„Amts-Englisch“, da bin ich fassungslos!

Veröffentlicht: November 26, 2016 in Literatur, Politik, Wissenschaft
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Vorbemerkung:

Wie die Leser meines Blogs wissen, schreibe ich auf Englisch ebenso gerne wie auf Deutsch. Wer hier etwas über mich gelesen hat, weiß auch, wie wichtig in meinem Leben die enge Anbindung an die afrikanische Gemeinschaft ist. Ich bin auch sehr dafür, dass die Menschen dieses Landes mindestens eine Fremdsprache lernen, am besten zwei. Ich bin auch sicher, dass Geschichte sich in Fremd- und Lehnworten niederschlägt, die zu „tilgen“ eine nationalistische Albernheit wäre. Kurzum, ich glaube, von meiner Person her des Nationalismus´ unverdächtig zu sein.

Aber hier geht mir der Hut hoch!

Ich bin dieser Tage auf dieses Dokument gestoßen:

Wirksame Angebote – mehr Verbindlichkeit – gezielte Intervention,

Das 10-Säulen-Konzept des Hamburger Senats „Handeln gegen Jugendgewalt““

http://www.praeventionstag.de/dokumentation/download.cms?id=711&datei=PPT-20110531-Praeventionstag-Oldenburg-Hand_F1341-711.pdf

Dieses Dokument legt das an sich sehr löbliche Konzept des Hamburger Senats zur Gewaltprävention bei Jugendlichen dar. So weit, so gut. Aber ist es nicht irre, ohne geringste Not an diversen Stellen englische Worte (die noch nicht einmal in englischsprachigen Ländern in solchen Zusammenhängen Gültigkeit haben) quasi „zu erfinden“ und in einen Text der Hansestadt einzubauen? Hier Beispiele:

10-saeulen-konzept

Statt Früherkennung „Early Starter“, statt Bereichsbeamter „Cop4U“

cool-in-school

„Cool in School“, ja, was soll das?

coolness-gruppen

Könnte Gelassenheits-Training heißen, „Coolnessgruppen“ – irre!

Viele Fremdworte sind durch Handels- und Herrschaftsverhältnisse in die deutsche Sprache gelangt, sei es früh durch römischen Einfluss, sei es dadurch, dass viele Adlige in Deutschland besser Französisch sprachen als Deutsch, sei es durch die „Franzosenzeit“, sei es eben durch Handel und neue Produkte, für die es im Deutschen keine passenden Wörter gab, sei es auch durch die Besatzungszeit als Folge unseliger deutscher Geschichte des letzten Jahrhunderts, geschenkt!

Dieses hat aber nichts mehr mit Weltoffenheit zu tun, das hat nichts mit Mehrsprachigkeit zu tun, nein, es ist Sprachzerstörung. Diese findet vielleicht nicht gewollt statt, wird aber möglicherweise gefördert. Hier ist der „Transatlantismus“ tätig, der dieses Land wie Europa insgesamt immer enger an das Land anschließen möchte, dessen Machtelite eine so große Gefahr für den Weltfrieden darstellt, an die USA. Anstatt zu sehen, wohin die Folgen des Handelns der US-Machtelite (und der Unterstützung dieses Handelns durch europäische Regierungen) im Umfeld Europas führt, nämlich zu enormen Flüchtlingsströmen, und daraufhin sich aus diesem verhängnisvollen Verhältnis zu entfernen, frönen staatliche Stellen einem sprachlichen Quasi-Kolonialismus in vorauseilendem Gehorsam.

Und da sagen wir den Opfern der imperialen Kriegspolitik und des Wirtschaftsimperialismus´, die den Weg durch alle Gefahren zu uns finden:

lernt ganz schnell Deutsch!

Und ich bin mir sicher, dass eine Menge Deutscher nun bald nicht nur über das unverständliche „Amtsdeutsch“ stöhnen dürfen, sondern auch noch über das Amts-Englisch!

Ándreas Schlüter, ein verzweifelter Internationalist

PS: ja, die Polizeimützen deutscher Polizisten mussten ja auch denen us-amerikanischer Vorbilder angeglichen werden.

Kommentare
  1. Tony sagt:

    Da kann ich nur sagen: „Sprache, Denken, Wirklichkeit“ (Benjamin Lee Whorf). Sprache ist, ebenso wie Geld, ein Herrschaftsinstrument. Nachdem 99% der Menschen zu Geldsklaven der Geldwirtschaft gemacht wurden, erleben wir wie materielles Geld ersetzt wird durch immaterielle Information, – an die man ebenso glauben muß! Ohne Geld existiert der Mensch nicht (materiell). Was geschieht mit ihm, wenn ihm das Geld und die Sprache genommen wird? Mit Sprache und Denken löst sich damit die Wirklichkeit auf!
    Für die Sprachlosen und die ohne Geld und Information!
    Die Zipfel-/Schlafmützenträger (und die Polzeimützenträger) sind kein rein deutsches Phänomen. Wenn diese den gedankenlosen Glauben an das Geld, das Wort (die Sprache), die Information und die daraus geschaffene Wirklichkeit durch eigenes Denken ersetzen, dann kann vielleicht noch die totale Verdummung und Versklavung verhindert werden.

    Schön wäre es, wenn es um Weltoffenheit ginge. Das versteht (interessiert) heute auch das eine Prozent nicht. Der deutsche Philosoph und Schriftsteller Lichtenberg meinte, er habe Deutsch erst richtig gelernt, als er in England die englische Sprache lernte. Wirklicher Erwerb einer Sprache bedeutet eben auch das Eintauchen in eine andere Wirklichkeit – das Verstehen und Respektieren dieser anderen Wirklichkeit!

    Was beschrieben wird ist respektloser Kolonialismus exekutiert von bürokratischen Schlafmützen – und als solcher im Artikel entlarvt.
    Well done!

    Tony

  2. sabelmouse sagt:

    agree! even 30 years ago i was driven up the wall by people saying family instead of familie.
    it sounds so stupid.
    apparently it has got worse. [don’t live in germany anymore]

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