Kurzkommentar zum Organspenden-Skandal: Ja, was hatten wir denn gedacht?!

Veröffentlicht: August 7, 2012 in Politik, Wissenschaft

Nun wird es immer deutlicher, ein großer Teil der Vergabe von Spenderorganen läuft an den „Regeln“ für die Vergabe vorbei (http://www.sueddeutsche.de/thema/Organspende-Skandal). Das System der „Organ-Banken“ für die Vergabe von Spenderorganen nach „Bedürftigkeit“ wird offenbar ganz genauso ausgehebelt wie es dem System soliden Bankwesens im Bereich des Geldes längst geschehen ist. Direkt oder indirekt regiert offenbar das Geld auch die Welt des Organ-Spendens. Ist das verwunderlich?

Wenn aus Patienten „Kunden“ werden

Die fortschreitende Privatisierung des Krankenhauswesens, sonderbarerweise immer noch ein Teil des „Gesundheitswesen“ genannt, in dem aus Patienten „Kunden“ geworden sind, in dem „Konkurrenz“ das Geschäft „beleben“ soll (was manche Patienten eben nicht überleben), zeigt seine Fratze natürlich hinter der verrutschten Maske der „humanen Wohlanständigkeit“. Es war doch nicht anders zu erwarten. Dass es nicht bei den kruden Verbrechen der Organmafia in osteuropäischen und „Drittwelt-Ländern“ bleiben würde, sondern, dass Geld, wie auch immer, das vermeintlich „ethischen Prinzipien“ verpflichtete deutsche System infiltrieren würde, eben auch, weil dieses hemmungslos privatisiert worden ist, war nur für unheilbar naive Menschen und für Zweck-Lügner „nicht offenbar“.

Das überdeckte Dilemma

Diese kapitalistischen Skandale überdecken dabei das Dilemma des Verfahrens selbst. Die gängige Organspende weist bis auf die Ausnahme der „Lebendspende“ der zweiten Niere natürlich sowieso die Crux auf, dass des einen Tod des anderen Leben! Der auf die Spende Wartende kann nur den baldigen unnatürlichen Tod eines ansonsten kerngesunden Menschen erhoffen. Ein in sich ziemlich widerwärtiges Geschehen. Langfristig ist dagegen nur die Entwicklung von implantierbaren technischen Ersatzorganen oder das biotechnische Züchten von Ersatzorganen vorstellbar. Dass dabei vielleicht im zweiten Fall das (auch nicht unbedenkliche) gentechnische Herbeiführen einer so großen Verträglichkeit zu erhoffen ist, die die lebenslange Einnahme von Medikamenten, die die Abstoßung durch Immunreaktion unterdrückenden müssen, überflüssig machen würde, wäre dann wünschenswert. Im ersten Fall wären solche Medikamente sowie überflüssig.

So, wie es jetzt läuft, ist das Verfahren leider, auch, wenn dem Patienten die Organabstoßung selbst erspart bleibt, abstoßend!

Andreas Schlüter

Kommentare
  1. […] von Andreas Schlüter, August 7, 2012 in Politik, Wissenschaft Foto: PixelioNun wird es immer deutlicher, ein großer Teil der Vergabe von Spenderorganen läuft an den „Regeln“ für die Vergabe vorbei (http://www.sueddeutsche.de/thema/Organspende-Skandal). Das System der „Organ-Banken“ für die Vergabe von Spenderorganen nach „Bedürftigkeit“ wird offenbar ganz genauso ausgehebelt wie es dem System soliden Bankwesens im Bereich des Geldes längst geschehen ist. Direkt oder indirekt regiert offenbar das Geld auch die Welt des Organ-Spendens. Ist das verwunderlich? Wenn aus Patienten „Kunden“ werden Die fortschreitende Privatisierung des Krankenhauswesens, sonderbarerweise immer noch ein Teil des „Gesundheitswesen“ genannt, in dem aus Patienten „Kunden“ geworden sind, in dem „Konkurrenz“ das Geschäft „beleben“ soll (was manche Patienten eben nicht überleben), zeigt seine Fratze natürlich hinter der verrutschten Maske der „humanen Wohlanständigkeit“. Es war doch nicht anders zu erwarten. Dass es nicht bei den kruden Verbrechen der Organmafia in osteuropäischen und „Drittwelt-Ländern“ bleiben würde, sondern, dass Geld, wie auch immer, das vermeintlich „ethischen Prinzipien“ verpflichtete deutsche System infiltrieren würde, eben auch, weil dieses hemmungslos privatisiert worden ist, war nur für unheilbar naive Menschen und für Zweck-Lügner „nicht offenbar“. Das überdeckte Dilemma Diese kapitalistischen Skandale überdecken dabei das Dilemma des Verfahrens selbst. Die gängige Organspende weist bis auf die Ausnahme der „Lebendspende“ der zweiten Niere natürlich sowieso die Crux auf, dass des einen Tod des anderen Leben! Der auf die Spende Wartende kann nur den baldigen unnatürlichen Tod eines ansonsten kerngesunden Menschen erhoffen. Ein in sich ziemlich widerwärtiges Geschehen. Langfristig ist dagegen nur die Entwicklung von implantierbaren technischen Ersatzorganen oder das biotechnische Züchten von Ersatzorganen vorstellbar. Dass dabei vielleicht im zweiten Fall das (auch nicht unbedenkliche) gentechnische Herbeiführen einer so großen Verträglichkeit zu erhoffen ist, die die lebenslange Einnahme von Medikamenten, die die Abstoßung durch Immunreaktion unterdrückenden müssen, überflüssig machen würde, wäre dann wünschenswert. Im ersten Fall wären solche Medikamente sowie überflüssig. So, wie es jetzt läuft, ist das Verfahren leider, auch, wenn dem Patienten die Organabstoßung selbst erspart bleibt, abstoßend! Andreas Schlüter https://wipokuli.wordpress.com/2012/08/07/kurzkommentar-zum-organspenden-skandal-ja-was-hatten-wir-de… […]

  2. Hape Baues sagt:

    Warum wird nicht mal weiter darauf eingegeangen, wieviele Menschen für ein „Spenderorgan“ ihr Leben lassen müssen? In Indien oder Bangla Desh verkaufen arme Leute, meistens jüngeren Alters, ihre Organe für kleines Geld, die hier dann mit 1.000 Prozent Gewinn dann weiter veräussert werden. Allein dass ist schon pervers.

    Könnte es nicht soweit kommen, dass dem im Krankenhaus liegenden, schwerkranken Patienten, der selbstverständlich Inhaber eines Spenderausweises ist, also dass man dem Patienten schneller in den Himmel hilft, weil gerade ein Organ, welches noch gesund ist, von einem anderen Patienten (sehr liquide) benötigt wird? Ist ja nur mal so angedacht.

    Weil ich mit so etwas rechne, habe ich keinen Spenderausweis.

    • Harald sagt:

      Deshalb hast Du also keinen Spenderausweis.
      Ein von mir gespendetes Organ würdest Du im Falle, dass es um Dein Leben geht aber nehmen,
      mir aber, wenn es um mein Leben ginge, Deine Organe verweigern, denn Du hast ja keinen Spenderausweis. Sehr bequeme Haltung und sehr unsolidarisch.

      • Schlüter sagt:

        ich empfehle immer gründlich zu lesen. Ich habe mir gar kein abschließendes Urteil über die Organspende an sich angemaßt, nur auf Probleme hingewiesen, die insbesondere aus der Privatisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens im Zuge der bundesdeutschen „Neoliberalen Revolution“ entstanden sind.
        Wenn ich keinen Spenderausweis habe, hat das viel mehr damit zu tun, dass ich meine Organe nach einer Lekämie 1998 und diversen Chemotherapien eigentlich kaum jemandem zumuten kann!
        Ein schönes Wochenende!

    • Schlüter sagt:

      Das ist in der Tat eine wichtige Ergänzung zum Thema! ich hatte mich hier auf Probleme im deutschen „Gesundheitswesen“ beschränkt, stimme diesem Punkt abert ausdrücklich zu.
      Vielen Dank
      Andreas Schlüter

    • klaus janich sagt:

      hallo hape !!

      es bleibt bei meiner feststellung, grosse nachfrage + geringes angebot = hohe preise.
      ergo: normaler kapitalismus.
      jährlich sterben tausende bei verkehrsunfällen.
      werden deshalb die autos verboten? natürlich nicht.
      jährlich sterben tausende den erstickungstod durch fischgräten.
      wird deshalb der fischfang verboten? natürlich nicht.
      jährlich sterben tausende durch infektionen, die sie sich in krankenhäusern eingefangen haben.
      werden deshalb die kliniken geschlossen? natürlich nicht!
      das ist das normale lebensrisiko, das wir alle mit grosser gelassenheit tragen.
      wie oft, lieber hape, kommst du durch unfall in eine lebenbedrohliche lage?
      wie hoch ist das risiko einem raffzahn in die hände zu fallen?
      dein argument ist vorgeschoben und deshalb nicht akzeptabel !!
      der egoismus der potentiellen spender (meins-bleibt-meins)
      und der egoismus gewisser ärzte (geld-zu-geld) gebären diese mafiösen zustände.
      hätten wir spender en masse würde diese mafia in sich zusammenbrechen !!
      so einfach ist das.

      beste grüsse! klaus

      ps: dies meine ich lokal, regional, global !!
      ps: momentan gibt es zur organspende keine alternative.
      paradoxerweise stimmt hier die merkelsche floskel

  3. klaus janich sagt:

    hallo andreas !
    wo mangel herscht tanzt die „mafia“ den „tango korrupto“!
    in einem system wo ärzte zu geschäftsleuten privatisiert werden ist nichts anderes zu erwarten.
    nur notorische naivlinge…. da hast du leider vollkommen recht.

    gruss! klaus

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