So, nun hat es ihn gefällt! War mir nie sonderlich sympathisch, der weichgespülte Politschauspieler. Aber, seine „Lindauer Rede“ (1), die hatte was, zumindest, wenn man den „diplomatischen Schmus“ abzieht. Recht kräftig wurde dort die Gefahr weiter ungezügelter „Finanzmärkte“ angesprochen. Dass er zu anderer Gelegenheit deutschtümelnden Dumpfbacken mal erklärte, dass auch der Islam mittlerweile zu Deutschland gehört, war auch nicht schlecht, aber eben nur für die Deutschtümler neu. Nein, speziell die Lindauer Rede war einigen Kräften sicher sehr unangenehm, das Faz-Net kommentierte sie fast mit fröstelndem Erstaunen (2). Und diese politischen Kräfte werden besonders vom angloamerikanischen Finanzkapital, das weitgehend auf De-Industrialisierung ihrer Länder gesetzt hat, ausgemacht.

Nun, als politischer Mensch ist der Wulff wie viele von ihnen, glaubt, ihm stünde nicht nur Bewunderung, sondern auch die eine oder andere Vergünstigung zu, hat davon in Niedersachsen kräftig Gebrauch gemacht, wie weit justiziabel, wird sich noch zeigen. Ist schon alles etwas schlüpfrig. Aber das eben, wie man es von den „Herrschaften“ gewohnt ist, nein, das alles ganz gewöhnlich. Aber er war auch „Merkels Mann“. Und sie Bundesregierung folgt zunehmend einem behutsamen Trend, sich aus der transatlantischen Umklammerung zu lösen. Schon in der Libyenfrage zeigte sich das mit der Enthaltung zur „Flugverbotszone“. Dazu Merkels augenscheinliche Freude über den Rücktritt vom Mann der USA im Kabinett, dem Lügenbaron zu Guttenberg (3). Wichtiger weiterer Exponent dieser vorsichtigen Loslösung (sicher nicht aus „linken“ Motiven) ist de Maizière, der laut ZDF Heute vom 3. Februar (4) bezüglich eines möglichen Angriffs Israels auf den Iran sagte: „Aber wir warnen Israel auch vor Abenteuern.“ Da fallen einem Schröders Worte von der uneingeschränkten Solidarität zu den USA ein, der sagte: „abgesehen von Abenteuern“. Das Imperium wie auch Israel haben also Grund, ein wenig über die verkappt aufsässige Regierung der „Krauts“ beunruhigt zu sein.

Ja, und Hauptakteur der (sicher auch selbst mit verursachten) Demontage Wulffs war die „transatlantische Kampforganisation“, der Springer-Konzern, dessen Liebling zu Guttenberg “die Banditen“ geschlachtet hatten. Das gibt einem schon zu denken. Kann es sein, dass hier den USA sehr freundlich gesonnene Kräfte gedacht haben, a bisserl Spaß kann der freundlich aufsässigen Bundesregierung ganz gut tun? Nur mal so ein Gedanke. Bestimmte (sehr viele) Medien sind nicht wirklich unabhängig. Bleibt ein Politiker oder eine Regierung in der Spur, tun sie alles, um die „Schwächen“ zu verdecken. Verlassen sie die Spur, wird alles getan, um die Schwächen aufzudecken!

Ach ja, und nun ist die Politik wie die Öffentlichkeit dieses Landes für rund vier Wochen beschäftigt, da fallen die Nahostkriegsgefahr, der US-Währungskrieg gegen Europa, die Bankenrettung, genannt „Griechenland-Rettung“ und vieles mehr in diesem Land aus!

Andreas Schlüter

1) http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2011/08/110824-Wirtschaftsnobelpreistraeger.html

2) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/bundespraesident-wulff-in-lindau-donnerhall-am-bodensee-11126151.html

3) http://netzpolitik.org/2011/merkels-reaktion-bei-cebit-auf-zu-guttenbergs-rucktritt/

4) http://www.zdf.de/ZDFheute/mobil/1/0,6741,8468965,00.html

Kommentare
  1. Lieber Andreas,
    hoffentlich tastet meine folgende Kritik nicht unsere freundlich genossenschaftliche Verbundenheit an. Meines Erachtens nahm mindestens die Springer Presse dem Wulff den Satz über den Islam übel, weswegen die sich dann auch besonders gegen ihn bei der erst passenden Gelegenheit ins Zeug legte. Ich fand den Satz, dass der Islam zu Deutschland gehört, auch problematisch, weil wir Menschen längst keinen Gott mehr brauchen, um uns das Leben gegenseitig zur Hölle zu machen.

    Wir tragen in der Mitte Europas schon genug an den Alt- und Neulasten der hier etablierten Religionen und brauchen deshalb keine neuen, die hier gleichberechtigt mit all ihrem unseligen und unheiligen Lametta Wurzeln schlagen wollen. Selbstverständlich gehören hier beheimatete Muslime zu Deutschland wie Christen aller Schattierungen, Hinduisten, Buddhisten, Taoisten und all jene, die von Gott nicht so viel halten oder an ihn nicht glauben, wohl aber an Nächstenliebe und daran, dass Ehrfurcht vor der Schöpfung bzw. Natur Not tut.

    So wie jeder Glaubensfreiheit genießen soll, so gehören in einer nach mitmenschlichen Grundsätzen organisierten Gesellschaft Religionen aus den politischen und völkischen Bereichen verbannt und in den kulturellen verlagert. Dort und nur dort können sie uns Menschen wegen ihrer kulturellen Vielfältigkeiten bereichern. Auch wenn viele volkssprachliche Muslime den Wulffschen Satz gerne gehört haben mögen. Für mich sprach aus seinen Worten das Machiavellische Herrschaftsprinzip: „Divide et impera“.

    Warum gibt es in diesem Land keine politische Kraft, die dafür eintritt, die lebensbejahende Grundsubstanz aus allen Religionen zum Leitmotiv unseres Zusammenlebens zu machen? Die Partei, in der wir beide uns mehr recht als schlecht tummeln, tut das (vgl. BAK Shalom) mitnichten. Selbst mein Mitstreiter Hamid solchen Überlegungen wenigstens in Grundzügen etwas abgewinnen, aber der hat mehr begriffen, als viele unserer Parteigrößen zusammen, die jetzt öffentlich heulen, weil sie nicht als gleichberechtigter Teil der politischen Klasse an der Debatte um einen neuen guten Mann teilnehmen dürfen. Das widert mich regelrecht an.
    Herzliche Grüße
    Rudolf Reddig

    • Schlüter sagt:

      Lieber Rudolf,
      keineswegs tastet Dein kluger Kommentar unsere Genossen-Freundschaft an. Vielmehr bin ich Dir für diese Korrektur dankbar! Natürlich gehört auch gerade die Bildzeitung zur widerlichen migrationsfeindlichen Front. Da hat der Schreiber (ich) im Zuge der Fokussierung auf die direkt aus den Kapitalinteressen ihrer großen Brüder kommenden Motive unbeabsichtigt zur Verharmlosung dieses Bereichs beigetragen. Mit Bedauern über meine hier leichtfertige „Formulierungskunst“ (die allerdings auch einen Hieb auf die „Deutschtümler“ austeilte, nur das derer leider viele sind) nehme ich diese Korrektur ausdrücklich dankend an.
      Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns bald mal wieder gerade auch mit Hamid vieleicht bei den nächsten „Inselgesprächen“ von Angesicht zu Angesicht austauschen könnten.
      Herzliche Wochendgrüße

      Andreas

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