Es ist wesentlich das Verdienst des Schweizer Historikers Daniele Ganser (http://www.danieleganser.ch/), das Treiben der insbesondere von den USA und Großbritannien aus gesteuerten „NATO Geheimarmeen in Europa“ (nach der italienischen Variante allgemein als „Gladio“ apostrophiert) des Kalten Krieges studiert und dargestellt zu haben (http://tinyurl.com/5dmeqw) und (http://tinyurl.com/3qrjxtt).

Eine breite Blutspur

Diese gegen alles Linke gerichteten Terror- und Mordbanden zeichnen wohl nicht nur für individuelle Mordaktionen, sondern auch für spektakuläre Anschläge wie z. B. am 2. August 1980 den auf den Hauptbahnhof von Bologna (http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Bologna_1980) mit 85 Toten und 200 Verletzten sowie auf das Münchner Oktoberfest am 26. Oktober 1980 mit 13 Toten und 211 teils schwer Verletzten (http://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberfestattentat , zum Gundolf Köhler: http://www.youtube.com/watch?v=-5-_iKgZGVw) verantwortlich. Es ging darum, solche Anschläge linken Gruppen anzulasten, aber auch teils darum, einfach breite gesellschaftliche Verunsicherung sowie den Ruf nach repressiven Maßnahmen zu wecken. Zwar waren die Aktionen in den Westeuropäischen Ländern nicht so ausgedehnt wie in Griechenland und der Türkei, hinterließen aber auch eine breite blutige Spur.

Nicht nur „Stay Behind Armeen“

Die Geheimarmeen waren ursprünglich als „Stay Behind Armeen“ für den Fall einer Sowjetischen Invasion Westeuropas gegründet worden, wurden aber auch weiterbetrieben, als längst klar war, dass die Sowjetunion weder Kraft noch Willen zu einer solchen Invasion hätten und dienten eben der Beeinflussung von Politik und der Verunsicherung der Bevölkerung. Schon vor diesem Hintergrund wäre die Annahme, dass diese Organisationen mit dem Ende des Kalten Krieges wirklich aufgelöst worden seien oder nicht alsbald wiederbelebt worden wären, ohne zwingende Folgerichtigkeit.

Bereits die gewaltigen Sprengstoff- bzw. Waffenfunde am 21. Januar in Becherbach und rund zwei Wochen später im saarländischen Beckingen mit dort rund 100 Schusswaffen (http://tinyurl.com/3vhjwns) mussten den Verdacht nähern, dass es sich hier zumindest um materielle wie personelle Überreste von „Gladio“ handeln könne. So gerne, wie bei Terror durch die Mainstream-Medien in islamische oder – wie im „Polonium-Fall“ – in russische Richtung spekuliert wird, so wenig tauchte damals diese Fragestellung nach Gladio auf. Auch der grausame Anschlag in Norwegen ließ keinen der Mainstream-Journalisten öffentlich die Frage nach einer möglichen Verbindung zu „Gladio“-ähnlichen Strukturen stellen (http://tinyurl.com/3mtlguw).

Zahlreiche Morde

Mit mindestens 9 Morden an ausländischen bzw. ausländisch-stämmigen Imbissbuden-Besitzern und an einer jungen Polizistin sowie möglicherweise mit weiteren Anschlägen steht nun eine Bande in Verbindung, von denen zwei Mitglieder (genannt Uwe M. und Uwe B.) sich angeblich selbst in einem Wohnwagen erschossen haben, und deren drittes Mitglied (Beate Z. genannt) ein Haus in die Luft gesprengt hat, um Spuren zu verwischen, und sich dann selbst gestellt hat (zu Einzelheiten aus der Presse siehe Links unten). Es passt eigentlich nicht zu einer individuellen Tätergruppe, mag sie auch „Verbindungen“ zum Rechtsextremismus haben, wenn man sich stellt, nicht gerade die Beweise mitzubringen, sondern sie zu vernichten. Auch ist die scheinbare Verbindung zum Rechtsextremismus nicht angetan, „Gladio“-Gedanken auszuräumen, denn auch das Münchner Attentat wurde durch „simplen“ Rechtsextremismus „erklärt“. Es sind insbesondere die dubiosen Verbindungen zu „Diensten“, die einen zusätzlich aufmerken lassen. Nach neuesten Meldungen verlangt die Verdächtige nun die „Kronzeugenregelung“. So „schleust“ man jemanden aus der „Szene“ und entzieht diejenige weiteren Recherchen.

„Rechter Terror“ mit „Diensten“ verquickt

Sogar der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), äußerte der „Mitteldeutschen Zeitung“ gegenüber, „es sei „nicht ausgeschlossen, dass sich aus all dem noch ein Verfassungsschutz-Problem ergibt“.“ Der Geheimdienst könne mehr über die Hintergründe der Taten gewusst haben. „Ich habe das Gefühl, das wird noch sehr interessant“, ließ Uhl verlauten (Yahoo-Nachrichten, 5). Nach dieser Quelle tat auch Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) Zweifel am korrekten Verhalten der Behörden kund.

Thomas Sippel, Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, habe dem Magazin „Focus“ gegenüber geäußert, „er habe bei seinem Amtsantritt prüfen lassen, ob die drei mutmaßlichen Terroristen als Informanten des Verfassungsschutzes gearbeitet hätten. Darauf hätten sich keine Hinweise ergeben, gleichwohl seien letzte Zweifel nicht beseitigt worden“. Er soll es als „ungewöhnlich aber denkbar“ bezeichnete haben, „dass sein Vorgänger Quellen „auf eigene Rechnung“ unterhalten habe.“ (Vorarlberg Online, 3).

Zum Verständnis

Was hätten „Dienste“ als verlängerter Arm der eigentlichen Macht nun von rechtem Terror zu gewinnen, sei es, dass sie direkt Menschen aus diesem widerlichen Sumpf rekrutieren, sei es, dass sie Taten als diesem zuzurechnen ausgeben? Da Antwort ist nicht wirklich schwierig. Die Welt wie diese Gesellschaft haben sich tatsächlich mit entfesseltem Kapitalismus, mit der durch ihn verursachten Umweltkatastrophe, mit gesellschaftlicher Ausplünderung und Kriegsgefahr auseinanderzusetzen. Rechtsterroristische Exzesse lenken von diesen Problemen ab, treiben Linke nicht nur immer wieder in die gebetsmühlenartig beschworene Einigkeit „mit allen demokratischen Parteien“ (die am Debakel wesentlich beteiligt sind), auch, wenn zum Glück bei Wahlen immer weniger Menschen den rechtsextremen Rattenfängern hinterher laufen. Die rechtsextreme Gefahr macht die Bürgerinnen und Bürger den Versuchen polizeistaatlicher Überwachung gegenüber gefügiger. Ausländerfeindliche Morde spalten die ausländisch-stämmigen Communities weiter von der übrigen Gesellschaft ab und lassen sie sich vielleicht in Misstrauen weiter isolieren.

Und wieso „Gladio“?

Dies würde als Motiv für „Dienste“ schon eine ganze Menge abgeben. Vergessen darf man dabei nun nicht, dass kaum staatliche Organisation in Deutschland gibt, die so eng mit „dem großen Bruder“ verbandelt sind, wie es eben die „Dienste“ sind. Es waren die Geheimdienste wie rechtsradikale Organisationen, deren sich das „Imperium“ die ganze Nachkriegsgeschichte hindurch im Zusammenhang mit den NATO Geheimarmeen bedient hat. Aber, es ist zu befürchten, dass der „brave deutsche Michel“ sich die Zipfelmütze weiter über die Augen und Ohren zieht und murmelt: „Verschwörungstheorie!“.

Andreas Schlüter

Links zu Berichten über die Tätergruppe:

1) http://www.tagesschau.de/inland/polizistenmord114.html

2) http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3%9Cberblick/Chronik/3768404-6/deutsche-rechtsterror-gruppe-geheimdienste-geraten-unter-druck.csp

3) http://www.vol.at/mordserie-durch-rechtsterror-gruppe-geheimdienste-unter-druck/3087430

4) http://www.n-tv.de/politik/Sorge-vor-Rechtsterrorismus-waechst-article4752676.html

5) http://de.nachrichten.yahoo.com/verdacht-rechtsterrorismus-zwickauer-trio-084256603.html

Kommentare
  1. Viktor Koss sagt:

    Werter Herr Schlütter,

    durch den Zufall fand ich den Weg zu Ihrem Blog. Der Titel des Beitrags hat mit gefallen, weil in der Tat – Gladio ein „untotes“ System noch immer ist. Und wird lange lebendig bleiben, weil es ein Sammelbegriff für unterschiedliche Formen der institutionellen, streng geheimen Operationen, und Machtzentren darstelle. Gladio ist eine Philosophie der Geheimhaltung zwecks Manipulationsdurchsetzung als Mittel zum eigentlichen Zweck, nämlich der Machtausübung geworden.

    Durch den Zufall des Lebens und für mich persönlich lange Zeit kaum erklärbare Vorgänge und Entscheidungen, dankend reichen Lebenserfahrungen und einer absoluten, fast kindischen Unabhängigkeit von diesen Themen erfuhr ich ein Teil der Funktionsweise, der Philosophie des „Gladio-Systems“. Die Prozessen und verfahren dauern über Jahren, weil sie einfach abgeblockt sind. Es wirken die gesetzliche Einschränkungen die erst die Frage der möglichen Hintergründen gestellt haben. Man sollte das ganze historische System enthüllen, weil es sein ursprüngliches Zweck verloren habe. Der ideologische Kampf ist entschieden, aber damit ist noch kein Kampf für eine neue Form der Gesellschaftsverträglichkeit verloren gegangen.

    Gladio hat seinen Ursprung in der NSC -10/2 Doktrin, wurde als Machtwerk gegen ideologischen Feind mit besonderen Mitteln, Operationen, Vernetzungen und Strategien aufgebaut. Mittlerweile, wie schon gesagt, hat sich umgewandelt, aber in wesentlichem funktioniert auf gleichen Grundprinzipien bereichert mit der Anwendung neuer Technologien und, nicht zu vergessen, durch die zahlreiche Gesetzesänderungen, die die ganze bekannte verfassungsmäßige Grundordnungen der erprobten und verwirklichten demokratischen Ländern verändern. Ein sehr komplexes Thema, das leider keine umfassende Analyse bis heute trotz zahlreichen Kritiken umfassend geschildert hatte. Einfach darum, weil die Geheimhaltungen die gesetzliche Rahmenbedingungen und Grenzen für alle Aufklärer, auch kritische Journalisten und Organisationen bilden.

    In meinem Fall geht es um die laufende Prozessen, hinter den man nie eine solche ähnliche Verbindung zur Gladio-Strukturen ahnen könnte. Gar nichts spektakuläres verbirgt sich dahinten, viel mehr es geht um ganz gewöhnliche, alltägliche zahlreiche Ereignisse die erst durch die Analyse einer langen Vergangenheit die Strukturen, Denkmustern, psychologisch angewandte Methoden entlarvten. Darüber wird in diesem Blog in deutscher Sprache berichtet. Es ist erst der Anfang und die erste und wichtigste dauerhafte Erfahrung lautet, „Gladio“ verbirgt sich in Entscheidungsstrukturen und entsprechender Gesetzeslage über nationalen Grenzen hinaus. Um die Reformen aus allgemeinen wohlwollenden Interessen überhaupt zu ermöglichen, ist es notwendig auf der internationalen Ebene, bei weiterer Fortsetzung der EU-Einigungsprozessen die Institutionen auszubauen die den alten bekannten Formen der demokratischen verfassungsmäßigen Grundordnungen der alten europäischen – westlichen Demokratien entsprächen. Ich weiß, ideologisch kann es keinen begeistern, aber der Weg zur Überbrückung der bekannten Probleme aus naher Vergangenheit und Gegenwart verlangen eine solche Lösung.

    Wir mit allen Unterschieden und Ähnlichkeiten müssen uns als eine geordnete Gemeinschaft verstehen und akzeptieren die die gleiche Rechte und gleiche Möglichkeiten jedem anbieten sollte. Die Geheimniskrämereien und Verschleierungen in einem gnadenlosen Kampf jedes gegen jeden ist das letzte was uns nach vorne in eine humane, menschlichere Welt voranbringen kann.

    https://viktorkossnachrichtendienste.wordpress.com/

    Alles Gute Ihnen Viktor Koß

    • Schlüter sagt:

      Sehr geehrter Herr Koß, danke für den ausführlichen Kommentar und den Link zu ihrer interessanten Website, die einen Einblick in eine sehr interessante verschwundene Welt bietet. Ich werde etwas Zeit brauchen, um mich neben meinen umfassenden netzjournalistischen Arbeiten damit zu beschäftigen. Beste Grüße, Andreas Schlüter

      • Viktor Koss sagt:

        Danke Ihnen Herr Schülüter für die Aufmerksamkeit. Die „verschwundene Welt“. Ich dachte mir auch so schon vor mehr als 25 Jahren bis mich die Gegenwart und zahlreiche Erfahrungen und Ereignisse, insbesondere behördliche und gerichtliche Entscheidungen, viel mehr ein absolut geltendes Beweiserhebungsverbot nicht gezwungen haben den möglichen Hintergründen nachzukommen. Eine wahrhafte reale Geschichte mit vielen Fragen und zugleich ein umfangreicher Stoff für einen Roman. Damit könnte wie durch Faustschlag viele Verschwörungen entkräftet werden und die Wichtigkeit der Grundsätze und Verrat an sie einer wahren demokratischen, sozial geprägten betont werden.

        mfg

        Viktor

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  5. dauni sagt:

    Der brave deutsche Michel liest weiterhin die BILD und glaubt, was darin steht. Nachdenken ist eher nicht so seine Sache….Und wenn er was von GLADIO hört, hält er das wahrscheinlich für einen neuen Brotaufstrich.

  6. klaus janich sagt:

    guten morgen, andreas!

    als die geschehnisse um das polizistenmördertrio sich zur „dönermordserie“ ausweitete, dachte ich sofort an oslo! gleiche ungeistige wurzeln, gleiche mörderische taten.
    seltsam, das von den hochbezahlten schreiberlingen keiner daran denkt.
    seltsam, wie diese paralelle totgeschwiegen wird.
    wirklich seltsam.
    nun, näher betrachtet, ist es wohl doch nicht so seltsam!

    mit soz. grüssen! trotz alledem! klaus

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