alten Tutsi-Oligarchie komplett dominierte RPF (Ruandische Patriotische Front) schickte sich unter der Führung von  Paul Kagame und unterstützt von Yoweri Kaguta Museveni aus Uganda an, die Tutsi-Herrschaft in Ruanda militärisch wiederherzustellen und fegte alle Kompromisbereitschaft seitens der unter Juvénal Habyarimana gebildeten Übergangsregierung weg. Ein erster Anlauf misslang. Aber die USA, die sich in Somalia eine recht blutige Nase geholt hatten, machten sich die bewaffneten Putschisten zunutze. Das Imperium wurde sich des politisch-militärischen Potentials dieser Truppe zunehmend bewusst und schaltete sich ein.

Die „Enthauptung“ zweier Staaten

Dann kam es am 6. April 1994 zu einem perfiden Attentat: die zwei Staatschefs Habyarimana  und  Cyprien Ntaryamira (Burundi) wurden zusammen mit vielen anderen hochrangigen Funktionsträgern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Wissen und Billigung (und wohl Zutun) nicht nur von  Museveni, sondern der USA abgeschossen. Der Angriffkrieg der RPF kostete nicht nur von vornherein vielen Hutus das Leben, sondern nahm bewusst die einsetzenden panikartigen Ausschreitungen an Tutsis in Kauf. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass Kagames RPF die Ausschreitungen gezielt anheizte, um ihren Machtanspruch vor der Welt umso nötiger erscheinen zu lassen.

Die schon durch Fluchtelend und Lagerpein aufgepeitschten Hutu haben sicher oft unmenschlich gehandelt, wenn sie jemanden in die Finger bekamen, den sie der Beziehung zu den Angreifern verdächtigten. Aber man stelle sich einmal vor, in Südafrika würde sich eine gut bewaffnete Truppe von Apartheidsfaschisten anschicken, die Macht  zurückzuerobern, und würde dabei auf breitere weiße Unterstützung treffen, der panische schwarze Volkszorn würde kaum noch zwischen beteiligten und unbeteiligten Weißen unterscheiden können!

 Aber es ist wohl nicht so, dass die Mehrheit der Opfer Tutsi gewesen wären, so furchtbar viele, wie es waren. Es gibt gute Gründe zu vermuten, dass die Opfer-Relation etwa 280.000 Tutsi-Opfer zu 750.000 Hutu-Opfern betrug (Strizek 2011, S. 148). Dabei ist natürlich die Einteilung eine recht künstliche, da es nicht wenige Menschen mit Abstammung aus beiden Gruppen gab, aber die Zugehörigkeit „patrilinear“ bestimmt wird. Da hatte die RPF einen „wunderbaren“  Trick: erstens wurden gerne tote Hutu als Tutsi gezählt, und wo das nicht möglich war, waren sie eben gemäßigte Hutu, die von „Hutu-Extremisten“ getötet worden waren, sozusagen „Tutsi-ehrenhalber“.

Der Völkermord an den Hutu ging weiter

Nun hatte das Morden nach der Machtübernahme der RPF keineswegs ein Ende. Viele Hunderttausende von Hutus, die in den Osten des damaligen Zaire (ehemals „Belgisch-Kongo“, nach Mobutu „Demokratische Republik Kongo“). geflüchtet waren, wurden von der RPF als Bedrohung empfunden, zumal die „Weltöffentlichkeit“ nach Rückführung der Flüchtlinge verlangte. Aber mit dem Blanko-Scheck von Kagames Ruanda, ein „zweites Israel“ zu sein, fiel es nicht schwer, nun zusammen mit Uganda den Kongo massiv kriegerisch zu tyrannisieren. Das komplexe und verwirrende Geschehen kann hier in der Kürze nicht dargestellt werden, aber es fielen nicht nur hunderttausende Hutu den mörderischen Maßnahmen Ruandas zum Opfer, sondern der Ostkongo geriet zum Nutzen westlicher Konzerne mit seinen ungeheuren Rofstoffen, allen voran dem begehrten Erz Coltan, weitgehend unter ruandische Kontrolle. dabei wurde von US-Seite auch erwogen, den Osten Kongos abzuspalten und Kagame sozusagen gänzlich auszuliefern. Das sich Ugandas Muzeweni und Ruandas Kagame dabei zunehmend über die Beute entzweiten, ist eine zusätzliche „Pikanterie“.

Jedenfalls ist die durch die US-gestützte und inspirierte Destabilisierung und teilweise Besetzung des Ostkongo in drei ausgedehnten „Kongo-Kriegen“ für Millionen von Toten, ungezählige Vergewaltigungen und das Massenelend der unter Warlords sich abplackenden Slavenarbeiter für das Coltan der westlichen Handys verantwortlich. Die Kapitaleigner reiben sich die Hände!

„Von 1998 bis 2004 kamen gemäß Angaben des International Rescue Committee 3,9 Millionen Menschen im Kongo ums Leben, die Mehrzahl allerdings aufgrund von Krankheit und mangelnder Versorgung mit Lebensmitteln. Nirgendwo sonst starben seit dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen in einem so kurzen Zeitraum“.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Demokratischen_Republik_Kongo#Belgisch-Kongo)

Strizek ringt sehr ehrlich um eine Deutung der westlichen Motive, insbesondere der der US-Politik. So ist sein Schluss sicher richtig, dass auch das Ziel, den Sudan als „Gefährder“ des US-Satrapen Mubarak und ihrer Nahostinteressen zu destabilisieren und einen „Regime-Change“ zu erreichen, eine gewichtige Rolle spielte, sicher nicht falsch. Ich denke aber, man kann die Triebkräfte letztlich nur auf Grundlage einer umfassenden gesellschaftlichen Analyse der wirklichen Macht in den USA begreifen, hier wiese ich auf meine Darstellung in https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/ hin. Die US-Regierungen werden wahrscheinlich manchmal erst im Laufe der Entwicklung von der „wahren Macht“ hinter ihnen auf „den richtigen Weg gebracht“. dafür bedarf es oft bestimmter tatkräftiger Personen, die wissen, wo das Imperium „hin muss“. Als eine solche Figur tritt für mich in diesem Buch immer wieder Madeleine Albright hervor, die ja auch den kadavergrünen Josef Fischer immer wieder effektiv „ans Händchen“ nahm!

Helmut Strizek, der 1942 geboren ist, und dessen lange Erfahrung durch eine Tätigkeit für eine EU-Delegation in Kigali eingeleitet wurde, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Menschen, die sich nicht mehr um ihre Karriere Gedanken machen müssen, klare Bilder malen können. Wer über das „Imperium“ und seine Methoden, über die Doppelmoral und die Methoden der Desinformation, aber auch schlicht über die Bereitschaft des Imperiums, viele Hunderttausende Menschenleben zu „opfern“ mehr erfahren will, aber auch, wer mehr über afrikanische Zeitgeschichte wissen will, sollte dieses Buch lesen, „it´s a must!“.

Andreas Schlüter

Weitere wichtige Links:

http://rwandarwabanyarwanda.over-blog.com/article-the-truth-about-what-happens-in-rwanda—by-christopher-black-51605641.html

http://www.taylor-report.com/Ruanda_1994/index.php?id=intro