„Allmacht USA“ und kein Ende? (1. Folge)

Veröffentlicht: April 24, 2011 in Politik
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Die Katastrophe in Japan ist noch nicht zu Ende, so schmerzhaft diese Feststellung angesichts des Leidens von zigtausenden von Menschen im „Lande der aufgehenden Sonne“ ist. Der GAU von Fukushima läuft weiter. Das unverantwortliche Vorgehen, nicht mindestens eine Sicherheitszone von 100 km um den Reaktorkomplex zu evakuieren, wird vielen Menschen Gesundheit und Leben kosten. Es zeigt sich, dass die kapitalistische Gesellschaft vom Typ „entfesselter Neoliberalismus“ keineswegs in der Lage ist, mit solchen (in diesem Falle bezüglich des GAUs selbstgemachten) Katastrophen menschenwürdig umzugehen. Daran ändert die Tatsache, dass die damalige sowjetische Gesellschaft dazu auch nicht in der Lage war, nichts.

Dabei handelt es sich in Japan nicht um die größte Katastrophenklasse, die eintreten kann. Es ist realistisch zu vermuten, dass auch die USA von Katastrophen, die die Flut im Gefolge des Hurrikans „Kathrina“ oder die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bei Weitem übertreffen, nicht nur überhaupt, sondern bald getroffen werden könnte. Bevor ich den Blick auf derartige Geschehnisse richten werde, aber ein Blick auf die politische und gesellschaftliche Situation der USA:

Wohin treiben die USA?

Sicher kann diese Frage mehrdeutig verstanden werden, und das ist auch beabsichtigt. Noch immer sind die USA die politisch-militärisch stärkste Macht der Welt. Insofern treiben die USA die Welt ein Stück weit, auch, wenn sie die Eigendynamik von Regionen und großen Staaten nicht wegwischen können.

Die USA treiben aber auch selbst in eine identifizierbare Richtung. Dieses allerdings nicht nur aus einer diffusen gesellschaftlichen Eigendynamik heraus, sondern sie werden selbst getrieben. Die Frage ist nun: von wem? Nur politisch-gesellschaftliche Naivlinge nehmen noch das Gerede vom „mächtigsten Mann der Welt“ ernst, zugestehen kann man ihm allenfalls vom Rahmen des Auftritts her, der „prächtigste Mann der Welt“ zu sein. Der Präsident der USA ist nicht „an der Macht“, sondern „im Amt“!

Im Amt zu sein, bedeutet „der Kopf“ der Exekutive zu sein. Nur Naivlinge glauben aber, dass die Wahlen in die Legislative wie die Exekutive insbesondere in den USA wirklich demokratisch verlaufen, denn dazu gehörte weitgehende Transparenz der Ziele, die die politischen Funktionsträger vertreten, und eine weitgehende Kenntnis der Gegebenheiten und wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Zusammenhänge. Wer „Media Control“ von Noam Chomsky (http://www.amazon.de/Media-Control-Wie-Medien-manipulieren/dp/3492246532) gelesen hat, weiß das. Wenn das aber so ist, dann sind Legislative wie Exekutive ausführende Organe ganz anderer Mächte, nämlich der Wirtschaftsmächte.

Dazu kann uns der emeritierte Professor Hans-Jürgen Krysmanski viel sagen:

http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/205/205Krysmanski.pdf

Es ergibt sich das Bild eines Berges, dessen Spitze wir als den „Olymp“ bezeichnen können. Leider ist sein Gipfel aber nicht wie beim Fudschijama meist sichtbar, sondern von einer Wolkenhülle vom unteren Teil abgetrennt. Wir sehen nur die Personen, die sich dort dicht unter der Wolkendecke im Auftrag tummeln. Hier hat das Imperium sich auch reformiert und es ist ihm heute in bestimmten Bereichen nicht mehr wichtig, welcher Abstammung die hochrangigen Hilfskräfte sind. Konkurrenzkämpfe, bei denen dann auch mal wieder das alte rassistische Legitimationsmodel für „Ämter und Würden“ auflebt, sind den „Göttern“ sogar lustige „Hahnenkämpfe“. Ob Rassismus gegen Obama, oder dumpfer Antijudaismus, der behauptet, weil die Götter sich unterm Wolkensaum auch jüdischer Expertise bedienen, müssten sie von diesen gelenkt sein, Nebbich für die Götter!

Das Wichtige ist: die Wirtschaftsgötter (in der Mehrzahl weiße angelsächsische Protestanten) selbst sind kaum sichtbar und haben den Boden des Industriekapitalismus´ nun schon eine Weile verlassen und den Turm des Finanzkapitalismus´ auf dem Gipfel errichtet. Wenn da mal was runterfällt und eine Lawine auslöst, nun, sei´s drum. Schlüpfrig ist es besonders im mittleren Bereich der Berg-Pyramide. Dort hat jeder Angst vor Nachdrängenden und vorm Runterrutschen. Wirklich schlimm sieht´s am breiten und sumpfigen Fuß des Berges aus, wo die größte Zahl der Weltbevölkerung im furchtgebietenden Chaos für die Götter und ihre Helfer schuftet oder dahinvegetiert.

Zur Vervollständigung biete ich ein Bild von mehreren Bergen auf einem flachen Massiv an, die aber die Höhe des US-Olymps nicht erreichen. Einige sind durch Pässe, die bis dicht unter die Wolkendecke des US-Olymps reichen, verbunden. Ihre Gipfel haben eigene kleine Wolkenkränze.

Um nicht missverstanden zu werden: dies ist das Bild der sozialen Wirklichkeit, die ökonomische Wirklichkeit hat natürlich mit Arbeit, mit Waren, mit Mehrwert und Profit zu tun, auch, wenn es einem enormen spekulativen und „virtuellen“ Reichtum gibt. Das vorher benutzte Bild bildet aber auch die politische Wirklichkeit ab. Diese steht unter dem Primat der Wirtschaft, speziell eben der Interessen der Superreichen, was nicht völlig ohne Konkurrenzkämpfe unter den „Göttern“ abgehen muss. Viel von dieser Entwicklung wird mit dem Begriff der „Re-Feudalisierung“ nicht falsch beschrieben sein.

Jedenfalls wird die Politik von oberhalb der Wolken gelenkt. Wie ist diese Politik zu verstehen, was kennzeichnet sie? Wie sehen die Perspektiven von dort her aus? Damit wird sich die nächste Folge dieser Betrachtung in Kürze beschäftigen.

Andreas Schlüter

Zur Thematik hier drei wichtige Links:

http://uweness.eu/us-census-2010.html

http://thinkprogress.org/?p=164865

http://www.hintergrund.de/201105021526/politik/welt/der-krieg-gegen-libyen-und-die-rekolonialisierung-afrikas.html

Kommentare
  1. […] Zur Macht in den USA und ihrer globalen Perspektive geben auch diese beiden Beiträge Aufschluss: https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/ und […]

  2. […] Analyse der wirklichen Macht in den USA begreifen, hier wiese ich auf meine Darstellung in https://wipokuli.wordpress.com/2011/04/24/allmacht-usa-und-kein-ende-1-folge/ hin. Die US-Regierungen werden wahrscheinlich manchmal erst im Laufe der Entwicklung von der […]

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