Nebel-Zelle oder Warnung?

Veröffentlicht: Dezember 8, 2011 in Politik
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Ja mei, eben mussten wir uns noch Sorgen machen, ob nicht Verfassungsschutz und „Zwickauer Zelle“ ein und dasselbe wären (tiefer blickende Zeitgenossen wie ich sehen das differenzierter und wissen, dass nur Teile der Dienste und sonstiger Behörden eine Rolle im „Gladio-Netzwerk“ spielen). Aber nun können wir beruhigt sein, die wahre Gefahr geht von italienischen Anarchisten, die ja auch bekanntlich den Hauptbahnhof in Bologna gesprengt haben (kleiner, natürlich  ziemlich unangebrachter Scherz, Entschuldigung,  die Wahrheit sah so aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Bologna_1980), und von den Überresten der „Sauerland Zelle“ aus.

Nur sehr schlichte Gemüter mögen diese Koinzidenz als der Tatsache geschuldet sehen, dass die Welt eben voll von Terror verschiedenster Provenienz sei. Und stellen dann vielleicht sonderbar beruhigt fest, dass die gefährlichsten Terroristen eben doch Anarchisten und Turban-Träger sind.

Was ist passiert?

Nun, dem allseits beliebten Herrn Ackermann ist wohl eine Briefbombe zugedacht gewesen, die natürlich rechtzeitig abgefangen wurde, und oh heilige Einfalt, obwohl angeblich voll funktionsfähig, im Innern ein Bekennerschreiben einer dubiosen italienischen Anarchisten-Gruppe enthielt (http://tinyurl.com/cdkgp7j). Man sage mir nicht, der Mann hätte das verdient, um die Müdigkeit meines Protestes als klammheimliche Freude zu deuten. Vielleicht mag er das verdient haben, aber die Gesellschaft hat nicht unbedingt die Ablenkung von der nötigen Beschäftigung mit Terrornetzen des Typs Gladio (http://www.youtube.com/watch?v=w9HQBaiIChk) verdient. Ja, und als ob es nicht genug wäre, nun wird auch noch ein angebliches Mitglied der obskuren „Sauerland Gruppe“ ausgegraben und verhaftet (http://tinyurl.com/7jngmyo). Wem bliebe da noch Zeit, sich mit dem popligen Rechtsterror zu beschäftigen, wenn so staattragende Figuren wie Ackermann auf dem Spiele stehen, oder die Machtergreifung durch Al Kaida (die allerdings genug damit zu tun haben dürfte, die vom Westen herbei gebombte Neuorganisation Libyens zu managen) drohte. Dass hier eine Zelle Nebelbomben werfen könnte, wäre dem mit dem Phänomen des Staatsterrorismus vertrauten Zeitgenossen eine nicht wenig plausible Vermutung

Zwei (oder drei) Fliegen mit einer Klappe?

Nun hat die Ackermann-Story natürlich noch den „Vorteil“, dass man damit versuchen kann, die sozial für die Mächtigen nicht ganz wenig bedrohliche „Occupy-Bewegung“ in Verruf zu bringen, was man sicher auch versuchen wird. Aber man muss noch eine weitere Möglichkeit zum vermeintlichen Ackermann-Attentat in Betracht ziehen. Am 30. November 1989 wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. Das Attentat wurde der RAF zugeschoben. 1987 hatte Herrhausen bereits auf einer Tagung in Washington den Schuldenerlass für die „Entwicklungsländer“ gefordert, was die US Banken härter getroffen hätte als die Deutsche Bank. Nun möchte man meinen, das sei eine Petitesse für etwas undifferenzierte RAF-Mitglieder (wenn es diese denn überhaupt noch gegeben hätte) gewesen. Jedenfalls gab und gibt es recht stichhaltige Erwägungen dazu, dass die Ermordung (vielleicht sogar über Infiltration von orientierungslosen Rest-RAFlern) organisiert worden sein könnte (http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Herrhausen).

Wie unklar solche Gemengelagen nun „von Natur aus“ immer sind, erwies sich dann aber der gute Josef Ackermann in einem Gespräch mit Maybritt Illner als gefährlich unbefangener Plauderer. Als er nämlich zum Thema Schuldenerlass von ihr gefragt wurde, ob er nicht solche Forderung auch stellen könne, antwortete er lächelnd: „also ich glaube, es wäre mir genau so gegangen wie Herrn Herrhausen“ (http://www.youtube.com/watch?v=jQEgpCea4yM)! Nun tritt der Mann demnächst „ins Glied zurück“ (nicht der Normalbevölkerung, aber in die Reihen der hochvermögenden „Exler“). Kann es da nicht sein, dass er noch unbefangener werden könnte? Wäre da nicht so eine nette Warnung angebracht?

Und, „à la bonne heure“, da hätte man mit der Ackermann-Chose gleich drei Fliegen auf einen Streich erlegt! Ja, da merkt man wieder, wie nützlich die alte Kriminalkommissars-Frage „cui bon?“ (wem nützt es?) ist.

PS: und dann kann man sich auch gleich mal fragen, was am sogenannten „Links-Terror“ wirklich „links“ war. Das betrifft einesteils die Frage der Aktionen „unter falscher Flagge“, anderseits auch die Frage, ob nicht ähnlich wie die rechtsextreme Szene auch die wirklich gewaltbereiten Teile der RAF-Szene infiltrations- und inspirationsfähig war. Illusionen von jungen Menschen, die zu Recht die Welt verändern wollen (zum Glück) lassen sich manchmal noch überzeugender manipulieren. Und wenn es gelingt, dann auch noch in politischer Theorie völlig unbedarfte anzufeuern und zu steuern, dann hat man irgendwann eine „wunderschöne“ Szenerie, die es erlaubt, unbotmäßige Funktionsträger auszuschalten und einzuschüchtern. Und dann gibt´s vielleicht noch die Möglichkeit, Leute, die an gewalttätigen Aktionen beteiligt waren, ganz am Band zu haben und schließlich völlig für eigene Zwecke einzuspannen.

Ach, gab´s da nicht mal einen, der vom „Steine-Werfer“ zum Freund von Madleine Albright aufstieg und sich zum Bomben auf Serbien bereit fand, einen, der heute ein gesuchter Vortragsredner des Imperiums ist?

Andreas Schlüter

Zur letzten Frage noch ein paar Links:

http://www.youtube.com/watch?v=mfSqwoXobjM&NR=1&feature=endscreen

http://www.youtube.com/watch?v=m30vYCjviUY&feature=related

und in etwas dubiosem Themenumfeld einige nicht uninteressante Gedanken:

 http://www.commonwood.de/Spirit/RAF.htm

 

Kommentare
  1. klaus janich sagt:

    hallo andreas!

    es fällt mir auf, dass leute ins plaudern kommen, wenn sie nicht mehr in amt und würden sind.
    — präsidenten, manager, politiker, funktionäre reden schlau, sobald in pension.
    — arbeiter schweigen bis zum rentenalter
    — soldaten unter befehl schweigen tapfer bis zum dienstende
    — frauen schweigen über prügelnde ehemänner
    — väter schweigen 20 jahre zur erziehung der kinder.
    — usw usf

    das schweigen der lämmer hat immer den gleichen grund. ANGST
    — angst vor machtverlust
    — angst vor lohnverlust
    — angst vor strafe
    — angst vor einsamkeit
    — angst vor ausgrenzung

    angst ist ein gewaltiger machtfaktor, und uralt. schon in grauer vorzeit hatte selbst
    der beste nur in der horde überlebens-chancen. allein in der wildnis war ein jeder verloren.
    ausgegrenzt zu werden ist also eine tödliche gefahr. anpassung eine überlebensstrategie.
    das wirkt immer noch, auch wenn eine reale todesgefahr ausgeschlossen ist.

    deshalb wird es wohl so bleiben, plaudern immer nur a.D.

    beste x-mas grüsse! klaus

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