Schon 1979 und 1989 haben Minenarbeiter in Südwestchina (Provinz Yunnan) Knochenfunde gemacht, die offenbar trotz relativ jungen Alters (zwischen 11500 und 14.500 Jahre alt) erhebliche Unterschiede zum modernen Homo Sapiens aufzuweisen sollen (1). Die Funde der Menschen nach dem Hauptfundort „Menschen von Maludong“ – der Rotwildhöhle – genannt (2), stammen aus zwei Fundorten, neben der Höhle von Maludong auch aus Longlin in Südwestchina. Sie wurden damals nur in Chinesischer Sprache beschrieben, aber erst jetzt durch Darren Curnoe von der Universität von New South Wales und Ji Xueping vom Archäologischen Institut Yunnan eingehender untersucht (3).

Christ Stringer vom britischen Natural History Museum in London erklärte dem Fachmagazin New Scientist, es könnte auch eine Beziehung zu den Denisova-Menschen in Sibirien geben (4). Vom Denisova-Menschen wurde bisher nur ein Finger- und Fußknochen sowie ein Zahn gefunden, rare Funde, aus denen aber eine DNA-Analyse gewonnen wurde. Diese ergab eine Zugehörigkeit zu einer eigenen Gruppe, die zeitgleich neben Neandertaler und Homo Sapiens existierte. Sie soll ebenso wie die Neandertaler Beimischungen zu den aus Afrika ausgewanderten modernen Menschen beigesteuert haben.

Vielfalt des Weges von Homo Sapiens, Vielfalt der Funde, Vielfalt der Forschermotive

Fraglos ist der Entwicklungsgang des Menschen komplex und gewunden, seine Geschichte eine Geschichte der Vielfalt (5), die Funde sind vielfältig, aber gleichzeitig Teile eines Puzzles, das für alle Zeiten logischerweise unvollständig bleiben muss, so atemberaubend auch insbesondere die Fortschritte der Gen-Sequenzierung sind. Aber auch die Motive der Forscher sind vielfältig, und so muss man davon ausgehen, dass die Darstellung von Ergebnissen nie frei sein kann von dem Wunsch nach Sponsorengeldern, somit auch die Dramatik eine Rolle spielt (was über den konkreten Fall nichts sagen soll). Da wundert dann auch wieder Skepsis von Forscherkollegen nicht, wie die Äußerungen von Jean-Jacques Hublin bezeugen (6). Hublin, ist Direktor der Abteilung für menschliche Evolution am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Verformungen im Boden und eine unzureichende Rekonstruktion könnten das Aussehen verfremdet haben, die Funde würden dann zum modernen Homo Sapiens (vielleicht in einer unbekannten Variation) gehören (7).

Eine grobe Skizze

Die Entstehung aller Hominiden in Afrika kann nicht bezweifelt werden. Prinzipiell kann auch nicht mehr bezweifelt werden, dass der Homo Sapiens, der moderne Mensch, in Afrika entstanden ist und dass wir heutige Menschen uns alle wesentlich von diesem Ursprung herleiten. Es ist aber anzunehmen, dass nach der Chromosomenfusion, die uns von den Großaffen unterscheidet (8), wir es in der weiteren Entwicklung biologisch gesehen nur noch mit Unterarten von Homo zu tun haben, was Einsprengsel in unsere Vorfahren möglich macht. Neuere genetische Erkenntnisse deuten darauf hin. Da diese genetischen Beiträge von den Denisova-Menschen recht gut belegt zu sein scheinen, er aber bisher nur in winzigen Bruchstücken „vorliegt“, scheint die Vermutung, bei den Funden könne es sich tatsächlich um Angehörige dieser Gruppe handeln, nicht abwegig. Ein Blick auf den Schädel lässt zumindest für den informierten und interessierten Laien soviel „Fremdheit“ wahrlich nicht erkennen (9). Klarheit dürfte die DNA-Analyse bringen, so denn der Erhaltungszustand der Knochen im feuchten südchinesischen Klima diese erlaubt.

Andreas Schlüter

Links:

1) http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2216449/Wer-ist-der-Unbekannte-aus-Asien.html

2) http://www.sueddeutsche.de/wissen/evolution-nachwuchs-fuer-die-menschen-familie-1.1309694

3) http://www.scienceticker.info/2012/03/15/china-unbekannte-menschliche-gattung-entdeck/

4) http://www.sueddeutsche.de/wissen/evolution-nachwuchs-fuer-die-menschen-familie-1.1309694-2

5) https://wipokuli.wordpress.com/2011/08/02/der-weg-des-homo-sapiens-eine-geschichte-der-vielfalt/

6) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,821513,00.html

7) http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1145821

8) https://wipokuli.wordpress.com/2012/01/28/veranderung-der-chromosomenzahlen-in-der-evolution/

9) http://www.wissenschaft-online.de/alias/bilder/der-schaedel-aus-longlin-nbsp/1145822

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