„Die geplünderte Republik“

Wieder fasst ein Buch von Thomas Wieczorek („Die verblödete Republik“,  http://www.amazon.de/Die-verbl%C3%B6dete-Republik-Wirtschaft-verkaufen/dp/3426780984 , „Die Dilettanten“, http://www.amazon.de/Die-Dilettanten-unf%C3%A4hig-Politiker-wirklich/dp/3426782669 ) wichtige Erkenntnisse zur Situation des Landes zusammen: „Die geplünderte Republik“, (Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-78373-3, http://www.amazon.de/Die-gepl%C3%BCnderte-Republik-Spekulanten-Politiker/dp/3426783738 ). Wie Umverteilung von unten nach oben, wie die gezielte Verarmung der Gesellschaft systematisch betrieben wird, wie die Allgemeinheit für das Casino zur Kasse gebeten wird, das wird hier eindrucksvoll belegt.

„Der Steuerzahler hat´s ja“

Mit dem Etikett „systemrelevant“ versehen, sind die Banken das goldene Kalb, das poliert und gefüttert werden muss, damit es nicht abmagert und dahinsiecht. Commerzbank und Hypo Real Estate werden mit Milliardenspritzen versehen. Nur wirklich mitreden soll der Staat doch bitte trotzdem nicht! Nun ist die „Systemrelevanz aber sehr zu relativieren, denn „90 Prozent aller Finanzgeschäfte in der neoliberalen Praxis“ sind „reine Interbanken-Geschäfte“. Auch Ackermann (der bekundete, sich zu schämen, wenn er Staatsgeld annehmen würde) und die Deutsche Bank haben kräftig vom Staat profitiert, so z. B. über den Kauf der Postbank.

Erst Horror, dann Besänftigung

Flankiert wurde die Umverteilung durch Horrorszenarien und die gern geschwungene „demografische Keule“, hinter diesen Popanzen lassen sich dann auch die wirklichen Übel wie Klimawandel, Verelendung und Massenarbeitslosigkeit gut verstecken. Pünktlich zu den Wahlen war „nun … Bürgerbesänftigung angesagt“ („die Staatskassen waren geplündert, die Steuergelder sicher auf den Konten der Banken“), und die Wirtschaftsprognosen wurden eilig angehoben. Wieczorek ist nicht besänftigt und vermeidet die Systemfrage nicht, wir sollten es auch nicht tun!

„Der gekaufte Staat“

Wenn man wissen möchte, wer in diesem Staate Einfluss auf die Erarbeitung von Gesetzesvorlagen nimmt, in erster Linie gewählte Politiker, die sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen, oder Menschen, die im Solde von Unternehmen stehen, sollte man das Buch von Sascha Adamek und Kim Otto, „Der gekaufte Staat, wie Konzernvertreter in deutschen Ministerien sich ihre Gesetze selbst schreiben“ (Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04099-9, http://www.amazon.de/gekaufte-Staat-Konzernvertreter-deutschen-Ministerien/dp/3462039776 ) lesen.

Die richtigen Fragen

Hier werden die richtigen Fragen gestellt: „Warum nimmt der Fluglärm zu? Warum werden Strom und Gas immer teurer? Warum dürfen Heuschrecken Deutschland abgrasen? Warum wird Gesundheit immer teurer? Warum wurde die LKW-Maut zum Desaster? Warum wissen wir nicht, wie viel Gift in unserer Kleidung ist?“ und so manche Frage mehr. Und die Antworten werden auch gegeben: unter anderem deshalb, weil im „verschlankten Staat“ in den Ministerien „Leihbeamte“ aus der Wirtschaft sitzen, die dort das in Gesetzesvorlagen schreiben – oder weiterleiten – was ihre Auftraggeber gerne in den Gesetzen stehen haben möchten.

Die „Drehtür“

Und auch hier wieder müssen wir lesen, dass „Rot-Grün“ ein Turbo-Beschleuniger dieses Phänomens war. So waren auch Minister a. D. Werner Müller und Minister a. D. Wolfgang Clement besonders markante Beispiele für den Hin- und Her-Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft, ja, und auch nicht zu vergessen, der Kanzler a. D. Gerhard Schröder! Aber natürlich werden es die „Schwarz-Gelben“ nicht weniger bunt treiben, sondern, wenn die Schleusentore nun schon mal geöffnet sind…!

„Sprengsatz Afghanistan“

Der Friedensnobelpreisträger Obama ruft mehr Soldaten zu den Waffen, um in Afghanistan zu kämpfen, und auch der erneute Ruf „the Germans to the front!“ ertönt. Da ist jede ehrliche und ungeschminkte Information über den Afghanistan-Krieg bitter nötig, um dem fortgesetzten Irrsinn die richtigen Argumente entgegensetzen zu können.

Sehr zu empfehlen ist hier von Christian R. Hörstel „Sprengsatz Afghanistan“ Knaur, München 2007, ISBN 978-3-426-78116-6, http://www.amazon.de/Sprengsatz-Afghanistan-Bundeswehr-t%C3%B6dlicher-Mission/dp/3426781166 ). Der Autor hat viel Zeit in Afghanistan verbracht, schon zu Zeiten des Kampfes gegen das sowjetische Militär, und hat viele persönliche Kontakte in fast alle Kreise des afghanischen Widerstandes. Seine klaren Worte ließen ihn zur journalistischen „Unperson“ werden. Er stellt unter anderem dar, dass die vielen zivilen Toten keine unbeabsichtigten „Kollateralschäden“ sind, sondern integraler Bestandteil der Strategie des US-Luftwaffengenerals Warden, der in der Zivilbevölkerung ein effizienteres Ziel sieht als im feindlichen Militär. Der Krieg erzeugt also durch die zivilen Opfer gerade Terrorbereitschaft, anstatt sie zu bekämpfen. Eine geordnete, verhandlungsbasierte (Verhandlung mit dem „Feind“) Beendigung ist nötig.

Hände weg von afghanischer Innenpolitik

Aber auch dabei warnt er vor gefährlichen Irrwegen: „Wer schließlich bei einem Neuansatz meint, er müsse von außen die afghanische Innenpolitik mitgestalten, begibt sich erneut auf den Weg der Niederlage“. Und: „Die Geschichte lehrt vielfach, wohin Großmachthybris führt, wenn sie lange durchgehalten wird. Immer und ohne Ausnahme“.

„Keine Chance für den Frieden“

Israel besteht nun seit sechzig Jahren und in die Feststellung, dass dieser Staat rund zweitausend Jahre Verdammung zur gefährdeten Diaspora-Existenz beendet hat, mischt sich die besorgte Frage, ob für die Palästinenser nun die Kopie dieses langen Schicksals vorgesehen ist. Gern wird vom Existenzrecht Israels gesprochen, kaum jemand spricht vom Existenzrecht eines Staates der Palästinenser. Warum das so ist, darüber gibt uns der Altmeister der Polit-Analyse, Noam Chomsky in seinem Buch „keine Chance für den Frieden, warum mit Israel und den USA kein Palästinenserstaat zu machen ist“ (Europa Verlag GmbH Leipzig, 2005, ISBN 3-203-76005-3, http://www.amazon.de/Keine-Chance-Frieden-Noam-Chomsky/dp/3203760053 ) so erschreckende wie ausführliche Antwort.

„Fremd in Zion“

Daniel Cil Brecher wurde 1951 in Tel Aviv geboren und wuchs in Deutschland auf. 1976 ging er nach Israel, um sich seiner jüdischen Identität zu vergewissern. Mit der Politik und der „Main Stream“-Haltung in Israel konnte er sich aus gutem Grund nicht identifizieren und kehrte 1986 nach Europa zurück. Seine schmerzlichen Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit der Unrechts-Politik den Palästinensern gegenüber stellt er eindrucksvoll in seinem Buch „Fremd in Zion, Aufzeichnungen eines Unzuverlässigen“ (DVA, München 2005, ISBN 3-421-05869-7, http://www.amazon.de/Fremd-Zion-Aufzeichnungen-eines-Unzuverl%C3%A4ssigen/dp/3421058687 ) dar.

„Die ethnische Säuberung Palästinas“

Wenn man wirklich wissen will, wie der Terror in den Nahen Osten kam und wer ihn gebracht hat, dann muss man dieses Buch des israelischen Historikers Ilan Pappé (Zweitausendeins, ISBN 978-3-86150-791-8, http://www.amazon.de/ethnische-S%C3%A4uberung-Pal%C3%A4stinas-Ilan-Pappe/dp/3861507919 ) lesen. Ilan Pappé ist einer der aufrechten, der Wahrheit verpflichteten Historiker und Schriftsteller Israels, die die Geschichte nicht nach den „Notwendigkeiten“ des zionistischen Projekts „ausrichten“ – ein Gerechter. Dieses zionistische Projekt hat zwei Mythen auf seine Fahne geschrieben: Israel war seit Beginn der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt und der Terror ist eine Sache der Palästinenser.

Zwischen den Zeilen kann man Pappés grenzenloses Erschrecken darüber sehen, dass wenige Jahre nach der Shoa jüdische Milizionäre und Soldaten des neugegründeten Staates Selektionen an palästinensischen Dorfbewohnern durchführten, „Männer“ im Alter von 10 bis 50 Jahren aussonderten und nicht wenige erschossen, ebenso wie Frauen, Kinder und alte Leute. Sein Erschrecken ist immens, dass geplündert und gebrandschatzt wurde, dass vergewaltigt und bombardiert wurde und dass Terror ohne Ende ausgeübt wurde. Dazu wurde sowohl auf dem israelischen Gebiet des UN-Teilungsplanes wie auf dem angestrebten Territorium offenbar mindestens soviel Energie aufgewandt wie auf den Kampf gegen die arabischen Truppen.

Bombenanschläge wie das Hineinschießen in mit Palästinensern besetzte Busse gehörten ebenso zum Repertoire dieser „sauberen“ Armee. Kein Wunder, dass Pappé für seine historischen Enthüllungen aus wichtigen Kreisen Israels Anfeindungen (bis hin zu Todesdrohungen) entgegenschlagen, die ihn dazu bewogen haben, nun in England zu leben und zu lehren. Er betreibt eine sehr informative Website (http://ilanpappe.com/).

Nicht ganz neu, aber umso wichtiger

Gern sehen sich die deutschen und europäischen Mainstream-Intellektuellen unterschiedlichster Grade (manche Kerze hält sich für einen Scheinwerfer), wenn sie denn einen minimalen humanistischen Anspruch aufrechterhalten, als Retter der Welt, für die sie Erhebliches zu tun glauben. Bewahren sie denn nicht Afrika vorm Verhungern und tun recht daran, nicht auf dem nach Mekka gerichteten Auge blind zu sein, um dann doch den “unbestreitbaren Tatsachen“ Rechnung zu tragen und die Afghanen vor ihrem eigenen Fanatismus zu bewahren. Und vielleicht muß man doch den Wildwuchs der Moscheen hier ein wenig steuern. Birgt nicht auch die neue LINKE. den Keim des Stalinismus´ in sich, insbesondere in Gestalt des Oskar Lafontain, der vehement die Beachtung des Mehrheitswillens fordert? Warum glauben nicht wenige Menschen solche Sachen?

Ein aufrechter Schweizer

Jean Ziegler war bis 1999 Nationalrat im Schweizer Parlament. Viele Bücher hat er geschrieben und sich als Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Nahrung den berechtigten Ruf der Unbeugsamkeit erworben. 2005 ist von ihm “Das Imperium der Schande“ (C. Bertelsmann Verlag München, ISBN 3-570-00878-9, http://www.amazon.de/Imperium-Schande-Kampf-gegen-Unterdr%C3%BCckung/dp/3570008789 ) erschienen. Sehr bestechend weist er nach, dass man für die Sicherung der gewaltigen Profite, die aus Ländern der “Dritten Welt“ gesogen werden, die Statthalter-Bourgeoisien darin bestärkt, sich aus dem Volksvermögen zu bedienen, sodass die Auslandsschulden oft recht genau zu den Summen der lokalen Statthalter auf Auslandskonten passen. Prägant seine Erkenntnis: “Das Imperium wiederum nützt den islamistischen Terror mit bewundernswerter Geschicklichkeit aus Seine Waffenhändler, seine Ideologen des Präventivkriegs ziehen eindeutig Gewinn daraus“ (S. 65). Auf der Rückseite des Umschlags aber vielleicht die wichtigste Aussage: “Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.“

Und wieder Chomsky

Wie kommt es, dass dies alles so wenigen Menschen bewusst ist? Der achtzigjährige Noam Chomsky, in Jahrzehnten vom renommierten Sprachwissenschaftler zum scharfsinnigen Analytiker der internationalen Politik geworden, gibt Aufschluss darüber, wie auch viele gutwillige Geister zu manipulieren sind. Er zeigt uns in seinem Buch “Media Control“ (Übers. Europa Verlag GmbH, März 2003, ISBN-Nr. 3-201-76015-0, http://www.amazon.de/Media-Control-Wie-Medien-manipulieren/dp/3492246532 ) die Mechanismen auf, über die Kapital und dem selbigen hörige Politik die meisten Medien zur hemmungslosen Manipulation und Errichtung einer Scheindemokratie benutzen.

Zur Geschichte: „Preußisches Liebesglück“

Ein Afrikaner in Berlin und seine Nachkommen

Ein preußischer Prinz entzieht sich den Folgen eines Totschlags durch die Flucht nach Ägypten und erhält dort als “Geschenk“ vom Vizekönig einen versklavten nubischen Jungen, den er später – es ist Gras über die Sache gewachsen – mit nach Berlin nimmt. Als August Albrecht Sabac el Cher wird dieser Leibdiener des Prinzen und schließlich Verwalter des Tafelsilbers. Bei aller Gruseligkeit der Geschichte hat sie aber auch eine glückliche Seite. Er heiratet und mit seiner Frau bekommt er einen Sohn und eine Tochter.

Der schwarze Kapellmeister

Dieser Sohn, Gustav,  macht eine militärische Musiker-Karriere und verlässt nach 24 Jahren, mit vielen Ehren versehen, den Militärdienst, um sein musikalisches Talent umfangreicher und lukrativer einsetzen zu können. Er feiert bedeutende Triumphe. Mit dem Dank des Vaterlandes ist es bei der Machtübernahme durch die Faschisten allerdings vorbei und seine Söhne – er selbst stirbt 1334 – werden trotz übelster rassistischer Anfeindungen nicht vor dem Militärdienst bewahrt. Der Jüngere fällt 1943. Der Ältere, Herbert, überlebt, erzählt aber seinen Kindern die Familiengeschichte nicht. Herberts Enkeltochter, wohl letzte Trägerin des Namens, erfährt ihre Geschichte erst aus diesem Buch: Preußisches Liebesglück, Propyläen-Verlag, ISBN 978-3-549-07337-7, http://www.amazon.de/Preu%C3%9Fisches-Liebesgl%C3%BCck-deutsche-Familie-Afrika/dp/3549073372 .

Andreas Schlüter

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