Wenn der Papst vom Katholizismus oder allgemein vom Christentum spricht, entschuldigt er sich dann zuerst einmal für die Abertausende, ja, Abermillionen, die unterm Kreuz zur vorgeblichen Bekehrung ausgerottet wurden? Wenn die Exporteure „westlicher Werte“ losschwadronieren, entschuldigen sie sich dann erst einmal für Kolonialismus, für Chile, für Vietnam, für Grenada, Ost-Timor oder gar den Irak und Afghanistan? Wenn die „Marktliberalen“ zu ihrer Litanei anheben, entschuldigen sie sich dann erst für die jahrhundertelange Existenz von Sklavenmärkten oder für die profitgesteuerte Lebensmittelvergiftung? Mitnichten!

Sie nehmen für sich in Anspruch, dass doch alles ganz anders gedacht sei. Aber, wenn jemand vom Kommunismus spricht, über den das Kommunistische Manifest beredte Auskunft gibt, sowie darüber, wie er gedacht sei, dann hat man sich zuerst einmal stundenlang dafür zu entschuldigen, dass mit der Bedrohung der Oktoberrevolution machtgierige Bürokraten zu terroristischer Macht gelangt sind, und die Vorstellung von der Befreiung der Masse der Ausgebeuteten und Unterdrückten im Stalinismus ins Gegenteil verkehrt haben. Und wie man aus einer berechtigten Revolution durch intensive Bedrohung das Gegenteil machen kann, darüber gibt George Orwells Roman „Animal Farm“ zeitlose Auskunft. Das hatten vorweg auch schon die regierenden Politiker der westlichen Staaten nach dem Ersten Weltkrieg  verstanden, die mit ihren Interventionsarmeen den „weißen Terror“ der Zarenanhänger ermöglichten, der schließlich den Terror des degenrierenden Revolutionssystems zum Stalinismus werden ließ. Man unterstelle mir nicht, den Stalinismus rechtfertigen zu wollen, er ekelt mich!

Und dann haben die US-amerikanischen Kapitalisten (Henry Ford war praktizierender Antisemit, der mit eigenen Schmähschriften aufwarten konnte) durch die Zusammenarbeit von Ford und General Motors das Nazi-Regime in die logistische Lage gebracht, den Europa zerstörenden Angriffskrieg zu führen, in dessen Schatten die „Endlösungs-Mordmaschinerie“ lief.

Wie sagte doch damals der Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler, der heute als geläuterter „Stuttgart-21-plus-Geist“ über den unruhigen Wassern des Bürgerprotestes schwebt, erst der Pazifismus der Dreißiger Jahre hätte Ausschwitz möglich gemacht. Edmund Stoiber behauptete schon im Oktober 1979 dreist, „Nationalsozialisten“, also die deutschen Faschisten, seinen in erster Linie Sozialisten gewesen, obwohl ihre Politik in besonderem Maße zum Ziel hatte, die Arbeiterschaft endgültig zu entrechten! Von dieser intellektuellen Qualität ist die Diffamierungskampagne gegen DIE LINKE, deren Vorsitzende Gesine Lötzsch bestimmt nicht taktisch, sondern mutig auf der „Rosa-Luxemburg-Konferenz“ das „K-Wort“ in den Mund genommen hat . Ihr wird nun von den bürgerlichen Parteien (zu denen die „Kriegs-Grünen“ gehören und die HARTZ IV-Sozialdemokraten, die längst die Worte ihres großen Vorsitzenden August Bebel vergessen haben, zählen) wider besseres Wissen unterstellt, sie wolle zu einem System wie weiland in der UdSSR, wie im (ziemlich haifisch-kapitalistischen) China oder gar – und ist´s auch Wahnsinn, hat es doch Methode – in Nordkorea!

Wie schäbig muss man sein, um sowas zu lancieren? Aber wie unwissend wird man gehalten, wenn man dieser Schmierenkomödie auf den Leim geht? Gehören nicht die Konservativ-Neoliberalen mit ihrer Atom-Politik, die dieses Land in seiner Existenz gefährden, unter Beobachtung und eigentlich wegen Landesverrats auf die Anklagebank? Nein, es ist die Empörung derjenigen, die sich die Früchte der Arbeit der großen Zahl von Menschen auf diesem Globus aneignen, darüber, dass die Opfer dieser Situation und allgemein sozial gesinnte Menschen nicht aufhören, sich Gedanken über mehr Gerechtigkeit und ein System machen, das eine Alternative zur Plünderung und Zerstörung unseres Planeten darstellen könnte.

Kann ein intellektuell nicht versauter Mensch wirklich glauben, dass die ökologische und klimatische Katastrophe und die soziale globale Katastrophe auf der Grundlage von Egoismus und Profitinteresse abgewandt werden können? Aber Journalisten und Moderatoren „ahnen“ sehr genau, was ihre Geldgeber wünschen und bedienen in vorauseilendem Gehorsam die verordneten Klischees.

Keine Frage, unter der Fahne vermeintlichen Kommunismus´ hat nicht nur die Perversion der sozialen Idee stattgefunden, es sind auch alberne intellektuelle Verkürzungen formuliert worden, wie ein platter Geschichtsautomatismus, eine Blindheit gegenüber den Unwägbarkeiten naturgeschichtlicher Art (man wusste zu Marx´Zeiten noch nicht so viel über astrophysikalische Gefahren wie Asteroiden) und Ähnliches. Aber auch da ist klar: auch diese Gefährdungen der Menschheit lassen sich auf der Grundlage von Egoismus und Proftinteresse nicht minimieren. Ja, unter bestimmten Bedingungen kann die Menschheit in die Steinzeit zurückfallen, aber die diesbezügliche Moral wird schon hoffähig gemacht. Nein, wenn wir von „Menschheitsinteressen“ reden, dann kann nicht das Interesse von superreichen Kapitalbesitzern und hohen Funktionsträgern gemeint sein, sondern das der Masse der Menschen.

Ein spezieller Skandal aber findet in unserer Partei (DIE LINKE) statt. Dort wühlt sich ein Häuflein von Leuten zu immer mehr Einfluss, denen die kommerzmediale Etikettierung der „Koalitions- und Regierungsfähigkeit“ und die Beachtung der „Staatsraison“ das Wichtigste sind. Wenn diese Leute über GenossInnen herfallen, die die „Systemfrage“ ernsthaft stellen, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich unter ihnen eine ganze Reihe von Leuten befinden, die in der DDR besonders gut gelernt hatten. Sie reden auch der neuen Macht sehr gerne nach dem Munde ( wie auch einige von gewerkschaftlicher Degeneration angkränkelte „West-Linke“). Oftmals gehen ihnen dabei „Radikalinskis“ zur Hand, die DIE LINKE nur als Instrument der Chaotisierung begreifen und ein problematisches Verhältnis zum Recht haben, zur Hand. Und ich glaube, der politische Gegner braucht gar nicht viel an „Beobachtung“ bei uns, denn es gibt kaum eine Partei, deren Geschehen so durchsichtig ist, wie DIE LINKE. Aber das heißt nicht, dass man nicht „an uns arbeiten“ würde. Sie haben schon ihre Handlanger bei uns, in Form von Einflussagenten, teils des Typs „Entpolitisierer“, teils des Typs „Agent Provocateur“, die Ideen und Slogans verbreiten, die man uns dann um die Ohren haut (damit meine ich nicht, dass es nicht ehrenhaft sei, eine andere Meinung zu haben). Wir werden damit fertig werden müssen! Wer aber bei uns Gesines Äußerungen benutzt, um die Position unserer Vorsitzenden zu schwächen, der tut nicht nur unserer Partei keinen Gefallen, sondern er beschädigt das Anliegen, mehr Gerechtigkeit zu erstreiten.

Was es mit Freiheit, Gerechtigkeit und „Kommunismus“ auf sich hat, das haben damals die widerlichen Verfechter der rassistischen Apartheid-Politik in Südafrika „gut“ begriffen. Sie bekämpften das Bemühen, Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit für die schwarze Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung zu erstreiten, und den ANC mit Mandela unter dem Schirm des „Anti-Communism-Act“! Und genau darum geht es Henckel, Hundt und Ackermann sowie ihren politischen Spießgesellen, erst die Definition: „Kommunismus ist das Böse schlechthin“ und dann: der Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit ist letztlich Kommunismus! das letztere mag stimmen (auch wenn eine ganze Reihe von unseren Genossinnen und Genossen das gute Recht haben, das nicht so zu sehen), aber wir alle müssen gleich sagen: wenn Christentum nicht gleich Ausrottung und Hexenverbrennung ist, wenn „europäische Werte“ nicht gleich Ermordung Lumumbas und gleich Vietnamkrieg sind, wenn Marktwirtschaft nicht gleich Sklavenmarkt ist, dann ist Kommunismus auch nicht gleich Gulag! Also Schluss mit der Begriffsfledderung!

Wir wollen Gerechtigkeit und Gleichheit der Chancen auf Teilhabe, „Liberté, Égalité et Fraternité!“. Aber das ist ja die Vorbereitung auf die Guillotine, hahaha!

Andreas Schlüter

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