Libyen und die Arabische Welt: mit Feuer gegen Feuer?

Veröffentlicht: Februar 23, 2011 in Politik
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Kräftig lodern die Flammen der demokratischen Empörung gegen die imperial gestützten Potentaten in der Arabischen Welt. Die westlichen Brückenköpfe in Tunesien und Ägypten sind am Fallen und der „Flächenbrand“ ist in Gange. Mit dem „Fall“ Libyen taucht nun ein tendenziell anderes Bild des Aufruhrs auf: Ein offenbar nicht ausschließlich seitens des sich in den psychopatischen Bereich hinein bewegenden Bizarr-Potentaten gewalttätiges Bild mit echtem Bürgerkriegs-Potenzial!

Dass die Situation in Libyen wirtschaftlich, gesellschaftlich und historisch deutlich anders ist als in Tunesien und Ägypten ist, wird offenbar. Alte Stammes- und Konfliktlinien treten an die Oberfläche. Es drängt sich eine Parallele auf: Somalia. Auch dort etablierte sich ein relativ fortschrittliches und antiimperialistisches Regime (Barre) über traditionellen Stammesstrukturen, die „Massen“ in nicht geringem Maße mobilisierend, aber doch sehr bald auf recht autoritäres Verhalten gestützt. Nach Jahren bewegte sich das Regime auf den Westen zu, gleichzeitig wühlten die Saudis. Die Strahlkraft verblasste. Als Barre es zu sehr übertrieben hatte, brach der Bürgerkrieg aus, er hat bis heute kein Ende gefunden.

Mir will der Verdacht nicht aus dem Kopf, dass westliche Polit-Strategen aus dem Umgang mit „Buschfeuern“ gelernt haben könnten: Feuer bekämpft man mit Feuer! Die stark zivilgesellschaftlich gestützte Volkserhebung in vielen arabischen Gesellschaften, die in der westlichen Öffentlichkeit auch noch zunehmenden Zuspruch erhält, die US-Politik mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert und den israelischen Verbündeten in Panik versetzt, mit einem hässlichen Bürgerkrieg zu „krönen“, könnte westlichen Strategen als nützlich erscheinen. Die libysche  Ölindustrie ist größtenteils in staatlicher Hand, da ließe sich nach dem Chaos auch vielleicht was machen! Und der Ölpreis klettert erst mal, das gibt dem Dollar indirekt Auftrieb, denn er wird gebraucht. 

Die „Infrastruktur“ für entsprechendes Zündeln besteht seit dem Zusammenrücken des „neuen“ Freundes (und alten Freundes bizarrer Auftritte) mit dem Westen. Für die „Zweifronten-Aktionen“ zur Destabilisierung hat man einerseits die Wirtschaftskontakte und andererseits seine saudischen Verbündeten (zum religiösen Zündeln). Man muss sehr ernste Sorge haben.

Letztlich würde so ein Vorgehen wieder rundherum ins Bild der „Schock-Strategie“ passen, das Naomi Klein so beredt in ihrem gleichnamigen Buch beschreibt.

Andreas Schlüter

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