Friede sei mit ihnen, er kann nur nicht ewig währen!

Veröffentlicht: Juli 18, 2011 in Literatur, Politik
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Warum nicht sein kann, was nicht sein darf

Wenn man sich erst einmal auf die Wahrheit, oder vorsichtiger gesagt, auf die unnachsichtige Suche nach ihr eingelassen hat, kann es einen schon wild machen, dass so viele Menschen in den „westlichen Industriegesellschaften“ sich mit dem wohlfeilen Mainstream-Geplapper der Massenmedien zufrieden geben, dass so viele Menschen z. B. in Deutschland die Deutungen des Zeitgeschehens und der Konflikte akzeptieren, wie sie von der „Tagesschau“, dem „Heute-Journal“ oder gar den „Nachrichten“ der Kommerz-Sender weitgehend widerstandslos schlucken. Es ist dies auch fraglos ein sehr bedauerlicher Umstand, für den die Meisten, die in diese Falle laufen, ja auch den Preis der Verkennung und damit der systematischen Vernachlässigung ihrer wirklichen Interessen bezahlen. So glauben sie eben, dass der „Krieg gegen den Terror“, „Bomben für die Demokratie“ und die Durchleuchtung des Bürgers nötig sind. Wär das nicht so, wären die Politiker ja Lügner, das darf ja wohl nicht sein!

Warum ist dies aber so?

Vorweg: es war kaum jemals anders, aber, die Informationsquellen sind heute sehr vielfältig. Früher haben recht einfache Deutungssysteme meist religiöser und „nationaler“ Art genügt, um Menschen auf die obrigkeitliche Deutung von Geschehnissen „einzuschwören“. Der Bildungsstand war überwiegend ein recht niedriger und die Arbeitsbelastung noch um Einiges höher. Da war man so kaputt, dass kaum noch Energien für eigene Deutungen übrigblieben. Dennoch haben gerade in der Arbeiterbewegung (insbesondere in „Arbeiterbildungsvereinen“) viele Menschen Anstrengungen auf sich genommen, sich Analysemethoden anzueignen. Heute aber sind alle diese Strukturen aufgelöst. Sie waren aber ein wichtiges Mittel der kulturellen Anpassung an Probleme. Sie waren eine Leistung aus Not und gegen die individuelle Bequemlichkeit erarbeitet.

Die evolutionäre Ausstattung

Unsere „Säfte-mäßigen“ Neigungen sind immer noch von den langen Zeiträumen der menschlichen Evolution, von der viele zig Jahrtausende währenden Phase des Lebens in relativ kleinen Gruppen geprägt. Diese haben zwar schon recht lange Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gekannt, aber sie waren doch immer erheblich von notwendigem Grundkonsens geprägt. Die äußeren Gefahren waren nicht angetan, individuell zuerst einmal auf den eigenen Kopf zu setzen, oder den Anführern der Gruppe gegenüber auf eigenen Deutungen zu bestehen. Erst die Form der entwickelten kapitalistischen Arbeitswelt erlaubte und erforderte klasseninterne Geistesarbeit, um nicht völlig „über den Tisch gezogen“ zu werden. Nur, die spontanen Neigungen sind immer noch von der langen evolutionären Phase vorher geprägt.

Herrschaftswissen

Genau diese Mechanismen sind auch Gegenstand psychologischer Forschung. Nicht nur die Werbeindustrie macht sie sich zunutze. Aber wir dürfen uns im Politischen Felde die Dinge nicht zu einfach vorstellen. Da wird nicht direkt die Parole ausgegeben (abgesehen von den Bilderberg-Konferenzen, wo an die mediale Funktionselite weitergegeben, was „gesellschaftlich notwendig“ ist), es werden Schreiberlinge langsam und stetig über Gelegenheiten an die „richtige“ Darstellung herangeführt. Dazu gehört in den westlichen Industriestaaten auch die mediale Politik, der großen Zahl der Menschen unter die Haut zu bringen, dass sie die Privilegien, in den imperialen Ländern zu leben und ein bisschen von der Ausplünderung der übrigen Welt mit profitieren zu dürfen, nicht leichtfertig verspielen dürfen. So kommt es, dass die Arbeiter bei Krauss-Maffei brav mitmachen, wenn tödliches „Spielzeug“ an Potentaten verhökert werden soll.

Der brave Kleinbürger

Wie brüchig diese Existenz auch immer sei, eine unglaublich große Zahl von Menschen in den „Metropolen“ ist so in ein kleinbürgerliches Bewusstsein hinein gelockt worden. Das aber funktioniert so, dass man sich in der Identifikation mit den Herrschenden wohl fühlt, sie garantieren vermeintlich diese „privilegierte“ Existenz. So hat sich der Schaffner im Kaiserreich schon mit Kaiser Wilhelm identifiziert, so hat der Werkmeister im „Duzendjährigen Reich“ gebrabbelt, „wenn das der Führer wüsste“ und so ist der nun zum Niedriglohn angestellte Leiharbeiter doch klammheimlich froh, dass Angie mit den Waffengeschäften gegen seinen Jobverlust „ankämpft“. So haben auch SPD-Mitglieder geglaubt, der Schröder wird mit der Privatisierungspolitik schon das Richtige machen und herausgekommen ist, dass Konzernmitarbeiter in den Ministerien die Gesetzesentwürfe zu Gunsten ihrer Arbeitgeber verfassen (Sascha Adamek und Kim Otto, „Der gekaufte Staat“, ISBN 978-3-462-04099-9).

Haussklaven

Bestimmte Muster haben sich wenig verändert. In einer Welt, die in „grüne“ und „rote Zonen“ (wie der Irak, Naomi Klein, „Die Schock-Strategie“ ISBN-10 3100396111 und ISBN-13 9783100396112) eingeteilt ist, die im großen Maßstab in ihrer Brutalität an eine Baumwollpflanzung zur Sklavenzeit erinnert, ist man schon froh, als „Haussklave“ im Herrenhaus, sprich, im insgesamt reichen metropolen Industrieland, werkeln zu dürfen, anstatt auf den Feldern als „Feldsklave“ in wenigen Jahren „abgeschrieben“ zu werden. Und, wie Malcolm X es treffend beschrieben hat, da sagt der Haussklave, wenn der Herr erkältet ist: „wir haben einen Schnupfen“! Und überhaupt, man identifiziert sich lieber mit den vermeintlichen Gewinnern, also mit den Herrschenden, zumal, wenn die dauernd verkünden lassen: wir sind die Guten. Und unter uns sind nicht Wenige, die dann sagen, „wir sind die Grünen“ (was das Gleiche ist). 

So etwa findet die Identifizierung vieler Menschen bei uns satt. Ich aber (wie zum Glück schon eine ganze Reihe anderer Menschen) weigere mich, als Haussklave zu denken und zu funktionieren! Und so möchte ich auch Anderen zurufen: wenn Ihr weiterhin mitmacht, das Land um Euch herum kaputtmachen zu lassen und die Menschen vernichten zu lassen, wird auch irgendwann das Herrenhaus brennen. Vorher aber noch wird auch das weiter wachsende Herrenhaus in grüne und rote Zonen eingeteilt! wacht auf!

Andreas Schlüter

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