Der weichgespülte Präsidenten-Darsteller und die Rolle seines Taumelns

Über die Rolle der heutigen „Mainstream-Politiker“ als willige Vollstrecker der wahren (Wirtschafts-)-Macht machen sich aufgeklärte ZeitgenossInnen keine Illusionen mehr. Auch nicht darüber, dass diese sich doch gerne ihre Funktionen hie und da mal mit eine paar „Extrabröckchen“ vergüten lassen möchten, was einiges mit den partiellen Refeudalisierungs-Tendenzen des entfesselten Kapitalismus´ zu tun hat. Da macht der weichgespülte Biedermann aus der niedersächsischen Provinz keine Ausnahme. Er hatte sicher gedacht, ein paar kleine Zusatzfreundlichkeiten verdient zu haben, „in allen Ehren“ versteht sich.

Die Schwäche der „ersten Person“ im Staate

Da die Konstruktion der bundesrepublikanischen politischen Struktur nach dem zweiten Weltkrieg auf die Vermeidung von Machtkonzentration und, ja, nicht ganz unverständlich, auch auf eine gewisse politische Schwäche Deutschlands überhaupt angelegt war, ist die Rolle im Großen und Ganzen auf den „Grüß-August“ ausgerichtet, was allerdings letztlich nicht wirklich durchgängig stimmt, da die Unterschrift unter Gesetze auch verweigert werden kann. Dennoch hat das Konstrukt dazu geführt, dass die Position eher nach Schauspielereigenschaften besetzt wird. Ein Strauß wäre nicht in die Rolle besetzt worden, er hätte allerdings den Skandal locker überstanden, weil sein Markenzeichen ja die Schlitzohrigkeit war. Das Markenzeichen des „Biedermannes“ wie bei Wulff verträgt allerdings diesen Stilbruch nicht und es ist gut vorstellbar, dass der Stilbruch den Angezählten noch aus dem Amt kippen wird. Aber ist das unser vordringlichstes Problem?

Probleme ohne Ende

Der Abgrund der durch Dienste gesponserten rechtsterroristischen Taten lässt durch den Nebel die Strukturen einer überlebenden „Gladio-Variante“, einer terroristischen Schattenstruktur mit Anbindung an das Imperium (USA), erahnen. Die Aufarbeitung der Machenschaften dieser „Schattenmacht“ und ihre Auflösung oder (aus den Augen der deutschen politischen Klasse) ihre unaufgearbeitete Eindämmung stünden dringend an. Der Auftraggeber dieses Netzwerkes, US-Imperium, führt derzeit einen Währungskrieg gegen Europa und den Euro. Die Bundesregierung ist bei aller antisozialen und machiavellistischen Haltung dabei, die andersgearteten deutschen Kapitalinteressen, die von denen in den USA abweichen und eher auf Ausgleich mit Russland und China und weniger auf Krieg ausgerichtet sind, vorsichtig ins Spiel zu bringen, wofür die Enthaltung in der Frage der „Flugverbotszone“ über Libyen (die besser gegen die NATO ausgesprochen worden wäre) ein wichtiges Indiz war.

Darüberhinaus ist auch deutsches und europäisches Industriekapital auf eine Domestizierung der Finanzmärkte angewiesen, im Gegensatz zu den USA und Großbritannien, die eben auf De-Industrialisierung und Entfesselung der Finanzmärkte gesetzt haben. Insbesondere diese Beiden driften im Verein mit Israel zunehmend in Richtung eines neuen Krieges, sei es gegen den Iran, sei es gegen Syrien oder gleich gegen beide. In „diesem unserem Lande“ selbst verschärfen sich die sozialen Bedingungen (zum Nachteil der Binnen-Nachfrage und zum Nachteil einer Reihe von EU-Staaten). Selbst der CSU dämmert die fatale Wirkung der „Rente mit 67“ ein wenig. Sicher hat die Bundesregierung nicht die Notwendigkeit eines breiten gesellschaftlichen Diskurses über die Probleme im Auge, aber auch kein Interesse an weiterer Erschütterung der politischen Landschaft, die Unwägbarkeiten vermehrt.

Die Bildzeitung als „Wächter über politische Moral“?

Friede Springer „pflegt“ als Mehrheitsaktionärin des Konzerns „keinen politischen Einfluss“ auf die Zeitungen ihres Konzerns zu nehmen? „Amen“ kann man da nur sagen. Der Springerkonzern steht in „Treue fest“ zum transatlantischen „Werte-Partner“. Das US-Imperium aber ist sicher nicht traurig, wenn durch einen weiteren politischen Skandal die Bundesregierung a bisserl angezählt wird, zumal man „ihren“ Transatlantiker (den plagiatorischen Baron) eben durch einen Skandal am weiteren Mitspielen gehindert hat (worüber sich die Kanzlerin auch noch augenscheinlich freute!).

Also Schwamm drüber?

Also zähneknirschend „te absolvo“ für den Finanzfummler? Nein, davon kann keine Rede sein. Aber bitte nicht die dramatischen Konflikte sozialer, wirtschaftlicher und (friedens-)-politischer Art über dem Spektakel aus den Augen verlieren!

Andreas Schlüter

Kommentare
  1. klaus janich sagt:

    hallo kämpferisches 2o12!

    ein frühstücksdirektor als „staatsschauspieler.“ man muss schon buch führen, um bei der rasanten abfolge der „skandale“ noch die übersicht zu behalten.
    „tango korrupto“ ist allerdings kein fehler im system. das system IST der fehler.
    mal sehen, mit welchem skandal wir vom „skandal wulff“ abgelenkt werden.
    es scheint ein lächerliches jahr zu werden.
    wer sprach doch gleich von „spätrömischer dekadenz?“

    mit soz. grüssen! trotz alledem! klaus

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