Wehrt Euch!

Occupy Tempelhof! 

Zunehmend fangen die Menschen auch in diesem Lande an, sich gegen die „Allmacht“ des Kapitals zu wehren, das die Banken und Börsen als Zockerbuden missbraucht und alles tut, damit die Gewinne privatisiert und die Verluste „sozialisiert“ werden, sprich, als gesellschaftliche Last den Sozialstaat weiter kaputt macht.

Aber auch die Privatisierung von Gemeineigentum und dessen Zerstörung soll weitergehen. Davon ist auch das Berliner Juwel des Tempelhofer Feldes bedroht. Die Begehrlichkeit gegenüber den „Seegrundstücken“, den Rändern dieses einzigartigen Ortes der Weite und Entspannung, für viele, viele Tausende Berliner der einzig mögliche „Urlaubsort“, besteht ungebrochen weiter. Randbebauung an allen vier Rändern, Zerstückelung und Zerstörung der grünen Umrandung drohen. Der „Strieder-Plan“, rund zwei Jahrzehnte alt und aus einer Zeit stammend, als mit der „Boom-Town-Erwartung“ der Platzbedarf für die wachsende Stadt gewaltig schien, besteht fast ungebrochen in den Senatsplänen fort. Die unsinnigen Pläne für eine Gartenbauausstellung, die einen erheblichen Teil des Areals „eintrittspflichtig“ machen würde, drohen.

Türöffner

Ein Türöffner soll nun ein Neubau für die Landesbibliothek werden, am Westrand des Feldes, dort, wo nun auch die Menschen vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg aus das Feld erobern. Dabei könnte diese sicher nützliche Einrichtung auch leicht als „Haus-in-Haus“-Lösung in einem der großen Innenhöfe des längst nicht umfassend genutzten Riesenbaus des Flughafengebäudes untergebracht werden. Leider hat auch meine Partei, DIE LINKE, während ihrer Zeit in der Koalition versäumt, die nötigen Konsequenzen aus den Erkenntnissen des vom Landesverband eingesetzten Kompetenzteams zu ziehen (Bericht für die 1. Tagung des 3. Landesparteitages vom 26. April 2008: http://www.die-linke-berlin.de/index.php?id=20191) und nicht die Notbremse gezogen. Jetzt aber wird es mit der Koalitionsvereinbarung zwischen den Unsozialdemokraten und der CDU ernst. Auf der Seite des Tempelhofer Damms soll ein 63.000 qm großes Gebäude die Bibliothek aufnehmen (Plan: http://www.tempelhoferfreiheit.de/besuchen/karte-und-anfahrt/). Damit soll die Zerstückelungs- und Randbebauungsorgie eingeleitet werden!

Berlins S21, wehret den Anfängen!

Ich hoffe sehr, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Berlins sich das nicht gefallen lassen werden und sich wehren werden. Dieses Gebiet gehört allen Bewohnerinnen und Bewohnern. Bis auf kleine Nutzungsverbesserungen wie mehr Sitzgelegenheiten für Menschen, die nicht so gut „zu Fuß“ sind und ein paar kleine Schattenspender darf es keine Baumaßnahmen geben.

Schaut Euch dieses Paradies an, nutzt es und verteidigt es!

 impressionen-aus-dem-paradies

Die Fotos von diesem schönen Oktobersonntag mit der großen Zahl an Besuchern, die sich dennoch in der Weite „nicht auf die Füße treten“ sprechen für sich!

Andreas Schlüter

Kommentare
  1. Konservierer sagt:

    Sehr löblich, auch wenn ich die Intention zur Handlung nicht teile, ist die Handlung
    vollends richtig.
    Aber Gemeineigentum wird generell nur noch gering geschätzt, wer kennt sie nicht,
    die mutwillig zerstörten U-Bahn-Ausstattungen (Sitze, Haltegriffe, sogar Scheiben)
    oder die barbarisch mit Sprühfarbe besudelten Gebäude usw.
    Dass die linksdogmatische Antwort, dann wieder (nur) den Umständen und „dem Kapital“
    die Schuld gibt, ist allerdings unzureichend, wenn nicht sogar schlicht falsch und selbstbetrügerisch.
    Das Potenzial des (einzelnen) Menschen ist enorm, aber statistisch und historisch belegt und damit unleugnenbar,
    ist (auch) der zerstörische, barbarische Teil dieses Potenzials, der immer wieder zum Vorschein kommt…

    • Schlüter sagt:

      Lieber Konservierer,
      ich bemerke, dass wir uns wohl in so manchen Dingen gar nicht einig sein mögen, allemal aber vielleicht darin, dass man diesen paradisischen Ort „konservieren“ sollte. Ich kann übrigens beruhigen, die Menschen, die in großer Zahl dieses Feld genießen, scheinen durchaus pfleglich damit umzugehen.

  2. klaus janich sagt:

    hallo andreas !

    wer sich nicht wehrt lebt verkehrt !!!

    gruss! klaus

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