US Präsident: „der prächtigste Mann der Welt“ – Diener zweier Herren?

Veröffentlicht: Januar 25, 2012 in Politik
Schlagwörter:, , , , , , , , , ,

Es ist ein offenes Geheimnis, dass US-„Dienste“ auf vielfältige Weise nicht nur in Planungen, sondern auch in reale Mordaktionen gegen Regierungschefs fremder Staaten, die der US-Politik hinderlich waren, verwickelt gewesen sind. Es gibt darüberhinaus sehr überzeugende Indizien dafür, dass der „Militärisch-Industrielle Komplex“ der USA im Falle Kennedys auch vor der „Entfernung“ des eigenen Präsidenten aus dem Geschehen nicht zurückgeschreckt ist (http://tinyurl.com/6psnw6c). Seitdem ist es vor Allem den US-Präsidenten selbst klar, dieser Komplex entscheidet auch über Leben und Tod eines US-Präsidenten. Jeder Präsident der USA muss wissen, er ist nicht der „mächtigste Mann der Welt“, sondern als „prächtigster Mann der Welt“ das Ausführungsorgan und Aushängeschild der wahren Macht.

Die unheilige Allianz

Dieser „Komplex“, vor dem schon Eisenhower in seiner Abschiedsrede eindringlich gewarnt hatte, war und ist höchst flexibel darin, Instrumente personeller wie institutioneller Art zu erwählen und fallen zu lassen. Saddam Hussein, Manuel Noriega und viele Andere mussten das erfahren. Auch für ganze Menschengruppen und Staaten trifft das in beide Richtungen des Wechsels zu. Setzte dieser Komplex z. B. in der Person von Henry Ford auf praktizierten Antisemitismus im Sinne speziellen Antijudaismus´ (die Mehrheit der Semiten sind Araber), so erkoren die „1%“ der USA im Laufe der Zeit Israel zu einem Hauptverbündeten erster Ordnung („unsinkbarer Flugzeugträger“) und setzten komplett auf die Art von „Hardcore-Zionismus“, der die Existenz- und Lebensrechte der Palästinenser bedeutungslos ist. Sie machten Israel und die israelische Politik zu ihrem „Laboratorium“ im Nahen Osten (http://tinyurl.com/3fbepaw). Darüberhinaus manipulierten sie erhebliche Teile der US-Diaspora in blinde und panikartige Identifikation mit dem Staat, den sie zusehends zu ihrem „irren Kampfhund“ in der Region dressierten, dabei die unter Nixon und Kissinger entwickelte „Mad Man Theory“ modifizierend. Sie verknüpften bedeutende Teile der Diaspora mit den ultrakonservativen „Evangelikalen“ zur schlagkräftigen Unterstützungstruppe speziell der republikanischen „Neokonservativen“ und imperialistischer Politik. Teil dieser Strategie war natürlich auch die totale Vernebelung der Interessenunterschiede zwischen dem „Militärisch-Industriellen Komplex“ der USA und dem Israels, die aber tatsächlich sehr wohl existieren. Und die „1%“ in den USA können nicht übersehen haben, dass es Tendenzen unter US-Bürgern gibt, ihre Loyalität nach dem Motto „Israel first“ zu platzieren.

<Dass sich glücklicher- wie dankenswerterweise immer mehr Teile der Diaspora in Europa, aber auch in den USA wütend gegen die Vereinnahmung des Schreckens der Shoa und der Judenheit für imperiale Politik Israels und der USA wehren, ist auf diesem Blog schon oft betont worden.>

Ein Paukenschlag?

Nun aber hat der Herausgeber der „Atlanta Jewish Times“, Andrew B. Adler, offenbart, dass der „Militärisch-Industrielle Komplex“ Israels durchaus von seinem Gegenstück in den USA gelernt haben könnte, und dass der MOSSAD sich sagen könnte, „was die Jungs in den USA können, können wir schon lange“ (http://tinyurl.com/7mpxfmp). Er hat geäußert, die angeblich zu lasche Haltung Obamas dem Iran gegenüber könne es nötig machen, dass der MOSSAD diesen US Präsidenten ermordet, um den Vizepräsidenten als Nachfolger Israel „ausreichend“ schützen zu lassen. Wie die geistige Konstitution des Schwadroneurs zu bewerten sei, hängt allerdings ganz davon ab, was mit dem hierorts selbstverständlich in großen Medien „übersehenen“ medialen Coup bezweckt war. Dass der Mann sich eilig entschuldigt hat, als Herausgeber zurückgetreten ist und die Zeitung wohl verkaufen wird, sagt per se überhaupt nichts über Sinn und Zweck der Aktion aus. Und da sind nun tatsächlich den Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Selbst die „verständnisvolle“ Art, wie die Spekulationen zu den „Optionen“ einer israelischen Regierung bezüglich der angeblich vor der Tür stehenden atomaren Bewaffnung des Iran präsentiert wurden, lassen m. E. noch nicht den zweifelsfreien Schluss zu, er würde dieses wirklich selbst propagieren wollen, wenn er eben auch gefährlich verständnisvoll darüber schreibt.

„für“, „gegen“, „vor“ oder „an“?

Eines scheint klar, als Freund Obamas präsentiert er sich nicht. Sein Hauptanliegen scheint somit nicht zu sein, Obama vor dem MOSSAD warnen zu wollen. Vorstellbar wäre, dass hier eine Warnung an Obama lanciert wurde, für den Fall, dass dieser denken sollte, der beschriebene „Komplex“ in den USA sei der einzige, der ggf. über das Schicksal eines US Präsidenten zu entscheiden hätte. Gleichzeitig hätte er jedoch dem MOSSAD ein wenig „in die Suppe gespuckt“, wenn dieser sich wirklich mit solchen Plänen beschäftigte, was daran liegen könnte, dass die Warnung wichtiger als die Ausführung sein könnte. Aber auf der anderen Seite weiß man seit Kennedy auch, dass solche Operationen immer beinhalten, einen oder mehrere Sündenböcke bereitzustellen, „a Patsy“ muss her. Es wäre vielleicht etwas verwegen, in die Spekulationen andererseits einzubeziehen, der scheinbar tölpelhafte Verleger könnte auch im Dienst der „wahren Macht“ in den USA eine Warnung an den MOSSAD platziert haben, ihr in den USA nicht ins Heimspiel zu funken. Der „Komplex“ scheint offenkundig mit dem „domestizierten“ Präsidenten recht gut zu fahren und mit den haarsträubenden republikanischen Inszenierungen im Vorwahlkampf wird offenbar auch alles für den Amtserhalt getan. Nun, dies bleibt „Lesen im Kaffesatz“.

„The Chicken come home to roost“

Dies sagte etwas flapsig und pietätlos Malcolm X zur Ermordung Kennedys. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass die brutalen außenpolitischen Methoden der USA (siehe die Ermordung Lumumbas) nun als innenpolitische Methode an den Heimatort zurückkehrten. Man könnte heute auch sagen, dass der nahöstliche Klon das brutale und zynische Gebaren seines Erzeugers auch in so einer Aktion widerspiegeln könnte. Die Attentate auf iranische Wissenschaftler in der letzten Zeit sprechen eine deutliche Sprache.

Dennoch

Eines muss man dem Herausgeber der „Atlanta Jewish Times“ mit einer gewissen Dankbarkeit zubilligen, er hat dem bornierten medialen Mainstream-Etikett „Verschwörungstheorie“, das mit so verächtlichem Unterton an diejenigen vergeben wird, die auf der Erkenntnis beharren, politisch-gesellschaftliche und globalstrategische Auseinandersetzungen würden immer wieder auf das Mittel der Verschwörung zurückgreifen, eine hässliche Schramme der Lächerlichkeit verpasst! Auch in Deutschland könnte man aus diesem Vorfall lernen und den Diskurs führen, wenn denn dieser Vorgang überhaupt seinen Weg in die Massenmedien finden würde.

Andreas Schlüter

Links zum Thema:

http://www.jta.org/news/article/2012/01/20/3091282/atlanta-jewish-times-apologizes-for-obama-assassination-scenario http://tinyurl.com/6reo2nk

http://www.jta.org/news/article/2012/01/23/3091312/atlanta-jewish-times-publisher-resigns-over-obama-assassination-column

http://www.jungewelt.de/2012/01-23/034.php

http://www.haaretz.com/blogs/west-of-eden/jewish-publisher-is-an-idiot-but-his-hatred-is-shared-by-many-1.408466

http://progressiveerupts.blogspot.com/2012/01/newspaper-publisher-suggests.html

http://www.tachles.ch/news/mordszenario-an-obama

Kommentare
  1. klaus janich sagt:

    hallo andreas!

    unter ganoven ist es durchaus usus einen „ratschlag“, eine „warnung“, einen „tipp“,
    als das zu verstehen was es auch ist: eine handfeste drohung.
    pack schlägt sich – pack verträgt sich. dieser satz trifft auf das imperium und seinen umgang mit seinen „freunden“ durchaus zu.
    in bezug auf deutschland (und seinen bescheidenen versuchen einer eigenständigen politik)
    kann es einem bei dem reflexartigem gekläffe mancher transantlantischer konservativer kampfdackel angst und bange werden.
    die kampagne gegen wulff richtet sich ja wohl in wahrheit gegen merkel. man sollte sich da fragen: wer befeuert diese kampagne?

    mit soz. grüssen! trotz alledem! klaus

    • Schlüter sagt:

      Lieber Klaus,
      das ist sicher eine treffende Einschätzung. Unter Räubern wird manche Auseinandersetzung schnell gewalttätig! Dir und den übrigen Kommentatoren wieder einmal Dank für das Interesse an meinem Geschriebenen und herzliche Wochenendgrüße
      Andreas

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s