3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit: gibt’s was zu feiern?

Veröffentlicht: Oktober 3, 2015 in Politik
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Man mag mich als Miesmacher abtun, aber ich sehe nicht viel Grund zum Feiern, nicht mehr Grund als letztes Jahr (1), eher noch weniger. Ja, sicher ist es erfreulich, dass familiäre Bande zwischen den Menschen eines Volkes wieder zusammengeknüpft werden konnten, auch, wenn dabei nicht so selten ebenso innerfamiliäre Streitereien wieder auflebten. Sicher ist es gut, dass die hochgefährliche nukleare Konfrontation des Kalten Krieges zwischenzeitlich beendet wurde. Aber ist sie nicht durch die wütenden Versuche der US-Machtelite, die Welt zu kontrollieren schon wieder da (2)? Und gerade wollen die USA neue Atomwaffen auf deutschem Boden stationienen (2a).

Die beiden Teile dieses Landes hatten auf je unterschiedlicher Grundlage einen hohen Grad an sozialer Sicherheit – auch, wenn es viele Gründe gab, sich je über politische Gegebenheiten zu ärgern. Dahin sind die sozialen Sicherheiten, in Ost wie in West. Neoliberale Globalisierung und „Eigenverantwortung“ regieren die Szene. HARTZ IV und Rendite-Erwartungen sind die gesellschaftlichen Leitlinien (3).

auch die gesellschaftliche Entwicklung sitzt hier ein!

auch die gesellschaftliche Entwicklung sitzt hier ein!

Die Universitäten sind von linkem Lehrpersonal wie von linken Regungen der Studenten weitgehend „gesäubert“, seitens der Studenten ohne große Gewalt gegen sie, sondern basierend auf Medienverblödung, induziertem Konsumrausch und Karrieredruck, die akademische Jugend der „Generation Praktikum“ hat keine Zeit für „alberne Gesellschaftskritik“ (4)!

Und es droht auch noch die endgültige Unterwerfung unter die Prinzipien des US-geführten globalisierten „Neoliberalismus“ in Gestalt von TTIP!

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Im politischen Geschehen spielen linke Parteien kaum noch eine Rolle, zugegeben, DIE LINKE (meine eigene Partei) ist da, aber große Teile der mittleren und höheren Ebene sind damit beschäftigt, dem Mainstream zu beweisen, dass sie „eine ganz normale Partei“ seien (wie kann eine Partei, die sich der gesellschaftlichen Gerechtigkeit und dem Frieden verschrieben hat, das sein?) und der „Staatsraison“ zu huldigen, u. a. dadurch, dass man die rassistische Besatzungspolitik Israels hofiert (5).

Insgesamt sind Demokratie und Souveränität (des Volkes) keine Werte, die derzeit obenan stehen (6). Und was ist mit dem hehren Nachkriegs-Grundsatz: von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen“? Nun, zugestanden, aus dem Irakkrieg hat sich die Schröder-Regierung zu dreiviertel herausgehalten (nachdem sie die völkerrechtswidrige Bombardierung Serbiens mitmachte und sich dem Afghanistan-Abenteuer anschloss. Bei der Sicherheitsrats-Abstimmung zur „Flugverbotszone“ über Libyen (eine orwellsches Wort, denn eine Flugverbotszone gegen NATO-Flugzeuge hätte es gebraucht) hat sich die CDU/FDP Regierung immerhin enthalten, um dafür von den olivgrünen Heuchlern und Teilen der SPD abgewatscht zu werden (7). Zusammen mit der französischen Regierung versucht die heutige CDU/SPD Regierung immerhin den Ukraine-Konflikt einzudämmen, zusammen mit der Ukraine und Russland, was vielleicht nicht ganz ungefährlich ist (8).

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Aber immer wieder geht man der US-Politik und der NATO bei den imperialen Kriegen entweder zur Hand, oder man erlaubt ihnen, deutschen Boden und hiesige Einrichtungen für die Kriege und die Destabilisierung und Zerstörung Afrikas und des Nahen und Mittleren Ostens zu nutzen! Dabei folgt man immer noch blind dem Grundnarrativ von „Nine Eleven“ (9).

Nun kommen als Ergebnis Flüchtlingsströme (10). Aber eine halbherzige Unterstützung der „Willkommenskultur“ bei gleichzeitigem Bekunden der „Grenzen der Aufnahmefähigkeit“ ersetzt keine Annahme der Verantwortung für die Opfer der Kriegs-Politik, die man immer wieder unterstützt hat!

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Immer wieder um den Jahrestag des Falls der Mauer wie um den der Deutschen Einheit herum sind die Medien voll von Geschichten der Flüchtlinge aus der DDR und aus dem damaligen Ostblock. Diese Darstellung kontrastiert grausam zum Blick auf die heutigen Flüchtlinge. Ja, es waren ethnisch „Landsleute“, die aus der DDR flüchteten, das machte Manches leichter, fraglos, aber es geht um eine moralische Frage! Die Geschichten der Flucht von Menschen aus Nazi-Deutschland sind übrigens dagegen schon verblasst. Vor Allem aber: die heutigen Flüchtlinge wollen heraus aus Gebieten, die der US-geführten NATO-Politik zum Opfer fallen bzw. gefallen sind (wie das ehemalige Jugoslawien), erst danach ist wichtig, dass sie herein wollen (nach Deutschland).

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Man muss sich in Deutschland endlich um die Bestrebungen für eine sozialorientierte Politik und eine echte Friedenspolitik scharren, statt um Fußball (11). Dazu gehört, sich aus den NATO-Strukturen zu verabschieden und dem „Großen Bruder“ die Benutzung deutschen Bodens und deutscher Einrichtungen für die Kriegspolitik zu untersagen. Dies geht nur, wenn eine demokratische (nicht-ethnische, also linke) Souveränität errungen ist. Ist diese erreicht, feiere ich gerne mit!

Andreas Schlüter

1) https://wipokuli.wordpress.com/2014/10/03/tag-der-deutschen-einheit-wann-werde-ich-feiern/

2) https://wipokuli.wordpress.com/2015/06/07/der-einfluss-der-us-amerikanischen-machtelite-auf-die-internationale-politik/

2a) http://www.neopresse.com/europa/merkel-genehmigt-stationierung-neuer-us-atomwaffen-in-deutschland/ & http://www.focus.de/politik/deutschland/sprengkraft-von-80-hiroshima-bomben-neue-us-atomwaffen-in-deutschland-stationiert-scharfe-kritik-aus-russland_id_4962247.html

3) https://wipokuli.wordpress.com/2011/02/25/worauf-hartz-iv-letztlich-abzielt/

4) https://wipokuli.wordpress.com/2015/05/16/ein-vorfall-als-illustration-zu-moshe-zuckermanns-buch-antisemit-ein-vorwurf-als-herrschaftsinstrument/

5) https://wipokuli.wordpress.com/2013/03/03/die-linke-und-die-friedensfrage-der-stand-der-dinge/

6) https://wipokuli.wordpress.com/2015/08/20/europa-demokratie-souveraenitaet-und-allgemeinwohl-eine-linke-sicht/

7) https://wipokuli.wordpress.com/2011/03/27/ja-wer-flattert-denn-da/

8) https://wipokuli.wordpress.com/2015/05/04/germanwings-absturz-nur-eine-tragodie-oder-ein-staatsterroristischer-akt/

9) https://wipokuli.wordpress.com/2015/09/30/von-nine-eleven-zur-sprengung-europas/

10) https://wipokuli.wordpress.com/2015/04/19/unmenschlichkeit-und-heuchelei-zum-fluchtlingsdrama-es-ist-unertraglich/

11) https://wipokuli.wordpress.com/2014/07/15/wir-sind-weltmeister-im-wegschauen/

Weitere Links:

Meine Artikel zu den USA: https://wipokuli.wordpress.com/2014/02/17/link-liste-meiner-artikel-zu-den-usa/

Kommentare
  1. klaus janich sagt:

    was ist der 3.oktober? ein zusammengeschusterter einigungsvertrag. papierkram, noch schnell vor dem 41. jahrestag (7.okt) über die bühne gebracht.
    die westdeutsche elite feiert sich selbst. wo? in bankhatten! wo sonst? denn in frankfurt/main gingen doch die bänker auf die strasse und riefen: „wir sind das volk!“ oder etwa nicht?
    komisch, das am 4.11.89 in ostberlin 500.000 bürger auf die strasse gingen ist keine erinnerung wert. dafür aber immer wieder der 17.juli 53.
    komisch. als am 09.11.89 die mauer fiel wird nie erwähnt das dies die ostdeutschen vollbrachten. der umstand ist den westdeutschen eliten keine erinnerung wert.
    seltsam seltsam.

  2. Schlüter sagt:

    Danke! Herzliche Grüße

  3. Hallo Herr Schlüter,
    wie wäre es mit einem Spartakusbund à la 1914 oder 1926? Die Organsiation und das Bewusstsein der Arbeiterklasse hat sowieso das Niveau der vorigen Jahrhundertwende erreicht, leider sehr stark in und an der LINKEN nachzuvollziehen. Buchholz erfindet gerade Trotzki. Sozen verraten uns wieder mit Kriegstreiberei usw.
    Leider müssen wir uns sogar damit beschäftigen, wie denn heute Faschismus daherkommt und ihn als solchen erkennen.
    Nebenbei … wissen Sie: So spießbürgerlich-möchtegern-bildungsbürgerliche Manierismen (-> Goethe) wie „Narrativ“, (‚Chapeau!‘, ‚Chuzpe‘, ‚fürchterlich‘ u.ä.m.) empfinde ich so richitg als gute Beiträge plattmachend oder schlimmer platte Beiträge gut scheinen lassend. Was den Doofen das Denglisch den Spießern ihr „Narrativ“. Sie können es doch besser! ‚Kommunisten sind keine besondere Partei.‘
    Und schließlich hier „… Bestrebungen für eine sozialorientierte Politik und eine echte Friedenspolitik …“ ist ein Widerspruch in sich. Echte Friedenspolitik geht nur mit sozialistischer/kommunistischer Politik.
    freundschaftliche Grüße

    • Schlüter sagt:

      Danke für das Echo! Unabhängig von kleinen Unterschieden sind wir sicher in Vielem einig. Ich glaube übrigens, dass das Bewusstsein vieler Werktätiger weit hinter das der Arbeiterklasse um 1900 zurückgefallen ist. Mit „sozialorientierter Politik“ meinte ich übrigens sicher nicht die SPD, sondern eher das, was Sie im Sinne haben. Ach ja, und über Buchholz brauchen wir beide auch kein Wort weiter zu verlieren, um uns zu verstehen!
      Das man bei aller Vorsicht auch hin und wieder der sprachlichen Verlotterung zum Opfer fällt, geschenkt! man bemüht sich halt.
      Ebenso freundschaftliche Grüße

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