Was für DIE LINKE auf dem Spiel steht, oder, was für die Gesellschaft auf dem Spiel steht

Veröffentlicht: Juni 17, 2011 in Politik
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Warum gibt es DIE LINKE so, wie sie heute ist? Weil es viele Menschen gibt, die dies erkannt haben: die wichtigen Probleme, an denen viele Menschen in der Welt und in diesem Land leiden, lassen sich nicht auf der Basis von Eigennutz und Profitstreben lösen. Sei es die drohende Klima-Katastrophe, seien es Hunger und Krankheit, Krieg und Repression, seien es Lohn-Drückerei und Sozialabbau, seien es gesellschaftliche Ausgrenzung und nicht enden wollender Rassismus, all diese Übel werden durch die Motivationsbereiche Eigennutz und Profitstreben teils hervorgebracht, zumindest aber erheblich verstärkt.

Die Systemfrage

Da die derzeitige Wirtschaftsordnung des Kapitalismus sich aber gerade auf Eigennutz und Profitstreben stützt, ja diese zum hehren Gut emporstilisiert, ist diese Partei zur Systemfrage gezwungen. Diese wurde schon vor langer Zeit durch die damalige SPD gestellt, auch die Grünen waren einmal dicht an ihr dran, und ein wichtiger Teil unserer Partei kommt aus Zusammenhängen, die mit einem anderen Wirtschaftssystem verbunden waren. Die SPD und die Grünen sind den Weg ins System gegangen, die SPD ist zur HARTZ IV-Partei geworden, die Grünen haben ihr leuchtendes Grün in Olivgrün gewandelt. Die damalige PDS hat einen heroischen Kampf mit sich selbst ausgefochten, sich von Dingen zu lösen, die am Untergang des realen Sozialismus nicht unbeteiligt waren. Allerdings mag ein Teil von ihr sich zwar vom System, mit dem sie damals verbunden war, gelöst haben, aber nicht ganz davon, sich selbst nur „im System“ denken zu können, auch, wenn es jetzt ein anderes ist.

Die Einzige

Wie dem auch immer sei, DIE LINKE ist die einzige nennenswerte Kraft, die einzige Partei, die von ihrer Größe her ins Gewicht fällt, die zur Systemfrage in der Lage ist. Sie ist die einzige im Bundestag verbliebene Partei, die sich der Entmenschlichung der Gesellschaft zugunsten der Bilanzen, die sich dem endgültigen Versinken dieses Landes in imperialer Kriegspolitik entgegenstemmen kann.

Damit hat sie Gegner in Hülle und Fülle: das US-Imperium, das europäische und deutsche Kapital, seine politischen Handlanger, seine medialen Speichellecker sowie die Parteien, die ihre fortschrittliche Seele längst verkauft haben, und denen wir ihr Spiegelbild vorhalten. Glauben wir wirklich, wir könnten in „friedlicher Koexistenz“ mit diesen Kräften, in einer Art „Burgfrieden“ mit ihnen existieren, zwischen ihnen „Normalität“ genießen? Die Tatsache, dass wir diejenigen sind, die auf das Grundgesetz pochen, wird dies nicht ermöglichen, es steigert den Hass auf uns.

Wird man uns lassen?

Und die wirklich Reichen und Mächtigen werden darauf verzichten, alles zu tun, um uns zu zerstören? Da müsste man schon sehr naiv sein, um das zu glauben. Werden sie weniger aufwenden, als die Machthaber der DDR-Staatsbürokratie gegen ihre Gegner aufgewandt haben? Nein, sicher nicht. Zwar sind die Kräfte des Imperiums mit so vielen Mitteln ausgestattet, dass sie mehr auf Zuckerbrot denn auf Peitsche setzen können, aber zerstört werden muss! Haben sie nach dem Ende des Kalten Krieges ihre „Dienste“ abgebaut? Nein, ganz bestimmt nicht!

Wir sollen also wissen, was gegen uns getan wird. Wir werden diffamiert. Wir werden mit dem „Stalinismus-Vorwurf“ beschmiert. Das scheint nicht mehr richtig zu ziehen, da werden wir mit dem „Antisemitismus“-Vorwurf beworfen. Aber medial inszenierte Diffamierungen kommen nicht nur von außen. Natürlich sponsern die Kräfte, die uns los werden wollen, diejenigen, die menschlichen Versuchungen zu erliegen drohen, dies es gern bequemer und „staatstragender“ hätten. Die gerne „koalitions“- und „regierungsfähig“ genannt werden möchten, egal, wer das Etikett verleiht.

Wir wollen

Keine Frage, wir sind ja Verfechter wirklichen Parlamentarismus´, wir wollen ja die Gesellschaft verändern, zu Gerechtigkeit und Friedlichkeit, da sind wir weder grundsätzlich gegen das Regieren noch gegen das Koalieren, aber zu einem konstruktiven Ende. Für uns kann nicht gelten: Dabeisein ist alles! Wir sind nicht dafür da, einfach nur hoffnungsvollen jungen Leuten zur „Politik als Beruf“ zu verhelfen, ihnen als Fan-Club zu dienen. Wir sind kein Wahlverein wie die beiden großen US-amerikanischen Parteien.

Sie sind da

Wir sollen uns aber auch darüber klar sein, man wird Agenten auf uns ansetzen! Das darf uns nicht zu stumpfsinniger Verdächtigungsorgie führen, aber nicht alle, die uns in der Partei und der Sache schaden, tun dieses nur aus Gründen individueller Schwäche und Opportunismus, oder mangelnder Klarheit.

Mit drei verschiedenen Agententypen werden wir es zutun haben: 1) Entpolitisierer, diejenigen, die mit fadenscheinigen Argumenten die politische Spitze abbrechen wollen, die uns auf alberne Nebenkriegsschauplätze führen wollen. 2) „Agent provocateur“, der oder die uns durch illegale Handlungen oder politisch blödsinnige oder gefährliche Äußerungen skandalisieren soll. 3) Chaotisierer und Intrigant, soll uns die Arbeit erschweren. Dieser Typ kann mit 1 oder 2 verbunden sein. Nach Lage der Dinge sind 1) und 2) nicht kombinierbar.

Es ist eine Sache der politischen Klugheit, sich darauf einzustellen. Je umfassender wir auch den Wissens- und Analysestand der Mitgliedschaft zu stärken wissen, je gefeiter werden wir dagegen sein, diesen Kräften auf den Leim zu gehen.

Wir geben nicht auf

Keinen Grund geben die derzeitigen Umfragen zu Euphorie. Aber Anpassung an den bürgerlichen Mainstream wird uns nicht helfen. Das HARTZ IV-Regime herrscht weiter, voran schreitet die Überführung des Arbeitsmarktes in einen allumfassenden Niedriglohnsektor, weiter geht die Zerstörung des Gesundheitssystems, voran schreitet die Militarisierung und Orientierung auf imperiale Kriegspolitik. Ein US-Präsident, der einer immer noch von Rassismus bedrohten Minderheit in den USA entstammt, hat die US-Politik nicht friedlicher gemacht, weil er nur „im Amt“, aber nicht „an der Macht“ ist. Immer brutaler wird der Wille der wirklich Mächtigen in den USA sichtbar, die ganze Welt in ihr unbegrenztes Spielfeld zu verwandeln, in „grüne“ und „rote“ Zonen einzuteilen, die Menschen gegeneinander auszuspielen und vor keinem Verbrechen zurückzuschrecken.

Ich sehe viele Entwicklungen in meiner Partei mit großer Sorge, aber ich setze darauf, dass letztendlich die große Zahl der Mitglieder verhindern wird, dass DIE LINKE den Weg der SPD und der Grünen nachgeht. Stärken wir sie und helfen ihr aus Irrwegen und Sackgassen heraus, nehmen wir uns vor Opportunismus und Einknicken in Acht!

Andreas Schlüter

Kommentare
  1. […] Was für DIE LINKE auf dem Spiel steht, oder, was für die Gesellschaft auf dem Spiel steht […]

  2. Lieber Andreas,
    wie viele Agenten und Einknicker es in der PDL gibt, mag von Bedeutung sein, wichtiger scheint mir die Frage, ob in einer sozialen Demokratie Leute den Ton angeben dürfen, die eine Lohnuntergrenze von 5 Euro pro Stunde für Arbeitseinsätze Langzeiterwerbsloser als Gegenleistung für erhaltene Leistungen fordern. Das tat gestern Herr Dr. Hilmar Schneider vom privaten Institut für die Zukunft der Arbeit (IZA) in Köln bei einer Podiumsdiskussion über „Bürgerarbeit“ der Landeszentrale für Politische Bildung in der Volkshochschule Mitte. Auf das empörte Raunen einiger Zuhörer reagierten einige Podiumsteilnehmer mit einem Appell an die Toleranz und lobten Schneider für seine offenen Worte. Sie stellten das als einen Beweis für eine lebendige Demokratie dar.

    Der Herr Dr. Schneider kriegt viele Tausend Euro im Monat dafür, dass er sich selbst und die Ressourcen des von ihm geleiteten Instituts einsetzt, um für die Mitte Europas den Weg von einem flächendeckenden Niedriglohn zu einem Niedrigstlohn zu bereiten, was verheerende Folgen für die Demokratie mit sich bringen wird. Am Ende der Diskussionsrunde feierte die Moderatorin der Veranstaltung noch einmal den Erfolg des Abends, weil so schön kontrovers diskutiert werden konnte. Als Schneider sagte, man müsse die langzeitarbeitslosen Leistungsempfänger zu ihrem Glück zwingen, musste ich an Spalter Walter, den Mauerbau und daran denken, dass sie u. a. auch zu dem Zweck errichtet wurde, die Menschen im Gebiet Zwischen Ostseeküste und Mittelgebirgen vor solchen Leuten und vor kontroversen Diskussionen mit ihnen zu schützen.

    Ich trete für eine Demokratie ein, die der Nachkriegs-CDU-Vorsitzende von Berlin-Brandenburg und spätere Vorsitzende der CDU West-Berlins Jakob Kaiser Anfang 1946 am Vorabend der drohenden Vereinigung von KPD und SPD zur SED in der Ostzone als gesunde sozialistische Ordnung kennzeichnete und argumentiere wie Kaiser gegen die Idee einer Demokratie, die sich in dem Ideal eines formalen Abstimmungsmechanismus erschöpft. Es genüge nicht, wie Kaiser und ich meinen, dass jeder Deutsche gleiches Stimmrecht hätte. Es müsste auch jeder Staatsbürger die gleiche Chance haben, wirklich an der Willensbildung seines Volkes teilzunehmen. Davon könne aber solange keine Rede sein, als es innerhalb des Volkes Leute gäbe, die aufgrund privatrechtlicher Titel, kraft eigener Besitzvollkommenheit überragende wirtschaftliche Machtstellungen innehaben. Meines Erachtens trifft das auch auf Wollenschaftler zu, die im Auftrage der Kapitalverwerter ihren menschenverachtenden Ungeist verbreiten. Vgl. dazu: http://www.geschichtsseiten.de/htm/ddr_fuss.htm
    Herzliche Grüße
    Rudolf Reddig

    • Schlüter sagt:

      Lieber Rudolf,
      Du bringst die Dinge wieder auf den Punkt und ich danke Dir, dass Du diesen ausführlichen Kommentar eingestellt hast! Wie Du weißt, ist Deine Website auf dem Teil über den Autor als eine meiner Lieblingswebsites vermerkt.
      Sehr herzliche Grüße

      Andreas

      • klaus janich sagt:

        ein hallo in die runde!!
        leider weiss ich nicht welcher kluge kopf es gesagt hat, aber ich zitiere sinngemäss:
        “ man kann ein ganzes volk zeitweilig verdummen.
        man kann einen teil des volkes für immer verdummen.
        aber ein ganzes volk für immer verdummen ist unmöglich.“
        es wird immer kritische, aufmüpfige, rebellische menschen geben.
        und ist die zeit gekommen, werden männer und frauen da sein, die das tun was zu tun ist.
        punktum.
        darauf ein sozialistisches amen ! klaus

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