Randlöcher in der Himmelsscheibe von Nebra

Veröffentlicht: Dezember 23, 2010 in Wissenschaft
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die von der Himmelsscheibe ausgehenden Faszination hat nicht nachgelassen und eine wichtige Frage harrt auf jeden Fall noch ihrer Beantwortung: Wie steht es um die Bedeutung der Löcher am Rande der Scheibe?

himmelsscheibe

Die verbreitete Annahme, die Löcher könnten der Befestigung auf einer Unterlage gedient haben, scheint mir wenig einleuchtend, denn dafür hätte eine sehr geringe Zahl von Löchern ausgereicht. Es scheint mir dagegen diskussionswürdig, dass die Löcher etwas mit dem Verlauf des Benutzungsendes zu tun haben. Dafür spricht auch die recht brutale Einfügung der Löcher, die ohne Rücksicht auf die funktionellen Applikationen vorgenommen wurde.

Wie in der jüngsten Vergangenheit mehrfach diskutiert, hat die Benutzung der Scheibe wohl durch die Folgen eines Vulkanausbruchs (Santorin, möglicherweise war auch ein Vulkan in Alaska beteiligt) ihr Ende gefunden, da durch einen Ascheschleier eine ordentliche Himmelsbeobachtung nicht mehr möglich war. Darüberhinaus wird der Ascheschleier vorübergehend auch zu ernster Klimaverschlechterung geführt haben.

Sowohl die unmöglich gewordene Himmelsbeobachtung wie die Folgen für die Landwirtschaft werden die Menschen zu großer Verzweiflung und dem Versuch getrieben haben, „den Himmel wieder gnädig zu stimmen“. Es erscheint mir plausibel, dass man versucht haben könnte, den Himmel gerade mittels der Scheibe anzurufen. Dafür könnte die Benutzung der Scheibe als Klangkörper geeignet erschienen sein. Man könnte die Scheibe mit einer zickzackförmig durch die Löcher geführten Schnur in ein reifenartiges Gestell gespannt haben (so, wie man Trommelfelle zu spannen pflegt). Die Scheibe könnte dann in dieser Aufhängung schwingend als Gong gedient haben, mit dessen Stimme die himmlischen Mächte angerufen wurden. Als auch dieses nicht fruchtete, mag es zur rituellen „Beerdigung“ der Scheibe gekommen sein.

Das Fehlen des linken Beschlages sowie die „Ausfransung“ des Randes an den Löchern links scheinen diese Deutung zu stützen. Es könnte durch die schwingungsmäßige Beanspruchung zu einer Ablösung dieses Beschlages, der etwas über den Rand der eigentlichen Scheibe geragt haben mag (sodass die Löcher links auf der Scheibe nur als Einkerbungen erscheinen), gekommen sein. Mit diesem „Versagen“ des Gerätes beim „letzten Versuch“ mag sein Schicksal endgültig besiegelt gewesen sein.

Ergänzend zu Auswirkungen von Vulkanausbrüchen selbst auf der anderen Seite des Globus´: In unserer Familie gibt es Berichte, die ähnliche Folgen für die Landwirtschaft im Zusammenhang mit einem Vulkanausbruch jüngeren Datums nahelegen. Einer unserer Verwandten (Jahrgang 1875) erzählte häufig von einer denkwürdigen Entwicklung, die er als Schuljunge in der Wilstermarsch erlebt hatte. Einhergehend mit farblich spektakulären Sonnenauf- und Untergängen erfroren im Frühsommer die Kartoffelpflanzen (ein Beispiel, die Kartoffel gab es hier zur Zeit der Himmelsscheiben-Benutzung ja natürlich nicht) auf dem Feld, unzählige Schaflämmer erfroren ebenfalls, was zu einer dramatischen Verteuerung der Lebensmittel führte. Wir halten einen Zusammenhang mit dem Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 für gegeben.

Die oben dargestellte Deutungsmöglichkeit für die Randlöcher ist mir nach etwa zweijährigen intensiven Überlegungen in den Sinn gekommen. Eine geraume Zeit hatte ich die Idee verfolgt, dass die Löcher wegen ihrer hohen Zahl für Markierungen (im Zusammenhang mit der ursprünglichen Funktion) gedacht seien, und ich habe lange über der Zahl der Löcher gebrütet, die ich trotz der Randbeschädigungen mit 39 veranschlage (das Mittel der Entfernungen zwischen den Löchern berücksichtigend). Auch in Kenntnis der Diskussion über die wahrscheinliche Beteiligung von Klangdarbietungen an vorgeschichtlichen Ritualen kam mir dann aber der Gedanke, dass die Scheibe in der beschriebenen Weise umfunktioniert worden sein könnte.

Andreas Schlüter

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra

http://www.himmelsscheibe-erleben.de/der_fundort_der_himmelsscheibe/

http://www.lda-lsa.de/himmelsscheibe_von_nebra/

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