Highly Explosive: die Selbstzerstörungskraft des Kapitalismus´

Veröffentlicht: Juli 21, 2011 in Politik, Wissenschaft
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Ganz unumwunden erkennen auch marxistische Linke die Fortschrittskraft von Marktwirtschaft und privatem Kapital in einer bestimmten Phase menschlicher Geschichte an. Wohin allerdings die völlige Entgesellschaftlichung aller Lebensbereiche und die totale Entfesselung des Gewinnstrebens führen können, davon legt die Situation und verzweifelte Orientierungslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein beredtes Zeugnis ab.

Wie groß war der Medienrummel nach dem Drama in der Erfurter Schule. Mehrmals sind weitere Dramen dieser Art geschehen. Die Fernsehdiskussionen drehten sich in medial eindrucksvollem Kreise. Mögliche Einzelursachen wurden konkurrenzartig gegeneinander gestellt. Was völlig fehlte, war eine Gesamtsicht, die tiefen Ursachen werden geflissentlich übersehen.

Jugendliche werden von Werbung überflutet, die keine berechtigte Produktdarstellung, sondern eine raffinierte psychologische Manipulation ist, die Begehrlichkeit unkontrollierbar zu steigern. Daraus resultiert natürlich auch die erhöhte Bereitschaft zu Ladendiebstählen und sonstiger Kleinkriminalität. Für die Folgen zahlen die jungen Menschen mit belastetem Lebensstart und die Gesellschaft mit teuren Maßnahmen. Um Werbung und Kommerz ging es den Konservativen auch bei der Einführung des Privatfernsehens, das eine Flut “lustvoller“ Gewaltdarstellungen eben dort nach sich zog. All die Jugendlichen, die wenig Grund-lagen hatten, sich als den Helden zu sehen, konnten nun andere Projektionen entwickeln. Das, was in der Frühzeit der Computertechnologie noch eher zu “Pacman“ und “Mario“ reichte, konnte durch aktive Mitwirkung des militärischen Sektors zu lebensechten Blutorgien als “Ego-Shooter“ ausgebaut werden.

Es ist keine Frage, die Mehrheit der jugendlichen Nutzer wird durch diese Spiele nicht zu Killern, wenn sie auch Schaden an ihrer Mitleidsfähigkeit nehmen mögen. Es genügt aber, wenn nur ein Promille oder ein zehntel Promille von ihnen in solcher Gefahr sind, um unsere Gesellschaft und speziell die Schulen zu einem sehr gefährlichen Platz zu machen, denn zu den “Ego-Shootern“ kommen noch all die, bei denen dieses “Training“ zu “einfacher“ erhöhter Gewaltbereitschaft mit Faust oder Messer führt. Folgen wir den amerikanischen Entwicklungen, wird die Gefahr für einen jungen Menschen oder einen Lehrer, einem Ego-Shooter zum Opfer zu fallen, sehr viel größer sein, als Opfer des vermeintlich so bedrohlichen islamistischen Terrors zu werden.

Dass diese mediale Entwicklung nicht nur die Gewaltspirale anheizt, sondern gleichzeitig durch die Kombination von psycho-logisch manipulativer Werbung, Unterhaltung um jeden Preis und neurotischer Vereinzelung lernunfähig und unfähig zu sinnvoller Tätigkeit im Verbund mit anderen Menschen macht, liegt auf der Hand, und die Klagen von Ausbildern und Lehrern haben einen sehr realen Hintergrund.

Schon jetzt nimmt die Fähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Gesprochenes oder Geschriebenes sinnvoll umzusetzen, somit zu lernen, dramatisch ab. Die Schere zwischen den Anforderungen der modernen Technikgesellschaft und der Fähigkeit sowie dem Willen zu lernen, klafft immer weiter auseinander. Fazit kann nur sein, entfesselter und völlig ungezügelter Kommerz zerstört sukzessive die Grundlage der Gesellschaft und gerade auch die der modernen Wirtschaft.  Aber, die Affinität von so „enthirnten“ jungen Menschen zu „Gewalt per Joy-Stick“ nimmt sicher zu. Die Freude per Joystick drückt sich dann im Ausruf „we got `em, we got `em“ aus, wenns ordentlich gekracht hat, sowas kann man zum „Bomben für die Demokratie“ gut gebrauchen.

Andreas Schlüter

Kommentare
  1. […] eben die gleichen Mechanismen, die auch jugendliche Amokläufer an Schulen hervorgebracht haben: https://wipokuli.wordpress.com/2011/07/21/highly-explosive-die-selbstzerstorungskraft-des-kapitalismu…. Subsummieren kann man diese Mechanismen gleichzeitig unter die „Selbstzerstörungskräfte“ des […]

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